kein-kind-zuruecklassen.de: Aktuelles https://www.kommunale-praeventionsketten.de/ Aktuelle Informationen aus Kein Kind zurücklassen! de kein-kind-zuruecklassen.de: Aktuelles https://www.kommunale-praeventionsketten.de/fileadmin/default/templates/img/icon_newsfeed.gif https://www.kommunale-praeventionsketten.de/ 16 16 Aktuelle Informationen aus Kein Kind zurücklassen! TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 22 Nov 2019 09:30:00 +0000 Informationsveranstaltung "Guter Start NRW" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/informationsveranstaltung-guter-start-nrw/ Infos zum Onlineportal Am 1. August 2019 startete das Onlineportal „Guter Start NRW“, das auf dem Onlinesystem Frühe Hilfen aufbaut und dieses um Angebote der Altersgruppe vier Jahre bis zum Schuleintritt erweitert. Das Familienministerium bietet nun gemeinsam mit den Fachberatungen Frühe Hilfen der Landesjugendämter Rheinland und Westfalen-Lippe eine Informationsveranstaltung zum Onlineportal an.

Diese richtet sich an alle Kommunen, die beabsichtigen, Familienportale neu einzurichten oder das bestehende Onlinesystem Frühe Hilfen zu erweitern. Ziel ist, Eltern mit Vorschulkindern sowie die Fachkräfte vor Ort in ihrer Lotsenfunktion besser zu unterstützen, indem die Onlinesuche nach örtlichen Unterstützungsangeboten, Kontaktadressen und Ansprechpartnern möglichst leichtgemacht wird. Perspektivisch soll das Suchportal Angebote bis zum Übergang Schule/Beruf umfassen.
Neu ist ein internes Planungstool für die kommunale Jugendhilfeplanung, über das Lücken in den lokalen Unterstützungsangeboten für Familien besser identifiziert werden können. Im Rahmen der Veranstaltung werden Sie die Funktionen des Onlineportals „Guter Start NRW“ kennenlernen und beispielhaft seine Implementierung in der Stadt Düsseldorf vorgestellt bekommen.

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Neue Förderrichtlinie für präventive Maßnahmen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/neue-foerderrichtlinie-fuer-praeventive-massnahmen/ Nachmittage mit Kunst, ein Ausflug in den Zoo oder neue Gruppenangebote - Einrichtungen und Vereine... Im letzten Jahr hat die Stadt Krefeld, zusätzliche Mittel vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration zur Unterstützung von Maßnahmen im Bereich „Kommunale Präventionsketten“ erhalten. Alle NRW-Kommunen hatten die Möglichkeit, diese Mittel zu beantragen. Eingesetzt hat die Kommune Krefeld sie für präventive Zwecke im Quartiersprojekt „Rund um Bleichpfad“. „Im letzten Jahr waren es keine großen, aber dennoch sehr wirkungsvolle Aktionen“, sagt Silke Tophoven. „Es wurden zusammen Ausflüge gemacht und Eltern eingebunden. Die Kontakte verstärken sich aber dadurch natürlich und Fachkräfte können nochmal eine ganz andere Gesprächsebene eröffnen.“ Die Zusatzmittel erlaubten dem Kooperationspartner für die offene Ganztagsschule in den Herbstferien eine Kunsttherapeutin einzuladen und eine kulinarische Weltreise als gemeinsames Kochen mit den Eltern zu veranstalten. Das Familienzentrum hat mit Kindern und Eltern den Zoo besucht und das Jugendzentrum in den Herbstferien mit Familien aus dem Quartier einen Ausflug mit Übernachtung unternommen –  ganz ohne Eigenanteile. Auch eine im Quartier ansässige Familienbildungsstätte konnte so einen Ausflug mit einer Gruppe geflüchteter Frauen und ihren Kindern finanzieren. „Das waren eben Dinge, die über das Übliche, was sonst so gefördert werden kann, hinausgehen. Vor allem im Bereich Teilhabe“, sagt die Koordinatorin für Kommunale Präventionsketten in Krefeld, Silke Tophoven.

Seit 2017 nimmt die Stadt Krefeld an der Landesinitiative „Kommunale Präventionsketten NRW" teil. Ihr Ziel ist der Aufbau einer Kommunalen Präventionskette von der Schwangerschaft bis zum erfolgreichen Eintritt in das Berufsleben. Die Bereiche „Beratung", „Gesundheit" sowie „Bildung & Qualifizierung" stehen dabei in Krefeld im Fokus. Kinder, Jugendliche und ihre Familien sollen durch passgenaue Unterstützungsangebote erreicht werden, getreu dem Motto: Ungleiches, ungleich behandeln. Diesem Grundsatz nach, sollen mit der neuen Förderrichtlinie vorrangig Maßnahmen in solchen Quartieren und Stadtteilen gefördert werden, die einen erhöhten Präventionsbedarf aufweisen. Für die Umsetzung der Kommunalen Präventionskette in der Stadt Krefeld liegt ein Schwerpunkt auf der Armutsfolgenprävention. Die Maßnahmen sollen nachhaltige Formen und Ansätze der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern beinhalten und sozialraumorientiert ausgestaltet sein.

Dies sei im letzten Jahr in dem ausgewählten Quartier schon erfolgreich gestartet, sagt Silke Tophoven. Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren vor Ort habe hinsichtlich der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einen Anschub bekommen. Mit Blick auf das letzte Jahr sagt die Koordinatorin „Was wir auf jeden Fall erreicht haben, ist die sozialräumliche Umsetzung anzustoßen. Das heißt, wir haben ein Quartier in den Blick genommen und dann haben wir Angebote vorgehalten, die den Menschen und Einrichtungen im Quartier zugute kamen. Wir versuchen zielgenauer und nachhaltiger zu unterstützen“. Das Quartier wird individuell in den Blick genommen, Ressourcen und Herausforderungen werden identifiziert und Akteure vernetzt und unterstützt. Dies soll auch Modellcharakter für andere Quartiere haben.

Was im letzten Jahr im Kleinen begann, soll jetzt größer werden. Der Jugendhilfeausschuss hat der Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zum Aufbau und zur Umsetzung der Kommunalen Präventionskette in Krefeld im Mai 2019 zugestimmt. Die Richtlinie geht auf eine Initiative von Sonja Pommeranz, Leiterin des Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung zurück, wurde von der Verwaltung ausgearbeitet und mit dem Lenkungskreis der Kommunalen Präventionsketten abgestimmt.

Gestützt auf kleinräumige Sozialdaten hat die Kommune in diesem Jahr weitere Quartiere in der Innenstadt identifiziert, in denen mehr Familien leben, die Unterstützung benötigen als in anderen Quartieren. Träger in diesen ‚Quartieren mit Präventionsbedarf‘ dürfen bevorzugt Mittel beantragen, um größere und kleinere Maßnahmen durchzuführen. „Es ist ein Testballon. Wir wissen noch nicht, wie das angenommen wird“, sagt Tophoven. „Das können einmalige Sachleistungen sein, aber auch kleinere oder größere Projekte.“ Zusätzliche Förderung können auch Maßnahmen erhalten, die zur Erfüllung der im Rahmen des Meilensteinplans „Kommunale Präventionsketten“ formulierten Ziele beitragen. So wurde im letzten Jahr ein zusätzliches Bewegungsangebot einer Grundschule gefördert, das zur Erfüllung der formulierten Ziele im Bereich Gesundheit beiträgt.

Der zusätzliche Fördertopf für kleinere und größere präventive Maßnahmen, findet Tophoven, „schafft Luft für Innovation und Kreativität“. Sie wünscht sich von der Politik: „Es wäre gut, wenn eine generell auskömmliche Finanzierung für präventive Maßnahmen, bestehen würde.“

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„Gemeinsam Prävention besser machen - Soziale Teilhabe anregen und ermöglichen“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/gemeinsam-praevention-besser-machen-soziale-teilhabe-anregen-und-ermoeglichen/ war das Thema des 23. Lernnetzwerktreffens am 29. August 2019 in Duisburg. Initiates file downloadAgenda des Tages

Familiendezernent Thomas Krützberg der Stadt Duisburg begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter der vierzig Projektkommunen der "Kommunalen Präventionsketten Nordrhein-Westfalen".

"Netzwerkarbeit ist das, was uns weiterbringt", eröffnete Krützberg das Treffen.

Dafür bedürfe es einer Kooperation auf Augenhöhe, um gemeinsam über den Tellerrand zu gucken. Denn insbesondere das Entwickeln einer passgenauen Präventionskette sei eine Aufgabe, die man alleine nicht stemmen könne.

Ilona Heuchel, Geschäftsführender Vorstand des Instituts für soziale Arbeit e.V. (ISA), führte durch das gut besuchte Lernnetzwerktreffen, was nicht nur den Anspruch hatte, inhaltliche Impulse zu setzten, sondern auch Raum für den interkommunalen Austausch bieten sollte.

Bindeglied zur Landesebene war an diesem Tag Marco Becker aus dem Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, der zum Sachstand der Konzeptentwicklung "Soziale Prävention für Kinder und Jugendliche in NRW" referierte, deren Ziel ein lückenloses Unterstützungssystem sei. Hierzu soll das Projekt auf ganz Nordrhein-Westfalen erweitert werden.

Zum eigentlichen Kongressthema "Soziale Teilhabe" leistete Professor Dr. Susanne Spindler von der Hochschule Düsseldorf den ersten inhaltlichen Beitrag.

"Kanaken dürfen ihre Kippen wegschnippen" war der provokante Titel ihres Vortrags, der die Problematik von Differenz(setzung)en in der Sozialen Arbeit beleuchtete.

Spindler forscht im Fachbereich Soziale Arbeit und Migration und wies mit Ihrer Präsentation auf das Dilemma hin, in dem sich die pädagogische Arbeit heute befindet, wenn sie Benachteiligung und Ausgrenzung entgegenwirken will: Einerseits will sie Differenzen berücksichtigen, andererseits nicht auf bestimmte Differenzen reduzieren.

Um dieses Dilemma zu unterstreichen, schloss Spindler ihren Vortrag mit einem Zitat der Dichterin Pat Parker: Für die Weiße, die wissen möchte, wie sie meine Freundin sein kann. Erstens: Vergiss, dass ich schwarz bin. Zweitens: Vergiss nie, dass ich schwarz bin.

Initiates file downloadPräsentation von Professor Dr. Susanne Spindler

Das gleiche Dilemma spiegelte sich auch zweiten Fachvortrag wieder. Professor Dr. Karim Fereidooni von der Ruhr-Universität Bochum sprach über "Alltagsrassismus in Gesellschaft und Schule" und konnte dabei auch aus eigener Berufserfahrung berichten. Fereidooni arbeitete zunächst als Lehrer an einem Gymnasium im nördlichen Ruhrgebiet, bevor er Juniorprofessor an der Ruhr-Universität Bochum in der Fakultät Sozialwissenschaften wurde.

"Rassismus erwerben wir als Wissen", stellte Fereidooni in seinem Vortrag fest.

Er werde erlernt und reproduziert. Und dass nicht von einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe, sondern unabhängig von der Bildungs- und Einkommensschichten. Sein Fazit: Menschen können nur dann rassismuskritisch agieren, wenn sie sich lebenslang mit dem eigenen rassistischen Wissen auseinandersetzen. Dafür müsse man das Professionsprofil von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erweitern. Ziel solle es sein, Rassismus zu verlernen.

Initiates file downloadPräsentation von Professor Dr. Karim Fereidooni

Zum Abschluss des Tages bekamen die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen noch ein paar praktische Informationen mit auf den Weg. Sophie Rüberg von der BMS Consulting stellte das neue Online-Tool "Guter Start NRW" vor. Dabei handelt es sich um einen Online-Service, der alle Angebote für Eltern mit Kindern bis zum Schuleintritt bündelt und vom Familienministerium für die Kommunen zur Verfügung gestellt wird.

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Jede Sprache ist ein Schatz: Bulgarisch-Deutsche Puppentheaterlesung https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/jede-sprache-ist-ein-schatz-bulgarisch-deutsche-puppentheaterlesung/ Lupo und Tumba, ein Hund und ein Waschbär, sprechen Bulgarisch und Deutsch: Wie die Kinder, die die...
Das übliche Getümmel am Neumarkt: Busse, Bahnen, Rad-, E-Rollerfahrer und Passanten drängen kreuz und quer durcheinander an diesem heißen Sommertag.  In der Kölner Stadtbibliothek auf der Ecke, im Untergeschoss in der Kinderabteilung, ist es hingegen schön kühl und gerade ganz still. Ein Junge führt die Lippen an seine Klarinette und spielt eine kleine Melodie. Zeitgleich erheben sich Lupo und Tumba über einen kleinen Vorhang und begrüßen zwanzig staunende Kinder und ihre Eltern zu einer Puppentheaterlesung.

„Steh auf Tumba, genug geschlafen!“, sagt der langnasige Puppenhund zum dicken Waschbären: „Ich schlafe nicht! Lupi, ich horche am Kopfkissen!“ entgegnet der freche Tumba. Das wiederholen die beiden Puppentiere noch einmal auf Bulgarisch. Dann fragt Hund Lupo wieder auf Deutsch: „Tumba, auf dem Boden des Glases war vorhin noch ein wenig Marmelade, wie kommt es, dass sie jetzt weg ist?“ Der dickbäuchige Waschbär hat eine gute Erklärung: „Nun ja, ich habe sie gerettet! Wenn jemand am Boden ist, lässt man ihn ja nicht liegen, man hilft ihm hoch!“ Es folgt die bulgarische Übersetzung und wieder ein kleines Klarinettenspiel.

In den Puppen stecken Kinderhände, abwechselnd die von Monika, elf Jahre alt und Schülerin der fünften Klasse, und ihren jüngeren Schulkameraden und -kameradinnen Nikola, Stefan und Mila aus der dritten Klasse der bulgarischen Konsulatsschule „Az Buki Vedi“. Sie wurde 2009 auf Initiative von Eltern und mit Unterstützung der diplomatischen Vertretungen Bulgariens in Bonn und Frankfurt am Main geründet.  Der Unterricht in bulgarischer Sprache, Literatur und Landeskunde – den das bulgarische Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Bulgarien kontrolliert –  findet jeden Samstagvormittag in Lerngruppen vom Kindergartenalter bis zur siebten Klasse statt. Nikola, Stefan, Mila und Monika habe jeden Samstag nach Unterrichtsschluss in den Räumen der Konsulatsschule im Caritas-Zentrum in Köln Kalk geübt. „Wir haben einen Text bekommen, und den haben wir abwechselnd gelesen und zuhause geübt, dass wir das flüssig lesen können“, erzählt Mila. Ihre Mutter kommt aus Bulgarien, sie selbst ist in Italien geboren. Der mehrsprachige Auftritt war für Mila kein Problem: "Ich kann ja jetzt drei Sprachen und werde bald auch noch Englisch lernen, und das ist ganz aufregend. Es war für mich leicht, aber auch spannend, weil es das erste Mal war.“ Die vier zeigen heute stolz, was sie können und spielen abwechselnd mit den Handpuppen oder lesen Tumbas und Lupos Sätze auf perfektem Deutsch und perfektem Bulgarisch in ein Mikrofon: versteckt hinterm Vorhang, unsichtbar für die Kinder im Publikum. Für sie sieht es jetzt so aus, als würde Lupo zu Tumba sagen: „Aua, mein Nacken ist steif und ich kann nur nach links schauen“, und Tumba entgegnet, dass das doch eine gute Sache sei: „Großartig Lupo, so wirst Du gar nicht merken, wie viele Kekse auf der rechten Seite der Welt gegessen werden.“

Die Erfinderin von Lupo und Tumba, Autorin Petya Kokudeva, schaut amüsiert zu, wie die Kinder ihre Texte auf die Bühne bringen. Sie selbst versteht nur den bulgarischen Teil, ist heute extra für die Puppentheaterlesung aus Sofia angereist: „Ich bin ein Fan vom Querdenken. Einer Art zu denken, die keiner genauen Logik folgt. Das machen Kinder für gewöhnlich. Die Charaktere Lupo und Tumba spielen eine Art Gedankenspiel, Mind-Game. Neue Perspektiven entwickeln, das ist die Botschaft des Buches“, erzählt sie auf Englisch. Die Verlegerin Petya Lund steht neben ihr. Sie hat das Buch zusammen mit ihrem Sohn aus dem Bulgarischen ins Deutsche übersetzt und herausgebracht. „Weil es uns viel Spaß gemacht hat, es auch als Familie zu lesen, und dann haben wir beschlossen, es zu übersetzen.“ Das Puppentheater-Konzept stammt auch von ihr, die Musik hat sie mit Freunden entwickelt. „Und das hat unfassbar Spaß gemacht, es war eine Spaß-Geschichte“, lacht Petya Lund.

Schulleiterin Rossitza Bairaktarski wollte mit der heutigen Veranstaltung eine kleine Bühne  für ihre Schülerinnen und Schüler schaffen, „dass unsere Kinder auch dafür geehrt werden, dass sie diese Sprachen sprechen und am Samstag lernen und das zeigen können.“ Seit drei Jahren schon kooperiert die Schule mit der Stadtbibliothek Köln. Die Idee der Schulleiterin war damals, zum Bundesvorlesetag eine zweisprachige Aktion außerhalb der Schule ins Leben zu rufen. Melisa Bel Adasme von der Stadtbibliothek hat diese Idee unterstützt. Sie ist Projektmanagerin für interkulturelle Bibliotheksarbeit und Diversity und angestellt im Programm 360° der Kulturstiftung des Bundes, in dem bundesweit Kultureinrichtungen gefördert werden, um sich diversitätsorientiert zu öffnen. Im Rahmen dieses Programmes konnten unter anderem die Flugtickets der Autorin finanziert werden. „Gerade die bulgarische Sprache ist keine der gängigen Sprachen, die in Schulen unterrichtet werden. Deshalb möchten wir die Stadtbibliothek als Raum dafür bieten, gerade die Mehrsprachigkeit zu fördern und den Kindern auch vermitteln, dass es schön und gut ist, dass sie zwei Sprachen sprechen und ein Publikum dafür bieten.“ 

Eingebettet ist die Aktion heute in ein städtisches Sprach- und Leseförderungsangebot, das viele Bausteine der Präventionskette abbildet. Für Elke Böttger, Koordinatorin für Präventionsketten der Stadt Köln, ist Sprache der wichtigste Zugang zu den Menschen, zu Gleichaltrigen, zur Kultur eines Landes, zu Bildungseinrichtungen, dem Gesundheitssystem und vielem mehr. „Sprache bringt in Kontakt, schafft Freundschaften und Zugehörigkeitsgefühl. Die Chancen auf Teilhabe an der Gesellschaft erhöhen sich um ein Vielfaches durch Sprach- und Lesekompetenzen.“ Kinder, findet Elke Böttger, bräuchten deshalb neben der Schule, viele weitere Orte an denen sie spielerisch Sprachen lernen können. Die Stadtbibliothek böte dafür hervorragende Voraussetzungen, weil viele Angebote kostenfrei sind und somit für alle Interessierten zugänglich. „Was schließlich im Sinne der „Kommunalen Präventionsketten“ ist, die allen Kindern dieselben Teilhabechancen ermöglichen sollen.“ Die Stadtbibliothek sei für die Kölner Präventionslandschaft ein unentbehrlicher Kooperationspartner.
Eine ihrer Kooperationspartner von der Stadtbibliothek ist Waltraud Reeder. Sie ist Koordinatorin für Interkulturelle Bibliotheksarbeit in der Stadtbibliothek Köln und findet:  „Leseförderung ist Sprachförderung und deswegen sollte die Leseförderung schon im ersten Lebensjahr des Kindes anfangen“. Damit meint sie dialogisches Vorlesen und Bilderbücher angucken mit dem Kind. Jedes Kind ab drei Jahren bekommt auf Wunsch in der Stadtbibliothek ein sogenanntes Papalapap-Malbuch, in das die Kinder Bilder malen können, zu Büchern, die die Eltern vorlesen. Die Stadtbibliothek bietet auch Bibliotheksführungen für Kindergärten- und Vorschulkinder und steckt jedem Kind einen Bibliotheksausweis in die Schultüte. Und sie veranstaltet mehrsprachige Aktionen so wie heute, die auch evaluiert werden sollen. „Die Sprach- oder Leseförderung funktioniert eben auch mehrsprachig. Je besser man eine Sprache beherrscht, desto besser kann man andere Sprachen darauf aufbauen“, findet Waltraud Reeder. Sprache sei Kultur und die Kinder sollten auch die Kultur ihrer Eltern kennenlernen, sagt Reeder. Und die würden sie viel besser verstehen, wenn sie auch die Sprache der Eltern beherrschten.

Da setzt auch das Konzept der Samstagsschule „Az Buki Vedi“ an: Viele Kinder, die mit drei Jahren in ihren Schulkindergarten kämen, verstünden kein Wort Bulgarisch. „Natürlich haben sie viel Passives mitbekommen. Aber sprechen tun sie nicht“, sagt Schulleiterin Rossitza Bairaktarski. Die meisten ihrer Schulkinder haben bulgarische Wurzeln, aber jedes Kind, das Bulgarisch sprechen möchte, sei willkommen: „wir nehmen keine Rücksicht auf Nationalität oder ethnische Zugehörigkeit. Theoretisch können sich auch deutsche Kinder, die gar nichts mit Bulgarien am Hut haben, anmelden. Die Kinder leben in beiden Sprachen und in beiden Kulturen und hier können sie dann eben auch beide Sprachen und beide Kulturen ausleben“, sagt Bairaktarski. Seit 2018 ist der Besuch und die Teilnahme am Unterricht in der bulgarischen Schule auch vom Schulamt in Köln anerkannt. Nach der neunten bzw. zehnten Klasse können die Schülerinnen und Schüler eine Sprachprüfung in Bulgarisch ablegen und diese Note wird dann auch in ihrem Zeugnis als Leistung aufgenommen, „was natürlich eine große Motivation für die Kinder ist. Besonders für die älteren Schüler und Schülerinnen, die in die höheren Klassen kommen.“, sagt die Schulleiterin.

Die Anerkennung sei sehr wichtig, denn viele Kinder würden sich für ihre bulgarischen Wurzeln schämen, weil ihre Sprache und Kultur keine große Anerkennung in der Gesellschaft fänden. Laut Waltraud Reeder von der Stadtbibliothek werden Sprachen in verschiedene Klassen einsortiert: „diese ganz tollen Sprachen: Englisch, Französisch und Spanisch und dann gibt es so Sprachen wie Türkisch oder Bulgarisch, die gar nicht so hoch angesehen sind, aber das ist ja eigentlich Quatsch.“ Alle Sprachen seien gleich viel wert und die Sprachen der Kinder ein Schatz, den man nicht vernachlässigen sollte.
Am Ende der Aufführung: Großer Applaus für die mehrsprachigen Puppenspieler und Vorleser. Morgen dürfen ihre Klassenkameraden auf die Bühne und in Tumbas und Lupos Rollen schlüpfen.  Aber der Nachmittag mit den querdenkenden Handpuppen ist noch nicht vorbei. Vor dem Theaterspiel hat Autorin Petya Kokudeva den Kindern einen kleinen Vortrag darüber gehalten, wie sie die lustigen Figuren erfunden hat. Jetzt steht Romina Beneveti, die Illustratorin, an einem weißen Flipchart, darauf sind 20 gespannte Augenpaare geheftet. Mit bunten Stiften zeichnet sie Tumba, den Waschbären aus der Geschichte vor. Sie erklärt: Kleine Ohren gehören dazu, in Dreickecksform, und rote Kreise als Wangen und natürlich ein ganz dicker Bauch. Die Kinder legen los.

 „Der hat zu viel Eis gegessen“, sagt der kleine Pablo, der gerade einen großen Tumba-Bauch malt und fließend Bulgarisch, Spanisch und Deutsch spricht. Der Nachmittag hat ihm gefallen: „Ich fand es sehr schön, war lustig das Theater“. Sein Vater steht neben ihm und ist auch zufrieden: „Ich komme selber aus Spanien, meine Frau aus Bulgarien, in Köln haben wir den perfekten Ort für uns gefunden: Solche mehrsprachigen Veranstaltungen sind gut für die kulturelle Entwicklung der Kinder.“ Eine andere Mutter freut sich, hier die Autorin und Illustratorin kennen gelernt zu haben. „Ich interessiere mich dafür, bin selbst Bulgarin, und weiß, dass es öfter solche Veranstaltungen gibt – für mich und mein Kind ist das natürlich toll.“ Die blonde Monika aus der fünften Klasse stand gerade noch auf der Bühne, jetzt sitzt sie mit den anderen Kindern am Tisch und malt: „Ich war der, den ich gerade male: Tumba.“ Sie ist in Bulgarien geboren, spricht tagsüber in der Schule Deutsch, zuhause und am Samstag in der Konsulatsschule Bulgarisch: „Deshalb kann ich beide Sprachen. Mir macht es Spaß, jeden Samstag zur bulgarischen Schule zu gehen und aufzutreten. Hinter der Bühne vorzulesen und danach mit der Figur zu spielen, war witzig und interessant.“

Die Aktion heute soll ein Geschenk der Schule an die Kinder sein, die in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum feiert. „Dank der Kooperation mit der Stadtbibliothek Köln und dem Projekt 360 Grad hat alles seinen Weg genommen“, freut sich die Schulleiterin. Die Autorin Petya Kokudeva sitzt mit am Tisch neben den malenden Kindern, die alle zwei oder noch mehr Sprachen sprechen. Sie findet: „Es ist besser in vielen Welten zu leben und Zugang zu vielen Sprachen zu haben, als nur zu einer. Es ist immer eine Bereicherung deiner Wahrnehmung und Erfahrung, wenn du viele Sprachen beherrschst!“

Am Ende der Malstunde strahlen zwanzig wunderschöne breitgrinsende Tumbas von den Blättern. Und die Kinder tun`s auch. Im Buch fragt Lupo den Waschbären: „Tumba, Ich würde sehr gerne wissen, wie man die schönen Momente ausdehnen kann? Die sind doch viel zu kurz!“ Darauf antwortet Lupo: „Ich glaube, Lächeln könnte Dir helfen, dein Mund ist auch kurz, aber wenn Du lächelst, dehnt der sich!“



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Online-Service „Guter Start NRW“: Unterstützung für Vorschulkinder schneller finden https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/online-service-guter-start-nrw-unterstuetzung-fuer-vorschulkinder-schneller-finden/ Das Familienministerium stellt den Kommunen einen neuen Online-Service zur Einrichtung von... Familienstaatssekretär Andreas Bothe: "Wir wollen Eltern mit Vorschulkindern besser unterstützen, indem wir ihnen die Suche nach Angeboten und Ansprechpartnern vor Ort möglichst leichtmachen. Mit dem Online-Service 'Guter Start NRW' geben wir den Kommunen ein hilfreiches Werkzeug an die Hand, um Informationen kompakt und übersichtlich darzustellen und die Bedarfe der Familien noch genauer zu erfassen."

Für den neuen Service wurde das seit 2016 bestehende Onlinesystem "Frühe Hilfen" in Zusammenarbeit mit Familienverbänden, Elternvertretungen und kommunalen Vertretern weiterentwickelt und ausgebaut. Neu ist - neben der erweiterten Altersgruppe von 0 bis 3 Jahre auf 0 Jahre bis zum Schuleintritt - ein internes Planungstool für die kommunale Jugendhilfeplanung. Über eine Bestandsaufnahme können Lücken in den lokalen Unterstützungsangeboten für Familien besser identifiziert werden.

Die Kommunen stellen die Inhalte selbstständig ein. Die Nutzer können anhand von Stichworten und unterschiedlichen Kriterien wie Wohnort, Altersgruppe und Themengebiet passgenau nach Angeboten suchen, die zusätzlich auf einer Landkarte visualisiert werden. Der Online-Service richtet sich auch an pädagogische Fachkräfte, Kinder- und Jugendärzte und andere Berufsgruppen, die mit Eltern und Kindern arbeiten.

Bereits die Hälfte aller Kommunen mit eigenem Jugendamt nutzt das bisherige System. Die Kosten dafür werden aus Landesmitteln finanziert. Perspektivisch soll das Suchportal zusätzlich Angebote bis zum Übergang von der Schule in den Beruf umfassen, damit auch Familien mit älteren Kindern sowie Jugendliche davon profitieren können.

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"Soziale Ausschlüsse verstehen und überwinden" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/soziale-ausschluesse-verstehen-und-ueberwinden/ Das Credo des 22. Lernnetzwerktreffens der "Kommunalen Präventionsketten NRW" lautete "Soziale... "Gemeinsam Prävention besser machen"

Nach der Eröffnung des Lernnetzwerktreffens in Gelsenkirchen durch die geschäftsführende Vorständin des ISA, Ilona Heuchel, richtet auch der Familienminister, Dr. Joachim Stamp, seine Grußworte an die Anwesenden - per Videobotschaft. Stamp hebt die immense Bedeutung der Aufgabe, die die Koordinierenden der Kommunalen Präventionsketten erfüllen, hervor: Beste Chancen für alle Kinder, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft zu schaffen, sei das gemeinsame Bestreben von Land und Kommunen. Hier gelte es, Bestehendes weiterzuentwickeln, voneinander zu lernen und im Sinne des Leitgedankens der Lernnetzwerke "gemeinsam Prävention besser machen" zu handeln.

"Teilhabe von der Ausgrenzung her denken"

Die theoretische Brücke zur Umsetzung dieses Leitgedankens in die kommunale Praxis schaffen im Anschluss die wissenschaftlichen Inputs, die sich mit dem Fokus "Soziale Ausschlüsse verstehen und überwinden" befassen. Wie entstehen soziale Ausschlüsse? Wer ermöglicht oder verhindert die Teilhabe? Zur Einführung erläutert Professor Dr. Martin Kronauer von der Hochschule für Wirtschaft und Recht aus Berlin, in seinem Vortag "Teilhabe von der Ausgrenzung her denken" seine Thesen zur Entstehung von sozialen Ausgrenzungsprozessen und zur Ermöglichung von Teilhabe.

Kronauer verweist zur Einordnung des Begriffs auf den jeweiligen historischen Kontext, denn: Teilhabe und Inklusion seien zwar aktuelle, aber keinesfalls neue Themen. Am Beispiel der Einführung des Wahlrechts für Frauen im 19. Jahundert zeigt er auf, dass eine solche soziale Transformation ohne die "Schaffung von etwas radikal Neuem zur Ermöglichung von Inklusion" nie möglich gewesen sei. Er betont, dass zur Ermöglichung von Inklusion und Teilhabe sich nicht "die Gesellschaft" ändern müsse, sondern eine grundlegende Änderung von Institutionen und Verhältnissen nötig sei.

Worum es im heutigen Kontext gehe, seien die "verletzten Ansprüche auf Teilhabe". Denn wenn man der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen folge, sei Inklusion ein Menschenrecht - und zwar für jeden Menschen. Jeder Exklusion liege ein Machtgefälle zugrunde, attestiert Kronauer, denn nur durch Ungleichheit und ungleiche Machtverhältnisse würde Ausgrenzung erst ermöglicht. Dabei bedeute Exklusion nicht etwa "aus der Gesellschaft zu fallen", sondern vielmehr innerhalb der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden.

Opens external link in new windowVideo zum Vortrag von Prof. Dr. Kronauer

"Gute Eltern oder gute Bürger sein - ein Widerspruch?"

Daran anschließend beleuchtet Professorin Dr. Susanne Frank von der TU Dortmund in ihrem Vortrag die Wohnortswahl junger Mittelschichtseltern. Diese wohnen in der studentischen Phase oftmals in gemischten, benachteiligten Quartieren. Sie schätzen dort die gelebte Vielfalt. Sobald jedoch Kinder ins Spiel kommen, verändern sich die Wohnortpräferenzen. So haben dann sozial homogene Gegenden, die ihren Kindern vermeintlich behütete Verhältnisse bieten, eine größere Anziehungskraft.

Susanne Frank kann auf der Grundlage qualitativer Interviews zeigen, dass dieses Wohnortswahlverhalten von manchen Eltern durchaus selbstkritisch gesehen wird: Diesen Eltern sind die gesellschaftlichen Folgen ihres Handelns durchaus bewusst, wie zum Beispiel dass sich so soziale Segregation in den Städten verfestigt. Die Lage stellt sich also widersprüchlich dar. Sie wollen "gute Eltern und gute Bürger sein", wie es im Titel des Vortrags heißt, merken jedoch, dass beides nicht gleichzeitig an einem Ort zu haben ist.

Laut Frank nehmen jedoch nicht alle die Situation hin, wie sie ist, sondern ziehen Konsequenzen, die ein gewisses Solidarpotential erkennen lassen. So engagieren sich manche Eltern als Bürger*innen in benachteiligten Stadtteilen und deuten ihre privilegierte Wohnlage als Ressource, die sie dazu befähigt.

„Sinngetriebene Netzwerke – Neue Impulse und Gestaltungsansätze für die kommunale Praxis“

Das gelingende Aufwachsen von Kindern zu befördern und zu gestalten, ist eine komplexe und umfassende Aufgabe, deren Bearbeitung ebenso komplexe Formen der Zusammenarbeit erfordert. Diese Zusammenarbeit - über Ressortgrenzen hinweg - verlangt ein gemeinsam getragenes Verständnis der Verantwortung aller Beteiligten. Netzwerke bieten sich hierbei als Form der Kooperation an, gelten sie doch als effizienter Weg, komplexe Aufgaben gemeinsam zu lösen.

Eleonora Weistroffer von der Ibo Beratung und Training GmbH berät alltäglich Unternehmen beim Aufbau gut funktionierender Netzwerke und weiß um die Herausforderungen, die sich dabei stellen. Sie bringt den Teilnehmenden das Thema in ihrem Vortrag "Impulse in vier Entwicklungsräumen erleben: (Zusammen-) Arbeit neu energetisieren" und den darauf aufbauenden Gruppenarbeitsphasen nahe. Die sogenannten Entwicklungsräume schaffen Möglichkeiten, die vorhandene notwendige Arbeit im Netzwerk auf viele Schultern zu verteilen; getrieben vom Sinn der Verantwortungsgemeinschaft der Kommunalen Präventionsketten für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern.

Opens external link in new windowVideo zum Vortrag von Frau Weisstroffer

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Deutscher Kita-Preis 2019 geht in die Dortmunder Nordstadt https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/deutscher-kita-preis-2019-geht-in-die-dortmunder-nordstadt/ Die Fabido-Kita Bornstraße und das Netzwerk INFamilie Hannibal- und Brunnenstraßenviertel aus der... Gerahmt wurde die Preisverleihung von einem bunten und lebhaften Straßenfest entlang des Flensburger Platzes. Svenja Butzmühlen von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung NRW begrüßte die diversen kleinen und großen Gäste und übergab dann an Vertreter*innen der Stadt, die sich bei den zahlreichen Mitarbeiter*innen von INFamilie Hannibal- und Brunnenstraßenviertel bedankten. Es wurde sprichwörtlich sichtbar, wie viele engagierte und helfende Hände es braucht, um ein solches Netzwerk für Familien auf die Beine zu stellen: alle Netzwerker*innen trugen neon-gelbe Westen und waren somit als „gelbe Engel“ weithin erkennbar. Bürgermeisterin Birgit Jörder lobte das starke Engagement aller Beteiligten und sprach außerdem all jenen ihren Respekt aus, "die im Quartier für ein gutes Zusammenleben sorgen".

Die Leiterin des Jugendamts, Dr. Annette Frenzke-Kulbach, betonte "die gemeinsame, wertschätzende Haltung", die das Bündnis nachhaltig lebendig halte. "Ihre Arbeit strahlt Hoffnung aus", bescheinigte sie den anwesenden Mitarbeiter*innen des Bündnisses.

Daniel Kunstleben, Geschäftsführer FABIDO (Familienergänzende Bildungseinrichtungen für Kinder in Dortmund), dankte seinen Kolleg*innen mit einer augenzwinkernden Anmerkung: "Wenn Dortmunder nach Berlin fahren, gewinnen sie nicht immer", sagte er in Anspielung auf einige verlorene DFB-Pokalfinale. "Dortmunder Kitas dagegen schon", ergänzte Kunstleben schmunzelnd.

Im Anschluss an die Dankesworte, durften die Kinder der FABIDO-Kita Bornstraße und deren Leiterin, Heike Klumbies auch auf die Bühne, vor der sie zuvor geduldig gewartet hatten, und nahmen stellvertretend für alle Mitwirkenden des Netzwerks Urkunden und Medaillen entgegen.

Hintergrund zum Netzwerk INFamilie

Im Netzwerk INFamilie haben sich verschiedene soziale Akteure aus einem Quartier - unabhängig von ihrem Status, Herkunft oder Trägerschaft – zusammengeschlossen, um die Teilhabechancen von Kindern und ihren Eltern vor Ort zu fördern.

Das Netzwerk INFamilie ist im Kontext des Landesprogramms "Kein Kind zurücklassen – Kommunen in NRW beugen vor" (heute "Kommunale Präventionsketten NRW") der Landesregierung Nordrhein-Westfalen im November 2011 im Brunnenstraßen- und Hannibalviertel entstanden. Der Rat der Stadt Dortmund hat 2016 die Übertragung des Konzeptes "Netzwerk INFamilie" auf die Aktionsräume der Sozialen Stadt beschlossen.

Das Ziel des Netzwerkes INFamilie ist es, Kindern angemessene Startchancen in Schule und Beruf zu ermöglichen und früh passgenaue, unterstützende Angebote bis hin zu Präventionsketten anzubieten. Es geht aber auch um gemeinsam initiierte Aktionen im Quartier um das Wohnumfeld attraktiver zu gestalten, die Menschen zu aktivieren und zu fördern.

