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28.08.2017, Krefeld

Krefeld beteiligt Jugendliche bei der Steuerung der Präventionskette

„Die Betroffenen beteiligen“. Ein Leitsatz, den man schon oft gehört hat. Krefeld setzt ihn um. In der Steuerungsgruppe der kommunalen Präventionsarbeit der Stadt sitzen zwei Vertreter des Jugendbeirates.

Marius Drozdzewski ist 18 Jahre alt und seit dem Herbst 2016 Mitglied des Jugendbeirats. Frederic Koch ist 17 Jahre alt und schon seit Oktober 2014 im Jugendbeirat. Zuletzt hat er bereits im Jugendausschuss die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertreten. Die beiden Vertreter des Jugendbeirats verstehen ihren Job in der Steuerungsgruppe der Präventionskette in Krefeld nicht als Beisitzer. Sie wollen sich aktiv beteiligen und die Präventionsarbeit mitgestalten.

Mit welchem Ziel haben Sie sich für die Mitarbeit in dieser Steuerungsgruppe entschieden? Welche konkreten Vorschläge können Sie in dieses Gremium der Verwaltung einbringen?

Drozdzewski :
Ein ganz konkretes Ziel, das wir auch von den Jugendlichen mitbekommen haben, ist die Förderung von Jugendzentren. Das ist, glaub ich, das drängendste Thema. Für vieles andere bekommt man die Mittel. Wir haben ja ein gewisses Budget. Aber Dinge, wie ein Jugendzentrum, ist nichts, was der Jugendbeirat finanzieren kann. Das ist etwas, was aus den Mitteln der Kommune oder des Landes kommen muss. Das Thema ist deshalb sehr drängend, weil es die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen sehr stark betrifft. Und es stimmt überein mit dem größten Ziel von "Kein Kind zurücklassen!": die Kinder und Jugendlichen da abzuholen, wo sie gerade sind. Deshalb sind die Jugendzentren unser größtes Ziel.

Ein weiteres Ziel ist die Förderungen von Jungen und Mädchen, von Hochbegabten oder auch weniger begabten Schülern. Jeder hat Schwächen und Stärken. Es geht um die Förderung in den Schulen und auch in den Kindergärten. Wobei sich der Jugendbeirat tatsächlich ja eher für die Grundschulen und weiterführenden Schulen und später auch für die Hochschulen und Ausbildungsplätze engagiert. Das beschäftigt uns sehr stark.

Koch:
Gerade im Bereich der Bildung ist es für uns aber vor allem wichtig, die Quote der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher zu senken. Ich komme selber vom Berufskolleg und merke da ganz oft, dass Schülerinnen und Schüler wegen einer schlechten Beratung in einem falschen Bildungsgang landen. Sie merken dann erst mittendrin: "Okay, das ist vielleicht doch nichts für mich". Und dann brechen sie ab. Deswegen ist auf jeden Fall eine Beratung innerhalb der Schule wichtig. Zum Beispiel durch das Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss", wo man sich schon früh fragt: "Was möchte ich eigentlich später mal machen?". Dann kann man seinen weiteren Bildungsweg noch darauf abstimmen.

Weiter sind aber auch auf jeden Fall die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologie wichtige Themen, wo aber die Finanzierung noch nicht ganz feststeht. Aber gerade wenn es um den Bereich Beratung geht, ist die Schulsozialarbeit sehr wichtig.

Wie stellen sie sich ihren konkreten Part hier in der Steuerungsgruppe vor. Also welche Chancen ergeben sich dadurch dass sie hier sitzen?

Drozdzewski:
Ich denke, rein fachlich können wir nicht so viel zu den Dingen sagen, wie die Mitarbeiter aus den einzelnen Bereichen. Was wir, glaube ich, repräsentieren und einbringen können, was die anderen vermutlich weniger können, ist die direkte Perspektive der Jugendlichen. Also wir können tatsächlich direkt rückmelden, was war die Reaktion der Jugendlichen, die wir als Vertreter des Jugendbeirats vertreten. Wie hat der Jugendbeirat darauf reagiert? Aber wir können auch Themen weitertragen. Wir können also als Multiplikatoren der Angebote fungieren. Wir können aber auch die Meinung der verschiedensten Jugendlichen hier wieder einbringen. Ich denke, das ist unsere größte Aufgabe. Da direkt eine Rückmeldung zu geben. Ist das Etwas, das Jugendliche ansprechen würde, was bei Jugendlichen funktioniert? Oder ist das Etwas, was von Erwachsenen gemacht wurde, aber eben nicht für Jugendliche, sondern über ihren Kopf hinweg.

Da schließt sich die nächste Frage an. Welche Hürden sehen sie denn in der Präventionsarbeit? Haben sie eine Idee, warum es so schwierig ist, mit den Angeboten gerade die zu erreichen, für die sie gemacht sind?

