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27.09.2017, Köln

„Projekte enger zusammenbringen“

Mehr als 130 Expertinnen und Experten trafen sich am 27. September in Köln, um über das Thema Kinderarmut zu diskutieren. Dezernent Bahr-Hedemann, Leiter des Landesjugendamtes Rheinland, freute sich über das große Interesse am Kinderarmutskongress 2017, ausgerichtet durch den Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).

In seinen Eröffnungsworten unterstrich Bahr-Hedemann die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten". Er begrüße das Festhalten an dem Thema Prävention durch die neue Landesregierung und erhoffe sich für die Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit in den Projekten des LVR und der Landeskoordinierungsstelle.

Im Hinblick auf die inhaltliche Ausrichtung des Kongresstages definierte er den Kinderarmutsbegriff als strategischen Leitbegriff, der insbesondere die Jugendarmut miteinbeziehe. Es gälte die Risiken und Lebenslagen ins Auge zu fassen, die sich gegenseitig bedingen und zur Armut unter Kindern und Jugendlichen führe.

Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge forderte eine drastische Veränderung im Umgang mit dem Problem Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. In seinem Vortrag "Arme Kinder in einem reichen Land: Erscheinungsformen, Entstehungsursachen und Gegenmaßnahmen" machte er deutlich, warum das Thema schwer vermittelbar ist. Er unterschied dazu den Begriff der absoluten Armut, eine lebensbedrohliche Situation durch die Abwesenheit von Obdach, Nahrung und Medizin, von dem Begriff der relativen Armut, die in einem reichen Land, wie Deutschland das Problem ist. Die Menschen können ihre Grundbedürfnisse zwar befriedigen, sie können aber nicht teilhaben, an Dingen, die für die anderen in dieser Gesellschaft normal sind. Sie haben wenig Chancen, sich aus dieser Situation zu befreien und aufzusteigen. Diese soziale Ungleichheit könne erniedrigender und verletzender wirken, als die absolute Armut in ärmeren Ländern, so Butterwegge. Sie wirke entsolidarisierend und dürfe von unserer Gesellschaft nicht verharmlost oder beschönigt werden.

Doch auch die Wege aus der Armutsspirale (Definition nach Prof. Dr. Johannes Schütte) wurden beleuchtet und diskutiert, unter anderem durch Armutsforscherin Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.. Sie sprach über das "Engagement gegen Kinderarmut - das kommunale Handeln für die Zukunft". In ihrem Vortrag stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Menschen unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft aus der Spirale aus Negativerfahrungen nicht mehr herauszukommen. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln.

Ein persönliches Beispiel für den Weg aus der Armutsspirale lieferte die Studentin Julia Schmid, die es mit der Unterstützung eines Talentscouts der Westfälischen Hochschule aus einer schwierigen Kindheit und benachteiligten Ausganslage zu einem Jurastudienplatz in Köln geschafft hat. Sie berichtete über ihre eigenen Erfahrungen und zeigte auf, wie "Teilhabe trotz Hindernissen" umgesetzt werden könne.

Einen Film über die Geschichte von Julia Schmid finden Sie in der Mediathek des WDR.