Weitere Informationen / Nützliche Links:

Website der Stadt-Dortmund - Netzwerk INFamilie https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/familie_und_soziales/familienportal/familienprojekt/netzwerk_infamilie/index.html

Ingolf Sinn (Jugendamt Stadt Dortmund): Unterstützende Systeme für gelingendes Aufwachsen im Quartier (zum Brunnenstraßen- und Hannibalviertel in der Dortmunder Nordstadt und dem „Netzwerk INFamilie“), hier:

Website der Stadt Dortmund – FABIDO

https://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/familie_und_soziales/fabido/start_fabido/index.html

Website der DKJS – Vorstellung Netzwerk INFamilie 

https://www.deutscher-kita-preis.de/Netzwerk-Infamilie

https://www.youtube.com/watch?v=UeTmPYh7CBc

Nordstadtblogger – Aus der Nordstadt – über die Nordstadt – Nachrichten aus Dortmund (zum Netzwerk INFamilie)

https://www.nordstadtblogger.de/du-hast-keine-chance-darum-nutze-sie-netzwerk-infamilie-aus-der-nordstadt-beim-finale-um-deutschen-kita-preis-2019/

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"Vielfältige Brücken bauen" - Kinder stärken durch diversitätsbewusste Pädagogik https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/vielfaeltige-bruecken-bauen-kinder-staerken-durch-diversitaetsbewusste-paedagogik/ "Den Blick öffnen und Brücken bauen" sowie "Vielfalt und Mehrsprachigkeit schätzen" - das waren... Die Stadt Dortmund hat sich auf den Weg gemacht, ihren jüngsten Bewohner*innen eine ganzheitliche Förderung ihrer (sprachlichen) Kompetenzen zu ermöglichen. Der Grundstein hierfür  wurde bereits 2012 gelegt: Ausgehend von dem Schwerpunkt „Sprachbildung“ wurde eine Kooperationsvereinbarung zur regionalen Gestaltung des Übergangs Kindertageseinrichtung – Grundschule unterzeichnet. Erarbeitet wurde die  gemeinsame Vereinbarung von der Stadt Dortmund, vertreten durch das Jugendamt, den Fachbereich Schule und das Schulamt sowie die Arbeitsgemeinschaft der Dortmunder Wohlfahrtsverbände.

Zur Umsetzung der Qualitätsoffensive/ Kooperationsvereinbarung wurde im Rahmen des Landesvorhabens "Kein Kind zurücklassen! – Kommunen in NRW beugen vor" ein Orientierungsrahmen erarbeitet. So entstand in einem partizipativ angelegten  Prozess  - aus der Praxis für die Praxis -  ein Leitfaden für „durchgängige Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen“. Die große Praxisnähe und -tauglichkeit  des Leitfadens ergibt sich aus der Beteiligung aller relevanten Akteure:  Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, Träger der Kindertageseinrichtungen,  MIA-DO-Kommunales Integrationszentrum Dortmund,  Jugendamt und  Regionales Bildungsbüro im Fachbereich Schule.

Der Orientierungsrahmen  basiert auf konkreten Beispielen gelingender Kooperation aus der Praxis von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen in Dortmund. So dient er  als gemeinsame Richtschnur und Handlungshilfe  zur Weiterentwicklung der durchgängigen Sprachbildung für Fachkräfte an allen Dortmunder Schulen und Kindertageseinrichtungen  - und darüber hinaus auch als Arbeitshilfe für den gesamtstädtischen Qualitätsentwicklungsprozess.

In der Verwaltung der Stadt Dortmund wurden die Ressourcen diverser Arbeitsbereiche hierfür schon vor Jahren zu einem Arbeitskreis „Kooperation Kindertageseinrichtung – Grundschule (KoKiGS)“ gebündelt. Das Modellprojekt „Sprachbrücken“ startete 2016 und erstreckt sich über fünf Modellnetzwerke mit 33 beteiligten Einrichtungen. Kooperation wird hier – innerhalb der Verwaltung und unter den Fachkräften - natürlich groß geschrieben, um alle Kindern mit einem gemeinsamen Verständnis von guter Sprachbildung zu unterstützen und somit auch den wichtigen Übergang von Kindertageseinrichtung zu Grundschule möglichst nahtlos zu gestalten. Auch die Eltern werden bewusst frühzeitig eingebunden, um eine tragende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft aufzubauen, die den Kindern wiederum zugute kommt. Nicht zuletzt profitieren Kinder, Eltern, Fachkräfte und Verwaltung von den entstehenden Netzwerkstrukturen, die den nachhaltigen Erfolg und die Erreichung des gemeinsamen Ziels – auch über das Modellprojekt hinaus sichern - denn: Gute Sprachkenntnisse sind für eine erfolgreiche Bildungsbiographie und chancengerechte Teilhabe unerlässlich.

Das gemeinsame Ziel und der Auftrag der Bildungsinstitutionen Kindertageseinrichtung und Schule ist also klar: die Potenziale aller Kinder zu fördern, für eine Anschlussfähigkeit von Bildungsprozessen zu sorgen und die Eltern dabei einzubeziehen. Angesichts gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen wie der zunehmenden (Sprach-)Armut in den Familien und der Zuwanderung gewinnt die Sprachbildung in KiTa und Schule zusätzlich an Bedeutung.

 

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“
Ludwig Wittgenstein

 

An diesem  Tag kommen die über 130 Teilnehmenden auf Einladung der verwaltungsinternen Koordinierungsgruppe Sprachbrücken zusammen, um von den Erfahrungen des Modellprojekts zu profitieren und ihren Blick zu erweitern auf das umfassende diversitätsbewusste pädagogische Handeln. Eine wertschätzende Haltung gegenüber Kinder, Eltern und Kollegen hat sich als Schlüssel zu gelingender Kooperation erwiesen. Nicht nur die Sprache, sondern die gesamte (Lern-)Umgebung von Kindern sollte möglichst vielfaltsbewusst gestaltet sein, um jedem einzelnen Kind – egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft, welcher Religionszugehörigkeit, etc. – zu ermöglichen, sein individuelles Entwicklungspotenzial voll auszuschöpfen. Durch eine wertschätzende Haltung der Vielfalt gegenüber und durch die Anerkennung der Verschiedenheit können Fachkräfte den Kindern spiegeln, dass jede/r einzelne genau so gut ist, wie er/sie ist. Denn nur, wer sich gesehen, gehört, akzeptiert und repräsentiert fühlt, kann ein positives und starkes Selbstbild entwickeln. Starke Kinder, starke Familien.

„Um allen Kindern Zugehörigkeit zu ermöglichen, brauchen Fachkräfte eine vielfaltsbewusste Haltung“
Prof. Dr. Katja Gramelt

 

Vortrag von Prof. Dr. Katja Gramelt (HS Düsseldorf): „Ein offener Blick kann Brücken bauen Diversitätsbewusste Pädagogik in Kita und Grundschule“

Worum geht es?

Vielfalt hat viele Dimensionen (z.B. Aussehen, Alter, Familienform, Psychische Konstitution, Religion, Soziale Lage, etc.) und wird als selbstverständlich kommuniziert. Tatsache ist aber, dass sie Fachkräfte vor Herausforderungen stellt und die Nicht-Beachtung von Vielfaltsaspekten Kinder in ihrer Entwicklung einschränkt und somit diskriminiert.

Warum Vielfalt in den Fokus rücken? Was ist Diskriminierung eigentlich?

Durch Sprache schaffen wir Realität, (re-)produzieren Vorurteile und diskriminieren so bewusst oder unbewusst. Diskriminierung bedeutet nicht lediglich, dass man eine Differenz feststellt, sondern dass man diese Differenz auch bewertet. Erst durch eine Bewertung und Hierarchisierung von Differenz wird Zugehörigkeit ermöglicht oder eben verhindert. Diskriminierung ist die Benachteiligung einzelner Personen oder Gruppen aufgrund bestimmter Merkmale, wie z.B. ethnische, politische und soziale Zugehörigkeit.

Wobei unterschieden wird zwischen individueller Diskriminierung, die von einzelnen Personen ausgeht und institutioneller Diskriminierung, die von Behörden, Institutionen, Strukturen und organisatorischen Aspekten ausgeht. Feststellbare Auswirkungen von Diskriminierung sind z.B.:

  • Schlechtere Bildungsabschlüsse bei Kindern mit Migrationshintergrund

  • Schlechtere Bildungsabschlüsse bei Kindern aus sozialökonomisch herausgeforderten Familien

  • Bessere Bildungsabschlüsse für Mädchen Sackgassenberufe (Karriere machen eher die Männer)

  • Kinder mit Behinderung werden in Statistiken oftmals gar nicht mitgedacht

Wie kann man Diskriminierung entgegenwirken?

Fachkräfte entscheiden über Wir und Andere. Und sie entscheiden über Zugehörigkeit oder Sonderrolle bewusst und unbewusst. Durch die Anerkennung und Ermöglichung von Vielfalt können Fachkräfte das (positive) Selbstbild von Kindern stärken und somit das Bildungspotenzial fördern. Aus starken Kindern werden selbstständige, mündige Bürger*innen, die ihre Lebensläufe selbst gestalten und ihre Potentiale ausschöpfen können. Und: Wer die Anerkennung von Vielfalt erlebt, wird diese Erfahrung wiederum fortsetzen in seinem eigenen Handeln.

Wie setzen Fachkräfte/Institutionen diversitätsbewusstes Handeln am besten um?

Vorgestellt wurde der sog. Anti-Bias-Ansatz, ein Ansatz vorurteilsbewusster Pädagogik, der hilft, Vielfalt anzuerkennen, Ausgrenzung zu vermeiden und Teilhabe zu ermöglichen. Ausgangspunkt dieses Ansatzes ist die Überwindung des „binären Denkens“ bzw. des Denkens in Schieflagen, welches Merkmale/Persönlichkeitsaspekte in zwei Kategorien gegenüberstellt. Die Schieflage entsteht erst dadurch, dass eine Kategorie als „normerfüllend“ angesehen wird, während die andere „normabweichend“ konnotiert ist. Dieses binäre Denken schränkt die Perspektive auf solche normativen Kategorisierungen, die wiederum Zugehörigkeit schaffen (oder eben nicht). Der Anspruch des Anti-Bias-Ansatzes ist daher, das binäre Denken aufzulösen bzw. die Perspektive von Fachkräften zu erweitern. Im Hinblick auf die Bildungsinstitutionen könnte man beispielsweise fragen: Wie kann pädagogisches Handeln der Verschiedenheit von Menschen gerecht werden und gleichzeitig das Prinzip der Gleichberechtigung verwirklichen? Oder anders gefragt:

Müssen Kinder zur Schule passen oder die Schule zu den Kindern?

Denn Kita und Schule sind nicht bloß Orte, an denen Kinder „nett miteinander spielen“, sie spiegeln gesellschaftliche Machtverhältnisse, dementsprechend ermöglichen sie einigen Kindern und ihren Familien mehr Teilhabe und Partizipationsmöglichkeiten als anderen.

Ziel der vielfaltsbewussten Pädagogik muss es also sein, diese Machtverhältnisse zu reflektieren und zu durchbrechen - also den Blick zu öffnen und Brücken zu bauen. Jedem Kind sollte eine Umgebung geboten wird, in der es sich als Individuum mit all seinen Facetten wertgeschätzt fühlt - in jeder sozialen Interaktion, Kommunikation und Partizipation.

Vielfältige Praxistipps zur Umsetzung des Anti-Bias-Ansatzes in der KiTa & Grundschule, weitere Hintergründe, Literaturhinweise und Quellenangaben finden Sie in der Präsentation von Prof. Dr. Gramelt.

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„Jedes Kind ist ein Diamant“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/jedes-kind-ist-ein-diamant/ „Gut aufwachsen im Kreis Düren - Wir tun was“ – das Motto der Kreisweiten Präventions- und... Die Bismarckstraße 16 in Düren. Rund um die große Baustelle vor dem Kreishaus tobt der Verkehr, drinnen füllt sich das Foyer mit Menschen. Stimmengewirr, Kaffeetassen klappern. Zur kreisweiten Präventions- und Bildungskonferenz hatten Wolfgang Spelthahn als Landrat des Kreises Düren und Christa Kuhle als Schulabteilungsdirektorin der Bezirksregierung Köln geladen. Um alle wichtigen Akteure aus der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien im Kreis Düren zusammenzubringen und für eine gemeinsame Präventionsarbeit zu sensibilisieren.

Elke Ricken-Melchert, die Leiterin des Amtes für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren erklärt, dass der Kreis Düren seit 2012 ausgehend von der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen" verstärkt einen vorbeugenden Ansatz zur Verbesserung der Chancengleichheit aller jungen Menschen verfolgt. Unter dem Motto "Gut aufwachsen im Kreis Düren" seien in den letzten Jahren in enger Zusammenarbeit mit den freien Trägern und den kreisangehörigen Kommunen viele Vereinbarungen für Kooperationen getroffen, Vernetzungen angestoßen und Projektideen entwickelt worden. Nach der Durchführung lokaler Präventions- und Bildungskonferenzen in den Kommunen vor Ort diene die heutige Veranstaltung dazu, die Ergebnisse auf Kreisebene zu bündeln und eine kreisweite Handlungsstrategie zu entwickeln.

An einen Stehtisch gelehnt, trinkt Peter Kirschbaum seine Tasse aus. Er arbeitet für NRWeltoffen, ein Präventionsprojekt gegen Rechtsextremismus und Rassismus an Schulen. Kirschbaum ist heute hier, um sein Netzwerk zu erweitern. „Ich möchte hier gern Leute aus den Schulen kennen lernen, mit denen wir kooperieren können“. Menschen, wie Almut Grodde-Holderberg. Sie ist Rektorin und vertritt den Grundschulverbund Niederzier-Hambach. Auch sie hofft auf mehr „Ansprechpotential“ durch die Konferenz: „Am Telefon spricht man die Damen und Herren auch, aber es ist gut, sie auch mal zu sehen, um schneller eingreifen zu können, wenn Not am Mann ist“, sagt die Rektorin.

Die Sozialpädagogin Judith Plum leistet im Sozialpädiatrischen Zentrum des St. Marienhospitals Düren Unterstützung für die jüngeren Kinder in der Präventionskette: „Wir bieten Frühe Hilfen an, eine Familienhebamme, eine Geburtslotsin und ein interdisziplinäres Team arbeitet daran, ganz früh Entwicklungsverzögerungen vorzubeugen“, erzählt sie an der Tür zum Konferenzsaal. Plum hat bereits an einer kommunalen Präventions- und Bildungskonferenz teilgenommen. Von der kreisweiten Konferenz heute verspricht sie sich „Netzwerkpartner vor Ort zu treffen und zu erfahren, was wo gerade läuft und was die Strategie des Kreises Düren beim Thema Kinder, Jugendliche und ihre Familien ist.“

Und die Konferenz startet jetzt. Moderatorin Elena Lazaridou wünscht den rund 150 Teilnehmenden einen wunderschönen guten Morgen und verspricht: „Einen spannenden Tag. Voll gefüllt mit Informationen in Vorträgen, Befragungen, Foren und Austauschmöglichkeiten im Couchgespräch. “

Christa Kuhle von der Bezirksregierung Köln findet in ihrer Eröffnungsrede lobende Worte für die zehn Jahre erfolgreicher Vernetzungsarbeit im regionalen Bildungsbüro veranstalteten zehn Konferenzen in den kreisangehörigen Kommunen im Kreis Düren. Darin hätten sich Akteure aus Schule, Verwaltung, Vereinen, Kitas und auch kreisweit tätige Fachkräfte aus Beratungsstellen, Gesundheitsamt und Jugendhilfe bereits erfolgreich vernetzt. „Oft setzen solche Konferenzen Impulse. Aber im Kreis Düren ist das anders. Da wurden konkrete Vereinbarungen getroffen“, so Kuhle. Damit sind der Arbeitskreis „Kindheit und Jugend“ in Nörvenich, die Zusammenarbeit von Kitas und Grundschulen in Kreuzau und von Grund- und weiterführenden Schulen in Linnich gemeint.

„Es ist gelungen, in zehn regionalen Konferenzen Prävention auf die Agenda zu setzen. Aus allen haben sich Arbeitskreise entwickelt“, bestätigt anschließend Landrat Wolfgang Spelthahn in seiner Rede. Diese Aufbruchstimmung solle man in die nächste Zukunft tragen. Dafür verspricht der Landrat weitere Konferenzen im Rhythmus von zwei Jahren durchzuführen, um Handlungsfelder zu entwickeln.

Der Kreis Düren hat bereits sehr früh mit einer handlungsfeldübergreifenden Vorbeugungspolitik begonnen – als einer der Pioniere im Modellvorhaben zum Aufbau kommunaler Präventionsketten, das nun zu einem flächendeckenden Ansatz in ganz NRW ausgeweitet werden soll. Andreas Bothe, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, wird in einer Videobotschaft zu den Teilnehmern und Teilnehmerinnen geschaltet und bekräftigt, dass beste Zukunftschancen für alle Kinder – unabhängig von der sozialen Herkunft – selbstverständlich auch das Ziel dieser Landesregierung seien.

Dafür müsse bekannt sein, was die Kinder und Jugendlichen im Kreis Düren überhaupt bräuchten und was die Kommunen dafür tun könnten, sagt anschließend Ulrich Lennartz, Vertreter der freien Träger im Präventionsbüro des Kreises Düren.

Um diese Frage zu beantworten, und herauszufinden, wie die Menschen die Lebensqualität im Kreis Düren einschätzen und welche Bedarfe Kinder, Jugendliche und ihre Familien überhaupt haben, hat die Faktor Familie GmbH aus Bochum eine Familien- und Jugendbefragung durchgeführt. Die Soziologin Annett Schultz präsentiert jetzt im Eröffnungsvortrag die Forschungsmethode und wesentliche Ergebnisse der Befragung – eine Mischform aus qualitativen Interviews mit Müttern im Integrationstreff und einer quantitativen Erhebung, mittels 3.000 versendeten Fragebögen. Mit einem Rücklauf von rund 45 % seien die Ergebnisse der Familienfragebogenerhebung repräsentativ, so Schultz. Die Antwortrate der Jugendlichen sei jedoch niedriger ausgefallen. Die Auswertung bescheinigt dem Kreis Düren eine hohe Lebensqualität. Ausbaufähig sind laut den Befragten die kulturellen Angebote, Freizeit- und Sportmöglichkeiten, die Anbindung an den Arbeitsplatz und an medizinische Versorgung. Einige der befragten Jugendlichen wünschten sich mehr Mitspracherecht, zusätzliche öffentliche WLAN-Hotspots, Shoppingmöglichkeiten und Treffpunkte, Freizeitangebote und eine bessere Anbindung an Verkehrsmittel. Vielen Müttern seien Angebote, wie die Geburtsvorbereitungskurse, Spielkreise oder Eltern-Kind-Turnen bekannt. Weniger populär seien hingegen Sprechstunden der Frühen Hilfen, die Schnuller- oder Elterncafés und Säuglingspflege-Angebote. Als Gründe für die Nichtnutzung von Angeboten wurde angegeben, dass Kurse häufig ausgebucht seien oder ungünstige Öffnungszeiten hätten. Gewünscht wurden mehr Angebote für behinderte Kinder und Vater-Kind Aktionen, sowie Angebote für arme Menschen, deren Einkommen aber oberhalb der Arbeitslosengeldgrenze liegt. Den Babybegrüßungsdienst stellten 40% der Befragten als Unterstützungsmaßnahme für Familien infrage.

Prof. Dr. Jörg Fischer von der Fachhochschule Erfurt greift das Thema „Babybegrüßungsdienst“ jetzt zu Beginn seines Vortrags "Netzwerken vor Ort – eine Zukunftsaufgabe" auf. Die Maßnahme sei sinnvoll, doch viele Personen fühlten sich bei einem Willkommensbesuch, der auch der Kontrolle des Kindeswohls dient, stigmatisiert. Es käme auf die Haltung der Fachkräfte an, betont Fischer: „Es ist ein Unterschied, wenn das Jugendamt schreibt: `Wir freuen uns auf Sie` oder, `wenn Sie nicht kommen, dann!`“ Eine wertschätzende Haltung, statt Mittelschichtsblick, empfiehlt Fischer allen Akteuren, die mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien arbeiten, um die Würde der Menschen zu wahren Anstatt auf ihre Schwächen zu fokussieren, sollten sie die Ressourcen der Menschen nutzen. „Zu oft ertappt man sich dabei, dass man glaubt, zu wissen, was andere Menschen brauchen“, so Fischer weiter. Als Fallbeispiel führt der Wissenschaftler dann einen Umsonst-Yogakurs in einer Kommune an, der für sozial schwache Frauen ins Leben gerufen wurde. Am Ende hätten nur Mittelschichtsfamilien den Kurs genutzt. Die wahren Bedürfnisse der ärmeren Familien hätten hingegen nichts mit Yoga zu tun. Sie wünschten sich stundenspezifische Betreuungsangebote für ihre Kinder ohne langfristige Verträge.

Studien hätten ergeben, dass 67 % der Kinder Armut nicht spüren, wenn sie weniger als zwei Jahre anhalte. Um schnell und effizient Unterstützung anzubieten – ohne lange Wege und bürokratische Hürden für die Familien – müssten alle an einem Strang ziehen und ein fachbereichsübergreifendes Netzwerk bilden. Hauptfeind der Dynamik eines Netzwerkes seien hierarchische und funktionale Barrieren. Um aus den vereinzelten operativen Inseln auszubrechen, müssten alle kommunalen Akteure über Zuständigkeiten und Hierarchieebenen hinweg, den Blick aufs Kind lenken. Netzwerkarbeit sei „keine Fortsetzung des Verwaltungshandelns nur mit anderen Mitteln, sondern eine Denkwerkstatt zu einem konkreten Problem, das innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens gelöst werden muss“, erklärt Fischer und das gehe nur mit Wertschätzung gegenüber den unterschiedlichen Arbeitsweisen der Netzwerkpartner. Fischer schließt seinen Vortrag mit einem Verweis auf die Krimiserie Derrick. „Es braucht Menschen, die Visionen haben und solche mit Bodenhaftung, die schon mal den Wagen vorfahren.“

Fischers Worte kamen gut an. Teilnehmerin Dr. Maria Schöller vom Trägerverein Kindertagesbetreuung Merzenich erzählt in der Mittagspause, dass ihr der Vortrag ganz neue Denkansätze geliefert habe: „Statt Tunnelblick fragen wir besser nach den Ressourcen eines jeden Kindes. Und auch der Eltern, um die zu nutzen!“, so Schöller. Dagmar Becker von der Evangelischen Gemeinde zu Düren erlebe in ihrer beruflichen Praxis, „dass Eltern hin- und herrennen müssen, bis sie Unterstützung erhalten. Das frisst sehr viel Energie.“ Sie hat sich vorgenommen, zukünftig weniger durch die Verwaltungslinse auf Familien zu schauen, stattdessen Hilfen aus einer Hand anzubieten: „Diesen Begriff finde ich total wichtig“, sagt Becker.

Anschließend teilen sich die die Teilnehmenden in vier parallele Praxisforen auf. Im ersten Forum „Perspektiven in der Zusammenarbeit mit Familien“ unter der Leitung von Doris Peitz vom Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren steht eine Gruppe Jugendlicher im Fokus, die bei der Gemeindesozialarbeiterin aufgefallen sei. „Die Eltern haben ihren Erziehungsauftrag abgegeben. Sie sagen, sie erreichen die Jugendlichen auch nicht mehr“, so Peitz. Obwohl sich die Kinder eine weitere Elternbegleitung wünschten. Die Teilnehmenden suchten gemeinsam nach Lösungen, um Eltern besser zu erreichen. Eine Idee ist ein kostenloses, gesundes Frühstück. Auch plädieren einige dafür, den Standort der Sprechstunden des Jugendamtes in den Kommunen zu verändern: „Die sind immer verankert in die Stadt- und Gemeindeverwaltung, und von den Schulen wurde angemerkt, dass es für die Eltern eine große Hemmschwelle bedeutet“, so Peitz. Auch, dass sie nur vormittags angeboten würden. Wünschenswert seien auch Abendtermine. Darüber hinaus besteht der Bedarf nach einer Online-Übersicht über alle Präventionsangebote der Kommune. Die Gruppe findet die Lösung in einer gemeinsamen Nutzung der „Frühen Hilfen-Datenbank“. Darin werden gerade alle Angebote für die Null- bis Dreijährigen eingepflegt:  „Wir haben vereinbart, dass die Kommunen auf die Frühen Hilfen zugehen, um deren Angebote über die Präventionsketten, die wir ohnehin in jeder Kommune darstellen, zu verlinken“. Doris Peitz sagt zum Schluss: „Der allergrößte Teil der Eltern macht es richtig gut im Kreis Düren und gibt den Kindern, was sie brauchen, aber wir sind hier angetreten, um jedes Kind gut aufwachsen zu lassen.“

Das zweite Forum „Ohne Jugendliche läuft nichts“ behandelt die Frage, wie die Jugendarbeit im Kreis Düren aufgestellt ist. Die Mitarbeiter machten im Forum deutlich, dass die gebotene Infrastruktur optimierungswürdig sei. „Ich bin beeindruckt, wie leidensfähig Sie sind“, sagt Forumsleiter Ulrich Lennartz vom Sozialdienst Katholischer Frauen e.V. Düren den Teilnehmenden, nachdem diese geschildert hatten, dass sie oft in Behelfsräumen untergebracht würden. „Es sind freiwillige Leistungen“, so Lennartz, „deshalb ist die Jugendarbeit politisch nicht auf den ersten drei Tagesordnungspunkten zu finden. Man sei noch auf dem Weg „ein Optimum für den Flächenkreis herzustellen“. Christa Kuhle von der Bezirksregierung Köln lobt die engagierten Jugendmitarbeiter. „Wenn der Jugendbeauftragte sagt, der Raum ist schlecht, dann ist die Aufgabe der Verwaltung und der Politik, dass die Räume besser werden!“ Wenn dies viel Zeit in Anspruch nehme, müsse transparent gemacht werden, warum Entscheidungswege so lang dauern, so Kuhle weiter.

Die Teilnehmer des Forums „Erfolg durch multiprofessionelles Netzwerken“ fanden, dass es im Kreis Düren bereits viele gut funktionierende Netzwerke und präventive Angebote gebe. „Diskutiert wurde aber, wie wir über diese Angebote informieren können und wie wir miteinander umgehen wollen“, sagt Professor Fischer, einer der Forumsteilnehmer. Um die vielen Professionen zusammen zu bringen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln, brauche es Verständnis für die Arbeitslogik des jeweils anderen. „Dafür braucht es einen regen Austausch“, sagte Fischer. Deutlich herausgekommen sei, dass viele Fachkräfte Gesprächsbedarf und Interesse hätten, in ihren Bereichen weitere Kontakte zu knüpfen. Fischer mahnte jedoch, den Bau des Hauses nicht im zweiten Obergeschoss zu beginnen, sondern stattdessen erst das Fundament zu legen. Wichtige zu klärende Grundfragen seien: Wo wollen wir hin, warum sollen alle an einen Tisch und wozu wollen wir dieses Netzwerk nutzen? "Für mich war das wichtigste Ergebnis des Workshops, dass wir uns immer wieder bei den Menschen vergewissern müssen, was sie genau brauchen. Nur so können wir die richtigen Angebote entwickeln." so Margret Sieben, Moderatorin des Arbeitskreises und pädagogische Mitarbeiterin des Regionalen Bildungsbüros.

Im Forum „Schule und Jugendhilfe: Kooperation für gelingende Übergänge“, ist man sich schnell einig, den Forumstitel in „Schule, Jugendhilfe und Eltern“ umzutaufen. Denn die gehörten immer dazu. Beziehungen zu Eltern und anderen Helfern müssten gut sein, um was zu ändern, so Marita Schmitz vom Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren. „Ganz toll war, wie viele gute Praxisbeispiele es schon gibt“, findet Sevim Gercek vom Amt für Schule, Bildung, Integration des Kreises Düren. „Und wenn wir da weiter machen, kommen wir ans Ziel.“ Gemeint sind damit die bereits installierten regelmäßigen Kooperations- und Vernetzungstreffen, um die Institutionsübergänge für die Kinder zu erleichtern. Vier Mal im Jahr treffen sich Lehr- und Kita-Fachkräfte, Vetreterinnen und Vertreter von Verwaltung, Jugendamt und Beratungsstellen in einem Arbeitskreis, um die Leitbilder und Arbeitsweisen der Akteure besser kennen zu lernen: : „Die Perspektiven werden geschärft, man hört zu und man versteht und dann kann man auch Familien gut verstehen“, so Gercek. Auch gibt es inzwischen einen Sprechtag, in dem sich Lehrkräfte aus Grund- und weiterführenden Schulen austauschen. Die Maßnahme würde sehr gut angenommen: „Das ist eine wichtige Institution geworden, die vom Regionalen Bildungsbüro ins Leben gerufen geworden ist“, sagt Karin Stobbe, ebenfalls vom Amt für Schule, Bildung und Integration des Kreises Düren.
 

Im anschließenden Couchgespräch kommen die Ergebnisse des Tages nochmal in die Diskussion und der Blick wird in die Zukunft gerichtet. Professor Fischer empfiehlt allen Beteiligten „Fehlerfreundlichkeit“, diese als Unglück oder Missgeschick zu werten, nicht aber als eine böse Tat. Nur dann seien Akteure bereit, darüber zu reden. „Vielleicht waren die Angebote, die sie vor zehn Jahren geschaffen haben, genau die richtigen, aber für die Kinder von 2018 sind sie es nicht mehr.“ Die Akteure könnten nun entscheiden, ob sie sich auf eine Angebotslandschaft konzentrierten, also zu reagieren. Besser findet Fischer aber, aktiv zu werden und eine „Bedarfslandschaft“ zu schaffen.  „Sie halten einen Schatz in Ihren Händen, den viele Kommunen so nicht haben, und das sind die Ergebnisse der Jugendbefragung.“ Schlussfolgerungen für neue Angebote sollten nicht am Amtstisch oder in einem professionellen Netzwerk besprochen werden. Der Wissenschaftler plädierte dafür, die Ergebnisse der Studie an die befragten Menschen zurück zu spiegeln und zu fragen: „Findet ihr euch wieder, nehmt ihr das so wahr?“, und die Antworten um Einschätzungen der Fachkräfte zu ergänzen. So käme der Kreis Düren von einem Präventions- zu einem Partizipationsnetzwerk.

Beim Blick auf Familien sollten die Fachkräfte empirische Ergebnisse zugrunde legen, anstatt Bilder von blauen Flecken und verhungerten Kindern. „Ich vermute mal nicht, dass das der Normalfall für Düren ist.“ Noch nie sei es Kindern und Jugendlichen so gut in Deutschland gegangen, sei die Zufriedenheit mit dem Erziehungsstil ihrer Eltern so hoch gewesen, zitiert Fischer dann aus einer Shell-Studie. „Das sind historische Höchstwerte. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und die Tasse nicht als halbleer betrachten“. Er gehe davon aus, dass es Kindern und Eltern im Kreis Düren überwiegend gut gehe und dass ein kindgerechtes Aufwachsen gut möglich sei. „Was aber nicht heißt, dass wir uns den Problemen nicht stellen in Düren. Aber wir müssen die vorhandenen Stärken besser wahrnehmen und Stärken stärken“. Christa Kuhle von der Bezirksregierung appelliert zum Schluss an die Fachkräfte, eben diese Stärken bei den Menschen zu suchen und zu fördern und jedes Kind, wie einen „ungeschliffenen Diamanten“ zu betrachten.

Bei Stehkaffee und Plätzchen ziehen die Konferenzteilnehmer Bilanz: „Ich habe die Gesichter gesehen und weiß jetzt, wen ich in bestimmten Förderkonferenzen anspreche“, sagt Almut Grodde-Holderberg, die sich mehr „Ansprechpotential“ gewünscht hat. Eine andere Teilnehmerin berichtet von einer erfolgreichen Präventions- und Bildungskonferenz mit allen Kita- und Schulleitungen in Aldenhoven, wo gemeinsam über den Einstieg von der Kita in die Grundschule informiert worden sei. Jetzt betreibe die Kommune bereits ein gut laufendes Schnullercafé und einige weitere Projekte stünden in den Startlöchern. Die Konferenz heute habe ihr neue Impulse gegeben: „Wir haben einiges zu tun, und wissen, dass wir einiges geschafft haben und sind mit Eifer dabei.“ Robert Fabig vom Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren bemerkt, dass der Fokus von Politik und Öffentlichkeit bislang eher auf der frühkindlichen Erziehung gelegen habe. Aus der Konferenz nimmt er mit, jetzt die Jugendlichen aktiv und stärker in den Blick zu nehmen „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass sich im Kreis Düren auch junge Menschen bis zum Erwachsenwerden wohl fühlen und ihnen entsprechenden Angebote machen.“

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„Kinder einer Welt“ verbessern Sprachkompetenzen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/kinder-einer-welt-verbessern-sprachkompetenzen/ Lernen mit Spiel, Spaß und Gemeinschaftsgefühl. Das stand auf dem Programm der vier Sprachcamps im... Freitags um halb zehn in der Grundschule „Löhne Bahnhof“: Melek, Sascha, Viktor und Musa stehen in der gemütlichen Schulküche und rollen Teig aus. „Wir backen Kekse“, ruft Melek „natürlich aus Zucker, Mehl, Butter und Eiern“. Lehramtsstudentin Hannah Wagner erklärt den vier Kindern, die heute gelb, rot und grün angezogen sind, was als Nächstes zu tun ist: „Schau mal auf dein T-Shirt, aus welchem „Farbenland“ kommst du? Färb den Teig passend zu deinem Land ein!“ Melek schaut runter auf ihr T-Shirt und nimmt eine Tube mit gelber Lebensmittelfarbe in die Hand. Der kleine Sascha im hellblauen Sweatshirt quetscht eine blaue Tube über dem Teig aus und knetet los. Musa freut sich über seine knallgrünen Hände, rollt den farbigen Teig aus und sticht dann vorsichtig Herzen, Sterne und Monde aus.

Neben dem Backen der Kekse zum Nachtisch steht ein Theaterstück im Mittelpunkt der zwei Wochen, dass zwei Theaterpädagogen erarbeitet haben. „Dafür haben wir uns ein Vierfarbenland ausgedacht“, erklärt Hannah Wagner vom Helden-Verein für nachhaltige Bildung und Persönlichkeitsentwicklung, der die insgesamt vier Sprachcamps im Kreis Herford durchführt. Ergänzend zu der Nachtischgruppe  gab es im Sprachcamp eine Kostüm- und eine Bühnenbildgruppe, die die Kinder in den zwei Wochen in festen Gruppen rotierend durchlaufen haben. Außerdem standen Ausflüge in das Freilichtmuseum in Detmold sowie in den Tierpark in Olderdissen auf dem Programm. „Bei all diesen Aktivitäten haben die Kinder ganz unbewusst ihren Wortschatz erweitert , indem sie neue Begrifflichkeiten gelernt und angewandt haben“, so Wagner.

Die Bühnenbildgruppe tobt gerade in der Turnhalle herum und ist schon ziemlich nervös vor dem Theaterauftritt nachher. Die Rollen stehen  fest: „Ich bin ein Brokkoli“, sagt ein kleiner Junge. „Ich bin ein Taxi“, freut sich Jaco. Ein blauer Pirat, ein roter Apfel und ein rotes Herz sind auch dabei. Ganz besonders aufgeregt ist die kleine blonde Pia, die nachher als gelbe Katze auftreten wird. Heute kommt ihre ganze Familie, die Eltern, der Großvater und sogar Tante und Cousine, erzählt sie.

Das Bühnenbild und ihre Kostüme haben die Kinder selbst gebastelt. Auf der Bühne sind die vier „Farbenländer“ zu sehen, von denen das Theaterstück handelt. Die Kinder spielen Vertreter eines roten, blauen, grünen oder gelben Landes.“  erklärt Olivia Wagner, eine weitere Mitarbeiterin von Helden e. V. „Sie sollen auf der Bühne auch die anderen Farbenländer besuchen. Der abstrakte Gedanke dahinter ist, dass sich die Farben mischen.“

Genauso bunt gemischt ist auch die Kindertruppe im Sprachcamp. Unterschiedliche Sprachniveaus seien eine Bereicherung und Herausforderung zugleich, sagt Wagner, „Bereicherung -  weil die Kinder versucht haben die unbekannten Worte nachzusprechen.  Herausforderung - da man sich nicht immer sofort versteht.  Das erforderte Geduld! Durch den hohen Personalschlüssel von 1:5 konnten wir das jedoch gut auffangen.“

Die Sprachcamps in den Städten Bünde, Herford, Löhne und Vlotho sind ein Pilotprojekt der kreisweiten Kommunalen Präventionsketten, dessen Ziel es ist, insbesondere Kindern bis zehn Jahren ein chancengerechtes Aufwachsen zu ermöglichen. Die Camps konnten durch einmalige Fördergelder des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch Mittel der Carina-Stiftung und des Kreises Herfords realisiert werden.

Celin Tataroglu vom Bildungsbüro, die den Aufbau der Präventionsketten für den Kreis Herford koordiniert, steht beim Projektabschluss nach 14 Tage in der Turnhalle und schaut den Kindern zufrieden beim Spielen zu. „Die Freude ist den Kindern offensichtlich anzusehen und man merkt die sprachlichen Fortschritte. Es hat sich außerdem ein richtiges Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe entwickelt“.

Dass die Kinder in ihrer Sprachkompetenz gefördert wurden, ist ihnen scheinbar gar nicht aufgefallen. Sie erzählen auf die Frage nach den schönsten Erlebnissen nur von neuen Freunden, tollen Spielen und Ausflügen: Für den kleinen Kevin war es das Kennenlernen seines neuen Freundes Ahmed.  „Das Schönste war das Singen“, sagt Ania und „die Pferde im Tierpark und ein Skelett“, findet Sascha.

Auch Hannah Wagner zieht eine positive Bilanz: „Die Kinder haben große Fortschritte an Worten und Begriffen, die wir erklärt oder untereinander besprochen haben gemacht. Und sei es nur, dass wir im Kreis saßen und die Regeln für die Bühne zusammen erarbeitet haben, also sowas hat ja auch viel mit Verständnis zu tun.“ Positiv findet sie auch die gewachsene Gruppendynamik und das Miteinander von den Kindern, die sich vorher gar nicht kannten.

Zu der Aufführung finden sich nun die Eltern, Freunde und Verwandten der Kinder zusammen. Auch Pias Vater ist gekommen: „Mein Kind ist sehr begeistert von dem ganzen Drumherum, dem Tierpark, diesen ganzen Unternehmungen.“ „Ich bin der Opa und gehe zu jedem Auftritt meiner Enkel“ mischt sich Pias Großvater ein. Für ihn ist klar: „Das gehört dazu“. Pias Mutter sitzt schon in der ersten Reihe in der Turnhalle, wo die Kinder gleich auftreten werden. „Pia hat es gut gefallen, sie ist richtig begeistert“, sagt die Mutter, die über Pias KiTa von dem Angebot erfahren hat. „Vom Programm ist es auch schön, sie sind im Freilichtmuseum gewesen, im Tierpark, sie gehen einkaufen und machen Nachtisch selber. Ist alles toll.“

Fabians Mutter ist in Begleitung seiner Pflegemutter gekommen, bei der der Junge derzeit lebt. Sie glaubt, dass Fabian eine gute Zeit im Sprachcamp hatte, nicht zuletzt, weil sein bester Freund Emil auch hier gewesen sei: „Ich wollte ihn mal eher abholen, das wollte er aber nicht. Dass sein bester Freund hier war, hat natürlich auch dazu beigetragen, dass er hier sehr gerne war.“ Schon nach dem ersten Tag habe sich Fabian ganz anders ausgedrückt: „Dankeschön, bitteschön, warte, jetzt musst du vorsichtig fahren, ich helfe Dir“, zitiert die Pflegemutter den Jungen: „Fabian ist plötzlich viel höflicher gewesen.“

In der Turnhalle werden die Eltern auf den Markt der Möglichkeiten eingeladen. Flyer vom Gesundheitsamt, dem Bildungsbüro, dem Kommunalen Integrationszentrum, dem Medienzentrum sowie den Stromsparagenten sind auf mehreren Ständen bereitgelegt. Die Eltern können sich unter anderem über altersspezifische Ernährungs- und Bewegungstipps oder Datenschutzhinweise im Internet informieren. Der Markt der Möglichkeiten am Vorführungstag soll ein Türöffner sein, zu Unterstützungs-und Beratungsangeboten im Sozialraum.