Drozdzewski:
Wenn Jugendliche heutzutage aufwachsen, dann schaffen sie sich häufig ihren eigenen Bereich. Das ist meistens nicht der Bereich, in dem man als Stadt oder Regierung oder als staatliche Institution präsent ist. Da kommt man nicht rein in den Bereich. Das sind meistens sehr abgeschlossene Gruppen. Gerade bei denjenigen, die wir gerne erreichen würden, sind das Bereiche, wie das eigene Zuhause oder bestimmte Gruppen und soziale Netzwerke oder Online-Spiele, wo man natürlich gar kein Zugriff hat. Und es ist schwierig, die Menschen wieder raus zu bekommen, aus den sehr engen und möglicherweise auch einschränkenden Gruppen, um ihnen neue Möglichkeiten zu zeigen und die ganzen Angebote überhaupt vertraut und möglicherwiese auch schmackhaft zu machen. Das ist, glaub ich, das größte Problem. Und das ist auch das, weshalb wir alle hier sitzen und uns überlegen, was würde den Leuten überhaupt denn gefallen. Und wie kommen wir dahin, denen zu zeigen: "Hey, wir haben hier was, was euch vielleicht interessieren könnte."

Koch:
Ich glaub aber auch, dass wir den Multiplikatoreneffekt brauchen, um mehr Jugendliche erreichen zu können. Dass man eben nicht nur oben vom Jugendamt kommt und sagt: "Hey, guckt mal. Diese Angebote gibt's." Denn, ich glaube, dann klingt das gleich schon nicht so cool, wie es eigentlich ist. Sondern es ist viel besser für Jugendliche, wenn Leute in ihren eigenen Alter auf sie zukommen und sagen: "Ey, hättest du nicht Bock da drauf? Wäre das nicht was für dich?" Das kann in Jugendzentren sein oder in Schulen. Aber dass das eben nicht so von oben nach unten ist, sondern auf einer Ebene - ja eben dieser Peer-Effekt.

Die Beteiligung an einer Steuerungsgruppe bedeutet Arbeit und Engagement. Das könnte sich für einen Jugendlichen auch erstmal trocken anhören. Woraus nehmen Sie für sich persönlich die Motivation?

Koch:
Ich bin seit Oktober 2014 im Jugendbeirat - also schon eine ganz lange Zeit. Ich war zuletzt jetzt im Jugendhilfeausschuss und habe da die Interessen von allen Kinder und Jugendlichen hier in Krefeld vertreten. Ich hab mich aber auch schon vorher woanders engagiert. Ich war 2 ½ Jahre lang im Landesvorstand der LandesschülerInnenvertretung in Nordrhein-Westfalen. Da stand für mich auch immer das Thema Chancengerechtigkeit, aber auch Partizipation von Jugendlichen im Mittelpunkt. Und deswegen freue ich mich, dass ich jetzt hier auch in der Steuergruppe mitarbeiten darf und mich auch hier für ein chancengerechteres Krefeld einsetzen darf.

Drozdzewski:
Ich bin noch nicht so lange wie Frederic beim Jugendbeirat, aber schon seit Herbst letzten Jahres. Und für mich war es ganz interessant den Jugendbeirat neu aufzubauen. Wir haben wirklich vom leeren Blatt Papier wieder angefangen. Wir haben das Ganze neu erfunden. Und wir haben uns als Jugendbeirat neu gefunden, weil die Beteiligung der letzten Jahre eben sehr schwach war. Jetzt haben wir wieder eine sehr schlagkräftige Gruppe. Wir haben über 30 Jugendliche, die sich jetzt wieder engagieren. Daraus haben wir einen sechsköpfigen Vorstand gewählt, um handlungsfähig zu bleiben. Wir haben viele tolle Projekte, die sehr gut zu "Kein Kind zurücklassen!" passen. Weshalb wir beide uns auch sehr gefreut haben, dass wir uns jetzt hier engagieren können, weil unsere Projekte so gut hier rein passen. Das ist auch meine Motivation dabei.

Ich selber beginne Ende des Jahres erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland und studiere danach in Berlin. Also für mich selbst sind die Resultate nicht mehr relevant. Mich selbst betrifft es nicht mehr direkt. Aber für mich ist es wichtig, eine funktionierende Struktur aufzubauen. Deswegen vertrete ich auch hier bei "Kein Kind zurücklassen!" die Interessen. Damit der Jugendbeirat in ein paar Jahren wirklich auch ein sehr aktives und respektiertes Organ der Jugendvertretung ist. Und niemand ihn übergehen kann. Oder ein Beirat, dessen Meinung zwar nett ist, der aber wenig Einfluss auf das hat, was tatsächlich passiert.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

Opens external link in new windowZum Interview mit Jugendamtsleiter Markus Schön.