Der Vater des bauen Piraten Alva liest sich gerade einen der Flyer durch, und ist glücklich, dass sein Sohn hier die Ferien verbringen konnte: „Er versteht sich mit allen hier und ist immer glücklich, wenn er nachhause kommt, sagt immer `Papa, das ist gut`.“ Auch der Vater der kleinen Melek ist froh, dass seine Tochter heute hier sein kann. „Das wichtigste ist, dass sie wieder wohlauf ist.“ Hinter ihr liege eine lange Krankengeschichte, ausgelöst durch eine schwere Erkrankung im Säuglingsalter, erzählt er: „Melek war die ersten dreieinhalb Monate ihres Lebens keine 24 Stunden am Stück zuhause. 2014 wurde ihr die Gallenblase entfernt, 2016 wurde die Leber transplantiert“. Melek ist in Deutschland geboren, konnte wegen der vielen Krankenhausaufenthalte aber kaum die Kita besuchen.  Deshalb hätten die Erzieherinnen zum Sprachcamp geraten. „Wenn es ihr nicht gefallen hätte, wäre sie nicht freudestrahlend morgens aufgewacht und hier hingegangen“, glaubt er. Und was sagt Melek dazu? Sie lacht und erinnert sich an ihr schönstes Erlebnis im Camp: „Fantakuchen backen!“

Hinter den Sprachcamps steht eine Kooperation zwischen dem Bildungsbüro im Amt für Schule, Kultur und Sport, dem Jugendamt, den vier Grundschulen der Standorte, den Kitas und dem Verein Helden e.V. „Das hat super geklappt“, sagt Celin Tataroglu.Die Vertreter und Vertreterinnen dieser Bereiche haben sich zur Abschlussveranstaltung gemeinsam in der Turnhalle eingefunden. So auch die Konrektorin Maike Schneckener von der Grundschule Löhne-Bahnhof. „Ich hoffe, dass das Sprachcamp den Kindern Mut macht, zu sprechen. Und, dass Kinder mit einem gestärkten Selbstbewusstsein in die Schule kommen, dass sie anderen deutschsprachigen Kindern gegenüber weniger zurückstehen, sich mehr trauen, schneller in die Klassen integriert sind und mehr Chancen haben, mit den anderen Kindern gemeinsam zu lernen. Und das hier Erlebte zu nutzen und umzusetzen“, so die Konrektorin.

Jürgen Förster, Jugendamtsleiter der Stadt Löhne, ist ebenfalls froh darüber, dass die Sprachcamps im Rahmen der „Kommunalen Präventionsketten“ entstanden sind und neben den bisher laufenden Sprachcamps für die Dritt- und Viertklässler jetzt auch ein Angebot für die Schulanfänger geschaffen wurde: „Die Kinder haben Lust und viel Motivation herzukommen und empfinden das nicht als Last oder Schwierigkeit“, glaubt Förster. Es sei ganz wichtig für ihre Selbstsicherheit, wenn man keine Sprachkenntnisse hat, die Erfahrung zu machen, dass andere Kinder einen unterstützen. „Und dann macht das Sprechen Spaß und es entwickelt sich die Lust in der Schule intensiver mitzumachen“<s>, hofft der Jugendamtsleiter. </s>

Das Theaterstück startet jetzt in die Vollen. Grüne Brokkolis, rote Autos, blaue Polizisten oder gelbe Sterne stehen auf der Bühne und stellen sich nacheinander vor: „Ich bin rot und ein Affe“, ruft ein Mädchen. „Ich bin ein grüner Kaktus“ ein anderer Junge. Die Kinder stellen sich nach Farben sortiert auf. Die einen singen „Blau, blau, blau sind alle meine Kleider.“ Bei den anderen sind die Kleider im Lied grün, gelb oder rot. Aber so bleibt es nicht lange, die Kinder hüpfen hin und her in die anderen „Farbenländer“ auf dem Bühnenbild. Es wird bunt gemischt und dann stimmen die Kinder, deren Wurzeln in Länder auf der ganzen Welt reichen, im Chor ein neues Lied an: „Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider, weil mein Freund ein Regenbogen ist.“ Die Kinder verbeugen sich, die stolzen Eltern knipsen Fotos, alle applaudieren, auch Celin Tataroglu vom Bildungsbüro. Sie hofft, dass die Sprachcamps keine einmalige Sache bleiben: „Die Sprachcamps wurden von allen Beteiligten als voller Erfolg wahrgenommen. Wir versuchen deshalb ein bis zwei Camps zu verstetigen und in einem rollenden System in den verschiedenen Kommunen anzubieten.“

Dann könnten auch weiterhin viele Kinder im Kreis Herford in den Herbstferien in ihrer Sprachkompetenz gefördert werden  – so spielerisch und alltagsintegriert, dass ihnen das Lernen gar nicht auffällt.

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„Die Präventionsketten sind länger geworden“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/die-praeventionsketten-sind-laenger-geworden/ „Bedingungen gelingenden Aufwachsens“ war der Titel des 21. Lernnetzwerktreffens des... Initiates file downloadAgenda des 21. Lernnetzwerktreffens

Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Instituts für Soziale Arbeit e.V. (ISA), begrüßte die ca. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Wuppertal und führte durch die Veranstaltung. Das ISA ist seit 2012 Träger der Landeskoordinierungsstelle und für die inhaltliche Ausrichtung der Lernnetzwerkarbeit verantwortlich.

So bot die Landeskoordinierungsstelle in den letzten Monaten Entwicklungsgruppen zu den Themen Wissensbasiertes Handeln, Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern und Einbindung des Gesundheitswesens in die kommunale Präventionskette an. Deren Ergebnisse wurden nun im Lernnetzwerk zusammengefasst und präsentiert. In drei Foren hatten die Akteure die Gelegenheit den Gesprächsfaden erneut aufzunehmen und weiterzuspinnen.  

Aus dem Familienministerium war Manfred Walhorn, Abteilungsleiter des Fachbereichs Kinder, nach Wuppertal gekommen, um den Stellenwert der Präventionsarbeit der Kommunen für das Land zu unterstreichen. Er machte deutlich, wie hoch er den Wert der entwickelten Expertise der bisherigen Projektkommunen für die Ausweitung der „Kommunalen Präventionsketten“ auf ganz Nordrhein-Westfalen einschätze, und forderte die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen auf, weiter Teil des Entwicklungsprozesses zu bleiben. Das erlangte Wissen um die bisherigen Erfolge - insbesondere den Weg dorthin - solle nutzbar gemacht werden für alle Kommunen in NRW, so der Wunsch aus dem Ministerium.

Grundlage dieses Wunsches wird nicht zuletzt das Vorliegen des Abschlussbericht der Evaluation des Landesprogramms „Kommunale Präventionsketten NRW“ gewesen sein. Familienminister Dr. Joachim Stamp hatte vor einem Jahr die Arbeit an den lückenlosen und nachhaltigen Präventionsketten auf den Prüfstein gelegt. Die unabhängige Consulting-Firma Ramboll hatte nach verschiedensten Interviews und Dokumentanalysen im Herbst dieses Jahres ihren Abschlussbericht vorgelegt. Bei diesem Lernnetzwerktreffen in Wuppertal stellte Kathrin Nachtsheim (Ramboll Management Consulting GmbH) die sehr ermutigenden Ergebnisse vor.

„Die Rückmeldungen aus den Kommunen zur Arbeit der Landeskoordinierungsstelle waren unglaublich positiv“ ,

lobte Nachtsheim.

Es wurde eine Haltungsveränderung in Gang gesetzt, die mit ein Grund für die verbesserte Abstimmung der Präventionsangebote gewesen sei.

„Die Präventionsketten sind länger geworden“, stellte Nachtsheim fest. 

Und doch gibt es Ratschläge zur Verbesserung der Präventionsarbeit. Ramboll folgert aus den Evaluationsergebnissen Empfehlungen für das Land. Diese reichen von der Stärkung der Regelsysteme über ein flächendeckendes Unterstützungsprogramm und die Optimierung der Kooperation der Landesministerien bis zu einem Landespräventionsgesetz.

Initiates file downloadzur Präsentation von Kathrin Nachtsheim

Opens external link in new windowzum Vortragsvideo von Kathrin Nachtsheim

Auch die Landeskoordinierungsstelle zog nach den abgeschlossenen Modellphasen Bilanz. Dr. Heinz-Jürgen Stolz (Leitung) zeichnete ein Bild der „Kommunalen Präventionsketten“ als lernender Organisation, in deren Zentrum das Lernnetzwerk als Ort des interkommunalen Wissensaustausches stehe. In diesem konzeptionellen Rahmen suche man nach einzelkommunalen Lösungen, die von kommunal-passgenauen Gremienstrukturen abhängig sind und häufig zunächst die vorhandenen sozialräumlichen Ansätze als Pilotfunktionen nutzen. Die Lernkurve des Modellprojekts gehe hin zur verbindlichen, nachhaltigen Qualitätsentwicklung, die die richtige Motivation brauche. Der viel verwendete Leitspruch „Vom Kind her denken!“ bedeute nicht zuletzt, dass das Leitmotiv für die Präventionsarbeit „das gelingende Aufwachsen der Kinder“ sein müsse und nicht die Präventionsrendite:

„Die Kommunen sollen das machen, um den Kindern zu helfen und nicht um Geld zu sparen!“, so Stolz.

Opens external link in new windowzum Vortragsvideo von Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Initiates file downloadZur Bilanz-Präsentation von Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Zur Ausblick-Präsentation von Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis war dann auch das Sujet derKabarettistin Esther Münch in ihrer Rolle als Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert.

Die Künstlerin Esther Münch zeigte ein Programm, das thematisch eigens auf das Lernnetzwerktreffen angepasst war. Mit spitzer Zunge kommentierte sie die Stolpersteine der Präventionsarbeit und legte ihren Finger in gesellschaftspolitisch offene Wunden.

Der zweite Tag des 21. Lernnetzwerktreffens war Impulsen aus der Forschung gewidmet. „Sprechen benachteiligte Kinder und Jugendliche eine verarmte Sprache?“ war die Fragestellung des Fachvortrags von Prof. Dr. Eva Neuland von der Bergischen Universität Wuppertal zu „alten und neuen Sprachbarrieren aus heutiger Sicht“. 

Opens external link in new windowzum Vortragsvideo von Prof. Neuland

Wahlweise konnten die Vertretungen aus den Kommunen an einem der drei weiteren Foren teilnehmen: 

„Kommunales Präventionsmonitoring. Konzept – Umsetzungspotentiale – Alternativen“
DR. DAVID GEHNE
ZEFIR - Ruhr-Universität Bochum 

Initiates file downloadzur Präsentation von Dr. David Gehne

„Wie geht’s dir UWE? Umwelt, Wohlbefinden und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“
MICHAELA ALBRECHT und KATHARINA YALTZIS
ZEFIR - Ruhr-Universität Bochum 

Initiates file downloadzur Präsentation von Michaela Albrecht und Katharina Yaltzis

„Verdichtung von sozialräumlicher Segregation in Kitas und Schulen - Kommunale Steuerungsansätze auf Ebene der Bildungseinrichtungen“ CAROLIN TRAPPMANN
KeKiz-Begleitforschung Modul Mikrodaten 

Initiates file downloadzur Präsentation von Carolin Trappmann

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"Wir wollen die Prävention stärken" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/wir-wollen-die-praevention-staerken-1/ Am 26.11.2018 traf sich Staatssekretär Andreas Bothe mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen... Am 26.11.2018 traf sich Staatssekretär Andreas Bothe mit Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen des Projekts "Kommunale Präventionsketten NRW" im Familienministerium, um über die Präventionsarbeit ab 2019 zu sprechen. Auf Basis der Evaluationergebnisse des Projekts, die beim gleichen Termin vorgestellt wurden, tauschten sich die Projektkommunen mit dem Familienstaatssekretär über benötigte Unterstützung bei der Fortsetzung ihrer Arbeit aus.

Initiates file downloadzum Abschlussbericht der Evaluation (Ramboll)

Staatssekretär Bothe würdigte in seinem Input die Arbeit der Kommunen und thematisierte die Ausweitung der nachhaltigen Präventionsarbeit auf ganz Nordrhein-Westfalen. Die von der Evaluation bescheinigten Erfolge, vielmehr noch der Weg dorthin, sollen weiteren Kommunen für den Aufbau einer lückenlosen Präventionskette als Vorbild dienen können.

Opens external link in new windowder Input des Staatssekretärs im Video

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Kooperation mit Jobcenter, Sozialamt & Co https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/kooperation-mit-jobcenter-sozialamt-co/ Das 20. Lernnetzwerktreffen am 04.09.2018 stand unter dem Motto "Arbeits- und Sozialverwaltung als... Bei diesem Lernnetzwerktreffen stand das Thema der Integration von Arbeits- und Sozialverwaltung in die kommunal koordinierten Präventionsketten im Fokus – hierbei sollte vor allem das Handeln der Fachkräfte im „Kundenkontakt“ in den Blick genommen werden. Das Handeln wird durch jeweilige Handlungslogiken der Institutionen geprägt.  Ziel des Treffens war, das Verständnis dafür zu stärken, welchen Handlungslogiken die zumeist eher als „Durchgriffsbehörden“ wahrgenommenen Arbeits- und Sozialverwaltungen folgen.

Hieraus ergeben sich ganz praktische Fragen für die Arbeit in den Kommunen: Reicht es, eine armutssensible und wertschätzende „Haltung“ der Fach- und Verwaltungskräfte einzufordern? Und was, wenn nicht? Was kann man jenseits von Fort- und Weiterbildungen tun, um zu vermeiden, dass restriktive Anordnungen entgegen den auf Verselbstständigung junger Menschen ausgerichteten Unterstützungssettings der Kinder- und Jugendhilfe wirken? Es geht um die Chancen und Herausforderungen in der Kooperation mit Jobcenter, Sozialamt & Co, darum Brücken für die institutionsübergreifende und multiprofessionelle Zusammenarbeit zu bauen.

Nach der Begrüßung durch Marco Becker (Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW) konnten die Teilnehmenden sich dem ersten Fachvortrag widmen: Prof. Dr. Matthias Knuth (Institut Arbeit und Qualifikation IAQ, Universität Duisburg Essen), gab in seinem Input „Aktivieren oder befähigen? Normen und Strukturen in Jobcentern und Arbeitsagenturen“ einen Überblick zu rechtskreisspezifischen und institutionellen Handlungslogiken, sowie den daraus möglicherweise erwachsenden Paradoxien und Schnittstellenproblemen: Wie können die Handlungslogiken von Akteuren aus den Rechtskreisen SGB II und III mit anderen, für das gelingende Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen relevanten, institutionellen Akteuren (namentlich Jugendhilfe, Gesundheitsförderung und Stadtentwicklung) vermittelt werden. Er analysierte dies dezidiert aus Sicht von SGB II und III und gab dementsprechende Handlungsempfehlungen.

Hier finden Sie seine Präsentation zum Download

Initiates file download Hier finden Sie das Video zum Vortrag

Im Anschluss richtete Prof. Dr. Stephan Grohs (Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer) die Frage an die Teilnehmenden, wie Handlungslogiken von Akteuren aus den Rechtskreisen SGB II und III mit anderen, für das gelingende Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen relevanten, institutionellen Akteuren (namentlich Jugendhilfe, Gesundheitsförderung und Stadtentwicklung) vermittelt werden können. Hierzu stellte Grohs den Ansatz der „Collaborative Governance“ vor, den er bei der anschließenden Diskussion im Plenum debattierte.

Initiates file downloadHier finden Sie seine Präsentation zum Download

Am Nachmittag nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, in einem der drei Praxisforen den Blick auf die Umsetzungsebene zu richten. Drei Kommunen stellten vor, welche Gute Praxis bei ihnen vor Ort bereits existiert und gaben den kommunalen Fachkräften so Handlungsansätze und Transferwissen mit auf den Weg:

Hamm: Initiates file downloadBildungsbegleiter und die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes                          

Bielefeld: Initiates file downloadJUGENDberufsagentur                        

Lünen: Initiates file downloadKooperation zwischen Jugendhilfe und Jobcenter. Das Case-Management in Lünen

Nach den Forenphase lotete Prof. Dr. Kai Marquardsen (Lehrgebiet „Armut und soziale Ungleichheit im Kontext der Sozialen Arbeit“, Fachhochschule Kiel) die kommunalen Handlungsspielräume zur Stärkung der Inanspruchnahme, stigmatisierungsfreien Nutzbarkeit und der Integration in umfassender genutzte Teilhabesettings aus. Kurz: Er beleuchtete Wege und evaluierte Ansätze, um das Bildungs- und Teilhabepaket als Teil der Präventionskette nutzbar zu machen. Hierzu gab er eine Einschätzung anhand von Evaluationsergebnisse und kommentierte diese fachlich. Er gab den Teilnehmenden Tipps mit, wie sie Evaluationsempfehlungen ausschöpfen können (z.B. konkludente Verfahrenskonkretion, spezialisierte Bearbeitung) und ließ viel Raum für Rückfragen und Diskussion.

Initiates file downloadHier finden Sie seine Präsentation zum Download

Hier finden Sie das Video zum Vortrag

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Brücke zur Bildungsgerechtigkeit https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/bruecke-zur-bildungsgerechtigkeit/ Wer in Mönchengladbach sein Kind zur Schuleingangsuntersuchung bringt, der trifft dort vielleicht... Der Grad des Schulabschlusses der Kinder steht häufig mit dem Einkommen und Bildungsstand des Elternhauses in Verbindung. Studien zeigen, dass Kinder von Eltern mit einem Hochschulabschluss meist das Gymnasium besuchen, ebenso verhält es sich bei Eltern mit einem Real- oder Hauptschulabschluss. Auch ihre Kinder werden höchstwahrscheinlich eine mittlere oder niedrige Bildungsstufe erreichen. Die Bildungschancen sind also ungleich verteilt.

Das Vorhaben „Kommunale Präventionsketten NRW“ will befördern, dass Zugänge in die außerschulische Angebotslandschaft für alle Kinder und Jugendlichen und Familien in Kommunen passgenauer werden und damit einen Beitrag zum gelingenden Aufwachsen leisten. Das Projekt HOME (Hilfe und Orientierung für Mönchengladbacher Eltern) gibt es bereits seit 2010 für die Bereiche Kita, Familienzentrum und Grundschule. Mit HOME-PLUS wurde das Angebot 2015 unter Beteiligung des Mönchengladbacher Schulamtes,der Sozialdezernentin und des Bildungsdezernenten um die Weichenstellung für mehr Bildungsgerechtigkeit  weiterentwickelt. In den Gemeinschaftsgrundschulen Eicken, Erich-Kästner, Mülfort-Dohr, Waisenhausstraße und der Katholischen Grundschule Untereicken bieten pädagogische Fachkräfte mittlerweile ihre Beratung rund um Themen der Bildungsförderung an, damit alle Eltern ihre Kinder unterstützend durch die Schulzeit begleiten können.

Einen der ersten Kontakte mit HOME-PLUS haben die Eltern in der Wartezone bei der Schuleingangsuntersuchung im Gesundheitsamt. Hier stellt sich die Mitarbeiterin den Eltern vor und bietet sich als direkte Ansprechperson der zukünftigen Grundschule an. „Etwa, wenn die Ärztin sagt: `Ihr Kind braucht noch bis zur Einschulung einen Logopäden oder einen Sportverein`,“ sagt Projektkoordinatorin Annika Ahrens. „Dann haben die direkt ein Gesicht, das sie schon mal vor der Einschulung gesehen haben, was ihnen die Hand reicht. Und das sagt: `Ich kenne mich in Ihrem Stadtteil aus, kommen sie doch zu mir in die Grundschule und ich besorge Ihnen das Angebot, das ihr Kind laut der Ärztin vom Gesundheitsamt braucht.“

In der Grundschule beantworten die Fachkräfte dann später alle offenen Fragen der Eltern, etwa rund um das deutsche Schulsystem oder verweisen in sinnvolle außerschulische Angebote im Stadtteil: wie Nachhilfeangebote, Übermittagsbetreuung oder Musikunterricht.

Die HOME-PLUS-Mitarbeiterinnen wirken auch bei den Elternsprechtagen und -abenden mit und bieten davor und danach Raum für Fragenklärung und Zusatzinformationen an. Auch organisieren sie gemeinsame Gruppenangebote für Eltern, Schülerinnen und Schüler und auch für Eltern und Kind gemeinsam. Etwa begleiten sie Elterngruppen jährlich zum „Tag der offenen Tür“ in die weiterführenden Schulen im Umfeld, um die Zugangsschwellen herabzusenken und Eltern mit ihren Fragen aufzufangen. Etwa Menschen, die gerade erst nach Deutschland gekommen sind, Sprache und Schulsystem noch nicht kennen, oder Menschen, die Fachausdrücke überfordern, sagt Annika Ahrens: „Die Schulleitung erklärt den Eltern der 4. Klässler zwar in einer Info-Gruppenveranstaltung, welche Schulformen es gibt. Aber manche brauchen hierzu noch Zusatzerklärungen, z.B. einen Übersichtsflyer in Muttersprache oder schlichtweg eine Wiederholung in einfacher Sprache. Über die HOME-PLUS-Mitarbeiterin haben sie jetzt eine Ansprechpartnerin.“

Annika Ahrens und ihre Kolleginnen wollen Eltern an die Schule binden, die bislang dort weniger aktiv waren und somit auch weniger Einfluss auf die Zukunft ihrer Kinder nehmen konnten. „Deshalb bieten wir Gruppenveranstaltungen an und dass jemand mal nachhakt, und fragt: `Warum waren sie denn beim Elternsprechtag nicht da?` Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger!“ Unterstützung bietet HOME-PLUS auch bei der Suche nach einer Übermittagsbetreuung. Eltern von Kindern, die keinen Platz im Offenen Ganztag bekommen haben, werden an alternative wohnortnahe Partner, wie etwa die Kirche, vermittelt, die auch Hausaufgabenbetreuung für Grundschulkinder anbietet und wovon viele Eltern laut Annika Ahrens vorher nicht wussten. Der Einsatz hört in der Grundschule und der direkten Elternarbeit aber nicht auf. Die Fachkräfte geben auch Impulse, dass sich Grund- und weiterführende Schulen stärker verzahnen, durch Schülerhospitationen und schulübergreifenden Austausch. Das soll für einen bruchlosen Übergang sorgen und dafür, dass die Schülerinnen und Schüler auch in der nächsten Schule ihre Potenziale ausschöpfen können. Annika Ahrens hofft, dass der Austausch, einmal von HOME-PLUS angestoßen, selbstständig weiterläuft.

Insgesamt möchte HOME-PLUS auf die drei Adressatenkreise: Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und die Eltern in ihrer Rolle als Bildungsbegleiter bildungsfördernd einwirken. „HOME-PLUS bildet eine kleine Brücke dazwischen: niedrigschwellig und adressatengerecht“, sagt Ahrens.

Und das bestätigt auch ein Monitoring. Das Projekt, das von der Wübben Stiftung mit 150.000 Euro und 40.000 Euro von der Stadt Mönchengladbach pro Schuljahr finanziert wird, war laut der Untersuchung in den drei Schuljahren von 2015 bis 2018 erfolgreich und wird deshalb jetzt bis Ende des Schuljahres 2019-2020 weiter finanziert. Aus Sicht der Wübben Stiftung gelingt es im Rahmen von Home Plus besonders gut, neuralgische Punkte in der Bildungsbiografie zu identifizieren, an denen sich Eltern wirksam adressieren lassen.

Eine Untersuchung im Dreijahresverlauf zeigt, dass das Angebot immer stärker genutzt wurde. Die Beratungen in der Grundschule, die sich von rund 530 auf rund 670 gesteigert haben, wurden oft auch bis zum zweiten Halbjahr der fünften Klasse weitergeführt. Die Beratungen inklusive der Zeitspanne ab der fünften Klasse beliefen sich auf rund 740 im ersten und steigerten sich sukzessiv auf 840 Beratungen im dritten Projektjahr. Die meisten Gespräche kamen auf Initiative der Eltern zustande. Deren Hauptanliegen war Beratung zu „Lernförderungs-Möglichkeiten“. Thematisiert wurden auch belastende Lebenslagen in der Familie. Den größten Beratungsbedarf gab es bei Überforderung mit Behördenangelegenheiten.

Lehrkräfte stoßen laut Annika Ahrens mit außerschulischen Angebotsempfehlungen innerhalb ihrer Elternarbeit an ihre zeitlichen Kapazitätsgrenzen. Häufig kämen sie von außerhalb und wüssten daher teils nur eingeschränkt von der Palette der Angebotsmöglichkeiten im Stadtteil. Das hat eine externe qualitative Befragung über HOME-PLUS bestätigt. Damit die richtigen Angebote auch außerhalb der Sprechzeiten der HOME-PLUS-Fachkräfte bei den Kindern ankommen, sollen die Lehrkräfte dieser fünf Grundschulen zukünftig mit einem einheitlichen Nachschlagewerk ausgestattet werden, in dem anwenderfreundlich zu finden ist, welche außerschulischen grundschulrelevanten Angebote der jeweilige Stadtteil bietet. Das Land NRW und die Wübben Stiftung haben diesen Sozialraumordner mit 20.000 Euro gefördert.

Die Gruppenangebote von HOME-PLUS haben sich von 524 teilnehmenden Eltern im ersten auf knapp 1000 im letzten Projektjahr erhöht. Im Angebot waren unter anderem Elterncoaching zum Umgang mit neuen Medien, Verkehrserziehung oder eine Führung in die Stadtteilbibliothek. Lobend hebt Annika Ahrens in diesem Kontext ein Fahrradprojekt hervor. An einem Wochenende konnten Familien ihre Fahrräder zum Abenteuerspielplatz bringen, um es reparieren und aufmöbeln zu lassen, als Vorbereitung auf die bald stattfindende Fahrradprüfung in der vierten Grundschulklasse ihrer Kinder. „Man interessiert Eltern für Angebote, kostenfrei im Stadtteil. Zu einem Thema, das die Grundschülerinnen und Grundschüler dann wiederum im Unterricht erfahren“, sagt Ahrens. Dadurch nähmen Eltern stärker am Schulleben ihrer Kinder teil und könnten sie besser als „Bildungsbegleiter“ unterstützen.

Verbessert haben sich auch die Teilnahmequoten an Elternsprechtagen von 53% nach dem ersten auf über 80% nach dem zweiten und dritten Projektjahr. Dass sich der frühzeitige und stete Kontakt auszahle, werde beispielsweise an diesem deutlichen Anstieg der Teilnahmen an Elternsprechtagen deutlich, heißt es von der Wübben Stiftung. "Aufgrund dieser positiven Tendenzen und weil sich die Stadt Mönchengladbach mit eigenen Mitteln an einer Fortsetzung des Projekts beteiligt und damit Interesse an einer Verstetigung wirksamer Maßnahmen auch nach Ende der Projektlaufzeit signalisiert, hat sich die Stiftung für eine zweite Förderphase entschieden", so die Wübben Stiftung. Die verbleibende Zeit solle genutzt werden, um eine Transferstrategie zu erarbeiten und wirksame Projektbausteine auf nachhaltig tragfähige Beine zu stellen.

Annika Ahrens blickt optimistisch auf die zweite Projektphase: „Das Kind soll möglichst viele außerschulische Lernerfahrungen machen, dabei seine Interessen und Neigungen kennen lernen und ohne Bruch in die richtige weiterführende Schule wechseln.“


 

 

 

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„Alle waren voll motiviert“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/alle-waren-voll-motiviert/ Besseres W-LAN und mehr Orte zum "Chillaxen": Das wünschen sich Jugendliche aus... Nach vielen Jahren mit dem Fokus auf dem Ausbau des Kita-Bereichs, will Siegen-Wittgenstein nun ein neues Glied in der Präventionskette in den Blick nehmen: Jugendliche  sollen jetzt im Mittelpunkt stehen und aktiv daran beteiligt werden, die Voraussetzungen für ein gelingendes Leben zu verbessern.

Auftakt des Engagements im Jugendbereich war eine Jugendbeteiligungskonferenz unter dem Titel #siwi4you, zu der alle interessierten Jugendlichen eingeladen waren. Und tatsächlich: 93 junge Leute aus Gymnasien, Haupt- und Realschulen, Berufskollegs und einer Förderschule folgten der Einladung ins Tagungshaus Keppel in Allenbach. Ziel der Kreisverwaltung, die die Veranstaltung in Kooperation mit den Städten und Gemeinden sowie dem Kreisjugendring durchgeführt hat, war es, durch die Konferenz zu erfahren, was junge Menschen vor Ort bewegt und welche Wünsche sie haben.



Die 13- bis 17-jährigen Teilnehmer bildeten mehrere Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen und stellten ihre Wünsche dann in einem sogenannten „Gallery Walk“ vor. Dabei machten sie ihrem Namen „Generation Z“, der für Digital Natives steht, also Menschen, die mit digitaler Technik ganz selbstverständlich aufgewachsen sind, alle Ehre. Schnelleres und frei zugängliches W-LAN und der Ausbau von Glasfaserkabeln zählten zu den Hauptwünschen. Für die Schulen schlugen die Jugendlichen den Austausch von alten Schulbüchern und eine schönere Gestaltung von Schulhof und Klassenräumen vor. Auch der stärkere Einbezug von SchülervertreterInnen war ein Bedürfnis der jungen Leute. Woran es außerdem fehle, seien Sportmöglichkeiten, wie Basketballplätze und, ganz wichtig, Orte, wo sich Jugendliche aufhalten dürfen und ihre Freizeit verbringen können. Denn für Spielplätze sind sie zu alt, würden überall verscheucht. Was sie bräuchten, seien „Chillax“-Plätze, um dort ungestört zusammen rumzuhängen. Freiräume eben, in denen sie sich frei entfalten und fern ab von institutionalisierten Angeboten entwickeln und ausprobieren können.

Weitere Anliegen waren die Renovierung von Jugendtreffs und die Instandsetzung eines Radwegs. Vielen jungen Menschen, die noch kein Auto fahren dürfen, war der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs wichtig, um die vielen kleinen Dörfer in der ländlichen Umgebung von Siegen-Wittgenstein besser anzubinden. Jennifer Utsch, Koordinatorin von #siwi4you, hat das Engagement der Jugendlichen begeistert: „Ich kann das nicht beschreiben, jeder von den 93 Jugendlichen hat wirklich aktiv mitgemacht. Es gab keinen, der rumsaß und demotiviert war“.

Ihre Plakate konnten die Jugendlichen politischen Entscheidern aus ganz unterschiedlichen Ebenen zeigen: Zugegen waren der Landrat, eine Bürgermeisterin, vier stellvertretende Bürgermeister, verschiedene Fraktionsvorsitzende und Mitarbeitende aus dem Kreistag, aus Jugendhilfe- und Schulausschuss, Kreisjugendring und anderen Verwaltungseinheiten und auch Leitungen der Jugendtreffs. „Die Jugendlichen haben tolle Plakate gemacht und ich fand so super, wie sie auf die Politiker zugegangen sind und vor allem diejenigen, bei denen man am Anfang dachte, dass sie eher stiller sind. So eine Entwicklung von Ankommen bis Nachhausgehen, damit habe ich nicht gerechnet.“, freut sich Jennifer Utsch.

Die Wünsche der Jugendlichen wurden teilweise schon zeitnah in kleinen Arbeitsgruppen weiterbearbeitet und werden im Mai 2019 bei drei dezentralen Konferenzen in den Sozialräumen vertieft. Die nächsten Schritte sollen für die jungen Leute unbedingt transparent bleiben, sagt Utsch. Nach der Konferenz wurden mehrere Chat-Gruppen gegründet, in denen der weitere Prozess in der Umsetzung der Ideen an die Jugendlichen weitergegeben wird. Jennifer Utsch freut sich, auch in Zukunft Jugendliche in den Prozess zum Ausbau der Kommunalen Präventionsketten einzubeziehen und zur Teilnahme zu motivieren. Die Auftaktveranstaltung habe gezeigt: „Jugendliche wollen sich einbringen, wollen gefragt werden.“

Diesen Eindruck spiegelt auch das Ergebnis der Veranstaltungsauswertung. Die Jugendlichen haben der Konferenz in einem Fragebogen die Gesamtnote „gut“ gegeben.

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Familiengrundschule in Aachen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/familiengrundschule-in-aachen/ eine Brücke zwischen den Lebenswelten Familie und Schule Eine oft gelebte Routine: Eltern geben morgens ihr Kind in der Schule ab. Das Kind taucht ein in die Lebenswelt Schule. Nach Schulschluss kehrt es zurück in den Bereich der Familie. Und oft ist es schwierig, Informationen, Bedarfe oder Probleme zwischen beiden Bereichen zu kommunizieren.

An diesem Berührungsdefizit setzt das Konzept der Familiengrundschule in Aachen an. Sie lädt die Eltern in die Schule ein: über ein Elterncafé. Die Eltern bekommen Zugang zur Schule, erleben Teile des Schulalltags ihres Kindes, tauschen sich mit anderen Eltern aus. Sie können Probleme aus der Familie mitbringen, diskutieren und Lösungsansätze erfahren. Dieses Konzept hat die Stadt Aachen an zwei verschiedenen Standorten mit insgesamt vier Familienbildungsstätten umgesetzt.

Opens external link in new windowFamiliengrundschule Driescher Hof

Gleiwitzer Straße 10
52078 Aachen
ggs.driescher-hof@mail.aachen.de

Träger: Stadt Aachen, Helene Weber Haus, Martin Luther Haus

Opens external link in new windowFamiliengrundschule Am Haarbach

Haarbachtalstr. 10
52080 Aachen
ggs.am-haarbach@mail.aachen.de

Träger: Stadt Aachen, Deutsches Rotes Kreuz, In Via Aachen

Voraussetzung für ein lebendiges Elterncafé ist eine vertrauensvolle Atmosphäre. Und die hat Fatma Kamis, Mutter einer Zweitklässlerin, hier an der Grundschule Driescher Hof in Aachen gespürt: "Die Eltern kommen mit Problemen jeder Art. Wir sprechen nicht nur über die Kinder. Auch Haushalt, Beziehung, Sorgen jeglicher Art werden hier zur Sprache gebracht. Manche Mütter bringen auch ihre Behördenbriefen mit, die sie nicht verstanden haben. Das wird dann hier in Gemeinschaft geklärt."

Das Elterncafe bietet eine gute Plattform, Eltern Hilfe und Unterstützung früh und frühzeitig zu offerieren und zwar durch persönliche Ansprache der Fachleute - auch aus dem jeweiligen Sozialraum. Sie sind als "Gäste" im Elterncafe herzlich willkommen. Außerdem ist das Elterncafe ein Ort der Partizipation: Im Gespräch mit Eltern können bestimmte Bedarfe direkt angefragt und besprochen werden.

Die Aachener Grundschule Driescher Hof ist in einem Sozialraum, wo es viel Förderbedarf bei Kindern und Familien gibt. Das fängt schon bei der Sprache an. Zum Elterncafé kommen einige Mütter, die wenig deutsch sprechen. Sie bekommen die Möglichkeit, es in der Familiengrundschule lernen, weil hier dieser Bedarf wahrgenommen wurde. "Wir greifen die Themen auf, die mitgebracht werden", erklärt Schulsozialarbeiter Jürgen Gerhards, "Auch mit externen Partnern." So bietet die Familiengrundschule vor Ort VHS-Deutschkurse an oder lädt Beratungsstellen ein. Das Kommunale Integrationszentrum und auch der Jobcenter haben sich schon vorgestellt. Die Familiengrundschule ist gut vernetzt. Und sie profitiert von der Erfahrung des freien Trägers, der das Elterncafé betreibt: das Helene Weber Haus und das Martin-Luther-Haus. So ist es etwa möglich einen kostenfreien Schwimmkurs kurzfristig auf die Beine zu stellen, weil der Träger die Kontakte zu Schwimmhallen und Trainern hat. Beide Träger bringen bereits Erfahrungen mit, Eltern in benachteiligten Lebenslagen anzusprechen. Davon profitiert die Familiengrundschule. Nicht zu unterschätzen ist die Persönlichkeit der Elternbegleiterin, die von den Familienbildungsstätten im Elterncafe eingesetzt ist. Beziehung und Vertrauen ist ein zentraler Gelingensfaktor.

Um an den Angeboten der Familiengrundschule teilzunehmen, müssen die Familien nicht im Elterncafé aktiv sein. In manchen Fällen spricht auch die Schulleiterin, Monika Wagner, Eltern an und empfiehlt die Kurse. Denn sie sieht die Bedürfnisse und Förderbedarfe der Kinder in ihrer täglichen Arbeit. "Für eine fruchtbare Zeit in der Schule ist es ganz wichtig, zu beobachten, was bringt das Kind denn eigentlich alles mit? Eben auch die familiären Dinge, die man im Blick haben sollte, wenn man den Kindern gerecht werden möchte", so Wagner. Und die Eltern vertrauen der Schulleiterin und nehmen die Angebote an, weil sie diese empfiehlt und der Kurs in der Schule stattfindet. So werden Wege geebnet, fachlich ausgedrückt: Zugänge und somit Teilhabe ermöglicht. Auf Eigeninitiative oder alleine über Flyer, hätten die Eltern die Angebote der Familienbildung niemals angenommen. Das ist die Einschätzung von Annette Tiltmann, Koordinatorin der Präventionskette.

Der gute Kontakt zwischen Elterncafé, Schulleitung und Kollegium ist eine weitere Grundvoraussetzung für das Gelingen des Konzepts Familiengrundschule. Da sind sich Schulleiterin Wagner und Schulsozialarbeiter Gerhards einig. "Man muss sich bewusst machen: Da kommt ein externer Träger von außen in die Schule. Das muss die Schulleitung, aber auch das Kollegium, erst einmal zulassen. Wir haben von Anfang an versucht, die Lehrer einzubinden", berichtet Gerhards.

Die Offenheit war da. Der Austausch funktioniert. Auch wenn damit schon gute Startbedingungen geschaffen waren, hat es einen langen Atem gebraucht bis das Konzept aufgegangen ist. Über ein Jahr hat es gedauert, bis das Elterncafé richtig belebt war. "Wir haben vieles ausprobiert, haben mit Briefen und Aushängen gearbeitet, und sind auch mit manchen Ansätzen gescheitert.", so Gerhards. Mitbestimmend für den Erfolg war es, den richtigen Ort zu finden und die richtige Zeit. Das Elterncafé wird gut angenommen seit es sichtbar und spürbar ist. Es findet jetzt im Eingangsbereich der Schule statt. Eine stärkere Transparenz ist kaum vorstellbar. Direkt morgens um 8:00, wenn die Eltern den Weg zur Schule mit ihren Kindern machen, ist das Elterncafé geöffnet und lädt zum Austausch ein. In der Grundschule Driescher Hof klappt es. Die Angebote der Familiengrundschule werden angenommen. Die Eltern kommen regelmäßig.

"Das besondere an dem Konzept der Familiengrundschule ist, dass hier die Versäulung der verschiedenen Bereiche Schule und Jugendhilfe aufgehoben wird. Das passiert automatisch, weil die Themen von den Familien kommen. In den Köpfen der Familien gibt es keine Ressortgrenzen." Die Zielgruppe ist also selbst der inhaltliche Gestalter. Die Bedürfnisse der Familien und besonders der Kinder bestimmen die Themen. So ist es möglich, den vielzitierten Leitgedanke "vom Kind her zu denken" umzusetzen.

Der Weg die Familiengrundschulen zu entwickeln war nur mit enormer Unterstützung des Landes NRW möglich. Über zwei Jahre erhielten die Akteure finanzielle Unterstützung im Programm "NRW hält zusammen - für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung.

Die Aachener Kommunalpolitiker sind von diesem Ansatz überzeugt. Nun ist die Finanzierung für zunächst 2 Jahre bis Ende 2019 durch städtische Haushaltsmittel gesichert. Im Laufe dieser Zeit wird das Projekt evaluiert, wenn die Ergebnisse weiterhin überzeugend sind, besteht eine reelle Chance auf Weiterfinanzierung.

Doch das ist noch nicht genug, die Stadt Aachen legt nicht die Hände in den Schoß. "Wir haben einen Antrag nach Bundespräventionsgesetz gestellt", erklärt Annette Tiltmann von der Stadt Aachen. Sie ist kommunale Netzwerkkoordinatorin gegen Kinderarmut und Koordinatorin in dem Projekt "Kommunale Präventionsketten NRW". Mit diesen Mitteln sollen die beiden Familiengrundschulen - somit auch die Grundschule Driescher Hof - in eine "Gesunde Familiengrundschule" entwickelt werden.

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"Von frühen zu frühzeitigen Hilfen" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/von-fruehen-zu-fruehzeitigen-hilfen/ Die Fachtagung "Präventive Familienpolitik- zwischen Theorie und Praxis" fand am 13.06.2018 im... Bottrop hat sich bereits auf den Weg gemacht und das Thema „Präventive Familienpolitik“ ganz oben auf die Agenda gesetzt. So entstand im September 2017 die Idee zu dieser Fachtagung, deren Aktualität und Relevanz sich auch in der regen Teilnahme der Stadtspitze sowie von Fachkräften aus Politik und Verwaltung widerspiegelte. Der amtierende Oberbürgermeister von Bottrop, Bernd Tischler, begrüßte die über 120 Teilnehmenden im Lichthof des Berufskollegs: Wissenschaft und Politik seien sich einig, dass es zentrale Aufgabe der Familienpolitik sei, Kindern bessere individuelle Lebenschancen und optimale Unterstützung ihrer Entwicklung zu bieten. Hierbei spielen die Familien – als zentrale Orte des Aufwachsens - eine wesentliche Rolle; sie seien nicht nur prägendes Umfeld für die Kinder, sondern auch Schnittstelle zu (Stadt-)Gesellschaft und öffentlich bereit gestellten Angeboten.  "Wir müssen Familien frühzeitig stärken und unterstützen, um allen Kindern ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen."

Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop

„Von frühen zu frühzeitigen Hilfen“

Damit Angebote und Unterstützung bei den Familien ankommen, die sie benötigen, braucht es nicht nur frühe, sondern frühzeitige Hilfen. Im Rahmen des Landesprogramms „Kommunale Präventionsketten Nordrhein-Westfalen“ hat die Stadt Bottrop ämterübergreifend seit 2017 eine Präventionsstrategie entwickelt: „Familie vor Ort – von frühen zu frühzeitigen Hilfen“ ist das Leitziel für die bereichsübergreifende Kooperation u.a. mit dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe und den (Familien-)Bildungseinrichtungen, um den Ausbau der kommunalen Präventionskette vor Ort voran zu treiben. Die Präventionskette ist gleichbedeutend mit einer besseren Vernetzung von Akteuren sowie der besseren Verzahnung von Angeboten und Hilfen für Familien - ausgehend von den individuellen Bedarfen.

Genau hier setzt auch die Fachtagung „Präventive Familienpolitik“ an, initiiert und organisiert von Kerstin Stiewe, Koordinatorin der kommunalen Präventionskette in Bottrop. Den Teilnehmenden aus unterschiedlichen Bereichen der Stadtverwaltung, von freien Trägern und Bildungseinrichtungen bot sich hier Gelegenheit für intensiven Austausch; der „Markt der Möglichkeiten“ lud ein, sich über Angebote und Initiativen zu informieren. Auch die „Theorie“ kam nicht zu kurz: In zwei Fachvorträgen legten anerkannte Experten auf dem Gebiet der präventiven Familienpolitik ihre Ansätze dar.

„Politik muss die Bedürfnisse von Kindern in den Vordergrund stellen.“

Prof. Dr. rer. soc. Klaus-Peter Strohmeier, Ruhruniversität Bochum

Offiziell ist Prof. Dr. Strohmeier zwar im Ruhestand – aber noch lange nicht gewillt, sich zurückzulehnen. Denn seine Herzensthemen sind Familie und Sozialpolitik. Er verdeutlichte, dass (präventive) Familienpolitik immer auf der lokalen Ebene stattfindet und (aus-)gestaltet wird – vor Ort, „da wo Familien leben“. Ebenso gebe es keine Familienpolitik „von der Stange“, vielmehr seien die unterschiedlichen Bedarfs- und Problemlagen von Familien ausschlaggebend – um „familiengerecht“ zu agieren. Im Kern geht es demnach darum, die Bedarfslagen der Familien zu erkennen und benennen zu können, also Transparenz darüber zu schaffen „Wo wird was gebraucht?“. Um Transparenz zu schaffen, benötigen Kommunen (kleinräumige) Daten, die erhoben und ausgewertet werden müssen. Daraus ließen sich dann integrierte kommunale Handlungskonzepte erarbeiten, die von „Akteursbündnissen“ in der Kommune umgesetzt würden – nicht nur von der Verwaltung, sondern z.B. von Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, freien Trägern und Kirchen.

Nicht zuletzt appellierte Strohmeier, dass es bei allen familienpolitischen Maßnahmen darum gehen müsse, Eltern sowie auch Kinder zu stärken. In dem man Umgebungen und (positive) Erfahrungsräume schafft, die für Kinder gut sind.

Initiates file downloadzur Präsentation/Vortrag Prof. Dr. Strohmeier (PDF)

Chancen(-gerechtigkeit) schaffen durch kommunale Präventionsketten

Dr. Heinz-Jürgen Stolz stellte die Arbeit der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“vor, die 2012 unter dem Titel „Kein Kind zurücklassen – Kommunen beugen vor“ an den Start ging.  Die 40 teilnehmenden Kommunen des Programms legen einen Fokus auf Primärprävention.

„Ziel ist es, gute und anregende Lern- und Lebensumgebungen für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen.“

Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Institut für soziale Arbeit e.V.

Dem entgegen steht der globale Trend der „soziale Entmischung“, welche benachteiligende Lebenslagen von Kindern und Familien nicht nur in einzelnen Sozialräumen, sondern auch in einzelnen Einrichtungen – Kitas und Schulen – verstärke. Somit verschärften sich ungleiche Ausgangslagen von Kindern und Jugendlichen und konzentrierten sich an bestimmten Orten. Um diese ungleichen Ausgangslagen „abzufedern“, um also die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, bedürfe es eines strategischen kommunalen Vorgehens mit einem integrierten Handlungskonzept zur Prävention.

Initiates file downloadzur Präsentation/Vortrag Dr. Stolz (PDF)

Lese-Tipp: Kommunale Präventionsketten – Handbuch zur Qualitätsentwicklung

Im Anschluss an die Fachvorträge wurden kommunale Beispiele aus Bottrop vorgestellt, die zeigten, dass die Stadt hier schon auf einem guten Weg ist, die Bürgerinnen und Bürger an Planungs- und Entwicklungsprozessen zu beteiligen und bereichsübergreifend im Sinne von Familien zu denken: Über die inhaltlichen Schnittmengen und integrierte Handlungskonzepte sind folgende Programme / Initiativen in Bottrop gut vernetzt:

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„Wir brauchen Daten und Taten“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/wir-brauchen-daten-und-taten/ So begrüßte Ralf Güldenzopf, Derzernent für Strategische Planung in der Stadt Oberhausen die etwa...

Zum fünften Mal lud die „Koordinationstelle Kinderarmut“ vom  LVR-Landesjugendamt Rheinland (LVR) zusammen mit der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW “ in Trägerschaft des  Instituts für soziale Arbeit e.V. (ISA) zu einer zweitägigen Tagung ein, die das Kind in den Mittelpunkt stellte und diesmal dabei die räumliche Dimension fokussierte.

Initiates file downloadProgramm der Frühjahrsakademie 2018


Alexander Mavroudis vom LVR und Maren Hilke vom ISA führten gemeinsam durch die Tage. „Die Frühjahrsakademie ist ein Forum für den interkommunalen Austausch und soll die Koordinationsfachkräfte der Kommunen dabei unterstützen, ihre Präventionsketten weiter auszubauen und dabei auch Lösungen zu finden, wie den möglichen Folgen von Armutslagen für gelingendes Aufwachsen frühzeitig begegnet werden kann“, so Mavroudis. Er betonte die gewachsene vertrauensvolle Atmosphäre zwischen allen Beteiligten und den lebendigen Dialog untereinander. Nicht zuletzt durch diese konstruktive Atmosphäre sei die gemeinsame Frühjahrsakademie zu einer allseits geschätzten Tradition geworden.

„Es geht um mehr als Beton“


betonte Hilke bei der inhaltlichen Einführung in den ersten Tagungstag. Mit dem Thema „Stadtentwicklung“ wolle man sich der räumlichen Dimension der Kinderarmut nähern und hinterfragen, wie stadtplanerische und sozialpräventive Ziele miteinander in Einklang gebracht werden können.

„Denn Kindheiten unterscheiden sich, je nachdem, wo man aufwächst.“

Das bestätigte Prof. Dr. Ing. Sabine Baumgart von der Technischen Universität Dortmund, die über „Stadt(teil)entwicklung - Gesundheit und Teilhabe“ referierte. Dabei zeigte sie am Beispiel Dortmunds auf, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen sich um ca. 7 Jahre unterscheide, je nachdem, ob sie im Süden oder im Norden der Stadt leben. Die Gründe seien vielfältig. Doch im Resultat müsse man feststellen:

„Wer arm ist, lebt häufiger in einer Umwelt, die krank macht.“ (Zitat: Andreas Troge)

Diese großen Unterschiede lassen sich an vielen Städten belegen, auch beispielsweise in London zwischen dem wohlhabenden Westen und dem ärmeren Osten der Stadt.

Um das zu ändern, muss man sich die Frage stellen: Wer trifft die Wohnraum gestaltenden Entscheidungen? Wie muss sich Stadtplanung verändern?

Baumgart ordnete die Zielsetzungen von Stadtplanung ein und stellte insbesondere eine Verknüpfung zu dem Aspekt Gesundheit her. In der Stadtplanung, die seit dem 19. Jahrhundert von den Begriffen Schutz und Vorsorge bestimmt sei, und machte Baumgart einen Paradigmenwechsel aus. Während früher rein pathogenetisch gehandelt wurde, von Krankheiten ausgehend, würde sich heute vermehrt salutogenetisch orientiert. Die vorhandenen Ressourcen werden in den Blick genommen, um eine Gesundheitsstärkung und -förderung zu erreichen.

Vorhandene Ressourcen können beispielsweise raumbezogene Daten sein, die bereits vorliegen. Baumgart sprach an das Fachpublikum aus den Kommunen die Empfehlung aus, zunächst mit den Daten zu arbeiten, die man schon hat. Bevor man sich mit langwierigen Datenerhebungen selbst den Wind aus den Segeln nimmt. Und letztlich gelte es vom Kind aus zu denken:

„Die Kinder ernst nehmen als Akteure in der Stadt.“

Dazu eignen sich auch andere Instrumente der Stadtplanung, wie Spielleitplanung oder die Gestaltung von Bildungslandschaften. 

Initiates file downloadVortrag von Prof. Dr. Ing. Sabine Baumgart


Nach dem Input von Prof. Baumgart bekamen die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen Gelegenheit zum fachlichen Austausch untereinander. In Foren stellten sieben Städte Praxismodelle vor, bei denen die Verbindung von Prävention und Stadtentwicklung gut gelungen ist.

1.      Köln: Die Bildungslandschaft Altstadt Nord

Olaf Köster-Ehling, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Initiates file downloadzur Präsentation

2.      Euskirchen: Stadtentwicklung und Prävention am Beispiel der Projektarbeit im Programm „Mehr Freiraum für Kinder“

Melanie Barth, Fachbereich Schulen, Generationen und Soziales,
Stadt Euskirchen

Initiates file downloadzur Präsentation

3.      Düsseldorf: Garath 2.0 – den Wandel gestalten

Mark Schimmelpfennig, Jugendamt der Stadt Düsseldorf
Maren Siegel, Freizeitstätte Garath/Jugendamt der Stadt Düsseldorf

Initiates file downloadzur Präsentation

4.      Stolberg: Integrierte Stadtentwicklung im Rahmen von
„Starke Quartiere, starke Menschen“

Sabine Viethen, Jugendamt, und Leo Jansen, Amt für Soziales,
Stadt Stolberg

Initiates file downloadzum Handout

5.      Krefeld: Die Nachbarschaft Samtweberei – ein lebendiger Ort
für Wohnen, Arbeit, Bildung und Teilhabe

Robert Ambrée, Montag Stiftung Urbane Räume

6.      Duisburg: Stadtentwicklung und Prävention am Beispiel des Bildungscampus Marxloh

Ute Hilmer, Stadt Duisburg, Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement

Klaus-Peter Müller, Stadt Duisburg, Büro Bildungsregion Duisburg

Initiates file downloadzur Präsentation

7.      Oberhausen: place2be – Entstehung und Entwicklung einer Jugendeinrichtung in der Innenstadt

Hendrik Detmers, Jugendhilfeplanung Jugendförderung und Begleitung des Jugendparlaments

Initiates file downloadzur Präsentation

8.      Aachen: Familienfreundliche Stadtplanung

Initiates file downloadzur Broschüre

Initiates file downloadzur Ratsvorlage

Der Schwerpunkt des zweiten Tages lag auf den sozialpolitischen Herausforderungen, Kinder- und Jugendarmut zu begegnen. Für die Einstimmung sorgte die Journalistin und Schriftstellerin Undine Zimmer, die aus ihrem Buch „Nicht von schlechten Eltern - meine Hartz-IV-Familie“ vorlas und sehr konkrete und persönliche Einblicke in den abstrakten Begriff „Armut“ gewährte.

Opens external link in new windowzur Lesung "Nicht von schlechten Eltern"

Abruf der einzelnen Kapitel:

Opens external link in new windowProlog

Opens external link in new windowKapitel Lidltüte

Opens external link in new windowKapitel Ballettschuhe

Opens external link in new windowKapitel Caprisonne

Opens external link in new windowKapitel Kaffeetasse

Opens external link in new windowKapitel Frosch

Opens external link in new windowEpilog

Dabei stellte Zimmer die grundsätzliche Frage in den Raum:

„Was ist Armut?“

Ihre Antwort ist geprägt durch die eigene Biografie. Im Kern sei es das Gefühl, „sein Leben nicht selbst gestalten zu können, seinen Platz in der Gesellschaft nicht zu finden.“

Doch wie dem entgegenwirken?

„Alle suchen nach dieser einen Schraube im Getriebe, die man nur drehen muss.

Aber gibt es die?“ 

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen wollen genau solche Schrauben identifizieren und begaben sich in den fachlichen Dialog. Ziel war es, konkrete Handlungsanforderungen an Kommunen, das Land und den Bund zu formulieren und diese Anforderungen in das anschließende Salongespräch der Entscheidungsträger einzubringen, die sich mit den sozialpolitischen Herausforderungen, Kinderarmut zu begegnen, auseinandersetzten.

Salongespräch – Diskussion mit Entscheidungsträgern

  • Manfred Walhorn, Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW

    Opens external link in new windowzum Interview "4 Fragen an Manfred Walhorn"

  • Dr. Matthias Menzel, Hauptreferent beim Städte- und Gemeindebund NRW

  • Ursula Holtmann-Schnieder, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses der Stadt Düsseldorf

  • Michaela Hofmann, Referentin beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.

  • Undine Zimmer, Schriftstellerin

Moderator Christoph Gilles wollte von den Diskutanten wissen:


Wie kann Prävention umgesetzt werden?“

Einig war sich die Runde mit der Notwendigkeit von integrierten Handlungsstrategien, die sowohl verschiedene Ebenen als auch Politikbereiche miteinander verknüpfen. Dr. Matthias Menzel sah Handlungsnotwendigkeiten auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, um mit Prävention in die Fläche gehen zu können. Ursula Holtmann-Schnieder fordert nicht nur die Zusammenarbeit verschiedener Ämter. Sie blickte hinter die Ämterkulissen und auf deren Arbeitsplatzbewertungen. Bei Stellenbeschreibungen müsse die Präventionsarbeit bereits mitgedacht und eingeplant werden, die viel Zeit in Anspruch nehme. Manfred Walhorn hob die sozialpolitischen Herausforderungen durch die Milieukonzentration hervor, die immer mehr zunehme. Daher reiche es nicht, sich um Wohnungen zu kümmern und guten Unterricht anzubieten. Gerade was in und zwischen den Peergroups passiere, sei wichtig und im Blick zu behalten. Auch Hofmann sah eine große Herausforderung in der zunehmenden Segregation, die auch durch Armut bestimmt sei.

„Man sollte Menschen nicht zum Umzug zwingen.“

Stattdessen gelte es die Eltern zu unterstützen, damit sie ihre Kinder besser unterstützen können. Undine Zimmer bekam das Schlusswort und ging auf die Haltung ein, die man „armen“ Menschen entgegenbringen müsse.
„Die Menschen wollen kein Fall sein, der behandelt wird. Sie wollen selber entscheiden.“
Zimmer ermutigte die versammelten Akteure, „an die Menschen zu glauben“.

Opens external link in new windowzum Salongespräch (gekürzte Fassung)

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Familienzentren an Grundschulen: "Es geht darum, Schule und Eltern zusammenzubringen, im Sinne der Kinder." https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/familienzentren-an-grundschulen-es-geht-darum-schule-und-eltern-zusammenzubringen-im-sinne-der-k/ Interview mit Dr. Markus Warnke, Geschäftsführer der Wübben Stiftung

Herr Dr. Warnke, die Wübben Stiftung steht mit ihrer Arbeit für mehr Bildungsgerechtigkeit von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen und setzt in diesem Zusammenhang auf das Modell der Familienzentren an Grundschulen. Was ist darunter zu verstehen?

Warnke: Der Stiftung geht es darum, besonders vielen Kindern und Jugendlichen aus schwierigen familiären Situationen zu helfen und sie zu unterstützen. Deswegen sind wir in Schulen aktiv, die in sozialen Brennpunkten liegen. Es geht also um bildungsabhängige Berufs- und Bildungsbiographien. Wir wollen da ansetzen, wo das Elternhaus keine Unterstützung, sondern ein Hindernis oder eine Barriere darstellt. Deswegen haben wir z.B. mit der Stadt Gelsenkirchen das Modell der Familienzentren vom Kindergarten auf die Grundschule übertragen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede, aber das Ziel ist, über die Schule Eltern zu erreichen und gleichzeitig Schulen für die Zusammenarbeit mit Eltern zu sensibilisieren – oder man könnte auch sagen: zu öffnen. Damit beide gemeinsam in einer Verantwortungsgemeinschaft etwas für die Kinder und Jugendlichen bewirken können. Es geht darum, Schule und Eltern zusammenzubringen, im Sinne der Kinder.

 

Für den Aufbau einer lückenlosen Präventionskette sind Ankerpunkte in verschiedenen Altersabschnitten von großer Bedeutung. Dabei ist die Gestaltung eines möglichst niedrigschwelligen Zugangs erfolgsentscheidend -  insbesondere, wenn man den Kontakt zu den „schwer erreichbaren“ Familien sucht. Familienzentren an Grundschulen werden von Ihnen als solch niedrigschwellige Ankerpunkte gehandelt. Was kann dieses Modell bieten?

Warnke: Es gibt ja im Prinzip schon ein Modell, an dem wir uns orientiert haben. Das sind die Familienzentren in den Kindergärten, wo man versucht, über niedrigschwellige Angebote schlicht und ergreifend Eltern zu erreichen. Die Angebote werden in den Kindergarten geholt. Diese Niedrigschwelligkeit und der Versuch, proaktiv auf Eltern zuzugehen war der Pate des Gedankens, das auch in der Grundschule zu versuchen. Unser Anliegen als Stiftung war es, das nicht nur eins zu eins zu adaptieren, sondern zu schauen, welche Ressourcen sind in und um Schulen schon vorhanden. Und dann auch tatsächlich die Schulen zu öffnen, d.h. insbesondere die Lehrerinnen und Lehrer zu sensibilisieren mit allen Eltern umzugehen. Sie sagten gerade: besonders schwer erreichbare Eltern. Ich bin der Auffassung, dass sie alle Eltern erreichen können. Es geht um die Frage der Ansprache. Da können Yogakurse oder auch Schminkkurse und Kochangebote eine sinnvolle Maßnahme sein. Wo viele bildungsbeflissene Eltern vielleicht sagen: Warum macht man das? Aber darum geht es: Genau zu überlegen, wie kann ich an alle Eltern rankommen.

Deswegen ist auch „anders erreichbar“ der bessere Begriff, nicht „schwer erreichbar“. Schwer ist eine Frage der Perspektive. Wir als Stiftung sind ja in verschiedenen schulischen Kontexten unterwegs. Ich kann mich daran erinnern, dass ich zwei, drei Mal in Runden mit Schulleitungen gesessen habe, in denen mir gesagt wurde, man habe alles versucht. Zu manchen Familien bekämen die Schulen einfach keinen Kontakt. Die Eltern wollten das nicht. Nichtsdestotrotz gibt es Schulen, mit den gleichen Herausforderungen, wo es funktioniert. Ich glaube, dass es damit etwas zu tun hat, sich auf die unterschiedlichen Sprachebenen einzulassen. Man muss sich darauf einlassen, was die Eltern mitbringen. In der Regel erreichen sie die Eltern nicht, indem sie irgendwelche Rundmails oder Rundbriefe schreiben. Dazu muss man wissen, dass die zum Teil gar nicht gelesen werden können. Selbst wenn der Wille da ist. Aber überall, wo man proaktiv auf die Eltern zugeht und ihnen sagt, dass es wichtig ist, dass sie dabei sind, klappt das. Wir haben in Mönchengladbach eine Projektpartnerschaft bei der es auch darum geht, den Gedanken der Elternarbeit in Grundschulen zu holen. Es ist für uns auch wichtig zu schauen, ob die Projekte die Zielgruppe überhaupt erreichen. Wir haben da als Wirkindikatoren die Teilnahme an Elternabenden und Elternsprechtagen. Bei den Elternsprechtagen ist es durch die gezielte Ansprache gelungen, die Teilnahme von 50% auf über 80% zu steigern. Sie sehen, es geht. Ich bin da fest von überzeugt.

Ich bringe noch ein Beispiel: Wir haben uns vor kurzem eine Grundschule in Gelsenkirchen angeschaut, wo bis vor ein paar Wochen die Väter die Konflikte der Söhne auf dem Pausenhof ausgetragen haben. Die haben sich da geprügelt. Jetzt kann man sagen, die sind nicht erreichbar. Ich würde sagen, die sind massiv erreichbar, weil sie da vor der Tür stehen und aufpassen, dass ihren Kindern nichts passiert. Was hat man da gemacht? Mit Hilfe des Familienzentrums hat man angefangen, eine gemeinsame Koch-AG, in diesem Fall der Mütter, zu initiieren, um das Kennenlernen unter den Eltern zu ermöglichen. Und das hatte schon die ersten positiven Effekte. Ich glaube, dass die Eltern erreichbar sind. Wenn sie aus anderen Kulturkreisen kommen, wissen sie nicht, wie hier in Deutschland Schule organisiert ist und welche Rolle sie haben. Ich glaube, Schule muss sich darauf einstellen. Es geht kein Weg daran vorbei. Für die Bildungsbiographie ist das Elternhaus entscheidend. Es geht nur mit den Eltern.

 

Bei den Familienzentren an Grundschulen treffen verschiedene Bereiche aufeinander, die es gewohnt sind, normalerweise unabhängig voneinander zu agieren. Bei der Familiengrundschule wären das die Säulen Schule, offene Ganztagsschule und die Sozialarbeit. Wie wichtig ist die Verzahnung dieser Bereiche und wie kann man diese sicherstellen bzw. befördern?

Warnke: Sie beschreiben ein Grundproblem, was auch im Bereich des offenen Ganztags immer wieder zu Tage tritt. Uns geht es nicht nur um die Erreichbarkeit der Eltern und die Bildungsbiographien der Kinder. Sondern uns geht es natürlich auch um diese systemischen Ansätze. Zu versuchen, alle von Ihnen genannten Akteure besser miteinander ins Spiel zu bringen und zu verzahnen. Das ist natürlich ein Anliegen. Ein gutes Familienzentrum an einer Grundschule funktioniert nur dann, wenn alle Systemakteure auch gut zusammenarbeiten.

 

Welche Systemakteure haben Sie im Blick? Bis wohin reicht im besten Fall das „System Familiengrundschule“ aus ihrer Sicht?

Warnke: Es gibt z.B. noch Angebote der Familienbildung, die im Sozialraum sind. Sie haben psychologische Dienste, die dabei sind. Sie haben den ganzen Bereich der Hilfen zur Erziehung, die gerade für die Zielgruppe eine besondere Relevanz haben. In unserem Projekt kommen hinzu: Kooperationen mit weiteren Schulen und vielleicht mit Akteuren im Sozialraum, die man auch berücksichtigen könnte, wie z.B. den Schrebergarten um die Ecke. Also wir gehen das Ganze sehr komplex an. Und wenn ich „wir“ sage, meine ich immer vorrangig die Koordinatoren dieses Projektes in der Stadt Gelsenkirchen. Und da wo wir können, unterstützen wir als Stiftung das Ganze.

 

Sie sprachen von den Familienzentren, die sich mit Kitas einen Standort teilen und an vielen Standorten funktionierende Ankerpunkte sind. Sie werden als Vorbilder der Familiengrundschulen gehandelt. Aber dieses Erfolgsmodell der Familienzentren an Kitas ist nicht eins zu eins auf die Schule zu übertragen, weil da ein anderes soziales Gefüge herrscht.

Warnke: So ist es. Allerdings muss ich an dieser Stelle eine Sache deutlich benennen. Wenn ich von Schule spreche, meine ich nicht nur das, was im Unterricht mit den Lehrerinnen und Lehrern stattfindet, sondern das ganze Gefüge. Das funktioniert aber nur, wenn man eine Bereitschaft hat, insbesondere von Schulleitungen, sowas auch mitzutragen und als Schulentwicklungsprozess zu sehen. Und das ist aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied zum Kindergarten.

 

Ein weiterer Unterschied ist das Ungleichgewicht im Verhältnis der Familie zur Schule, welches dadurch entsteht, dass die Schule entscheidet, wie es für das Kind weitergeht. Das heißt, es gibt dort ein Abhängigkeitsverhältnis, was im Wege stehen könnte, wenn man versucht, ein Vertrauensverhältnis herzustellen. Wie schafft man es trotzdem, ein Klima des Vertrauens zwischen den Familien und der Schule zu ermöglichen?

Warnke: Alles, was ich schildere, sind erste Eindrücke aus unserem Projekt. Es gibt eine begleitende Evaluation von Frau Prof. Stöbe-Blossey. Die Zufriedenheit der Eltern mit den Familienzentren an Grundschulen ist sehr hoch. Das vielleicht mal vorweg. Aber so selbstverständlich die Kooperationsbereitschaft und auch der Gedanke, dass man in Kindergärten Elternarbeit leistet, ist, verändert sich diese Einstellung in der Grundschule und erst recht bei den weiterführenden Schulen. Ich bin ganz sicher, dass das Verhältnis von Lehrerinnen und Lehrern zu z.B. Schulsozialarbeitern ein komplett anderes ist, als z.B. von Erzieherinnen zu den Angeboten der Familienbildung und der Familienhilfe in den Kindergärten. Es gibt Berührungsängste oder -hemmnisse. An Schulen merken sie das, wenn sie fragen, welcher Schulsozialarbeiter denn mit im Lehrerzimmer sitzt. Ich habe immer gedacht, das sei total normal, dass alle in einem Raum sitzen. Das ist nicht normal. Daran können Sie ja schon sehen, dass da verschiedene Systeme – wir sprachen da schon von - aufeinanderprallen. Dann kommen noch die Eltern dazu, die eine andere Erwartungshaltung haben. Sie wollen das Beste für ihr Kind.

 

Sie haben für ihr Engagement als Stiftung den Anknüpfungspunkt Schule gewählt. Warum ist gerade das Ihr Ankerpunkt? Könnten Sie sich noch andere Ankerpunkte neben der Schule in diesem Lebensabschnitt oder diesem Lebensalter vorstellen?

Warnke: In der Schule sind sie alle. Wir als Stiftung sind da sehr rational rangegangen. Für uns ist es wichtig, ein Programm zu haben, in dem man Eltern beteiligt. Rein theoretisch kann man natürlich noch über andere Wege nachdenken. Das geht jetzt aber über das Thema Familienzentren an der Grundschule hinaus. Meine Grundfrage wäre immer: Wo treffe ich Eltern an? Konkret: Warum gibt es keine angepassten Angebote für Familienbildung samstagmorgens auf dem Parkplatz bei Aldi?

 

Schule ist ja nicht gleich Schule. Abhängig vom Sozialraum stellen sich ganz unterschiedliche Herausforderungen. Welche Schulen sind insbesondere als Standort einer Familiengrundschule geeignet? 

Warnke: Der Wübben Stiftung geht es darum, Kindern zu helfen, die aus sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen kommen. Für uns ist vollkommen klar, dass wir in Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf gehen, also in sogenannte Brennpunkte. Ganz grundsätzlich bin ich schon der Auffassung, dass die Angebote eines Familienzentrums eigentlich in allen Schulen vorhanden sein müssten, unabhängig vom sozialen Gefüge. Aber auch aus Sicht der Stiftung ist klar, dass es hier einen besonderen Bedarf gibt und deswegen ist unser Engagement auf diese Stadtteile und Schulen konzentriert. 

 

Ich würde jetzt gerne noch mal stärker auf die Inhalte, die von Familienzentren an Grundschule vermittelt werden können und sollen, eingehen. Was haben Sie da für eine Vorstellung der Funktion einer Familiengrundschule? Gibt es da Schwerpunkte, die Sie benennen können? Ist da z.B. eine vorrangige Fokussierung auf die Bildungsförderung? 

Warnke: Die erste Überlegung, die wir in den Projekten, die wir fördern, immer mit dem Projektverantwortlichen anstellen, ist: Wie erreichen wir die Eltern? In Gelsenkirchen haben wir eine Kaskade erstellt, angefangen von besonders niedrigschwelligen zu anspruchsvolleren Angeboten. Als Stiftung haben wir einen zentralen inhaltlichen Schwerpunkt eingebracht, nämlich den Übergang von der Grund- auf die weiterführenden Schulen. Dieser ist nicht nur in der Bildungsbiografie besonders sensibel. Er ist auch das geeignete Thema für Eltern, die sich alle damit auseinandersetzen. 

 

Lassen Sie uns auf die guten Beispiele schauen. Was wurde in den Schulen, die im Zusammenspiel mit einem Familienzentrum gut funktionieren, konzeptionell richtig gemacht? 

Warnke: Für mich ist die Leitung der Schule Dreh- und Angelpunkt. Richtig gut läuft es immer dann, wenn die Schulleitung das Projekt will und ihre Rolle nicht nur darin sieht, den Lehrerinnen und Lehrern dabei zu helfen, ihren Unterricht möglichst stressfrei zu machen. Sondern dass sie versteht, dass sie ihre Schule mit so einem Projekt voranbringen kann. Das ist für mich ausschlaggebend. Und eine entscheidende Rolle spielt in diesem Kontext für mich auch der Schulträger oder die Stadt. Weil sie weiß, es gibt viele Ressourcen im Umfeld der Schulen, seien es die Angebote der Jugendhilfe, der Hilfen zur Erziehung, der Angebote im Sozialraum usw.. Und es läuft allemal besser, wenn alle diese Ressourcen gebündelt aufeinander abgestimmt und direkt in Schulen angesiedelt und angedockt sind. Es braucht also den Willen bei der Schulleitung und den Willen beim Schulträger, dass man sich aktiv mit einbringt.

 

Ich frage jetzt auch noch mal anders herum, weil wir oft erleben, dass nicht nur die guten Erfahrungen wichtig sind. Besonders lehrreich sind oft auch die Geschichten des Scheiterns - wenn jemand so mutig ist, diese zu erzählen. Was wäre denn aus Ihrer Sicht ein ganz typischer Stolperstein, den man versuchen sollte zu vermeiden? 

Warnke: Wir fangen bei unseren Projekten immer an, mit der Stadt zu diskutieren, bevor wir auf die Schulen zugehen. Für uns ist es zwingend, dass die Stadt so etwas machen möchte, weil wir eben die Stadt/den Schulträger als entscheidenden Akteur im ganzen Geflecht sehen. Dann geht es darum, Schulen zu identifizieren. Und schließlich muss man schauen, ob das Projekt getragen ist vom Willen, so etwas wirklich auch positiv zu nutzen. Es funktioniert dann nicht, wenn man sich einfach nur eine zusätzliche Ressource erhofft, insbesondere eine solche, die dabei hilft, diese nervigen Eltern loszuwerden. Mit dieser Voreinstellung klappt das nicht. Das ist jedenfalls nicht das, was wir als Stiftung wollen. Dazu führen wir im Vorfeld sehr viele Gespräche. Es muss Einfluss haben auf die Schule, sonst macht das gar keinen Sinn.

 

Welche Aufgaben kann oder möchte denn die Wübben Stiftung bei dem Aufbau von Familiengrundschulen übernehmen? Welches Angebot machen Sie an Land und Kommunen? 

Warnke: Wir haben jetzt ein paar Modellkommunen und -schulen unterstützt und erste Erfahrungen gemacht. Das Angebot, das wir dem Land machen, ist, dass wir gerne gemeinsam auf diese ersten Erfahrungen schauen wollen und uns vorstellen können, zusammen weitere Erfahrungen zu machen und auf dieser Grundlage zu überlegen, ob so etwas tatsächlich auch ein Angebot für die Fläche sein kann. Für mich ist es ganz wichtig, dass es immer um eine Aufgaben- und Verantwortungsteilung zwischen den verschiedenen Bereichen und Ebenen der öffentlichen Hand geht. Und ich meine damit eben nicht nur, dass ein Land oder speziell ein Ministerium da eine Aufgabe hat. Es ist vollkommen klar, das Schulministerium muss genauso beteiligt sein wie das Kinder- und Jugendministerium. Vielleicht sind noch andere Ressorts zu beteiligen. Ich habe schon die Bedeutung des Schulträgers genannt. Das ist ganz, ganz wichtig. Es geht nicht darum, im Prinzip jetzt schon eine Art von Aufgaben- oder Forderungskatalog zu definieren. Sondern wir als Stiftung würden gerne gemeinsam mit den genannten Akteuren eine Diskussionsreihe organisieren, um nachher selber ganz interessiert zu schauen, was denn da rauskommen könnte.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

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Bochum knüpft weiter am Netz für Prävention und Bildung https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/bochum-knuepft-weiter-am-netz-fuer-praevention-und-bildung/ Dreihundert Akteure aus den Bereichen Schule, Jugendhilfe, Freie Träger, Verwaltung,... Oberbürgermeister Thomas Eiskirch begrüßte das vollbesetzte Auditorium in der beeindruckenden Kulisse des Annelise Brost Musikforums Ruhr: „Heute wird zusammengeführt, was bislang noch nicht zusammengeführt wurde.“ Eiskirch forderte übergreifende Arbeit in mehrfacher Hinsicht: „Wir müssen bereichsübergreifend und lebensphasenübergreifend agieren. Nur so können wir ein dichtes Präventionsnetz spinnen und gemeinsam gute Voraussetzungen für gelingende Bildungsbiografien schaffen.“

An diese Forderung knüpfte Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“, in seinem Fachvortrag über „Die Rolle von Bildung und Regionalen Bildungsnetzwerken für kommunale Präventionsansätze“ an. Er mahnte verstärkte multiprofessionelle Zusammenarbeit an, statt lediglich additiv vorzugehen. Das Nebeneinander von Angeboten, die jeweils innerhalb der ihnen gesteckten Ressortgrenzen gedacht werden, ist auch bei besten Absichten im Alltagsgeschäft der Kommunen ein wiederkehrendes Muster. Dabei nannte er als Beispiel die Offene Ganztagsschule, wo vielerorts die Multiprofessionalität nicht ausreichend als Team genutzt würde und eine Verzahnung der Ressorts nicht ausreichend stattfinde. „Da darf man ehrgeiziger sein. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Stolz bemühte den Reformpädagogen Hartmut von Hentig – „Lebensprobleme gehen vor Lernproblemen“- um zu unterstreichen, wie grundlegend der Brückenschlag zwischen den Feldern Prävention und Bildung ist. Die je nach Sozialmilieu und individueller Biografie ungleichen Lernausgangsbedingungen müssen von den Bildungsverantwortlichen gesehen werden. Gleichzeitig dürfe man die Schule nicht allein lassen mit dem Auftrag Bildung. Die Schullaufbahnsicherung müsse schon in den Kitas beginnen. Mit besonderer Aufmerksamkeit seien die Übergänge in die Grund- und weiterführende Schule, sowie in die Ausbildung im Blick zu behalten. Übergänge von einem Entwicklungsfeld ins nächste sind gekennzeichnet von erhöhter Anpassungsleistung der Kinder und besondere Anforderungen an die Eltern, die in dieser prägenden Phase Begleitung benötigen können. Präventions- und Bildungsnetzwerke seien Teil einer Verantwortungsgemeinschaft bei der Arbeit an einer gemeinsamen Formel für Prävention und Bildung. Dafür gelte es nachhaltige Strukturen zu schaffen.

Über die Strukturen und ihre Nachhaltigkeit diskutierten auch die Experten auf dem Podium:

  • Britta Anger, Beigeordnete der Stadt Bochum für Soziales, Jugend und Gesundheit
  • Maria-Christina Hagemeister, stellvertretende Vorsitzende der AG 78
  • Dolf Mehring, Leiter des Jugendamtes der Stadt Bochum
  • Annette Meyer, Regionalkoordinatorin der Schulaufsicht für das Regionale Bildungsnetzwerk Bochum
  • Martin Stempel, Leiter des Schulverwaltungsamtes der Stadt Bochum
  • Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“

Einig war man sich darin, dass die Investition allein in Einzelprojekte zu kurz gegriffen sei und nicht in Nachhaltigkeit münde. „Weg von der Projektitis“, appellierte Stolz. „Wir wollen nicht, dass Sie irgendwann mal einen Ordner „Kommunale Präventionsketten NRW“ ins Regal stellen und sagen ‚Da haben wir auch mal teilgenommen‘“, bekräftigte Stolz seine Forderung nach langfristigen strukturellen Veränderungen durch integrierte Handlungskonzepte.

Das Schlusswort des Vormittags lag bei der Kabarettistin Esther Münch, die in ihrer Rolle als Putzfrau Waltraud Ehlert den Diskurs mit spitzer Zunge kommentierte: „Mit Bildung muss man schon viel früher ansetzen. Nämlich bei den eigenen Mitarbeitern. Bildung für Kopf und Herz.“

 

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"Sind Sie bereit partizipativ zu arbeiten?" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/sind-sie-bereit-partizipativ-zu-arbeiten/ Das 19. Lernnetzwerktreffen am 07.03.2018 stand unter dem Motto "Partizipation". Staatssekretär... Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Opens external link in new windowISA e.V., moderierte das Lernnetzwerktreffen und führte thematisch in den Tag: Eine der großen Herausforderungen bei dem Auf- und Ausbau kommunaler Präventionsketten sei es, die in der kommunalen Verwaltung implementierten Top-Down-Strategien mit beteiligungsorientierter Angebotsplanung zusammen zu bringen. Prävention sei zunächst „Chef_innensache“, da die kommunale Spitze die strategische Entscheidung zur Entwicklung eines präventionsbezogenen Leitbilds treffen müsse. Bei der Umsetzung des Leitbilds, zum Beispiel bei der Angebotsplanung, gilt es dann, auch das Wissen der Fachkräfte und die Bedarfe der Adressaten einzubeziehen. Für die Fachleute – Planer und Koordinatoren – bedeutet dies, nicht nur die Perspektive der Adressaten bzw. der Fachkräfte einnehmen zu können, sondern darüber hinaus deren aktive Einbindung und Beteiligung für die Planung passgenauer Angebote zu fördern.

INFO: Praxisbeispiele für die beteiligungsorientierte Angebotsplanung bzw. Formate zur Beteiligung von Fachkräften und Zielgruppen gab es auch in den Foren am Nachmittag (siehe unten) sowie im Vortrag des Partizipationsforschers Andreas Bethmann aus Berlin.

Als Vertreter der gastgebenden Stadt Düsseldorf begrüßte Klaus Kaselofsky, stellvertretender Leiter des hiesigenOpens external link in new window Jugendamtes, die rund 80 Teilnehmenden. Er hat selbst in der Jugendhilfeplanung gearbeitet und auch an dem Aufbau der kommunalen Präventionskette in Düsseldorf mitgearbeitet. Die 40 Kommunen, die an der Landesinitiative „Kommunale Präventionsketten NRW“ mitwirken, erfüllen laut Kaselofsky eine Vorbildfunktion für ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Er lobte den praxisorientierten Ansatz der Initiative, die durch ihre sozialräumliche Ausrichtung wichtige Impulse in die Quartiere gebe. Maßgabe sei, vor Ort die Weichen für gelingendes Aufwachsen zu stellen.

"Beteiligung ist ein Schlüssel für die Passgenauigkeit von Unterstützungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Familien" Staatssekretär Andreas Bothe, Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration

Herr Staatssekretär Bothe hat die Teilnehmenden zu diesem 19. Lernnetzwerktreffen persönlich begrüßt. Seit dem vergangenen Opens external link in new windowTreffen im September sei einiges auf den Weg gebracht worden: So ist von der schwarz-gelben Landesregierung  ein KiTa-Träger-Rettungspaket in Höhe von 500 Mio. Euro sowie eine Mittelerhöhung für den Kinder- und Jugendförderplan auf 120 Mio. bewilligt worden. Ferner wurde ein weiterer Ausbau der Opens external link in new windowFamilienzentren beschlossen, es sollen im kommenden Kindergartenjahr zusätzlich 150 neue Zentren in NRW entstehen.

Die Landesregierung hat sich zudem entschieden, den Aufbau kommunaler Präventionsketten durch eine erweiterte Finanzierung zu fördern. „Gegenüber 2017 nehmen wir […] im Bereich der kommunalen Präventionsketten zusätzliche Mittel in Höhe von fast 1,7 Millionen in die Hand“ so Staatssekretär Bothe. Das bedeute annähernd eine Verdreifachung der bisher bereitgestellten Fördermittel. Ein Teil dieser Mittel fließt umgehend in die Maßnahmenförderung: „Wir wollen 2018 auch – über die Koordinierung hinaus - als notwendig erkannte Maßnahmen mitfinanzieren […] und Sie als Kommunen dabei unterstützen, selbst gesetzte Schwerpunkte Ihrer Präventionsarbeit umzusetzen.“ Dabei gelte der Grundsatz „vom Kind her denken“  um Lücken in den Präventionsketten zu identifizieren und abzudecken.

Opens external link in new windowVideo: Grußwort Familienstaatssekretär Bothe


Wie geht es 2019 weiter? - Bilanzierung der „Präventionsketten“

Die Evaluation des Projekts „Kommunale Präventionsketten“ sei Teil einer umfassenden Evaluation der familienpolitischen Leistungen des Landes. Dabei hob Staatssekretär Bothe hervor, dass die Bilanzierung der „Präventionsketten“ aus drei Teilen bestehe:

1. Der Nutzung des vorhandenen Wissens, das bei den beteiligten Kommunen, Akteuren und Projektpartnern aufgebaut werde.
2.  Den Ergebnissen der Evaluation, die im Sommer von den Evaluatoren vorgelegt werden.
3. Dem direkten Austausch des Ministers mit den Spitzen der Modellkommunen.

Aus dem Dialog mit den Kommunen seien bereits wichtige Botschaften an das Land gelangt, so Staatssekretär Bothe: "Die Kommunen haben klar gemacht, dass die Unterstützung des Landes beim Thema Prävention ausdrücklich gewollt ist." Der Staatssekretär kündigte in diesem Zuge ein weiteres Spitzengespräch an: Familienminister Stamp wird die Spitzen der teilnehmenden Kommunen erneut zu einem Dialog ins Ministerium laden – auch um die Perspektiven über 2018 hinaus zu besprechen.

„Partizipation ist immer wieder Aushandlungs- und Definitionssache.“

In seinem Initiates file downloadeinstündigen Input gab Andreas Bethmann Einblicke in die Partizipationsforschung, so zeigte er anhand des "Pyramidenmodells" die verschiedenen Stufen von Partizipation auf. Darüber hinaus ließ er das Publikum in einigen Anekdoten an seinem eigenen Partizipations-Erfahrungsschatz teilhaben:

„Einen guten partizipativen Prozess erkennen Sie daran, dass es Ärger gibt“
Andreas Bethmann, Opens external link in new windowPartKommPlus, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin

Bethman erläuterte wie Partizipation dazu führe, dass Adressaten beginnen, ihre eigenen Interessen verstärkt wahrzunehmen und zu äußern - durchaus nicht immer im Konsens. Bis „die Leute“, wie Bethmann Adressaten gern nennt, bereit seien, sich aktiv an einem Prozess zu beteiligen, könne es manchmal ein ziemlich langer Weg sein. Doch führe er meist zum Ziel, wenn Themen „die Leute“ berühren und dadurch subjektive Relevanz erhalten. Durch den persönlichen Bezug entwickele sich erst die Motivation, der eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen.

Wie man komplexe und „immer auch schwierige“ Beteiligungsprojekte erfolgreich durchführt, zeigten die Praxisbeispiele (Spielplatzplanung / Kochkurs für Übergewichtige Kinder). Wer selbst partizipativ tätig werden möchte, findet im Methodenkoffer hinreichend Ansätze und Praxiswissen zur Umsetzung. Und wenn´s mal wieder ganz schwierig sei -  mitten im Prozess – gibt Bethmann mit auf den Weg: "Jeder Mensch möchte Positives, es ist nur manchmal nicht leicht zu erkennen."

Opens external link in new windowVideo: Input von Andreas Bethmann zu "Partizipation"

Foren

Forum 1: Beteiligungsorientierte Angebotsplanung auf Quartiersebene (Praxisbeispiel: "Mobile Bildungsbaustelle")
Paul Hendricksen & Cathrin Zimmermann (Opens external link in new windowISSAB, Universität Duisburg-Essen)

Forum 2: Mehr als eine Methode: Aktivierende Befragung; Haltung und Rahmenbedingungen
Hille Richers (Freie Trainerin im Non-Profit-Bereich, Gründungsmitglied "Opens external link in new windowForum Community Organizing")

Forum 3: Formate zur Beteiligung von Fachkräften und Zielgruppen

  • "Generation Zukunft Arnsberg - ein zivilgesellschaftliches Beteiligungskonzept auf Grundlage einer Online-Befragung"
    Christian Eckhoff (Stadt Arnsberg, Leiter Opens external link in new windowFamilienbüro, Koordination "Kommunale Präventionsketten“) 
  •  „Das Elterncafé als Ort der Prävention und seine Wirkung auf den Familienalltag – Konzeption und Ergebnisse einer Fachkräftebefragung“
    Diana Wittmann (Stadt Aachen, Opens external link in new windowFachbereich Kinder, Jugend und Schule, Netzwerkkoordinatorin "Kommunale Präventionsketten")
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Auftakt der Entwicklungsgruppe "Wissensbasiertes Handeln" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/auftakt-der-entwicklungsgruppe-wissensbasiertes-handeln/ Entwicklungs-was? Neugierig sitzen etwa 30 Menschen am 27. Februar in einem Tagungshaus in Essen... Was sind Themen und Ziel(e) des Formats?
Der Name des Formats ist richtungsweisend, hier soll tatsächlich etwas entwickelt werden: Nämlich innovative, praxistaugliche Ansätze für die Umsetzung kommunaler Präventionsketten vor Ort. Die Idee der Landeskoordinierungsstelle hinter diesem Format ist, aktuelle wissenschaftliche Theorie – den state-of-the-art - zum Thema zu vermitteln und in die Praxis zu überführen. Zur Vorbereitung wurde u.a. in Expertenhearings ein gemeinsames Ziel fokussiert: Wissensbasiertes Handeln. Wissensbasiert meint, dass nicht etwa gefühlte Wahrheiten oder vermeintliche Gewissheiten die Grundlage kommunaler Planung bzw. kommunalen Handelns sein sollen. Vielmehr sollte validiertes Wissen in Form von kleinräumigen Daten sowie die Perspektiven von Fachkräften und Adressaten solide Entscheidungs- und Handlungsgrundlagen bilden.

Wie kommen Theorie und Praxis zusammen?
Das theoretische Modell steht bereits: Aus den Erfahrungen der wissenschaftlichen Begleitung von 18 Kommunen während der vierjährigen Modellphase ist ein Qualitätsrahmen entwickelt worden. Eine von insgesamt vier Stationen im Qualitätskreislauf ist das „Wissensbasierte Handeln“.

Die Station selbst ist wieder unterteilt in einzelne Prozessschritte, sechs an der Zahl. Hieran soll sich auch die Dramaturgie der Entwicklungsgruppe orientieren.

 

Daher stehen, analog zum ersten Prozessschritt, zum Auftakt diese beiden Fragen im Mittelpunkt: 1.Welche (einschränkenden) Bedingungen für gelingendes Aufwachsen lassen sich in der Kommune ausmachen und wie kann man sie abbilden? 2. Wie identifiziere (und modifiziere) ich  „Stellschrauben“ kommunalen Handelns, um diese Bedingungen positiv zu beeinflussen, sodass gelingendes Aufwachsen ermöglicht wird?

Es ist und wird ein Prozess im ständigen Dialog und Austausch: Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen der Kommunen wird Wissen generiert, welches wiederum in die Kommunen einfließt. So soll nicht nur die Entwicklung vor Ort vorangetrieben werden, sondern auch der theoretische Überbau stetig „mitwachsen“, angepasst und überarbeitet werden. Die Kommunen sollen innovative Ansätze mitentwickeln und ausprobieren und der Qualitätsrahmen weiterentwickelt werden – ganz im Sinne der Entwicklungsgruppe.

Wie kommt man an Daten?
Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach und eindeutig beantworten. Einen Versuch hierzu unternimmt Dr. David Gehne, Geschäftsführer des Zentrums für interdisziplinäre Regionalforschung, kurz ZEFIR. Seit 1996 befasst sich das ZEFIR u.a. mit kleinräumigen Daten im Ruhrgebiet und NRW. Dr. Gehne fasst in seinem 45-minütigen Vortrag „Kleinräumige Planung – Warum und wie?“ kurz und prägnant zusammen, worauf es bei der Datenbeschaffung und Analyse im kommunalen Kontext ankommt und liefert Beispiele für die Umsetzung von kleinräumigen Daten für die Planung wie z.B. die „Sozialräumliche Gliederung der Stadt Düsseldorf“. Dabei verdeutlicht er, wie wichtig nicht nur die Erfassung, sondern auch die Deutung der Daten und die Form der Kommunikation ist. Neben datenschutzrechtlichen Hürden gilt es auch „Pfadabhängigkeiten“ zu überwinden oder neue Pfade zu gestalten. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Transparenz (z.B. über Segregation in Stadtteilen oder über den Schulsozialindex), die durch Datenauswertungen geschaffen wird, oftmals entgegen (politischer) Interessen steht und es damit umzugehen gelte. Ebenso spannend ist die Frage, wie sich erfolgreiche Ansätze in andere Kommunen übertragen lassen und was es für den erfolgreichen Transfer und die  Umsetzung braucht.

Ein Blick in die Praxis: Der „Gelsenkirchener Partizipationsindex“
Ein konkretes Beispiel wie man Aufwachsbedingungen von Kindern und Jugendlichen lokalisieren kann, stellt Silvia Bader von der Koordinierungsstelle kommunale Prävention der Stadt Gelsenkirchen vor: den Gelsenkirchener Partizipationsindex. Gelsenkirchen hat bereits viel Erfahrung mit Präventionsketten, schon seit 2005 wird dort an selbigen gearbeitet. Auch an dem Modellprojekt war Gelsenkirchen von Beginn an beteiligt und hat währenddessen u.a. ein Sozialmonitoring an den Start gebracht. Um die ressortübergreifende Zusammenarbeit zu strukturieren gibt es einen Arbeitskreis (Sozial-)Planung. Die 18 Stadtteile Gelsenkirchens wurden in 40 kleinere Einheiten aufgeteilt, so kann man die erhobenen Daten kleinräumiger in diesen Sozialräumen betrachten. Ein Indikatorenkatalog  wurde entwickelt, der von konkreten Fragestellungen ausgeht, z.B.“ Wie gesund sind die Kinder?“

Angeregt durch die Vorträge ging es im Anschluss in den Austausch und zum Sammeln kommunaler Erfahrungen. In den drei Arbeitsphasen am Nachmittag standen die eigenen kommunalen Herangehensweisen im Vordergrund. In moderierten Kleingruppen konnten die Teilnehmenden sich zu den eingangs genannten Fragen austauschen: Wie lassen sich Aufwachsbedingungen von Kindern und Jugendlichen abbilden? Welche „Stellschrauben“ gibt es in der Kommune, um diese Bedingungen zu verändern bzw. positiv zu beeinflussen?

Zum Abschluss zogen die Teilnehmenden eine durchaus gemischte Bilanz, die den Entwicklungsbedarf im Bereich des „Wissensbasierten Handeln“ verdeutlichte: Obwohl vor Ort „vieles vorhanden“ sei, bliebe noch zu oft die Frage „Was machen wir mit den Daten?“.

Hiermit setzt sich die nächste Sitzung der Entwicklungsgruppe auseinander, die am 14.06.2018 unter dem Motto „Daten zu den Aufwachsbedingungen reflektieren“ stattfindet.

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Entwicklungsgruppe "Zugänge zu Eltern" gestartet https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/entwicklungsgruppe-zugaenge-zu-eltern-gestartet/ "Es gibt eine Gruppe, die wird nicht erreicht." Es gibt Familien, die nehmen kommunale Unterstützungsangebote nicht wahr. Mit diesem Kernproblem setzt sich die Entwicklungsgruppe „Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern“ auseinander.

Die "schwer Erreichbaren" sind Thema in jeder Kommune, die sich den Aufbau einer lückenlosen Präventionskette zum Ziel gesetzt hat. Denn oft scheint das aus Sicht von Kommunen genau die Gruppe zu sein, für die Unterstützung wichtig wäre.

Die vermuteten Gründe für das "nicht Erreichen" sind vielfältig. Sei es, dass den Familien die Informationen über die Angebote fehlen, die Angebote nicht passgenau genug sind, oder die Ressourcen für die Wahrnehmung der Angebote in der Familie nicht zur Verfügung stehen. Weitere Gründe könnten sein, dass das Vertrauen in den unterstützenden Charakter des Angebots fehlt oder auch das Vertrauen zu den anbietenden Institutionen.

Die Erfahrung aus der kommunalen Praxis, dass Angebote der Präventionslandschaft bestimmte Gruppen schwer erreichen, spiegelt sich auch in den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitforschung der Bertelsmann Stiftung aus der Modellphase des Projekts "Kein Kind zurücklassen! Kommunen beugen vor" wieder. Aus einer Familienbefragung durch Faktor Familie aus dem Jahr 2014 geht nicht nur hervor, welche Angebote von Familien angenommen werden, sondern auch welche Familien es sind, die Angebote annehmen oder eben nicht. Dabei wird deutlich, dass etwa medizinische Vorsorgeuntersuchungen von nahezu allen Familien in Anspruch genommen werden, Kinderärzte einen guten Zugang zu fast allen Familien haben und sich die Eltern auch dort über Angebote informieren. Ganz anders sieht es etwa bei Eltern-Kind-Programmen aus - einem "Klassiker" unter den primärpräventiven sozialpädagogischen Angeboten. Die Eltern-Kind-Programme werden deutlich weniger von Familien mit Risikolagen (Migrationshintergrund, Alleinerziehend, Mehrkindfamilien, niedrige Qualifikation etc.) wahrgenommen als vom Durchschnitt der Familien.

Es lässt sich also eine sozial selektive Inanspruchnahme von Angeboten feststellen. Doch wie können die Kommunen da entgegenwirken? Wie werden präventive Angebote auch für bislang nicht erreichbare Gruppen zugänglich? Die Entwicklungsgruppe "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern" will Lösungswege für diese Fragestellungen erarbeiten. Auch wenn jede Kommune eine andere Ausgangslage mitbringt und die Voraussetzungen sich schon allein wegen der Größe und Struktur unterscheiden, hat sich die Entwicklungsgruppe "Zugänge" zum Ziel gesetzt, die Ansatzpunkte einzeln in den Blick zu nehmen und an einem übertragbaren Analyseschema zu arbeiten. Letztlich sollen Handlungsempfehlungen zur systematischen Bearbeitung entstehen, die in angepasster Form in allen Kommunen anwendbar sind.

Zu der Entwicklungsgruppe hat die Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW" eingeladen. Es treffen sich Fachleute aus 17 Projekt-Kommunen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Landeskoordinierungsstelle, die den Prozess steuern, die Arbeit in der Gruppe moderieren, begleiten und aufbereiten. Träger der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW" ist das Institut für soziale Arbeit e.V. in Münster. Die Arbeit an dem Entwicklungsthema "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern" ist zunächst in vier Sitzungen geplant.

Zur Vorbereitung der Entwicklungsgruppe hat die Landeskoordinierungsstelle ein Hearing mit Expertinnen und Experten durchgeführt, mit der Zielsetzung die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung, aus Familienbefragung und Elterninterviews, mit den Erkenntnissen aus der kommunalen Praxis in Beziehung zu setzen. Hier zeigten sich verschiedene Ansatzpunkte, die konkrete Möglichkeiten der Optimierung von Zugangswegen bieten. Diese Ansatzpunkte sollen nun in der Folge systematisch betrachtet und anhand von Prüffragen aufbereitet werden, umso eine flächendeckende Qualitätsentwicklung zu befördern.

Bei der Eröffnungssitzung der Entwicklungsgruppe am 14. Februar in Dortmund stand als erstes Thema die systematische Umsetzung von Lotsensystemen im Fokus. Wer kommt mit welchen Familien in Kontakt? Wem vertrauen Familien? Wer erweist sich als stabile Anlaufstelle? Und wie können stabile Anlaufstellen auch wirklich als Multiplikatoren gewonnen werden?

Hier geht es zur Präsentation von Maren Hilke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten"

Einen einführenden Impuls setzte Pilar Wulff, Koordinatorin Frühe Hilfen der Stadt Dortmund, und referierte über Gute Praxis-Ansätze im Bereich der Lotsensysteme vor Ort. Als ein Beispiel diente die Zusammenarbeit mit den Dortmunder Hebammen, die als Türöffner im Kontakt zu jungen Familien fungieren. Wulff beleuchtete nicht nur die fruchtbare Kooperation mit den Hebammen, sondern gab insbesondere wertvolle Einblicke in den Entstehungsprozess der Zusammenarbeit. Um dieses Lotsensystem zu aktivieren, bedurfte es vieler Vorüberlegungen. Denn nicht nur die Zielgruppe der Angebote muss für passgenaue Angebote genau angeschaut und definiert sein, auch die anvisierten Lotsinnen und Lotsen müssen ihren Interessen gemäß angesprochen und eingebunden werden. In diesem Fall war es wichtig zu ermitteln, was wollen Hebammen? Wie können wir diese Gruppe erreichen und motivieren? Welche Interessen müssen bei diesem gewünschten Partner gesehen und bedient werden? So bietet Dortmund seinen Hebammen Schulungen an und hat auch als Arbeitsunterstützung eine Hotline an den Start gebracht.

Hier geht es zu einem Video über die Frühen Hilfen in Dortmund

Das genaue Hinschauen auf die Zielgruppe ist immer ein erster Schritt vor dem Aufbau eines Lotsensystems und Basisarbeit, die geleistet werden muss. Und genau das haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Entwicklungsgruppe getestet. Mit fünf konkreten Fallkonstruktionen näherten sich die Akteure aus den Kommunen dem Thema. Ganz bewusst und konkret wurden Blickwinkel und Perspektiven gewechselt, um den Lebenswelten und damit auch den Bedarfen von fünf verschiedenen Familien mit Belastungslagen näher zu kommen. Wie und wo lebt die Familie? Welche Ressourcen hat sie? Und welche Belastungen? Wem vertraut die Familie und von wem nimmt sie Tipps an? Aus so einem Perspektivwechsel, als Teil der Zielgruppenanalyse, ergeben sich Hinweise auf geeignete Lotsinnen oder Lotsen.

Der nächste Schritt ist dann der genaue Blick auf das anvisierte Lotsensystem. Wo und wie arbeiten meine Lotsen? Welche Ansprachebedarfe muss ich bei meiner Lotsengruppe berücksichtigen? Welche Qualifizierung kann und muss ich den Lotsen anbieten? Auch für diese Planungsschritte entwickelte die Gruppe Schritte und Leitfragen für den strukturierten Aufbau von bedarfsorientierten Lotsensystemen in Kommunen. Die Arbeit der Entwicklungsgruppe "Zugänge" soll aber nicht reine Theorie bleiben. Vier Kommunen haben die Aufgabe angenommen, dieses Verfahrensmodell in der Praxis zu testen. Bei den nächsten Treffen können dann schon Erfahrungen aus der Praxis die Theorie korrigieren oder ergänzen, um letztlich dem Ziel von belastbaren Handlungsempfehlungen immer näher zu kommen.

Die nächste Sitzung der Entwicklungsgruppe "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern" findet im Juni statt.

Im Rahmen des Projekts "Kommunale Präventionsketten NRW" starten parallel zwei weitere Entwicklungsgruppen zu den Themen "Strategien zur Einbindung des Gesundheitswesens in die kommunale Präventionskette" und "Wissensbasiertes Handeln".

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„Hilfen aus einer Hand“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/hilfen-aus-einer-hand/?no_cache=1 Kinder aus armen Verhältnissen bleiben dies oft ein Leben lang, weil ihnen der Zugang zu Bildung... "Meistens sind die Zeiten nicht die leichtesten, meinen die Großen mit Sorgen auf der Stirn. (...)

Aber Philipp findet, eigentlich ist es ganz einfach.

Du brauchst dein Toastbrot, Ei, Milch, Zucker, Zimt und etwas Salz.

Es ist nicht viel, aber es schmeckt und das reicht.

Jeden Morgen wandern warme Füße auf kalten Fliesen,

ein Glas Wasser in der Küche, die Kühlschranktür bleibt zu.

Da gibt es nichts zu holen für hungrige Köpfe."

Zeilen aus dem Gedicht "Arme Ritter" von Florian Stein - ein junger Dichter, der an diesem Samstagmorgen die Auftaktveranstaltung zur Planung von Präventionsketten in Neuss Weckhoven eröffnet. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die Absicht, Kindern bessere Zukunftsperspektiven zu bieten. Bessere als die des kleinen Philipps aus dem Gedicht und vielen anderen Kindern, die hier leben.

Wer in Armut geboren wird, das zeigen Statistiken, der wird oft auch arm bleiben, weil er von der Teilhabe an Bildung und Arbeit ausgegrenzt wird. Für Weckhoven ist das ein wichtiges Thema: Denn rund fünf Prozent der knapp 9.000 Einwohner seien von Arbeitslosigkeit und Verschuldung betroffen. Jeder fünfte Einwohner sei ein Kind, berichtet zu Beginn der Veranstaltung Ralf Hörsken, Beigeordneter für Integration, Jugend und Soziales in der Stadt Neuss und heißt die Fachkräfte aus dem Stadtteil im großen Saal der "Partytur" am Lindenplatz willkommen.

25 Fachkräfte aus dem Jugendamt, aus Kitas, aus der Grundschule und freien Trägern sind der Einladung zu einem Planungsworkshop gefolgt, auch der Kinder- und Jugendärztliche Dienst ist vertreten, Sozialarbeiter, ein Pastoralreferent, ein Pfadfindervertreterr und sogar ein Schützenpräsident nahmen teil.

"Im Landesprogramm "Kommunale Präventionsketten" arbeiten 40 Kommunen aus NRW daran, die oft noch getrennt von einander agierenden Systeme - wie Schule, Gesundheit und Jugendhilfe - miteinander zu verzahnen, um Familien mit Hilfen aus einer Hand zu unterstützen", erklärt Sabine Köhler von der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten", die heute gekommen ist, um den Akteuren aus dem Quartier den vorbeugenden Ansatz näher zu bringen

Christina Kloster vom Neusser Jugendamt hat die Veranstaltung organisiert. Sie ist Koordinatorin für den Aufbau der Präventionskette in Neuss. Heute will Kloster die Akteure, die direkt mit den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern arbeiten, über das Vorhaben informieren, mit an Bord holen und Ziele konkretisieren: "Ein Erfolg wäre, heute alle motiviert zu bekommen, daran mit zu arbeiten."

Mit der Steuerungsgruppe hat sie bereits auf Ebene der Amtsleiter strategische Ziele festgelegt. Das erste Ziel ist: Kurze Wege zu Unterstützungssystemen zu schaffen, damit die Familien die passenden Hilfen in Anspruch nehmen können. Die Kompetenzen bündeln und gemeinsam besser mit den Familien zusammen arbeiten. Dafür müssten die Angebote auf die Bedarfe der Familien abgestimmt werden. Weiteres Ziel ist, die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern, indem alle Familien zukünftig Unterstützungssysteme in der Nähe finden. Weiteres Ziel ist, dass die Infrastruktur an die Bedarfe der Bewohner angepasst ist.

Wie das gelingen kann, darauf erhofft sich Kloster Antworten von den Gästen, die die Sorgen und Nöte der Familien aus ihrer täglichen Arbeit kennen. "Sie haben das Wissen!". Mit diesen Worten schließt Kloster ihren Vortrag und eröffnet die erste Diskussionsrunde der Gäste.

Im Fokus stehen Ressourcen, die Weckhoven bietet, aber auch Stolpersteine, die den Zielen im Wege stehen könnten. Dass Weckhoven über viele schöne Naturräume verfüge, die Beziehungsarbeit, die die Fachkräfte anstrengten, um möglichst viele Eltern für Unterstützungsangebote zu gewinnen, seien Ressourcen - so die Feststellung der Teilnehmenden. Doch es fällt auf, dass im Netzwerk Lücken klaffen. Als weitere Ressource nennt Andrea Samaras von den Frühen Hilfen im Jugendamt der Stadt Neuss Willkommensbesuche für Familien mit Neugeborenen, die demnächst eingeführt werden sollen. "So können wir Kontakt zu Familien herstellen, Unterstützungsbedarfe erkennen oder auch Familien an weitere Stellen verweisen." Um Bedarfe bei den Eltern und Kindern abzufragen, wird überlegt, wie man die Familien selbst mit in den Prozess einbeziehen kann.

Im anschließenden Vortrag nennt Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, Voraussetzungen für den Austausch auf Augenhöhe. Keiner hier könne den Ursachen für Kinderarmut etwas entgegen setzen, so Hilgers, aber die Resilienz - also die Widerstandsfähigkeit - von Kindern und Jugendlichen stärken. Sinnvolle Vernetzung im Stadtteil heiße, dass sich diejenigen austauschten, die dieselbe Familie unterstützen. "Die Funktionäre haben sich immer schon getroffen, es geht darum, dass sich die Fachkräfte vernetzen, die ganz konkret in einem Stadtteil, in einer Situation mit den Familien arbeiten. Dass man sich klar wird, dass man nicht gegeneinander arbeitet, sondern miteinander und im Sinne der Familien", so Hilgers. Er wünscht sich für die betroffenen Familien eine Ansprechperson, hinter der viele andere stehen, die helfen und unterstützen.

Der Präsident des Kinderschutzbundes appellierte außerdem an ein wertschätzendes Menschenbild. Wer auf die Mittel "Bestrafung" und "Belohnung" setze, der bewirke nur eine Abwehrreaktion beim Gegenüber. Viele alleinerziehende Mütter in Deutschland lebten trotz Arbeit unter dem Existenzminimum und müssten mit Hartz IV ihr Einkommen aufstocken: "Es ist unverschämt, diesen Menschen vorzuwerfen, dass sie das Geld nicht ihren Kindern geben würden." Heinz Hilgers wünschte allen Fachkräften auch bei bösen Reaktionen der Betroffenen, immer wieder die Kraft zu einer neuen wertschätzenden Ansprache zu finden. Nur so könne man Menschen dazu bewegen, Hilfe anzunehmen.

Hinter Gewalt und anderen Kinderschutzfällen stehe in den meisten Fällen Überforderung, auch korreliere Kinderarmut mit Heimunterbringung. Hilgers mahnte, dass nicht der Charakter eines Menschen, sondern gesellschaftliche Systeme Kriminalität und Gewalt hervorbrächten. Und unterstrich seine These mit einer Anekdote über einen Vierjährigen aus seinem Bekanntenkreis, der mit seinem Großvater ein Theaterstück über den Räuber Hotzenplotz besuchen wollte. Hilgers habe den Jungen gefragt, "Was glaubst Du, warum Hotzenplotz entschieden hat, Räuber zu werden?": Die Antwort des Jungen: "Der hat sich gedacht: `Wenn die mir keine Arbeit geben, dann werde ich eben Räuber`".

Mit diesem Input begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder in die Diskussion und legten erste konkrete Ziele fest: Um sich untereinander besser kennen zu lernen, soll es zukünftig Steckbriefe aller Netzwerkakteure geben. Die Ferienzeit sei für viele Kinder und Jugendliche eine düstere Phase, in der sie oft allein seien, hieß es an einem Tisch. Deshalb wolle man überprüfen ob die vorhandenen Ferienangebote ausreichten. Übersichtliche Informationsblätter sollen bald allen Familien zeigen, wo sie welche Unterstützung erhalten. Auch bestehe Bedarf nach einem Kinderarzt in Weckhoven. Um Ehrenamtliche für das Netzwerk zu gewinnen, schlug ein Teilnehmer von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg vor, brauche es eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, um etwa Studenten mit Verweis auf die Vorteile einer solchen Tätigkeit für den eigenen Lebenslauf anzuwerben.

Ein wichtiger Schritt ist nun getan. Nach der Umsetzungsphase wird geprüft, ob die ersten Teilziele erreicht wurden. Die Stadtteile Weckhoven und Gnadental machen in Neuss den Anfang. Die Ergebnisse und Erkenntnisse sollen dann in die Fläche gegossen werden, um für ganz Neuss eine wirksame Präventionskette aufzubauen. Heinz Hilgers wünscht den Neusser Akteuren: "Dass sie eine Präventionskette finden, die dazu beiträgt, dass nicht aus den heutigen Kindern wieder arme Eltern werden, sondern Menschen, die ein selbstbestimmtes Leben führen können."

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„Es geht uns um Entlastung!“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/es-geht-uns-um-entlastung/?no_cache=1 Ein entspannter Morgen mit dem Neugeborenen im Elterncafé, Beratung und Hilfe in Ehe- oder... Babys plappern und sabbern, Löffel rühren in Tassen, bunte Stofftiere liegen auf dem Boden verteilt. Im "Elterncafé" sitzen an diesem Morgen drei junge Mütter mit ihren Neugeborenen um einen Tisch, unterhalten sich, trinken Kaffee. "Ich freue mich, dass mein Kind hier in Kontakt zu anderen Kindern kommt und ich mich mit anderen Müttern austauschen kann", sagt Elli Norris, 33 Jahre alt, mit ihrer Tochter auf dem Schoß. Eignet sich Kuhmilch für den Abendbrei? Ist es noch normal, dass mein Kind so schlecht durchschläft? Die Themen der Mütter wechselten von Woche zu Woche, erzählt die junge Mutter, reichten vom Durchschlafen des Kindes, zur Ernährung bis zu den ersten Zähnchen. Junge Mütter wie sie plagten oft Sorgen und Ängste: "Hier weiß man, dass man nicht alleine ist. Den anderen geht es genau so." Man sei in der gleichen Situation, mit gleichaltrigen Babys, finde ein offenes Ohr. "Alleine, dass man dann sagen kann: `Boar! War das anstrengend die letzte Nacht`."

Mit am Tisch sitzt die systemische Familienberaterin Ute Ortmann, die den Ablauf des wöchentlichen freien Treffs moderiert und den Müttern Informationen rund ums Baby gibt. Sie leitet im wöchentlichen Wechsel mit Hebamme Angelika Brümmer-Becker das Elternstart-Angebot im Auftrag der Familienbildungsstätte Werne. Im Elterncafe veranstaltet diese Themenvormittage, wie zuletzt zum "Handling" der Babys mit einer Physiotherapeutin. Daran erinnert sich Elli Norris gern zurück. "Als Mutter von drei Kindern dachte ich, schon alles zu wissen." Aber im Kurs habe sie gelernt, erzählt sie weiter, ihr Kind öfters unterm Bauch zu halten. Das fördere das eigenständige Halten des Kopfes: "Mein Baby war das erste im PEKip-Kurs , das den Kopf hochhalten konnte: ich bilde mir ein, weil sie es mir gezeigt hat", lacht Norris.

Der Treff am Morgen ist unverbindlich und offen: "Um gestressten Müttern nicht noch mehr Druck zu machen", sagt Ortmann. Anders als in Bewegungsangeboten und Eltern-Baby-Gruppen gibt es kein Extraprogramm fürs Kind: "Hier ist Zeit, einfach zusammen zu sitzen, Kaffee zu trinken und die Kinder beschäftigen sich ein bisschen", schwärmt eine andere junge Mutter.

Das Elterncafé liegt im seitlichen Trakt des "Bunten Hauses", in dem das FamilienNetz Werne seinen Sitz hat. Den Gang runter kommt gerade Silke S.* aus einem Termin mit ihrer Beraterin für Ehe und Familie. Hinter ihr liegen eine Reihe Schicksalsschläge. Seit dem Tod ihres Mannes komme sie regelmäßig zu Ingrid Löblein von der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) im Bistum Münster. Löblein bietet alle 14 Tage Sprech- und Beratungsstunden im "Bunten Haus" an. Die Beratung ist kostenfrei und kann alle Alltagsthemen betreffen - Partnerschaftsprobleme, Mediation Trennungs- oder Sexualberatung. Die Diplom-Sozialpädagogin bietet Einzel-oder Paargespräche an und glaubt: "Je stabiler die Eltern, umso besser geht es den Kindern."

Das Angebot soll die Lücke schließen, die für Menschen mit Therapie- oder Beratungsbedarf entsteht, die aber keinen Therapieplatz finden. Seit längerer Zeit kommt Silke S. nun etwa einmal im Monat her, habe durch die Beratungen viel über sich gelernt: "Ich war für meine Eltern immer das böse Kind. Hier habe ich herausgefunden, dass das gar nicht stimmt. Dafür musste ich 56 Jahre alt werden". Diese Erkenntnis habe sie erst einmal sehr wütend gemacht, dann aber den Willen freigesetzt, es selbst bei den eigenen Kindern anders zu machen.

Ingrid Löblein will ihren Klienten Halt geben, Anlaufstelle sein für alle Probleme des täglichen Lebens. "Auch wenn da nicht von jetzt auf gleich eine Lösung da ist, aber ich werde fähig, das auszuhalten, da durchzugehen", sagt Löblein, "mit jemandem, der an meiner Seite steht".

Offene Sprechstunden, kurze Wege und viele Partner unter einem Dach - das sei das Konzept des FamilienNetzes Werne, sagt die Koordinatorin Bettina Stilter, die mit ihrer Kollegin Elisabeth Meßner gerade in ihrem Büro direkt am Eingang des "Bunten Hauses" sitzt. Im 2009 gegründeten Netzwerk verfolgten der kommunale und die freien Träger gemeinsam das Ziel, die Situation von Familien, Kindern und Jugendlichen in Werne zu verbessern, sagt sie. Die Stadt Werne habe dafür Geld in die Hand genommen, Stilters und Meßners Stellen geschaffen und die Räumlichkeiten im "Bunten Haus" angemietet. Unter seinem Dach sind zur Zeit 16 Angebote unterschiedlicher Träger untergebracht, die je nach Nachfrage geschaffen oder auch wieder abgeschafft werden. Dazu zählen die Kindertagespflege und die "Familienpaten". Diese Angebote betreut die Sozialpädagogin Meßner: "Ich bringe Eltern, die nach Kinderbetreuungen suchen mit qualifizierten Kindertagespflegeltern zusammen", erzählt sie. Außerdem betreut sie das Familienpatenprojekt, in dem Ehrenamtliche junge Familien im Alltag entlasten. Acht Familienpaten seien bereits im Einsatz, drei kämen nach dem Abschluss der Schulung in diesem Jahr noch dazu. "Wir haben schon eine Warteliste, so dass die drei Neuen wahrscheinlich sofort starten können", hofft Meßner, die die "Niedrigschwelligkeit" des Netzwerkangebots lobt: "Weil wir eben nicht das Wort Jugendamt drüber stehen haben, haben die Familien weniger Vorbehalte."

Auch könnten Synergieeffekte genutzt werden. "Weil jeder von jedem weiß", sagt Bettina Stilter von der Stadt Werne. Die mal interessierte Besucher des Elterncafés an eine Beratungsstelle weiter leitet, wiederum andere an einen Familienpaten, der bei der Kinderbetreuung unterstützt. Wenn sie im Haus kein passendes Unterstützungsangebot finde, vermittle sie an andere Angebote in der Stadt oder springe auch mal selbst ein. Dann lade sie Eltern zu einem Erstgespräch in ihr Büro ein. Sie habe aber auch schon mit einem Arbeitgeber einer hilflosen Mutter telefoniert, die keine Betreuung für ihr Kind fand, und neue Arbeitszeiten ausgehandelt und in einem anderen Fall einer verzweifelten Familie mit fünf Kindern bei der Wohnungssuche geholfen.

"Es geht uns um Entlastung", sagt Stilter jetzt. "Immer da, wo Eltern überfordert sind und keine Möglichkeit mehr sehen, wird es problematisch." Etwa dann, wenn Mütter isoliert seien und keine Informationen über Hilfsmöglichkeiten hätten. Um ihr Angebot stadtweit bekannt zu machen, arbeite man deshalb an regelmäßigen Presseauftritten, drucke Broschüren und Flyer. Mit Erfolg, glaubt Stilter: Das "Bunte Haus" sei inzwischen auch ein bunter Hund in Werne: "Es ist bei unseren 30.000 Einwohnern inzwischen etabliert. Das haben wir geschafft."

*Name von der Redaktion geändert

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Ein Markt für die Menschen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/ein-markt-fuer-die-menschen/?no_cache=1 Weihnachtsterne, Kuscheltiere oder Plätzchen für den guten Zweck. Die bietet der besondere, weniger... Der erste Schnee des Jahres fällt, von der Bühne wehen Weihnachtslieder zu den bunt geschmückten Markständen herüber, auf denen sich Kekse, Weihnachtssterne, Marmelade und Filzpantoffeln stapeln. Familie Hussiyn löst am Stand der Alexianer ihre Papiertaler gegen Weihnachtsdekoration ein - selbstgemachte Holzsterne für ihr Wohnzimmer. Die Familie lebt schon seit 25 Jahren in Deutschland und gehört zu den 1000 Familien, die bei der Tafel registriert sind, also auf die Lebensmittelspenden angewiesen sind, und an die die Stadt Krefeld in diesem Jahr Taler im Wert von 15 Euro pro Kind verteilt hat. Die beiden Kinder strahlen und auch Vater und Mutter Hussiyn freuen sich über die Sterne.

Einlösbar sind die Taler auf dem besonderen Weihnachtsmarkt vor der Krefelder Einkaufspassage. Die Stände gehören ausschließlich sozialen Organisationen und Einrichtungen, ihr Erlös soll zurück an Bedürftige fließen. Etwa an die Kinder aus dem Marianum. Vor dem Stand des Kinderheims stehen Ilka und Benni* und verteilen Schokoladenglocken: "Ich komme aus dem Kinderheim Marianum und mache Werbung, damit man die Sachen kauft", erklärt Benni. In der Auslage - nur Artikel, die die Kinder mit ihren Betreuern gebastelt haben. Cappuchinopulver in Reagenzgläsern, Kränze, Plätzchen, Vogelfutternester, Badesalz oder Kinderpunsch. "Ist schon ein bisschen anstrengend, aber ein paar Leute kaufen auf jeden Fall", sagt Benni. Die Einnahmen sollen den Heimkindern neues Spielzeug oder einen gemeinsamen Ausflug ermöglichen.

Am Stand des Krefelder Jugendamtes ist gerade Beratungszeit: "Ihr müsst die Taler annehmen wie eine Währung und könnt den Wert der Taler mit der Tafel abrechnen", erklärt Markus Schön gerade zwei Standbesitzern, die noch nichts von der Aktion wussten. 15.000 Euro habe die Stadtsparkasse auf Initiative vom Oberbürgermeister Frank Meyer zur Verfügung gestellt, erklärt der Jugendamtsleiter. "Wir vom Jugendamt unterstützen die Aktion durch besondere Erlebnise für die Kinder!" Und so können die Familien ihre Taler hier auch für Zoobesuche, die Musikschule, Indoorspielplätze, Tanzschulen, fürs Kino, den Zirkus oder auch für den Spielwarenladen einlösen, die für viele Familien normalerweise nicht zu stemmen gewesen wären . "Für fünf Taler gibts zum Beispiel eine Jahreskarte für die Bibliothek in Krefeld", sagt Schön. Teilweise böten die Firmen ihre Leistungen günstiger an.

Die Talerspende ist eine von mehreren Aktionen des Krefelder "Aktionsbündnis gegen Kinderarmut". Die Schirmherrschaft hat der Oberbürgermeister. Prävention wurde in Krefeld bislang ganz praktisch initiiert, und zwar immer mit dem Grundsatz ungleiches ungleich zu behandeln, also besonders Familien zu unterstützen, die es am dringendsten brauchen. Am Jugendamtstand hätten an diesem Morgen bereits um die 50 Familien mit der Talerwährung bezahlt, sagt Schön.

Die Aktion schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Kinder einkommenschwächerer Familie erhalten eine kleine Weihnachtsfreude und unterstützen damit gleichzeitig andere soziale Projekte und Einrichtungen. Etwa die psychosoziale Hilfe Krefeld. Die Besucher der Tagesstätte haben eigenhändig Fußmatten bedruckt, Kerzen gegossen, getöpfert, Socken und Jacken gestrickt. Mitarbeiter Tobias Berns verkauft sie heute ehrenamtlich am Stand vor dem Passageneingang "Das Geld, das wir heute einnehmen, kommt dann den Nutzern unserer Tagesstätte zugute. Im Moment planen wir eine kleine Wochenendreise", sagt Berns.

Der Deutsche Kinderschutzbund ist mit einem Stand der Tagesgruppe Leuchtturm vertreten: Die Kuscheltiere oder Kissen haben Mitarbeiter genäht und mit Kirschkernen befüllt. Auch hier verkaufen die Angestellten die Sachen ehrenamtlich zum guten Zweck. Der Absatz sei gut, freut sich ein Freiwilliger: "Wir haben das Ziel, um 15 Uhr ausverkauft zu sein!" Auch ein Altenheim mit angeschlossener Tagespflege macht mit. "Wir verkaufen selbst gemachte Socken von Frau Schaufler, einer Bewohnerin, die schon länger bei uns ist.", lacht Nicole Neubacher von der Einrichtung. "Die hat schon ganz viel erstrickt, dann haben wir selbst gemachte Karten, Kronen aus Konservendosen, Plätzchen und Liköre".

Herr und Frau Opdenberg durchstöbern gerade Neubachers Standauslage, suchen sich dann Sammeltassen für sich und ihre Kinder aus. "Seit der Zeit, die dieser Markt existiert, bin ich begeistert vom Engagement der Menschen", sagt Birgit Opdenberg. Sie kämen jedes Jahr hierher, erzählt ihr Mann weiter. Es sei ein fester Termin im Kalender. "Das ist was besonderes, dass hier lauter Freiwillige bei so einem schäbbigen Wetter draußen stehen und versuchen für unterschiedlichste Gruppen was Gutes zu tun und mit ihren selbst gemachten Sachen ein positives Signal zu geben", sagt Herr Opdenberg. Während eisiger Schneeregen fällt, wolle das Paar auch in diesem Jahr mithelfen und an den Ständen des besonderen Weihnachtsmarktes wieder extra viele Plätzchen kaufen und den Marmeladenvorrat für das kommende Jahr decken.

Durch die Taleraktion können die Stände in diesem Jahr mit bis zu 15.000 Euro Mehreinnahmen rechnen. Viele Kinder aus einkommensschwächeren Familien können sich über ein Gratisgeschenk freuen, oder auf ein spannendes Erlebnis im Zoo, der Tanzschule oder im Zirkus, das sonst vielleicht nicht möglich gewesen wäre. So wie Familie Hussiyn, die mit ihren Tüten voller Weihnachtssterne langsam in der Menge verschwinden.

* Namen von der Redaktion geändert

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Das Bundespräventionsgesetz als Chance https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/das-bundespraeventionsgesetz-als-chance/ Zum 18. Lernnetzwerktreffen der Landesinitiative "Kommunale Präventionsketten NRW" trafen sich die... Im Lernnetzwerk findet der Austausch der Kommunen über wirksame Herangehensweisen bei der Installation kommunaler Präventionsketten statt. Ungenutzte Zugangswege, gut funktionierende Mechanismen und Good Practice Beispiele werden vorgestellt und auf ihre Übertragbarkeit in andere Kommunen überprüft. Mindestens ebenso wichtig ist aber der Austausch von Hürden und Stolpersteinen. Dazu braucht es eine vertrauensvolle Atmosphäre im Lernnetzwerk der Kommunen, die einer der Erfolgsfaktoren des Projektes "Kommunale Präventionsketten" ist.

Dr. Annette Frenzke-Kulbach, Fachbereichsleiterin Kinder-Jugend-Familie begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter aus den Projektkommunen und unterstrich den hohen Stellenwert, der in Herne auf die Präventionsarbeit gelegt werde. Als Gelingensbedingung stellte sie die verlässliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit, insbesondere auf den interdisziplinären Ebenen hervor. Ein Punkt, der sich wie ein roter Faden durch den Tag des Lernnetzwerktreffens ziehen sollte.

Denn am Vormittag widmeten sich die Akteurinnen und Akteure dem Bundespräventionsgesetz als Gestaltungswerkzeug beim Aufbau von Präventionsketten im kommunalen Setting - im Idealfall geprägt durch intersektorale Zusammenarbeit.

Einführend machte Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW", deutlich, welche strategische Bedeutung dem Gesundheitswesen beim Aufbau kommunal koordinierter Präventionsketten zukomme und welche Chancen sich aus dem Bundespräventionsgesetz ergeben: Zugänge zu durch die Jugendhilfe schwer erreichbare Familien finden, multiprofessionelle Zusammenarbeit, um Belastungslagen entgegenzuwirken und die gemeinsame Bereitstellung einer planungsrelevanten Daten- und Wissensbasis ("Daten für Taten") seien Eckpunkte der Zusammenarbeit. Er forderte eine kommunale Gesamtstrategie ins Blickfeld zu nehmen.

"Nicht Symptome bekämpfen, sondern Ursachen. Weg von der Projektitis",

appellierte Stolz.

Präsentation Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Video: Input Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Das im Juli 2015 in Kraft getretene Bundespräventionsgesetz und seine Umsetzung in Nordrhein-Westfalen stellte Heike Reinecke, Leiterin des Referats Prävention und Öffentlicher Gesundheitsdienst im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Ausgehend von der Zielsetzung des Bundesgesetzes, Gesundheitsförderung und Prävention auch in Lebens- und Arbeitswelten zu stärken, stehe bei der Umsetzung der Bundesvorgaben auf Landesebene der "Settingansatz" in den Kommunen und Quartieren im Fokus. Die Landesrahmenvereinbarung stelle die Kooperation und Koordination in den Mittelpunkt. Angestrebt werde ein bedarfs- und zielorientiertes Zusammenwirken mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst, den Trägern der Jugendhilfe, den Jobcentern und weiteren relevanten Einrichtungen und Organisationen. "Wir wollen aus den Schnittstellen Nahtstellen machen", bekräftigte Reinecke.

 "Grenzen zwischen den Systemen zu überwinden, ist das Ziel."

Reinecke skizzierte den Rahmen der Möglichkeiten für Kommunen, Unterstützung und Mittel für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention auf der Grundlage des Präventionsgesetzes durch das Landeszentrum Gesundheit NRW zu erhalten. Wichtig sei es, integrierte Konzepte zu entwickeln, die Vorhandenes berücksichtigen und koordinierende Wirkungen entfalten.

Präsentation Heike Reinecke

Zu konkreten Fragen bezüglich der Beantragung von Mitteln aus dem Bundespräventionsgesetz nahmen die Spezialisten aus dem Landeszentrum für Gesundheit NRW Stellung. Manfred Dickersbach und Jonas Weidtmann stellten die neue Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit NRW vor, die das Antragsverfahrens begleitet und zur Unterstützung konsultiert werden kann. Die Koordinierungsstelle biete den Kommunen eine projektbezogene Beratung an, die sich wiederum auf integrative Strategien fokussiere. Den Blickwinkel zu verändern und tatsächlich "vom Kind her zu denken", wie es in der Landesinitiative "Kommunale Präventionsketten" schon seit Langem gefordert wurde, lasse die Grenzen der Ressorts in den Hintergrund treten und helfe bei der intersektoralen Zusammenarbeit, so Weidtmann.

Weitergehende Informationen finden Sie auf der Internetseite: www.praeventionskonzept.nrw.de

Präsentation Manfred Dickersbach und Jonas Weidtmann

Ute Erdenberger von der Techniker Krankenkasse und Referentin Gesundheitsmanagement Ruhrgebiet beleuchtete das Thema aus Sicht fördernden Krankenkassen. Sie referierte über Qualitätskriterien im Antragsverfahren. Neben einem nachvollziehbaren und erkennbaren Bedarf komme es auch den Krankenkassen auf ein integriertes Gesamtkonzept an. Ein Steuerungsgremium sei deshalb zwingend erforderlich, wenn auch nicht unbedingt neu zu schaffen.

"Es geht eben gerade nicht um den Aufbau einer Parallelwelt",

erklärte Erdenberger.

Präsentation Ute Erdenberger

Übereinstimmend wurde in allen Vorträgen deutlich, dass integrierten kommunalen Handlungsstrategien ein großer Stellenwert bei der Umsetzung des Bundespräventionsgesetzes zugedacht ist. Dies gilt es nun vor Ort in die Praxis umzusetzen.

Der Nachmittag war der Vorbereitung der neuen Entwicklungsgruppen gewidmet. In drei Workshops fanden die Vorstellungen der Themen statt.

- "Strategien zur Einbindung des Gesundheitswesens in die kommunale Präventionskette"

Handout der Entwicklungsgruppe Gesundheit

- "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern in Kommunen"

Handout der Entwicklungsgruppe Zugänge

- "Wissensbasiertes Handeln"

Handout der Entwicklungsgruppe wissensbasiertes Handeln

Bis zum 15. Dezember können Teilnahmewünsche rückgemeldet werden. Eine Mailabfrage erfolgt in der 49. Kalenderwoche. Im Januar erhalten die teilnehmenden Kommunen eine Bestätigung ihrer Teilnahme in der jeweiligen Entwicklungsgruppe. Ab Februar beginnen die ersten Sitzungen.

Das nächste Lernnetzwerk findet am 7. März 2018 statt.

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„Eine breite Beteiligungskultur aufbauen“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/eine-breite-beteiligungskultur-aufbauen/?no_cache=1 Mehr Freizeitaktivitäten und schönere Schulen, Sport umsonst für Kinder aus sozial schwächeren... Ein kalter Novemberabend. Vor dem braun-grau verglasten Bauwürfel, in dem das Ahlener Rathaus seinen Sitz hat, stehen Julia, Elena, Theres, Max und Konrad. Die Klassenkameraden vom St. Michael Gymnasium sind alle 16 Jahre alt und nehmen gleich an der Beteiligungsaktion" Ahlen neu denken" teil.

"Wir wollen heute mithelfen, Ahlen attraktiver für Jugendliche zu gestalten", sagt Elena und hat dafür auch schon ein paar Ideen im Gepäck: "Ich glaube, dass es relativ viele Angebote für Jugendliche in Ahlen gibt, aber man davon nichts mitbekommt." Hinweise auf Freizeitangebote müssten anders kommuniziert werden: "Auf Social Networks,", sagt Theres, "Instagram, Facebook! Plakate weiß ich nicht, ob man sich die durchliest" Konrad findet Plakate nicht verkehrt, aber auf die Platzierung käme es an: Plakate in den Schulen würden mehr helfen, als in der Öffentlichkeit.

Wo es nicht nur an Informationen, sondern auch an Infrastruktur fehle, sei der Sportbereich, bemängelt Max: "Mir ist aufgefallen, in Ahlen gibt es keinen öffentlichen Fußballplatz, wo man spielen darf, ohne Angst zu haben, dass man vom Platzwart verscheucht wird". Und auch gemeinsame Freizeitaktionen unter Jugendlichen aus der Stadt Ahlen seien ausbaufähig, findet Julia. Sie lebt in einem der umliegenden Dörfer von Ahlen und ist mit einer Gruppe Jugendlicher in der Landjugend aktiv, die zusammen Aktionen planen, wie Schlittschuhlaufen, Partys, Paintballspielen oder Tannenbaumschlagen für den guten Zweck. "Die Landjugend wird immer mehr überlaufen von Leuten aus der Stadt - anscheinend wünschen die sich sowas", vermutet Julia.

Solche Wünsche und Ideen von Jugendlichen sind es, auf die Marina Bänke neugierig ist. Sie hat die Beteiligungsaktion heute ins Leben gerufen und ist Koordinatorin für den Aufbau einer "Kommunalen Präventionskette" bei der Stadt Ahlen. Was unter dem sperrigen Titel zu verstehen sei, erklärt sie zu Beginn der Veranstaltung den über 25 Jugendlichen, die jetzt in Saal 3 des Rathauses im Stuhlkreis sitzen. "Ich arbeite mit Kollegen vom Jugendamt, der Schule, Kitas oder Schulsozialarbeitern daran, dass Kinder und Jugendliche in Ahlen gut aufwachsen können." Die Veranstaltung ist Teil der Ahlener Präventionswoche, die Bänke initiiert hat, und die sich um vorbeugende Bildungs-, Kultur-, Sport- und Freizeitangebote der Stadt dreht, die Kindern und Jugendlichen ein gelingendes Aufwachsen ermöglichen. Bänke will ein Zukunftskonzept entwerfen, das die Lebensbedingungen junger Menschen in Ahlen verbessert, aber ohne die Zielgruppe selbst, ginge das nicht: "Soll ich mich in meinen Raum 206 setzen, Tür zu und denken, ja, jetzt überlege ich mal was, was könnte hier funktionieren, wo sind die Probleme, wo die Bedarfe, was könnte helfen?" Wenn man über Kinder und Jugendliche redet, muss man laut Bänke auch wissen, was sie sich wünschen und sie ernst nehmen. Um die Bedürfnisse kennenzulernen, hat sie deshalb heute Jugendliche aller weiterführenden Schulen Ahlens eingeladen.

Nach einem Auflockerungs-Quiz zur Stadt Ahlen fragt Moderatorin und Medienpädagogin Selma Brand in die Runde, was man für eine glückliche Kindheit brauche: Den Jugendlichen fällt viel dazu ein: Freizeit, soziale Sicherung, ein guter Familienzusammenhalt, Gewaltfreiheit und Unterstützung durch die Stadt im Ernstfall, etwa durch das Jugendamt. Kita-Plätze und Spielplätze in der Nähe für ihre kleinen Geschwister. Ganz wichtig: WLAN an öffentlichen Plätzen und in der Schule.

So langsam beginnen die Jugendlichen auch konkrete Verhältnisse in Ahlen zu kritisieren. Max, der sich schon vor der Veranstaltung einen Fußballplatz gewünscht hat, bekommt jetzt Verstärkung durch einen anderen Schüler, der oft über Zäune klettere, um heimlich auf privaten Plätzen zu spielen. "Wir brauchen keinen Bolzplatz, sondern einen richtigen Fußballplatz, der gepflegt wird", fordert der junge Mann. Schülerin Carla wünscht sich kostenfreie Sportangebote für Kinder aus sozial schwächeren Familien. Max, wirft ein, dass das aber auf keinen Fall zu einer Trennung von arm und reich führen dürfe. Der Verein müsse für alle derselbe bleiben, nur die Kosten an die soziale Situation angepasst werden. Konrad findet: "Die Hemmschwelle muss gering gehalten werden", damit sich Familien mit weniger Einkommen nicht schämten. Eine junge Frau sucht dringend eine Frauenbasketballmannschaft in Ahlen. Es sei wichtig, zu prüfen, ob es überhaupt genug Interessentinnen für eine solche Mannschaft gebe, nur dann mache es Sinn sich dafür einzusetzen, sagt die Moderatorin. Die Schülerin ist sich sicher, dass genügend Mädchen nur darauf warteten. Selma Brand notiert alle Anregungen auf einem Tabletdisplay, der an die Wand projiziert wird. Was passiert mit den Anregungen der Jugendlichen? Marina Bänke erklärt: "Das ist kein Wunschkonzert, wir können nicht jeden Wunsch erfüllen. Aber uns ist wichtig, aufzunehmen, was unsere Kinder und Jugendlichen für eine gute Kindheit brauchen und diese Dinge in verschiedenen neuen Entwicklungskonzepten der Stadt zu berücksichtigen."

Christina Günther von der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten" NRW, ist heute auch zu Gast, um den Jugendlichen zu erklären, was das besondere an der Präventionskette ist - die Vernetzung der sonst getrennten Systeme Bildung, Gesundheit, soziale Sicherung, Jugendhilfe und Stadtentwicklungsplanung. Wie wichtig die Zusammenarbeit der einzelnen Säulen sei, erklärt sie an einem Beispiel: "Wenn sich Jugendzentren nicht mit den Schulen abstimmen, kann es passieren, dass sie etwa Freizeitaktivitäten zu Zeiten anbieten, in denen die meisten Kinder noch in der Schule sind." Ergo helfe Vernetzung, die Angebote nutzbar zu machen, darunter fielen ganz besonders Beteiligungsaktionen wie diese.

Im nächsten Schritt teilen sich die 25 Jugendlichen in Kleingruppen zu bestimmten Themenfeldern auf. Die Frage einer Gruppe ist: Welche öffentlichen Orte wünsche ich mir zum Chillen? "Runde Sitzgruppen im Berliner Park, damit man mit einem größeren Freundeskreis da sitzen kann", sagt ein Schüler. "In ganz Ahlen", fordert eine andere Jugendliche, weil sie sich aus Geldmangel nicht ständig in Cafés oder Kneipen treffen könnten.

Was macht ein gutes Jugendzentrum aus? Damit beschäftigt sich eine andere Gruppe. "Möglichkeiten zum Lernen", "ein Abendprogramm mit Live-Musik", "Poetry-Slams und Theaterkurse", sammelt diese Gruppe. Ganz wichtig sind den Jugendlichen Betreuer auf Augenhöhe, die ihnen helfend zur Seite stehen, sie aber nicht bevormunden. Der 18-jährige Vladyslav hat einen ganz konkreten Vorschlag: "Das Politcafé für Jugendliche - außerhalb der Schule, parteiübergreifend, mit dem Ziel, dass man sich mit Leuten trifft und diskutiert, um andere Meinungen kennen zu lernen." Als geeigneten Standort für das Café sieht er das Bürgerzentrum. Das sei zentral und habe passende Räumlichkeiten. So weit hat der Schüler schon geplant.

Eine weitere Gruppe fragt nach Veränderungswünschen in der Schule. Eine Schülerin hofft auf Renovierungsarbeiten "Manche Schulen sehen aus wie Gefängnisse!", sagt sie "das belastet die Psyche". Alle lachen, nicken aber auch. Eine modernere mediale Ausstattung fordert ein anderer Schüler.

Marina Bänke ist froh, diese Wünsche zu hören: "Zum Thema Medienausstattung und Digitalisierung arbeitet just der Fachbereich "Schule" Was ich aus diesem Raum kriege, kann ich an meine Kollegen weiter geben." Überrascht ist sie über den ausgeprägten Wunsch nach mehr Freizeitangeboten, weil es schon viele Angebote im Bürgerzentrum gebe. Man müsse die Jugendlichen besser informieren, glaubt sie. So wie es Schülerin Elena bereits vor der Veranstaltung vermutet hat.

Gekommen sind heute Jugendliche vom Gymnasium St. Michael, dem Städtischen Gymnasium, der Fritz-Winter Gesamtschule und der Sekundarschule. "Natürlich hätte ich mir noch eine breitere Teilnahme gewünscht, auch von den Hauptschülern zum Beispiel.", sagt Bänke "Die da sind, sind die, die sowieso aktiv sind und reden." Aber die Aktion sei der erste Schritt, so die Koordinatorin, hin zu einer breiteren Beteiligungskultur: "Das muss sich erstmal etablieren und aufbauen, bis die Jugendlichen irgendwann denken, ah, da ist was, das die Frau Bänke organisiert, da geh ich beim nächsten Mal hin!" Marina Bänke lacht. Sie hofft darauf, dass zukünftig noch mehr Jugendliche ihre Meinung einbringen: "Gerne noch kritischer!"

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Prävention stärken, Folgen von Kinderarmut vermeiden https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/praevention-staerken-folgen-von-kinderarmut-vermeiden/ Land stärkt kommunale Präventionsketten Die Landesregierung möchte allen Kindern in Nordrhein-Westfalen beste Zukunftschancen bieten – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dabei sollen kommunale Präventionsketten helfen, vorhandene Angebote aus den Bereichen Soziales, Gesundheit und Bildung enger miteinander zu verknüpfen und zu verbessern.

Diesen Weg will die Landesregierung künftig eng mit Kommunen, Verbänden und Wissenschaft entwickeln. Familienstaatssekretär Andreas Bothe tauschte sich über Möglichkeiten und Herausforderungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus 40 nordrhein-westfälischen Kommunen in Düsseldorf aus.

„Wir müssen den negativen Folgen von Kinderarmut entschieden und gemeinsam entgegentreten. Dazu gibt es an unterschiedlichen Stellen viel Wissen und Erfahrungen, die wir nun in einem strukturierten Prozess zusammenführen und auswerten wollen. Ziel dieses Prozesses ist die im Koalitionsvertrag angekündigte landesweite Stärkung von Prävention“, erklärte der Staatssekretär. Nötig sei mehr konkrete und wirkungsvolle Unterstützung für Familien in Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung hat deswegen im Haushaltsentwurf 2018 eine Verdreifachung der Mittel zum Aufbau kommunaler Präventionsketten vorgesehen.

Das Treffen im Familienministerium diente einer ehrlichen Bilanz des erreichten Standes des ehemaligen Modellprojekts „Kein Kind zurücklassen!“ der Vorgängerregierung. Auf dieser Grundlage und einer wissenschaftlichen Auswertung der bisherigen Erfahrungen sollen 2018 Entscheidungen darüber getroffen werden, wie Prävention ab 2019 flächendeckend und nachhaltig in Nordrhein-Westfalen verankert wird.

Ein Interview mit Staatssekretär Bothe am Rande des Treffens mit den Kommunen finden Sie hier.

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FSA: Kommunale Sozialplanung - ganz praktisch! https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/fsa-kommunale-sozialplanung-ganz-praktisch/ Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen kommunaler Planungsprozesse Am 19.10.2017 war die FSA  - Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung  - Gastgeber eines Fachtages für kommunale Sozialplanung mit dem Titel „Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen kommunaler Planungsprozesse“ im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen. Die mit knapp 100 Teilnehmenden ausgebuchte Veranstaltung hatte eine breite Zielgruppe von (kommunalen) Fachkräften der Sozial-, Jugendhilfe-, Quartiersplanung und -entwicklung sowie weiteren Akteure und Interessierte aus diesem thematischen Spektrum angelockt.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch den Geschäftsführer der NRW.ProjektSoziales GmbH und Leiter der FSA, Norbert Wörmann, der das Thema „Beteiligung“ sogleich offensiv anging und als „Beteiligung im unmittelbaren Lebensumfeld der betroffenen Menschen“ definierte. Und obwohl Beteiligung in aller Munde sei und ebenso allgegenwärtig, stelle sich in der Praxis doch oft die Frage, ob sie auch gewünscht sei. Gegner und Kritiker – unter anderem in den Reihen der „Schreibtischtäter und Sozialarbeiter“ gelte es zu überzeugen. Ebenso komplex sei auch die Frage, wie man Betroffene beteilige, ohne einen „Wünsch-dir-was“-Reflex auszulösen und inwiefern die praktizierten Beteiligungsformate überhaupt bei den tatsächlich Betroffenen ankämen.

Wörmann erörterte, dass es „keine einfachen Lösungen gebe“ in Zeiten des Populismus und dennoch gute Praxis existiert, die zeige, dass Beteiligung funktioniert, wenn kommunale Spitzen sich hinter das Konzept stellen. Beteiligung sei als „Kompass für die Planung“ zu verstehen, der nicht nur der Orientierung diene, sondern auch für Transparenz und Legitimation von Planungen sorge: „Wenn betroffene Menschen in Planungsprozesse einbezogen werden, tragen sie diese auch mit.“

Kernfragen des anschließenden Vortrags von Prof. Dr. Lothar Stock von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig waren dann auch, welche Formen und Möglichkeiten der Beteiligung es gibt, wo aber auch die Grenzen von Beteiligung liegen. Von der zunächst häufig ernüchternden Einsicht, dass „Macht da ist, wo das Geld ist“ solle man sich nicht abhalten lassen, Beteiligung zu ermöglichen und zu gestalten. Dezidiert erläuterte Prof. Dr. Stock die Unterschiede zwischen „Beteiligung“ und „Partizipation“, welche in der Dokumentation zur Veranstaltung detailliert nachgelesen werden können. Er beleuchtete unter anderem auch den Ansatz der „Gemeinwesenarbeit“ in Abgrenzung zum „Community Organizing“, beides wichtige Ansatzpunkte für die Sozialplanung. Als Beispiel für „echte Partizipation“ führte er den erfolgreichen Einsatz einer Bewohnerinitiative für den Erhalt der Wilhelm-Meyer-Brücke für Fußgänger in Saarbrücken an.

Prof. Dr. Stock hob hervor, dass Menschen sich häufig dann beteiligten, wenn die „Themen Menschen berühren“ und wenn Betroffene die Möglichkeit sähen, dass ihnen „eine Stimme verliehen wird“ und erläuterte dies anhand von konkreten Beispielen wie u.a. dem integrierten Stadtentwicklungskonzept „Leipzig 2030“, das in diesem Jahr unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit in verschiedenen Formaten geplant und diskutiert wurde.

Am Nachmittag gaben drei Referenten parallel Inputs zu Vertiefungsthemen, u.a. Dr. Gaby Reinhard vom Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) zum Thema „Quartiermanagement und Beteiligung in benachteiligten Stadtgebieten“. Sie stellte das „Quartiermanagement“ als zentrales Steuerungselement für integrierte Handlungskonzepte und Quartiersentwicklung allgemein vor. Anhand eines Modells skizzierte sie die drei verschiedenen Ebenen des Quartiermanagements in der Verwaltung, im Stadtteil und im „intermediären Raum“ dazwischen. Sie verdeutlichte, dass es Menschen auf allen drei Ebenen brauche (in kleineren Gemeinden ggf. in Personalunion), die im Idealfall „mit beiden Beinen im Stadtteil und mit beiden Händen in der Verwaltung und Politik“ verankert sind. Menschen, die Brücken schlügen und Koalitionen bildeten, Beziehungen zu den Menschen im Quartier aufbauten und dabei sich dabei nicht durch (politische/wirtschaftliche) Macht, sondern durch Anerkennung und Authentizität legitimieren. Durch Unabhängigkeit und eine Gleichberechtigung der verschiedenen Ebenen könne man als Planer/Koordinator „Bürgerbeteiligung begleiten“ und das „Schmieröl im Getriebe“ sein, um verschiedene Akteure an einen Tisch zu bringen und „sozialen Frieden in Quartieren zu sichern“.

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Freie Wohlfahrt verlängert die Zusammenarbeit mit dem Landesprojekt "Kommunale Präventionsketten" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/freie-wohlfahrt-verlaengert-die-zusammenarbeit-mit-dem-landesprojekt-kommunale-praeventionsketten/?no_cache=1 Die Mitgliederversammlung der Freien Wohlfahrt NRW hat einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit... Im Gespräch mit Martin Debener Warum ist es wichtig, dass die Freien Träger in dem Projekt "Kommunale Präventionsketten" so präsent sind? Was ist der Synergieeffekt der Zusammenarbeit? Debener: Freie und öffentliche Wohlfahrtspflege gehen "Hand in Hand", keiner kann ohne den anderen sinnvolle Präventionsarbeit leisten. Die gegenseitige Achtung vor der Leistung des anderen ist dabei eine grundlegende Voraussetzung. Ein Synergieeffekt entsteht, im Übrigen auch für die Freien Träger. Die Kommunen nehmen die Freie Wohlfahrtspflege deutlicher wahr, haben eine höhere Aufmerksamkeit für die Leistung der Freien Träger und in welchen Bereichen sie tätig sind. Gibt es ein konkretes Beispielen aus den Kommunen, das hervorgehoben kann, wo die Verzahnung mit den Freien Trägern sehr gelungen ist? Debener: In Oberhausen sind die Träger von Anfang an in der kommunalen Steuerungsgruppe beteiligt, viele Kommunen sind dem gefolgt. Inzwischen ist es zum Standard unseres Programms geworden, die Freie Wohlfahrt zu beteiligen. So können die Präventionsketten in den Kommunen gemeinsam gestaltet werden. Ich unterbreite ein Unterstützungsangebot für diese Verknüpfungsarbeit und pflege den Kontakt. Meine Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass die örtlichen Arbeitsgemeinschaften der Freien Träger bei der Steuerung der kommunalen Präventionsketten eingebunden werden. Wie kann das Ergebnis praktisch aussehen? Debener: Wie gute Netzwerkarbeit aussehen kann, vermittelte ein Beispiel aus Düsseldorf. Die "Kita-Eingangsuntersuchung" ist ein Gute-Praxis-Beispiel, das von den Freien Trägern mitgestaltet und mitgetragen wird. Aus einer Kooperation von Diakonie Düsseldorf, Deutschem Roten Kreuz, Gesundheitsamt, Jugendamt und dem SFD'75 Verein für Sport und Freizeit Düsseldorf ist ein multiprofessionelles Team entstanden, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder frühzeitig zu fördern und auch Eltern schon beim Kita-Start des Kindes für passende Unterstützungsangebote zu sensibilisieren. Sprach-, Koordinations-, Motorik- und Konzentrationschecks sowie eine ärztliche Untersuchung gehören zur "Kita-Eingangsuntersuchung", die im Düsseldorfer Stadtteil Hassels Nord in drei Kitas durchgeführt wird. Die Untersuchung bringt die Eltern und Kinder mit einer Kinderärztin, einer Präventionsmanagerin des Stadtteils und dem Erziehungspersonal an einen Tisch. Bemerkenswert ist hier die gute Kooperation im Sozialraum, zwischen Verwaltung und Freien Trägern. Warum gibt es solche Erfolge aus der Zusammenarbeit heraus nicht flächendeckend? Was sind die Hürden in der Einbeziehung der Freien Träger? Debener: Die Hürde sind immer die zeitlichen Ressourcen und die Kontinuität der Beteiligung der Freien Träger vor Ort. Steuerungsgruppensitzungen sind zusätzliche Arbeitszeit. Nicht allen Vertretern der Freien Wohlfahrt ist sofort präsent, wie notwendig und sinnvoll die Teilnahme an solchen Sitzungen ist, aber die Präventionsarbeit erfordert viel Kommunikation und ist eine langfristige Angelegenheit. Welche langfristigen Ziele müssen angegangen werden? Was sollte in Zukunft verbessert werden? Debener: Langfristig wäre eine Beteiligung von Anfang an wünschenswert. Etwa vor der Aufstellung eines Jugendhilfeplans sollte ein Gespräch mit den Freien Trägern über Ziele der künftigen Planung stattfinden. So könnte Beteiligung viel sinnvollere gestaltet werden, als "nur" im Nachgang um eine Stellungnahme der Freien Wohlfahrt über einen allein von der Verwaltung erstellten Plan zu bitten.]]> „Projekte enger zusammenbringen“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/projekte-enger-zusammenbringen/?no_cache=1 Mehr als 130 Expertinnen und Experten trafen sich am 27. September in Köln, um über das Thema... In seinen Eröffnungsworten unterstrich Bahr-Hedemann die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten". Er begrüße das Festhalten an dem Thema Prävention durch die neue Landesregierung und erhoffe sich für die Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit in den Projekten des LVR und der Landeskoordinierungsstelle.

Im Hinblick auf die inhaltliche Ausrichtung des Kongresstages definierte er den Kinderarmutsbegriff als strategischen Leitbegriff, der insbesondere die Jugendarmut miteinbeziehe. Es gälte die Risiken und Lebenslagen ins Auge zu fassen, die sich gegenseitig bedingen und zur Armut unter Kindern und Jugendlichen führe.

Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge forderte eine drastische Veränderung im Umgang mit dem Problem Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. In seinem Vortrag "Arme Kinder in einem reichen Land: Erscheinungsformen, Entstehungsursachen und Gegenmaßnahmen" machte er deutlich, warum das Thema schwer vermittelbar ist. Er unterschied dazu den Begriff der absoluten Armut, eine lebensbedrohliche Situation durch die Abwesenheit von Obdach, Nahrung und Medizin, von dem Begriff der relativen Armut, die in einem reichen Land, wie Deutschland das Problem ist. Die Menschen können ihre Grundbedürfnisse zwar befriedigen, sie können aber nicht teilhaben, an Dingen, die für die anderen in dieser Gesellschaft normal sind. Sie haben wenig Chancen, sich aus dieser Situation zu befreien und aufzusteigen. Diese soziale Ungleichheit könne erniedrigender und verletzender wirken, als die absolute Armut in ärmeren Ländern, so Butterwegge. Sie wirke entsolidarisierend und dürfe von unserer Gesellschaft nicht verharmlost oder beschönigt werden.

Doch auch die Wege aus der Armutsspirale (Definition nach Prof. Dr. Johannes Schütte) wurden beleuchtet und diskutiert, unter anderem durch Armutsforscherin Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.. Sie sprach über das "Engagement gegen Kinderarmut - das kommunale Handeln für die Zukunft". In ihrem Vortrag stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Menschen unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft aus der Spirale aus Negativerfahrungen nicht mehr herauszukommen. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln.

Ein persönliches Beispiel für den Weg aus der Armutsspirale lieferte die Studentin Julia Schmid, die es mit der Unterstützung eines Talentscouts der Westfälischen Hochschule aus einer schwierigen Kindheit und benachteiligten Ausganslage zu einem Jurastudienplatz in Köln geschafft hat. Sie berichtete über ihre eigenen Erfahrungen und zeigte auf, wie "Teilhabe trotz Hindernissen" umgesetzt werden könne.

Einen Film über die Geschichte von Julia Schmid finden Sie in der Mediathek des WDR.

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"Wir wollen die Prävention stärken!" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/wir-wollen-die-praevention-staerken/?no_cache=1 Online-Dokumentation zum Lernnetzwerktreffen "Kommunale Präventionsketten" Am Mittwoch, den 13.09. kamen an einem recht stürmischen Tag die Vertreterinnen und Vertreter der 40 Programmkommunen sowie weitere Akteure der kommunalen Präventionsketten zum nunmehr 17. „Lernnetzwerktreffen“ zusammen. Im übertragenen Sinne „stürmisch" war auch der Frühsommer, da nach den Landtagswahlen einige Unsicherheiten darüber bestanden, wie es mit der Landesinitiative weitergehen würde. Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Instituts für Soziale Arbeit (ISA) betonte in ihrer Begrüßung jedoch: „Der Stellenwert präventiver Arbeit ist unbestritten hoch. Viele Kinder und Jugendliche benötigen weiterhin unsere gemeinsamen Anstrengungen, frühzeitig die Weichen für nötige Unterstützung zu stellen.“ Dementsprechend positiv nahmen Mitte Juli alle Beteiligten die Nachricht auf, dass die Landesinitiative nun evaluiert und zunächst bis Ende 2018 fortgeführt werden soll.

Dr. Ralf Heinen, Bürgermeister der Stadt Köln, begrüßte die Anwesenden herzlich in der Stadt „der tausend Gesichter“. Er stellte heraus, dass die Arbeit an der Präventionskette in Köln ein wichtiger Baustein des gesamtstädtischen „Reformvorhabens“ sei, bei dem unter anderem „eine Neuorientierung und Neustrukturierung der Hilfesysteme im Ganzen“ auf der Agenda stehe.

"Wir brauchen ein koordiniertes Zusammenspiel von Jugend, Bildung, Gesundheit und Stadtentwicklung."

Bei dem Aufbau einer Präventionskette „handle es sich nicht um eine einmalige Aktion“, sondern um einen mittelfristigen Prozess, der „einen partei- und trägerübergreifenden Konsens erfordere“. Daher begrüße die Stadt Köln besonders die „Weiterführung der beratenden und fachbegleitenden Tätigkeiten des Landes zum Aufbau kommunaler Präventionsketten durch das Institut für soziale Arbeit“. Eine Präventionskette sei eben so facettenreich wie die Gesellschaft, in der sie Wirkung zeigen soll.

Staatssekretär Andreas Bothe, der seine Teilnahme aufgrund einer Sondersitzung zur ersten Regierungserklärung der neuen Landesregierung leider kurzfristig absagen musste, ließ es sich jedoch nicht nehmen, den Teilnehmenden des Lernnetzwerks eine Videobotschaft zukommen zu lassen. Hierin betonte er, dass „beste Zukunftschancen für alle Kinder – unabhängig von der sozialen Herkunft“ selbstverständlich auch das Ziel dieser Landesregierung seien.

"Wir wollen die Prävention stärken, hin zu einer flächendeckenden Verbesserung der Zukunftschancen von Kindern."

Der Staatssekretär bestätigte den vorzeitigen Maßnahmenbeginn und die Fortführung des Programms bis zunächst Ende 2018.

Opens external link in new windowVideo: Grußwort Staatssekretär Bothe

Als weitere Vertreterin des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) des Landes Nordrhein-Westfalen war u.a. die Leiterin des Referats 324, Gudrun Schmidt anwesend, die seit Mai 2017 neben den Familienzentren auch für den Bereich „Kommunale Präventionsketten“ im MKFFI zuständig ist. Prävention sei eine der berufsbiografischen Konstanten in ihrem bisherigen Werdegang, resümierte Schmidt. Unter anderem die Familienzentren, einer ihrer langjährigen Arbeitsschwerpunkte, seien ein guter Anknüpfungspunkt für Präventionsangebote vor Ort:

"Familienzentren sind ein kleines Netzwerk im großen Netzwerk der kommunalen Präventionskette"

Die Programmevaluation / Bilanzierung der kommunalen Präventionsketten sieht Frau Schmidt als Gelegenheit  „das Erreichte in den Kommunen zu verdeutlichen und sichtbar zu machen“. Die Evaluation biete zugleich eine Chance für Kommunen und Landesregierung, zukünftige Präventionspolitik auf einer sachlichen Basis zu gestalten.

Im Anschluss gaben zwei Kommunen (Dinslaken & Ahlen) Einblick in ihre bisherige Koordinationsarbeit der Präventionsketten vor Ort. Sie lieferten praxisnahe Beispiele und gaben ein ebenso authentisches wie anschauliches Bild ihrer Situation in der jeweiligen Kommune. So unterschiedlich die Ausgangsbedingungen auch seien, es ließen sich dennoch übertragbare Praxisbeispiele und Handlungsstrategien ausmachen. Unabhängig von veränderbaren Titeln gibt es eine gemeinsame Zielrichtung:

Wie das Kind heißt, ist egal. Hauptsache, wir lassen es nicht zurück!“

so Holger Mrosek, Koordinator für Präventionsketten der Stadt Dinslaken. Marina Bänke, seit diesem Jahr Koordinatorin „Kommunale Präventionsketten“ in Ahlen, ergänzte, dass sie „als Vertreterin einer neuen Kommune bereits enorm von den Erfahrungen der Modellkommunen und der Beratung durch die Landeskoordinierungsstelle profitieren konnte“.

Opens external link in new windowVideo: Input Holger Mrosek                                Initiates file downloadPräsentation von Holger Mrosek (PDF)                                 

Opens external link in new windowVideo: Input Marina Bänke 


Markus Schön
, Fachbereichsleiter Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung der Stadt Krefeld, hielt einen Input zum Thema „Engagement von Unternehmen und der Bürgerschaft als unverzichtbare Ressource der präventiven Arbeit in Kommunen“ in dem er unter anderem auf seine vielfältigen Erfahrungen als stellvertretender Jugendamtsleiter der Stadt München zurückgreifen konnte. Er zeigte Möglichkeiten und Grenzen des bürgerschaftlichen bzw. unternehmerischen Engagements auf und wie sie sich sinnvoll in die Präventionsarbeit einbinden lassen. Dazu bedürfe es vor allem personeller Ressourcen innerhalb der Verwaltung, um zum Beispiel Sach- und Geldspenden angemessen zu koordinieren und einem sinnvollen Zweck zuzuführen.

Opens external link in new windowVideo: Input Markus Schön                                 Initiates file downloadPräsentation von Markus Schön (PDF) 

Am Nachmittag erläuterten Norbert Wörmann, Leiter der Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (FSA) und Dr. Heinz-Jürgen Stolz von der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten“ ihren kooperativen Ansatz zur Umsetzung eines „kleinräumigen Monitorings als Grundlage wissensbasierten Planens und Handelns“, welches nun schrittweise in den Kommunen umgesetzt werden soll.

 Initiates file downloadPräsentation von H.J. Stolz (PDF)                       Initiates file downloadPräsentation von Norbert Wörmann (PDF)

Im Anschluss fanden vier Arbeitsgruppen zum interkommunalen Austausch statt, die sich jeweils einem der folgenden Themen widmeten. Hierzu gab es jeweils Inputs aus den Kommunen sowie Raum für Anregungen und Rückfragen.

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Krefeld beteiligt Jugendliche bei der Steuerung der Präventionskette https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/krefeld-beteiligt-jugendliche-bei-der-steuerung-der-praeventionskette/?no_cache=1 „Die Betroffenen beteiligen“. Ein Leitsatz, den man schon oft gehört hat. Krefeld setzt ihn um. In... Marius Drozdzewski ist 18 Jahre alt und seit dem Herbst 2016 Mitglied des Jugendbeirats. Frederic Koch ist 17 Jahre alt und schon seit Oktober 2014 im Jugendbeirat. Zuletzt hat er bereits im Jugendausschuss die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertreten. Die beiden Vertreter des Jugendbeirats verstehen ihren Job in der Steuerungsgruppe der Präventionskette in Krefeld nicht als Beisitzer. Sie wollen sich aktiv beteiligen und die Präventionsarbeit mitgestalten.

Mit welchem Ziel haben Sie sich für die Mitarbeit in dieser Steuerungsgruppe entschieden? Welche konkreten Vorschläge können Sie in dieses Gremium der Verwaltung einbringen?

Drozdzewski :
Ein ganz konkretes Ziel, das wir auch von den Jugendlichen mitbekommen haben, ist die Förderung von Jugendzentren. Das ist, glaub ich, das drängendste Thema. Für vieles andere bekommt man die Mittel. Wir haben ja ein gewisses Budget. Aber Dinge, wie ein Jugendzentrum, ist nichts, was der Jugendbeirat finanzieren kann. Das ist etwas, was aus den Mitteln der Kommune oder des Landes kommen muss. Das Thema ist deshalb sehr drängend, weil es die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen sehr stark betrifft. Und es stimmt überein mit dem größten Ziel von "Kein Kind zurücklassen!": die Kinder und Jugendlichen da abzuholen, wo sie gerade sind. Deshalb sind die Jugendzentren unser größtes Ziel.

Ein weiteres Ziel ist die Förderungen von Jungen und Mädchen, von Hochbegabten oder auch weniger begabten Schülern. Jeder hat Schwächen und Stärken. Es geht um die Förderung in den Schulen und auch in den Kindergärten. Wobei sich der Jugendbeirat tatsächlich ja eher für die Grundschulen und weiterführenden Schulen und später auch für die Hochschulen und Ausbildungsplätze engagiert. Das beschäftigt uns sehr stark.

Koch:
Gerade im Bereich der Bildung ist es für uns aber vor allem wichtig, die Quote der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher zu senken. Ich komme selber vom Berufskolleg und merke da ganz oft, dass Schülerinnen und Schüler wegen einer schlechten Beratung in einem falschen Bildungsgang landen. Sie merken dann erst mittendrin: "Okay, das ist vielleicht doch nichts für mich". Und dann brechen sie ab. Deswegen ist auf jeden Fall eine Beratung innerhalb der Schule wichtig. Zum Beispiel durch das Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss", wo man sich schon früh fragt: "Was möchte ich eigentlich später mal machen?". Dann kann man seinen weiteren Bildungsweg noch darauf abstimmen.

Weiter sind aber auch auf jeden Fall die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologie wichtige Themen, wo aber die Finanzierung noch nicht ganz feststeht. Aber gerade wenn es um den Bereich Beratung geht, ist die Schulsozialarbeit sehr wichtig.

Wie stellen sie sich ihren konkreten Part hier in der Steuerungsgruppe vor. Also welche Chancen ergeben sich dadurch dass sie hier sitzen?

Drozdzewski:
Ich denke, rein fachlich können wir nicht so viel zu den Dingen sagen, wie die Mitarbeiter aus den einzelnen Bereichen. Was wir, glaube ich, repräsentieren und einbringen können, was die anderen vermutlich weniger können, ist die direkte Perspektive der Jugendlichen. Also wir können tatsächlich direkt rückmelden, was war die Reaktion der Jugendlichen, die wir als Vertreter des Jugendbeirats vertreten. Wie hat der Jugendbeirat darauf reagiert? Aber wir können auch Themen weitertragen. Wir können also als Multiplikatoren der Angebote fungieren. Wir können aber auch die Meinung der verschiedensten Jugendlichen hier wieder einbringen. Ich denke, das ist unsere größte Aufgabe. Da direkt eine Rückmeldung zu geben. Ist das Etwas, das Jugendliche ansprechen würde, was bei Jugendlichen funktioniert? Oder ist das Etwas, was von Erwachsenen gemacht wurde, aber eben nicht für Jugendliche, sondern über ihren Kopf hinweg.

Da schließt sich die nächste Frage an. Welche Hürden sehen sie denn in der Präventionsarbeit? Haben sie eine Idee, warum es so schwierig ist, mit den Angeboten gerade die zu erreichen, für die sie gemacht sind?

Drozdzewski:
Wenn Jugendliche heutzutage aufwachsen, dann schaffen sie sich häufig ihren eigenen Bereich. Das ist meistens nicht der Bereich, in dem man als Stadt oder Regierung oder als staatliche Institution präsent ist. Da kommt man nicht rein in den Bereich. Das sind meistens sehr abgeschlossene Gruppen. Gerade bei denjenigen, die wir gerne erreichen würden, sind das Bereiche, wie das eigene Zuhause oder bestimmte Gruppen und soziale Netzwerke oder Online-Spiele, wo man natürlich gar kein Zugriff hat. Und es ist schwierig, die Menschen wieder raus zu bekommen, aus den sehr engen und möglicherweise auch einschränkenden Gruppen, um ihnen neue Möglichkeiten zu zeigen und die ganzen Angebote überhaupt vertraut und möglicherwiese auch schmackhaft zu machen. Das ist, glaub ich, das größte Problem. Und das ist auch das, weshalb wir alle hier sitzen und uns überlegen, was würde den Leuten überhaupt denn gefallen. Und wie kommen wir dahin, denen zu zeigen: "Hey, wir haben hier was, was euch vielleicht interessieren könnte."

Koch:
Ich glaub aber auch, dass wir den Multiplikatoreneffekt brauchen, um mehr Jugendliche erreichen zu können. Dass man eben nicht nur oben vom Jugendamt kommt und sagt: "Hey, guckt mal. Diese Angebote gibt's." Denn, ich glaube, dann klingt das gleich schon nicht so cool, wie es eigentlich ist. Sondern es ist viel besser für Jugendliche, wenn Leute in ihren eigenen Alter auf sie zukommen und sagen: "Ey, hättest du nicht Bock da drauf? Wäre das nicht was für dich?" Das kann in Jugendzentren sein oder in Schulen. Aber dass das eben nicht so von oben nach unten ist, sondern auf einer Ebene - ja eben dieser Peer-Effekt.

Die Beteiligung an einer Steuerungsgruppe bedeutet Arbeit und Engagement. Das könnte sich für einen Jugendlichen auch erstmal trocken anhören. Woraus nehmen Sie für sich persönlich die Motivation?

Koch:
Ich bin seit Oktober 2014 im Jugendbeirat - also schon eine ganz lange Zeit. Ich war zuletzt jetzt im Jugendhilfeausschuss und habe da die Interessen von allen Kinder und Jugendlichen hier in Krefeld vertreten. Ich hab mich aber auch schon vorher woanders engagiert. Ich war 2 ½ Jahre lang im Landesvorstand der LandesschülerInnenvertretung in Nordrhein-Westfalen. Da stand für mich auch immer das Thema Chancengerechtigkeit, aber auch Partizipation von Jugendlichen im Mittelpunkt. Und deswegen freue ich mich, dass ich jetzt hier auch in der Steuergruppe mitarbeiten darf und mich auch hier für ein chancengerechteres Krefeld einsetzen darf.

Drozdzewski:
Ich bin noch nicht so lange wie Frederic beim Jugendbeirat, aber schon seit Herbst letzten Jahres. Und für mich war es ganz interessant den Jugendbeirat neu aufzubauen. Wir haben wirklich vom leeren Blatt Papier wieder angefangen. Wir haben das Ganze neu erfunden. Und wir haben uns als Jugendbeirat neu gefunden, weil die Beteiligung der letzten Jahre eben sehr schwach war. Jetzt haben wir wieder eine sehr schlagkräftige Gruppe. Wir haben über 30 Jugendliche, die sich jetzt wieder engagieren. Daraus haben wir einen sechsköpfigen Vorstand gewählt, um handlungsfähig zu bleiben. Wir haben viele tolle Projekte, die sehr gut zu "Kein Kind zurücklassen!" passen. Weshalb wir beide uns auch sehr gefreut haben, dass wir uns jetzt hier engagieren können, weil unsere Projekte so gut hier rein passen. Das ist auch meine Motivation dabei.

Ich selber beginne Ende des Jahres erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland und studiere danach in Berlin. Also für mich selbst sind die Resultate nicht mehr relevant. Mich selbst betrifft es nicht mehr direkt. Aber für mich ist es wichtig, eine funktionierende Struktur aufzubauen. Deswegen vertrete ich auch hier bei "Kein Kind zurücklassen!" die Interessen. Damit der Jugendbeirat in ein paar Jahren wirklich auch ein sehr aktives und respektiertes Organ der Jugendvertretung ist. Und niemand ihn übergehen kann. Oder ein Beirat, dessen Meinung zwar nett ist, der aber wenig Einfluss auf das hat, was tatsächlich passiert.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

Opens external link in new windowZum Interview mit Jugendamtsleiter Markus Schön.

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"Alle Lebensbereiche abbilden." Krefeld setzt bei der Steuerung der kommunalen Präventionsketten auf multiprofessionale Zusammenarbeit. https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/alle-lebensbereiche-abbilden-krefeld-setzt-bei-der-steuerung-der-kommunalen-praeventionsketten-auf/ Im Gespräch mit Jugendamtsleiter Markus Schön: Die Steuerungsgruppe der kommunalen Präventionsarbeit in Krefeld hat Ende Juni 2017 ihre Arbeit aufgenommen. In der konstituierenden Sitzung waren nicht nur Fachleute aus der Verwaltung beteiligt, sondern auch Akteure aus anderen Strukturen und unterschiedlichsten Themenbereichen.

Bei der  Zusammensetzung der Steuerungsgruppe in Krefeld fällt auf, dass sie sehr vielfältig aufgestellt ist. Was war Ihnen bei der Gestaltung der Steuerungsstruktur wichtig?

Schön:
Wir wollen möglichst alle Lebensbereiche abbilden, die das Leben und Aufwachsen von Kindern und Jugend tangieren. Das betrifft die gesamte Palette unserer Angebote im Jugendamt und natürlich das Schulthema. Hier ist wichtig, nicht nur die kommunale Schulverwaltung, sondern eben auch die staatliche Schulaufsicht zu berücksichtigen, weil wir natürlich auch an die pädagogischen Bereiche ran müssen. Auch ganz wichtig sind die Bereiche Gesundheit, Sport sowie die Kinder-und Jugendpsychiatrie. Wenn "Kein Kind zurücklassen!" zum Ziel hat, präventiv wirklich alle Bereiche, die das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen tangieren, zu vernetzen, dann müssen diese in der Steuerungsgruppe auch vertreten sein. Bei einer solchen multiprofessionellen Zusammensetzung des Gremiums kann man schnell feststellen, dass aus ganz verschiedenen Bereichen, aus ganz verschiedenen Blickwinkeln, sehr gute Ideen kommen, wie wir schnelle oder auch längerfristige Verbesserungen der Aufwachsens für Kinder und Jugendliche herbeiführen können.

Es ist eine Besonderheit der Steuerungsgruppe für die Präventionsarbeit in Krefeld, dass der Jugendbeirat beteiligt ist. Warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Schön:
Es gibt eine Tendenz, dass man bei Projekten in der Sozialen Arbeit wie "Kein Kind zurücklassen!" oft über die Zielgruppe spricht, aber selten mit der Zielgruppe. Wir in Krefeld haben aktuell die glückliche Situation, dass sich unser Jugendbeirat, also die städtische Jugendvertretung, gerade in einer sehr guten Art und Weise neu konstituiert hat. Das sind ganz fitte und engagierte junge Menschen, aus ganz verschiedenen Bereichen, auch von ganz unterschiedlichen Schularten und mit ganz vielfältigen Hintergründen. Deswegen war es für mich einfach nur logisch, dass der Jugendbeirat einen Sitz in der Steuerungsgruppe von "Kein Kind zurücklassen!" bekommt.

Wie ernst ist es Ihnen mit der Beteiligung des Jugendbeirats? Wie soll die Zusammenarbeit konkret aussehen? Was erhoffen Sie sich?

Schön:
Ich finde die Anregungen, die die Mitglieder des Jugendbeirats geben, ganz wichtig. Das sind Dinge, die wir wie alle anderen fachlichen Empfehlungen aufnehmen, bearbeiten und nach Möglichkeit umsetzen. Ich muss aber sagen, dass Beteiligung nicht nur eine Einbahnstraße ist. Ich erwarte natürlich auch, dass diejenigen, die hier mitarbeiten, Verantwortung übernehmen und die Themen, die wir hier besprechen, auch in ihre jeweilige Struktur weitertragen. Denn das sind alles Themen, wo wir die Einschätzung von jungen Menschen brauchen können.

Stichwort Ehrenamt. Welche Aufgabe und Rolle sehen Sie beim Ehrenamt?

Schön:
Das Ehrenamt hat eine ganz wichtige Rolle. Wir haben ja hier in der Steuerungsgruppe, neben den Mitgliedern des Jugendbeirats, auch die Krefelder Kindertafel vertreten. Ich glaube, die Themen "sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und Familien" und "Kinder- und Jugendarmut" sind nicht nur eine Aufgabe, der sich die Institutionen in der Verwaltung widmen müssen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Es gibt- das hat auch das Thema "Zuzug Geflüchteter" gezeigt - ein unheimliches Potential in der Gesellschaft: ehrenamtliche Ressourcen, bürgerschaftliches Engagement und auch Engagement von Firmen und Betrieben. Dies muss koordiniert und vor allem ernst genommen werden. Dann können wir Brücken schlagen, um das ehrenamtliche Potential auch dahin zu kriegen, wo es sich am wirksamsten entfalten kann.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

Opens external link in new windowZum Interview mit den Vertretern des Jugendbeirats Frederic Koch und Marius Drozdzewski.

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spotlightpraxis Kita-Sozialarbeit in Bochum https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/spotlightpraxis-kita-sozialarbeit-in-bochum/?no_cache=1 11 Kita-Sozialarbeiterinnen und -arbeiter stärken Familien präventiv.  weiterlesen... Die Reihe spotlight praxis wirft Schlaglichter auf gute Präventionsangebote Nordrhein-Westfalen. Die Texte und persönlichen Bildimpressionen zeigen auf einer übersichtlichen Doppelseite, was das jeweilige Angebot so besonders macht. Ein kurzer Text fasst Adressaten, Projektansatz und Wirkung zusammen. Grafische Elemente erläutern Vorteile und Besonderheiten. Kontaktadressen eröffnen die Möglichkeit, sich tiefergehend zu informieren. zur Reihe spotlight Praxis...]]> Minister Stamp: Prävention flächendeckend und nachhaltig gut aufstellen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/minister-stamp-praevention-flaechendeckend-und-nachhaltig-gut-aufstellen/?no_cache=1 Die Landesregierung will die Prävention in Nordrhein-Westfalen flächendeckend stärken. Gemeinsam... spotlight praxis: Familienbüro Gelsenkirchen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/mehr-als-ein-familienbuero/?no_cache=1 Mehr als ein Familienbüro spotlight praxis aus Gelsenkirchen sind weitere Besonderheiten des Familienbüros nachzulesen. Sie können das spotlight praxis hier herunterladen. Die Reihe spotlight praxis wirft Schlaglichter auf gute Präventionsangebote in den teilnehmenden Kommunen von "Kein Kind zurücklassen!". Die Texte und persönlichen Bildimpressionen zeigen auf einer übersichtlichen Doppelseite, was das jeweilige Angebot so besonders macht. Ein kurzer Text fasst Adressaten, Projektansatz und Wirkung zusammen. Grafische Elemente erläutern Vorteile und Besonderheiten. Kontaktadressen eröffnen die Möglichkeit, sich tiefergehend zu informieren. Sie möchten sich im Familienbüro Gelsenkirchen umschauen? Hier geht es zum Video. ]]> Werkstattbericht: Wenn "schwer erreichbar" nicht nur Merkmal von Zielgruppen ist... https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/werkstattbericht-wenn-schwer-erreichbar-nicht-nur-merkmal-von-zielgruppen-ist/?no_cache=1 Bedingungen und Formen der Inanspruchnahme präventiver Angebote von Familien mit sechsjährigen... Welche Faktoren beeinflussen eine Inanspruchnahme präventiver Angebote? Wann müssen diese Angebote ansetzen und wie müssen sie gestaltet sein? Vertiefend analysiert wird die Rolle der "Angebote und Institutionen" im Prozess der Inanspruchnahme. Wie passen die Bedarfe der Familien und die Angebote der Kommunen zusammen? Initiates file downloadSie können den Werkstattbericht hier herunterladen. Herausgeber: Bertelsmann Stiftung, Faktor Familie Autorinnen: Annette Franzke, Jasmin Schmitt und Annett Schultz ]]> BasKIDball - Kein Korb für die Freundschaft https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/baskidball-kein-korb-fuer-die-freundschaft/?no_cache=1 In Leverkusen trainieren jede Woche um die 80 Kinder und Jugendliche Basketball. Im kostenlosen... Leverkusen, Manfort, mitten im Hochhausviertel. Hinter den verwinkelten Höfen der Theodor-Wuppermann-Schule, eröffnet sich eine Spielfläche, an die eine Turnhalle grenzt. Aus den offenen Türen dringt Hip Hop-Musik, Fußgetrappel und das Peitschen aufprellender Bälle.

In der Halle dribbelt gerade der Syrer Mohammad quer über das Spielfeld - vorbei an der Albanierin Disona Fierza und wird von Yany Abdullah aus dem Irak kurz vor dem Korb geblockt. Der Syrer stoppt, setzt an und wirft den Ball über Yanys Kopf in den Korb. Trainer Hansi Gnad jubelt, Mohammad klatscht ab und weiter geht's.

Die Schüler haben eins ihrer Smartphones an die Boxen angeschlossen. Jeder darf mal seine Lieblings-Playlist spielen. "Mit Trainingsalltag hat das hier nichts zu tun, die Kinder sollen `Gaudi` haben", sagt Trainer Hansi Gnad, der hier alle überragt. Der zwei Meter und acht Zentimeter große Riese ist ehemaliger Rekordnationalspieler, war 1993 Basketballeuropameister und kommt auf über 180 Länderspiele. Seit zehn Jahren ist er nun als Trainer tätig und seit drei Jahren für das integrative Leverkusener Projekt "BasKIDball". Die Kinder und Jugendlichen, die er hier trainiert, sind mehrheitlich Migranten. Flüchtlinge aus Syrien oder Irak, aus Eritrea oder auch Rumänien oder Bulgarien. "Wir wollen die Kids von der Straße kriegen", sagt Gnad. Der 54-Jährige hat mit BasKIDball eine erfüllende Beschäftigung gefunden. "Die Kinder sollen etwas haben, wo sie zwei Mal in der Woche hingehen können, um Spaß mit Freunden zu haben. Ich glaube das können wir ihnen bieten."

So wie Yany Abdullah: Der 15-Jährige ist vor anderthalb Jahren mit seiner Familie aus dem Irak gekommen und fühlte sich zu Beginn in Deutschland wie in einem Gefängnis: "Ich konnte kein deutsch, durfte nicht zur Schule und musste den ganzen Tag im Flüchtlingsheim bleiben". Doch dann boten ihm Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt das kostenlose Training von "BasKIDball" an.

Yany, der im Irak schon fünf Jahre Basketball gespielt hatte, knüpfte in der Halle die ersten Kontakte in seiner neuen Heimat. Seitdem kommt er jeden Dienstag und Donnerstag zum Training: "Es ist hier unsere Zeit. Wir können machen, was wir wollen und es hat mir sehr mit der Sprache geholfen."

Auch wenn hier alles locker und auf Spaß ausgelegt ist, nehmen Yany und viele der anderen Jugendlichen den Sport ernst - so auch Korbleger Mohammad Shahawi: "Selbst wenn wir kein Training haben, spielen wir auf dem Spielplatz", berichtet er. Der 15-Jährige ist mit seiner Familie aus Syrien nach Leverkusen geflohen. In seiner Heimat habe er nur Fußball auf der Straße gespielt, erzählt er. Erst in Leverkusen wurde sein Basketball-Talent entdeckt. Mittlerweile ist er - genau wie Yany - im Kader der Jugendmannschaft von Bayer Leverkusen.

Pro Woche nehmen rund 80 Kinder und Jugendliche teil. Zwei Trainer, die von jeweils einem FSJ-ler unterstützt werden, bieten jede Woche an sechs Terminen in fünf Hallen verschiedener Stadtteile die offenen Trainingsstunden an. Mehrere Akteure machen das kostenlose Angebot gemeinsam möglich. Die Stadt Leverkusen stellt die Hallen zur Verfügung und die pädagogische Begleitung. Private Förderer geben außerdem Mittel an den gemeinnützigen Verein, der das gesamtdeutsche Projekt finanziell unterstützt.

"Durch den Sport bekommen die Jugendlichen eine Anbindung an andere Kids, werden richtig integriert", sagt Volker Menge. Er ist Mitarbeiter des Leverkusener Jugendamtes, bei jedem Training mit dabei und der Ansprechpartner für alle Themen. Viele der Neuen in Leverkusen suchten bei ihm Rat, sagt Menge. Das könnten ganz profane Sachen sein, wie etwa: `Ist morgen Training?`, aber auch Konflikte mit Leuten außerhalb des Trainings oder Hilfe bei einem Antrag. Weil in Schulturnhallen trainiert wird, sei Menge ganz nah dran an der Lebenswelt der Jugendlichen und könne bei Schulproblemen auch mal auf dem kurzen Dienstweg mit Lehrern sprechen. Oft ersetze er aber auch einfach eine fehlende erwachsene Kontaktperson - insbesondere für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. "Meist wollen sie sich einfach mitteilen, erzählen von einer guten Note oder fragen mich, was ein bestimmter Songtext von Crow bedeutet." Für all das sieht sich der Pädagoge zuständig und ist deshalb auch am Wochenende für die Jugendlichen erreichbar. Eine Evaluation ergab, dass die Trainer und Pädagogen in den verschiedenen bundesweiten Standorten von BasKIDball wichtige Vertrauenspersonen geworden sind.

Auch Alex Augsten ist ein wichtiger Ansprechpartner für die Jugendlichen. Er macht sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei "BasKIDball" und ist heute als Schiedsrichter mit auf dem Feld. "Viele waren anfangs schüchtern und verschlossen. Mittlerweile trauen sie sich auf andere zuzugehen und was hier angefangen hat, machen sie jetzt auch in der Schule", erzählt er in einer Spielpause vor der Halle. Ihn würden die Jüngeren oft auch knuddeln und umarmen. "Weil es ihnen fehlt", glaubt der 19-Jährige.

Die Hälfte der teilnehmenden Kinder stammen aus Deutschland, die andere Hälfte hat Wurzeln in fast 70 Ländern. Viele der Jugendlichen haben in den Kriegsgebieten, aus denen sie geflohen sind, schlimme Dinge erlebt oder kommen aus Armut und Perspektivlosigkeit. Der Sport stärke das Zusammengehörigkeitsgefühl, sagt Volker Menge und Trainer Gnad ist froh, dass er den Pädagogen an seiner Seite hat: "Die Jugendlichen reden kaum darüber, aber wo wir helfen können, machen wir das und dann weiß ich, dass Volker Menge die richtige Adresse ist und er sich kümmert". Das Projekt hat Hansi Gnad zum Nachdenken gebracht: "Fast alle hier sind Migranten aus Regionen, über die wir täglich in der Presse lesen", sagt er, "und die Kids benehmen sich alle total anständig, wir hatten nicht einmal Stress. Die spielen zusammen, im Alter von 11 bis 17 Jahren und nehmen Rücksicht auf die Mädchen", die bundesweit circa 30 Prozent der Teilnehmenden ausmachen.

Zusammengefasst erfüllt das Projekt weitreichende Kriterien für sinnvolle Präventionsarbeit. Es erhöht die Chancengleichheit und beugt Ausgrenzung vor, weil es Kinder und Jugendliche verschiedenen Alters, Geschlechts, Nationalität oder familiären Hintergrunds zusammenbringt, es ist kostenlos und niedrigschwellig, da es in den Schulturnhallen direkt an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen angedockt ist - als freiwilliges Angebot, das niemanden zur Teilnahme verpflichtet.

Auch die Albanierin Disona Fjerza wurde hier freundlich aufgenommen. "Anfangs kannte ich keinen und es war sehr schwer für mich", erinnert sich Disona. "Dann habe ich Hansi und Volker und die anderen kennen gelernt und das hat alles besser gemacht". Disona rennt jetzt mit Mohammad um die Wette, wirft den Ball Richtung Korb, der prallt ab und fliegt wieder aufs Feld. Disona flucht und lacht, Yany drückt sie kurz an sich und wuschelt ihr durch die Haare. Die 16-jährige Disona fühle sich inzwischen sehr wohl in Leverkusen, sagt sie verschwitzt am Spielfeldrand: "Weil ich hier Freunde und eine Zukunft habe."

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Modellprojekt: Soziale Prävention in der Kinder- und Jugendarztpraxis https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/modellprojekt-soziale-praevention-in-der-kinder-und-jugendarztpraxis-an-drei-pilotstandorten-in-nr/?no_cache=1 Ein Interview mit Dr. Karl-Josef Eßer, Projektleiter und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft... Kinder- und Jugendarztpraxen erreichen über die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen („U“s) in den ersten Lebensjahren nahezu alle Kinder und deren Eltern. Sie bieten somit ideale Anknüpfungspunkte und Zugänge für Hilfesysteme der Kinder- und Jugendhilfe. Hier setzt das Modellprojekt an, das zunächst an drei Standorten in NRW durchgeführt wird. Maßgabe ist die Entwicklung und Erprobung eines Modells für das systematische Zugangsmanagement zwischen Arztpraxis und den Angeboten der Frühen Hilfen. Ziel ist es, ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und durch Stärkung der Elternkompetenz zu erreichen. Das Projekt wird gefördert vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein- Westfalen (MGEPA). Initiator und Träger des Vorhabens ist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). Für die Begleitung der operativen Ebene sowie die Durchführung der Modellstudie wurde eine Projektkoordinierungsstelle zur fachlichen Begleitung des Projekts (PKS) im Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) in Münster eingerichtet. Dr. med. Karl-Josef Eßer ist Leiter des Modellprojekts und seit 2012 Generalsekretär der DGKJ. Zuvor war er 30 Jahre Chefarzt der Kinderklinik Düren, zeitweise zusätzlich Leiter der Sozialpädiatrie und Ärztlicher Direktor. Herr Dr. Eßer, welche persönlichen Vorerfahrungen bringen Sie mit? Wie kam das Modellprojekt zustande? In den 30 Jahren meiner Berufstätigkeit als Chefarzt der Kinderklinik in Düren habe ich sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern des Kreises und der Stadt Düren gemacht. Durch gemeinsame Projekte wurde die Zusammenarbeit stetig intensiviert, es entstand beispielsweise ein viel engerer Informationsaustausch untereinander, was letztlich den Kindern zugutekommt. Während meiner Zeit als Generalsekretär für die DGKJ sollen gute Ansätze und Ideen weiterentwickelt werden: Wie können wir in den Praxen der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte eine bessere Kontaktsituation zu den Jugendämtern der jeweiligen Region erreichen? Hierauf soll das Modellprojekt Antworten liefern. Gibt es bereits vergleichbare Projekte? Ja, die gibt es! Bereits zu Beginn meiner Tätigkeit bei der DGKJ gab es den Kontakt zu „Babylotse“, einem Projekt aus Hamburg. Der Ansatz dort ist ähnlich: Zunächst wird in der Geburtsklinik der direkte Kontakt zu Familien gesucht, die psychosoziale Probleme haben. Es geht nicht nur um gesundheitliche Probleme  - es können auch finanzielle Nöte sein, Suchtproblematiken, Partnerschaftsprobleme, oder, oder, oder...
 „Babylotse“ war zunächst im Bereich der Geburtshilfe tätig – das allein genügt aber nicht. Auch in den Phasen nach der Geburt können sich noch psychosoziale Schwierigkeiten entwickeln. Aber wie erreicht man die Eltern und ihre Kinder, wenn sie die Geburtsklinik erst verlassen haben? Eines der meistgenutzten Angebote im Anschluss sind die Vorsorgeuntersuchungen in den Kinderarztpraxen. Etwa 98% aller Kinder werden im ersten Jahr dort vorgestellt, hier ist also ein guter Anknüpfungspunkt. Wie wird dieser Anknüpfungspunkt genutzt, welche Kooperationspartner sind Teil des Projekts? Um den Weg für eine Kooperation zwischen Kinder- und Jugendarztpraxen und der Kinder- und Jugendhilfe zu ebnen, wurde die „Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit und Frühe Hilfen“ gegründet, die zurzeit über 150 aktive Teilnehmende umfasst. Wir suchen nun im Projekt das beste Modell des direkten Kontaktes zwischen Jugendämtern, Frühen Hilfen, anderen Hilfestrukturen mit belasteten Familien. Unser Ansatz ist, das Jugendamt in die Kinder- und Jugendarztpraxen zu bringen. Mit der Durchführung der Modellphase und der Begleitung der Modellstandorte ist das Institut für soziale Arbeit aus Münster betraut. Die Evaluation erfolgt über ein Institut, das in Hamburg-Eppendorf an der Universität beheimatet ist. So wird das Modell vergleichbar mit anderen Projekten und liefert evaluierte Methoden für die Praxis. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen. Welche Ziele verfolgt das Präventionsmodell? Und welche Chancen bietet es? Das sind im Grunde drei Ziele: Das erste Ziel ist die Früherkennung. Durch das niedrigschwellige Angebot in der Kinder- und Jugendarztpraxis werden Kontakte zum Jugendamt vermittelt, sodass Probleme innerhalb von Familien sehr frühzeitig bekämpft werden können. Zum Zweiten kommen Kinder- und Jugendärzte in den direkten Kontakt zum Jugendamt und können darüber zum Beispiel auch einzelne Fälle weiterverfolgen. Der Weg zum Jugendamt fällt weg, indem die Sprechstunde der Kinder- und Jugendhilfe in der Kinderarztpraxis stattfindet. Drittens arbeiten viele Ärzte in Kinder- und Jugendpraxen naturgemäß krankheitsorientiert. Um präventiv wirksam werden zu können, muss man sich jedoch auch in die psychosozialen Probleme einer Familie einarbeiten, das braucht sehr viel Zeit. Wenn der Arzt / die Ärztin aber schon im Ansatz ein mögliches Problem erkennt, kann er / sie an die Sprechstunde des Jugendamts in der Praxis verweisen, wo dann direkt kompetente Beratung und Hilfen gegeben werden können. Gerade für die sozial schwächeren Familien bietet Prävention viele Chancen: Die Idee durch bessere Gesundheit eine bessere Bildung zu ermöglichen tragen mittlerweile auch viele Kinder- und Jugendärzte. Wir müssen aber nicht erst im Kindergartenalter oder gar im Schulalter aktiv werden, sondern viel früher – nämlich zu Beginn der Schwangerschaft und direkt nach der Geburt. Kinder- und Jugendärzte sollten diese Chancen nutzen im Interesse ihrer zu betreuenden Patienten. Welche Pilotstandorte gibt es und wie läuft die Zusammenarbeit ab? Solingen, Dortmund und Düren – drei Standorte mit insgesamt vier Jugendämtern. Wir haben mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Jugendämtern ausführliche Gespräche gehabt und die drei teilnehmenden Praxen natürlich ausführlich darüber informiert, was auf sie zukommt. Innerhalb der Projektlaufzeit soll sich zeigen, was man mit der frühen Erkennung von psychosozialen Problematiken erreichen kann: Wie viele der Familien eine solche Betreuung akzeptieren, wie viele Familien abspringen während der Zeit und wie vielen Familien tatsächlich geholfen werden kann. Es geht auch um die Erfahrungen der beteiligten Kolleginnen und Kollegen aus den Kinderarztpraxen und dem Jugendamt, ihre Perspektive auf das Modellprojekt: Was war hilfreich, was eher nicht. Der Ausgang des Projektes ist also offen, und das ist auch gewollt so. Wir vergleichen unseren Ansatz dann mit den Ideen, die unsere Kollegen in Hamburg haben, wo die MFAs (medizinisch-fachlichen Angestellten) oder der Arzt/die Ärztin die Rolle des Jugendamtes übernehmen. Wir wollen sehen, was da Sinn macht. An welche Familien richtet sich das Sprechstundenangebot? An alle Familien! Es ist ja nicht nur so, dass psychosoziale Probleme bei niedrigerer Bildungsstruktur oder sozialer Armut vorhanden sind, das kann auch in ganz anderen Familien der Fall sein. Entscheidend ist für uns letztlich die Früherkennung. Inwiefern geht das Modellprojekt über die "Frühen Hilfen" hinaus? Die Frühen Hilfen sind ein ganz wichtiges Instrument bei der Betreuung von psychosozial auffälligen Familien. Aber die Frühen Hilfen sind darauf angewiesen, dass ihnen Kinder und Familien zugewiesen werden. Hier liegt die Krux: Oft fällt eine Familie erst auf, wenn sie schon sehr große Probleme hat. Unsere Idee ist, die Früherkennung zu fördern, d.h. schon im Ansatz der Problematik helfen zu können. Gehen die Ärzte aktiv auf die Patienten zu? Werden sie dafür speziell geschult? Ja, die Ärzte erhalten zunächst eine spezielle Schulung, darüber hinaus gibt es einen Screening-Bogen, den die Hamburger Kollegen entwickelt haben. Diesen Bogen füllt jede Familie in der Kinder- und Jugendarztpraxis aus. Von den Ergebnissen kann man schon ableiten, ob eine Problematik vorliegen könnte oder nicht. Das wird dann bei der Vorsorgeuntersuchung direkt angesprochen und überprüft. Der erfahrene Kinder- und Jugendarzt sieht das den Eltern oft auch „an der Nase“ an. Wenn ein sehr gutes Vertrauensverhältnis besteht, erzählen die Eltern so etwas auch von selbst. Das ist aber natürlich nicht immer der Fall und insofern ist der Screening-Bogen sinnvoll und hilfreich. Der Bogen wird im Modellprojekt ebenfalls evaluiert. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projekts? Wir möchten das Projekt gerne in den nächsten 2-3 Jahren konsequent in NRW und in Hamburg fortführen. Daraus lassen sich dann Erkenntnisse ziehen, welches das beste Modell ist. Und dieses Modell möchten wir gerne in die Regelversorgung einbringen. Familien, die Auffälligkeiten zeigen, die Not haben, soll möglichst früh geholfen werden und das auf Basis eines erprobten und evaluierten Systems. Vielen Dank für das Gespräch!

 

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Die Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (FSA) feiert 2. Geburtstag https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/die-fachstelle-fuer-sozialraumorientierte-armutsbekaempfung-fsa-feiert-2-geburtstag/?no_cache=1 „Die FSA hat laufen gelernt und steht auf sicheren Beinen“ ist die Zwischenbilanz von Norbert... Prävention geht nicht alleine Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS) setzte einen fachlichen Impuls für die anschließende Diskussion. In ihrem Vortrag zum Thema "Armut als individuelle Lebenslage - Was hat das mit dem Sozialraum zu tun?" stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Mensch unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln. "Denn Prävention geht nicht alleine", so Holz.
Die Sozialwissenschaftlerin beleuchtete den Armutsbegriff von verschiedenen Seiten und stellte den Einzelnen in Bezug zu den sozialen Gegebenheiten. Der Sozialraum gebe (Versorgungs-)Strukturen vor, die bei der Bekämpfung von Armut von großer Bedeutung seien. Es müsse die Wohnsituation, das Quartier, und die unregelmäßig genutzten Räume betrachtet werden. Wie sind die Teilhabe- und Zugangschancen und wie werden diese in Anspruch genommen? Gartenzäune einreißen Mit diesen Fragen ging es in eine Podiumsdiskussionsrunde, die Lösungsansätze im Hinblick auf Armut im Sozialstaat suchte. Dr. Frank Johannes Hensel (Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln e.V.), Gabriele Schmidt (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW), Dr. Antonio Brettschneider (Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung), Prof. Dr. Heike Köckler (Dekanin der Hochschule für Gesundheit, Bochum) und Gerda Holz stellten sich dem Gespräch und versuchten die Hürden der Präventionsarbeit und die Mittel, diese zu überwinden, zu identifizieren. Gabriele Schmidt sprach sich dafür aus, Ungleiches auch ungleich zu behandeln. Das bedeute, unterschiedliche Sozialräume auch unterschiedlich zu fördern. Heike Köckler stellte die Zusammenhänge der Wohn- und Lebenssituation, der Lärm-, Luft- und Verkehrsbelastung zu den gesundheitlichen Auswirkungen her und machte deutlich, dass soziale Ungleichheit und Gesundheit nicht getrennt voneinander betrachten werden könne. Und auch Antonio Brettschneider berichtete in der Forschung noch von "Gartenzäunen", die es einzureißen gälte. Nur mit einer Entsäulung in der Wissenschaft könne eine brauchbare Wissengrundlage für eine effektive Armutsbekämpfung geschaffen werden. ]]>
4. Frühjahrsakademie: "Präventionsketten partnerschaftlich gestalten" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/4-fruehjahrsakademie-praeventionsketten-partnerschaftlich-gestalten/?no_cache=1 Kooperationsveranstaltung des LVR-Förderprogramms "Teilhabe ermöglichen – Kommunale Netzwerke gegen... "Allen Kindern und Jugendlichen sollen die Angebote der Jugendhilfe zuteilwerden" betont Thomas Krützberg, Dezernent für Familie, Bildung und Kultur der Stadt Duisburg, bei der Eröffnung der 4. Frühjahrsakademie. Daran arbeitet Duisburg seit 2012 als eine von 18 Modellkommunen mit Unterstützung der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!"(KEKIZ). Vertreterinnen und Vertreter der inzwischen 40 KEKIZ-Kommunen sowie der 39 Kommunen, die am LVR-Förderprogramm "Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut" teilnehmen, erschienen zahlreich zur diesjährigen Frühjahrsakademie - einer Kooperationsveranstaltung beider Programme.

Zwei Tage, über 90 Teilnehmende aus 46 NRW-Kommunen, 15 Arbeits- und Praxisforen, 9 Inputs von Kommunen, 2 Vorträge
Das war die Frühjahrsakademie 2017 in Zahlen. Nicht nur in diesem Sinne konnte eine positive Bilanz gezogen werden: Die Atmosphäre vor Ort war geprägt von positiver Stimmung, großer Motivation und Kommunikationsfreude. "Anpacken", etwas bewegen, sich weiter vernetzen und kollegialen Informationsaustausch pflegen. Dafür bot die Frühjahrsakademie den passenden Rahmen, versteht sie sich doch als Forum für den Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen.

Gemeinsam mit Partnern aus Zivilgesellschaft und Freier Wohlfahrtspflege Präventionsketten stärken
Das (Lern-)Netzwerk sowie die einladenden Kooperationspartner, die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut und die Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" sowie die Freie Wohlfahrtspflege rücken näher zusammen. Das sei schließlich das Ziel der Veranstaltung, wie Alexander Mavroudis von der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut erläuterte: "Die erfolgreiche Kooperation der beiden Programme, die an einem Strang ziehen, um die Kommunen bestmöglich zu unterstützen" sei Sinnbild für das Gelingen von Präventionsarbeit. Gemeinsam mit Partnern aus Zivilgesellschaft und Freier Wohlfahrtspflege könne man die Folgen von Kinderarmut kommunal bekämpfen und die Präventionsketten nachhaltig stärken.

Im Anschluss erläuterte Dr. Johannes Schütte von der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen!“ weshalb „die partnerschaftliche Beteiligung der Freien Träger und der Zivilgesellschaft beim Aufbau von Präventionsketten unerlässlich ist“. Zum einen sei es die große Anzahl und Vielfalt der Träger, die flächendeckend im Land arbeiten, die sie als Partner wichtig mache. Zum anderen könne das vorhandene Wissen der Fachkräfte über Zielgruppen und Adressaten genutzt werden, um passgenaue Angebote zu gestalten. Nicht zuletzt gebe auch nach dem „Subsidiaritätsprinzip“ sogar die Verpflichtung für Kommunen, den Freien Trägern passende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Daran knüpfte Martin Debener, Referent der Freien Wohlfahrtspflege, direkt an und gab einen Überblick der Trägerlandschaft in NRW sowie einen Einblick in deren Arbeitsweise und Anbindung an die Kommunen. Dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Wohlfahrtsverbänden und Kommunen kein Selbstläufer ist, war das Fazit der anschließenden Fishbowl-Diskussion. „Kooperationskulturen müssen wachsen - dazu gehören der Aufbau von Vertrauen und die Verständigung auf gemeinsame Ziele“ so Alexander Mavroudis. Man verfolge „gemeinsame Interessen und stehe nicht auf verschiedenen Seiten“ so das Schlussplädoyer von Martin Debener.

Modelle für die (Qualitäts-)Entwicklung von Präventionsketten - in Theorie & Praxis
Der anschließende Input zu den Praxisforen am Nachmittag befasste sich mit den Modellen für die Entwicklung von Präventionsketten, die den Kommunen als Orientierung dienten, jedoch keine „Blaupause“ seien. Zum einen wurde der von KEKIZ entwickelte „Qualitätsrahmen“ vorgestellt, zum anderen der Initiates file download„Strategiezyklus Netzwerkarbeit“ des LVR-Programms. Die Praxisforen waren inhaltlich an die Handlungsfelder der vorgestellten Modelle angelehnt, sodass die Teilnehmenden ihre Fragestellungen nun konkret bearbeiten konnten.

Kultureller Abschluss - Integratives Musicalprojekt
Zum Abschluss des Tages gab es einen kulturellen Höhepunkt: Jugendliche des integrativen Musicalprojekts (music4everybody! e.V.) aus Frechen gaben in einer multimedialen Live-Performance Einblick in ihre Arbeit. Die jungen Performer wurden für ihre eindrucksvolle Darbietung vom Publikum mit begeistertem Beifall belohnt.

Initiates file download Zur Dokumentation der Frühjahrsakademie

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„Klassentreffen“ gewinnt KICK-Förderpreis https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/klassentreffen-gewinnt-kick-foerderpreis/ Das integrative Medienprojekt „Klassentreffen“ hat jüngst einen der KICK-Förderpreise der... Der 19-jährige Syrer Yorgo und der Iraker Khalil sind Deutschkursschüler im JAZ. Heute stehen sie vor einem Café am Dom zu Münster und halten Passanten ihr Mikro unter die Nase. Hinter ihnen filmen Sophie Pallas und ihre Freundin Laura. Sie sind Schülerinnen vom Ketteler-Berufskolleg und mit im Team von "Opens external link in new windowKlassentreffen". "Wie gefallen Ihnen die Flüchtlinge hier in Deutschland?", will Yorgo wissen. "Ich finde das total korrekt", sagte eine Passantin, "ich engagier mich da auch ein bisschen." Dann fügt sie an, dass man mit Respekt miteinander umgehen müsse und der Abstand gewahrt werden solle. "Aber das mach ich mit Deutschen auch so! Der junge Mann, dem Yorgo jetzt dieselbe Frage stellt, antwortet, dass er es sehr postiv sehe, dass Flüchtlinge hier Asyl bekämen. "Warum?", will Khalil wissen: "Ein Land, dem es so gut geht wie Deutschland, sollte Verantwortung gegenüber Menschen übernehmen, denen es schlechter geht", antwortet der Münsteraner.

So wie Yorgo. Er musste vor einem Jahr aus Syrien fliehen. Der 19-jährige ist über zwei Meter groß, war in Syrien Profibasketballspieler. Dort hat er sein Abitur gemacht. Hier hofft er Arzt zu werden. Ihn ärgern Vorurteile, die ihm oft entgegenschlügen. Deshalb ist er heute als Journalist unterwegs und fragt jetzt die Passanten, ob Sie Angst vor Flüchtlingen wie ihm haben. Damit trifft er einen sensiblen Punkt. Eine ältere Frau sagt: "Ja, seit Köln. Wenn mich einer anspricht, denk ich, er will mir was klauen." Auch ein Mann mittleren Alters, der sogar als Theaterregisseur mit Flüchtlingen zusammen arbeitet fürchtet sich manchmal und schämt sich dafür: "Wenn die Abends in einer Gruppe zusammen sind, bin ich immer nervös, dabei bin ich total tolerant und verstehe gar nicht, warum ich so fühle." Er glaubt, dass ihm die Medien Angst gemacht hätten. Eine weitere Frau sagt, dass sie im Dunkeln Angst vor Flüchtlingen habe: "Man denkt natürlich, hinter einem kommt einer und da kommt das Messer, ansonsten hab ich nichts gegen Flüchtlinge".

Auch viele weitere Passanten geben sich ambivalent. Sie seien einerseits offen, andererseits ängstlich. Wie fühlt sich das für Yorgo an? "Wir sind hier nach Deutschland gekommen, um zu studieren und zu arbeiten, manche Leute denken, dass wir Probleme machen, und das finde ich ganz schlimm", sagt er.

Plötzlich kommt die Frau aus dem letzten Interview nochmal zurück und spricht mit Yorgo. Der kommt lachend wieder und berichtet, dass ihm die Frau 20 Euro gegeben habe, damit die Gruppe zusammen Kaffee trinken oder Eis essen könne.

Annehmen möchte Yorgo das Geld aber nicht. Sophie und Laura, die die Interviews heute gefilmt haben, ziehen ein Fazit.: Sophie findet positiv, dass sich viele erst einmal offen gegenüber den neuen Mitbürgern gezeigt hätten. Nicht verstehen kann sie, dass die eine Passantin Angst vor Flüchtlingen im Dunkeln habe: "Aber ich glaube, sie hat sich nicht richtig ausdrücken können", glaubt Sophie. Laura ist heute das erste Mal mit dem Projekt "Klassentreffen" unterwegs gewesen und hat sich ruhig im Hintergrund gehalten. Sie haben die Interviews bewegt: "Wenn die Befragten gesagt haben, dass sie nichts gegen Flüchtlinge haben, dann hat Yorgo angefangen zu lächeln. Das war schön zu sehen."

Links:

Hier geht es zum Auftritt des Projekts "Klassentreffen" beim KICK-Förderpreis der Stadtwerke Münster.

https://www.stadtwerke-muenster.de/kick/projekte-2017/wilhelm-emmanuel-von-ketteler-berufskolleg/klassentreffen.html

Und hier zum Vorstellungsvideo:

https://www.youtube.com/watch?v=Ln7snE5ppfY&feature=youtu.be

Im Projekt "Klassentreffen" kooperieren SchülerInnen:

vom Wilhelm-Emmanuel von Ketteler-Berufskolleg
und aus Deutschkursen im Projekt "Angekommen in deiner Stadt Münster" im Jugendausbildungszentrum (JAZ)

Finanziert wird das Projekt von:

Stadt Münster
Stiftung gegen Rassismus
Wohn- und Stadtbau Jugendstiftung
Caritas

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"Kein Kind zurücklassen!" - Entwicklungskonferenz in Oberhausen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/kein-kind-zuruecklassen-entwicklungskonferenz-in-oberhausen/?no_cache=1 Konferenz brachte Akteure der Präventionsarbeit zusammen, die das Netzwerk und Ziele gemeinsam... Am 24. April kamen im Zentrum Altenberg über 60 Teilnehmende zur Oberhausener Präventionskonferenz zusammen. Die Konferenz war Treffpunkt für alle, die aktiv an dem Auf- und Ausbau von kommunalen Präventionsketten in Oberhausen mitwirken möchten, um vorbeugende Angebote und Maßnahmen innerhalb der Stadt sichtbarer und effektiver zu machen. Das gemeinsame Ziel lautet: Kein Kind zurücklassen!

Prävention – das ist in Oberhausen kein neues Stichwort: Seit Beginn der Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ im Jahr 2012 ist Oberhausen als eine von 18 Modellkommunen dabei. Inzwischen wurde das Modellvorhaben in die Fläche getragen, seit diesem Jahr sind 22 neue Kommunen in NRW Teil der Landesinitiative geworden.

In Oberhausen ging man nun den nächsten Schritt: Die verschiedenen Akteure präventiver Angebote und Maßnahmen aus Oberhausen wurden auf einer Entwicklungskonferenz zusammen gebracht, um vorhandene Ansätze weiterzuentwickeln und eine kommunale Gesamtstrategie zur Prävention auf den Weg zu bringen.

"Ressortgrenzen überwinden, die eigene Perspektive reflektieren"
Eröffnet wurde die Oberhausener Präventionskonferenz von Oberbürgermeister Daniel Schranz, der sich erfreut zeigte über die rege Teilnahme und das große Interesse an diesem wichtigen Thema „Prävention“. Um tatsächlich wirksam zu werden, bedürfe die Präventionsarbeit nicht nur der Unterstützung der kommunalen Spitze, sondern auch einer breiten Beteiligung von Fachkräften an der „Basis“. Oberbürgermeister Daniel Schranz: „Ich bin daher zuversichtlich, dass das Oberhausener Präventionsnetzwerk auf einem guten Weg ist und wünsche den Teilnehmenden einen konstruktiven Workshop sowie den Mut und die Offenheit, Ressortgrenzen zu überwinden, die eigene Perspektive zu reflektieren und das persönliche Netzwerk zu erweitern.“

"Wo stehen wir aktuell? Wo wollen wir hin?"
 Darum ging es bei diesem ganztägigen Workshop, an dem Fachkräfte aus den Bereichen Betreuung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Kultur, Wirtschaft, Stadtentwicklung, Soziales, Sport und Mobilität teilnahmen.

Um dem gemeinsamen Ziel näher zu kommen, ein wirksames und transparentes Netzwerk zur Prävention in Oberhausen zu bilden, ging es im Verlauf des Workshops in mehreren Arbeitsphasen in Kleingruppen darum, die eigenen Themen zu benennen, einen kritischen Blick auf die bisherige Arbeit zu werfen sowie eine Zukunftsvision zu entwickeln, die dann in konkrete Arbeitsschritte münden soll.

 "Transparenz innerhalb der Präventionsketten ist das A und O."
„Wichtig ist, dass die einzelnen Maßnahmen [zur Prävention] bekannt sind“ erläuterte Britta Costecki, Leiterin des Büros für Chancengleichheit und Familie. Akteure sowie Außenstehende bräuchten eine Übersicht über Angebote und Maßnahmen.

In einem Expertengespräch zu den Erfolgsfaktoren kommunaler Prävention attestierte Dr. Heinz-Jürgen Stolz von der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ Oberhausen bereits eine gute Basis zur Präventionsarbeit. In der neuen Projektphase sei es nun von größerer Bedeutung, die Nachhaltigkeit zu sichern. Ziel des Workshops sei es daher, bisherige Prozesse der Zusammenarbeit und Angebotsentwicklung zu prüfen und im Sinne der Qualitätsentwicklung in optimierte Strukturen zu überführen, um gemeinsame strategische Ziele erreichen zu können.

 "Anpack-Themen" finden in der Arbeitsphase
Für die Praktiker vor Ort ging es dann am Nachmittag in der zweiten Arbeitsphase vor allem darum „Anpack-Themen“ zu finden, anhand derer eine Umsetzung wichtiger Themen in konkrete Arbeitsschritte erfolgen kann. So beschäftigten sich die AGs mit konkreten Zielen und Rahmenbedingungen zu Weiterentwicklung der Präventionsarbeit.

Fazit: "Das Netzwerk zur Prävention geht gestärkt aus dieser Konferenz hervor"
Am Ende des Tages zog Elke Münich, Dezernentin für Familie, Bildung und Soziales eine positive Bilanz: „Das Netzwerk zur Prävention geht gestärkt aus dieser Konferenz hervor.“ In Zukunft werde weiterhin an einer erhöhten Transparenz, Sichtbarkeit und ressortübergreifenden Planung der Angebote gearbeitet, die Grundsteine seien gelegt und viele Partner fühlen sich nun stärker als Teil eines Netzwerkes auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel: Kein Kind zurücklassen in Oberhausen!

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spotlight praxis: "Balu und Du" in Gladbeck https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/spotlightpraxis-balu-und-du-in-gladbeck/?no_cache=1 Großes Engagement für kleine Persönlichkeiten wissenschaftliche Begleitforschung ergeben: Was bringt's? SROI-ANALYSE des Mentoring-Programms Balu und du Wirkungsbericht 2015 Von unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und Verbänden an 89 Standorten in ganz Deutschland werden die Balus unterstützt und vorbereitet. Wohlfahrtsverbände, Hochschulen oder gymnasiale Oberstufen haben das Programm in ihre Ausbildungs- und Lehrpläne aufgenommen. In Gladbeck bilden zwei Gymnasien und eine Gesamtschule interessierte Schülerinnen und Schüler zu Mentoren/Balus aus. Und auch die Balus profitieren von den Patenschaften. Sie übernehmen Verantwortung und verbessern sich im Zeit- und Budgetmanagement. Sie fühlen sich fröhlicher und selbstbewusster. Ihre ehrenamtliche Leistung können Sie im Beruf und Studium vorweisen und einbringen. ]]> Handbuch für Kommunen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/handbuch-fuer-kommunen/?no_cache=1 Qualitätsmanagement für Präventionsketten Immer mehr Kommunen machen sich auf den Weg sogenannte Präventionsketten aufzubauen. Beim Aufbau bzw. der Weiterentwicklung von Präventionsketten geht es darum, allen Kindern und Jugendlichen ein gelingendes Aufwachsen, gesellschaftliche Teilhabe und gute Bildungschancen zu ermöglichen. Das nun erschienene "Handbuch für (KEKIZ-)Kommunen" liefert fachliche Publikationen zum Qualitätsmanagement für Präventionsketten in kompakter Form. Das mittlerweile abgeschlossene Modellvorhaben "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" ist Teil der langfristig angelegten Politik der Vorbeugung in Nordrhein-Westfalen. Mit Unterstützung der wissenschaftlichen Begleitung des Instituts für soziale Arbeit e.V. (Münster) begannen 18 Modellkommunen mit dem Aufbau kommunaler Präventionsketten von der Schwangerschaft bis hin zum Übergang Schule-Beruf. Inzwischen sind 22 weitere Kommunen Teil des Lernnetzwerkes geworden und sollen so auch von dem vorhandenen Wissen profitieren. Um dieses Wissen nachhaltig in allen KEKIZ-Kommunen zu verankern, gibt die Landeskoordinierungsstelle das "Handbuch für Kommunen" heraus - in Form eines handlichen DIN A4-Ordners. In dem Handbuch werden Ergebnisse des wissenschaftlichen Begleitprozess durch das Institut für soziale Arbeit e.V. für die kommunale Praxis aufgearbeitet und gesammelt. Die Inhalte entstehen fortlaufend im Dialog mit den beteiligten Akteuren des Lernnetzwerks. Fragestellungen und Themen rund um den Aufbau und die Weiterentwicklung von Präventionsketten, die sich in den teilnehmenden Kreisen und Städten ergeben, werden aufgegriffen und sukzessive eingearbeitet. Bereits enthalten ist unter anderem die Initiates file downloadArbeitshilfe zum "Qualitätsrahmen zum Aufbau einer Präventionskette", die den Akteuren innerhalb einer Kommune Orientierung der Qualitätsentwicklung ihrer Präventionskette vor Ort bietet. Das Handbuch dient somit als praktisches Nachschlagewerk; das vorhandene Wissen bleibt auch personenunabhängig in der Kommune erhalten. Das Handbuch für Kommunen...
  • ... soll Kommunen beim Aufbau und der Weiterentwicklung von kommunalen Präventionsketten unterstützen.
  • ... widmet sich verschiedenen Themen und Arbeitsbereichen, die beim Aufbau kommunaler Präventionsketten zu berücksichtigen sind.
  • ... enthält Beispiele aus der Praxis, die Anregungen zur Umsetzung geben sollen.
  • ... wird in Zukunft stetig weiterentwickelt und im Sinne einer losen Blattsammlung sukzessive gefüllt und aktualisiert.
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Erstes Lernnetzwerktreffen mit den neuen Kommunen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/erstes-lernnetzwerktreffen-mit-den-neuen-kommunen/?no_cache=1 Unter dem Motto "Das Lernnetzwerk wächst (zusammen)" fand am 3. April 2017 im Wissenschaftspark... "Routinen verändern und über Ressortgrenzen hinausdenken"

Familienstaatssekretär Bernd Neuendorf begrüßte die 22 neuen Kommunen der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" im Lernnetzwerk. "Ich freue mich, dass sie den Weg in die 'Kein Kind zurücklassen!'-Familie gefunden haben. Sie haben sich entschlossen, Routinen zu verändern und über Ressortgrenzen hinauszudenken", erklärte der Staatssekretär gegenüber den Vertreterinnen und Vertretern der neuen Kommunen. Nur so könne die Arbeit an einer wirksamen Präventionskette gelingen.

Neuendorf sprach die Leistungen des Lernnetzwerks an, das den Raum für gegenseitigen Austausch schaffe: "Das Lernnetzwerk, also der fachliche Austausch zwischen den Kommunen, trägt großen Anteil am Erfolg von 'Kein Kind zurücklassen!'. Ich freue mich daher sehr, dass uns die ehemaligen Modellkommunen in den kommenden zwei Jahren als Vertiefungskommunen erhalten bleiben. Denn so können die neuen 22 Kommunen von Ihrem großen Erfahrungswissen über gute Präventionsarbeit profitieren. Umgekehrt können aber sicherlich auch die 'alten Hasen' von den 'Neuen' noch etwas dazu lernen."

Der Familienstaatssekretär unterstrich die Bedeutung der Beteiligung der kommunalen Spitzen an der Präventionsarbeit. Er freue sich, dass nicht nur alle Auftaktgespräche, sondern auch die bisher gelaufenen Planungsworkshops mit den kommunalen Spitzen stattgefunden haben: "Prävention muss Chefsache sein. Prävention braucht den Rückenwind von oben."

In den Planungsworkshop kommen Entscheiderinnen und Entscheider der kommunalen Präventionslandschaft zusammen. Das sind verwaltungsinterne und -externe Akteure aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Soziales und Jugendhilfe sowie weitere Partnerinnen und Partner, die für den Auf- oder Ausbau der kommunalen Präventionskette wichtig sind. Gemeinsam gilt es, die ersten Eckpunkte für ein Präventionsleitbild zu formulieren und strategische Ziele in den Blick zu nehmen.

"Lebenswelten von Kindern lassen sich nicht in Linienorganisationen denken."

Christoph Gilles von der Koordinationsstelle Kinderarmut im Landschaftsverband Rheinland berichtete beim Lernnetzwerktreffen in Gelsenkirchen über die enge Kooperation zwischen dem LVR-Programm und "Kein Kind zurücklassen!". Viele der neuen Kommunen sind auch am LVR-Programm gegen Kinderarmut beteiligt. Gilles unterstrich die Gemeinsamkeiten der beiden Arbeitsbündnisse. Er sprach sich für die gemeinsame Verantwortung der Netzwerkpartner aus: "Lebenswelten von Kindern lassen sich nicht in Linienorganisationen denken. Parallelstrukturen gilt es zu vermeiden und in der Parallelität die Gemeinsamkeiten zu suchen." Das LVR-Programm gegen Kinderarmut und die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!" verstehen sich als Partner im Aufbau von Präventionsketten.

 "Die Anliegen der Kinder in Erfahrung bringen"

In die inhaltliche Arbeit startete das Lernnetzwerk mit einem Beitrag von Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger von der Bergischen Universität Wuppertal über "Ungleiche Kindheiten - und die Frage nach ihrer Qualität". Die Professorin stellte verschiedene Modelle einer gelungenen Kindheit aus der Geschichte und aus anderen Ländern vor. Sie erklärte, dass ungleiche Kindheiten keine neue Erscheinung seien und dass sich die Vorstellung über eine gute Kindheit stetig gewandelt habe. Sie näherte sich so der Frage, wie viel wir gesichert über die Definition einer gelungenen Kindheit aussagen können. "Wir müssen uns von selbstverständlichen Vorstellungen lösen und die Anliegen der Kinder in Erfahrung bringen", so Bühler-Niederberger.

"Vom Kind her denken" ist auch eine zentrale Forderung der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!". Sie setzt auf eine Politik der Vorbeugung, die allen Kindern gleiche Chancen auf ein gutes Aufwachsen, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern. Es geht darum, die gesamte Entwicklung eines Kindes besser in den Blick zu nehmen und den Familien bestmöglich und frühzeitig helfen zu können. Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, aber auch Kitas, Schulen, Sportvereine, Jugend- oder Gesundheitsämter sollen dabei systematisch zusammenarbeiten.

Der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" ging eine Modellphase mit 18 Kommunen zwischen 2012 und 2016 erfolgreich voran. In diesem Jahr sind 22 Kommunen dazugekommen. Eines der zentralen Vorhaben der Landesregierung - die Politik der Vorbeugung - geht damit in die Fläche. Zusammen mit den 18 Kommunen aus dem 2012 gestarteten Modellvorhaben umfasst das Netzwerk jetzt 40 Kommunen. Dadurch werden 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen erreicht.

Die Lernnetzwerktreffen organisiert die beim Institut für soziale Arbeit e.V. angesiedelte Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen". Auch in diesem Jahr lädt sie wieder zu einer Frühjahrsakademie ein. Sie findet vom 11.05. - 12.05.2017 in Duisburg statt.

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„Kein Kind zurücklassen!“ beim Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/kein-kind-zuruecklassen-beim-deutschen-kinder-und-jugendhilfetag/?no_cache=1 In ihrer Eröffnungsrede zum Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2017 vor rund 2.000 Zuschauerinnen... Vom Streetworker bis zum Jugendhilfeplaner - der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) in der Messe Düsseldorf war der Treffpunkt für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Auf einer Fläche von 20.000 m² präsentierten sich vom 28. bis 30. März 2017 über 380 Ausstellerinnen und Aussteller, Träger der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe sowie gewerbliche Anbieterinnen und Anbieter in den Messehallen. Projekte, Organisationen und Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe waren vor Ort. Vom Jugendverband, über Jugendämter, bis hin zu Weiterbildungseinrichtungen und Ministerien, war alles vertreten. Auch "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" stellte sich den Messebesucherinnen und -besuchern vor. An drei verschiedenen Ständen konnte man sich über die Landesinitiative informieren. Das Familienministerium NRW, das Institut für soziale Arbeit e.V. und die Bertelsmann Stiftung boten Literatur und Gespräche zum Aufbau von Präventionsketten an.

Neben den Messeständen bot der Fachkongress auch Raum für den Austausch zwischen Politik, Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. "Kommunale Prävention von Sozialer Exklusion" war das Thema eines Fachforums, welches gemeinsam vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS) aus Frankfurt a.M. und dem Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) aus Münster gestaltet wurde. Hier stellte Dr. Johannes Schütte (ISA) Ansatzpunkte für Präventionsarbeit in Hinblick auf Armut und soziale Exklusion vor. Was kann die Jugendhilfe auf dem Feld Armutsprävention tun? Um dieser Kernfrage nachzugehen, stellte der Wissenschaftler die Zusammenhänge und Entwicklungen innerhalb einer Armutsspirale vor und sprach sich für eine möglichst frühzeitige Intervention aus. "Kinder- und Jugendhilfe kann die Armutskreisläufe durchbrechen. Deswegen lohnt sich der Aufbau von Präventionsketten", resümierte Schütte.

Auch Gerda Holz vom ISS setzte einen fachlichen Impuls für das anschließende Forumsgespräch. In ihrem Vortrag zum Thema „Armutsprävention für Junge Menschen“ stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Mensch unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln.

Die Powerpoint-Präsentationen zu dem Fachforum „Kommunale Prävention von Sozialer Exklusion“ von Dr. Johannes Schütte und Gerda Holz können sie hier abrufen:

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Werkstattbericht: In Typen denken https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/werkstattbericht-in-typen-denken/?no_cache=1 Muster der Inanspruchnahme präventiver Angebote Dieser Werkstattbericht untersucht, ob es abgrenzbare Nutzer-Typen gibt, die sich definieren lassen. Eine solche Typologie soll bei der Gestaltung von passgenaueren Angeboten helfen, die genau die Gruppen erreichen, die angesprochen werden sollen. Basis der Analyse sind 45 leitfadengestützte Elterninterviews, die 2014 im Kreis Warendorf, in Gelsenkirchen und Dormagen mit Eltern geführt wurden. In der kommunalen Angebotsplanung und -gestaltung spielt die Vorstellung davon, welche Zielgruppe erreicht werden soll, eine wichtige Rolle. Je genauer die Zielgruppe eines Angebots umrissen wird, desto eher ist es möglich, ein passgenaues Angebot zu entwickeln und anzubieten. Eine Zielgruppe wird meist über eines oder mehrere Merkmale definiert. Dazu zählen zum Beispiel Alter, Geschlecht oder Familienstatus. Über die Nutzungsmotive und die "Handlungslogik" der Adressaten ist damit aber noch nichts ausgesagt. Diese allerdings geben wesentliche Auskünfte darüber, ob und warum präventive Angebote so ausgerichtet sind, dass sie subjektiv sinnvoll erscheinen, was wiederum eine zentrale Voraussetzung für ihre Inanspruchnahme ist. Präventiv ausgerichtete Förderung und Unterstützung kann über viele unterschiedliche Wege angegangen werden. Dementsprechend ist das Angebot vielfältig. Zu vermuten ist, dass sich Handlungslogiken der Familien auch nach dem Angebotstyp unterscheiden. Die einzelnen Angebote, von denen die Eltern in den Interviews berichteten, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Funktion und ihrer Nutzungsbedingungen beträchtlich. In diesem Werkstattbericht wurde eine Unterscheidung zwischen fünf Angebotsarten vorgenommen: Angebote rund um Schwangerschaft, Angebote mit Belastungsbezug sowie Freizeit-, Betreuungs- und Bildungsangebote. Aber auch bei der gleichen Angebotsart muss genau hingeschaut werden. Zum Beispiel funktioniert die Inanspruchnahme von schwangerschaftsbegleitenden Angeboten beim ersten Kind nach einer anderen Logik als etwa beim vierten Kind. Die Inanspruchnahme von Beratungs- und Unterstützungsangeboten setzt das Erkennen eines Bedarfs in der Familie voraus. Das gelingt nicht allen. Es gibt Familien, die objektiv belastende Situationen subjektiv nicht als belastend wahrnehmen, und umgekehrt Familien, in denen bereits kleinste Irritationen des Alltags zu einem manifesten Problem aufgebaut werden. Die Darstellung von Problemwahrnehmungstypen soll dieses Phänomen näher beleuchten. Wenn die Familien ein Problem tatsächlich wahrnehmen und eine Verbesserung anstreben, muss aber auch der nächste Schritt erfolgen. Die Familie muss die Nutzung eines präventiven Angebots als geeignete Handlungsoption in Belastungssituationen erkennen. Gynäkologen, Kinderärzte, aber auch Behörden, mit denen Familien einen routinierten Kontakt pflegen, sollten in ihrer Funktion als Türöffner und Vermittler aktiv in den Prozess einbezogen werden, um auch diejenigen Familien zu erreichen, die nur äußerst selten präventive Angebote in Anspruch nehmen. Außerdem ist es wichtig, kommunale Akteure als zentrale Anlaufstellen noch mehr in den Gelegenheitsstrukturen und Lebenswelten aller Familien zu verankern und somit weitere nützliche Routinen zu schaffen. Gerade die Inanspruchnahme von Angeboten der "Frühen Hilfen" kann dabei den Grundstein für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit zwischen Familien und präventiven Angeboten bilden. Schriftenreihe Arbeitspapiere wissenschaftliche Begleitforschung "Kein Kind zurücklassen!"
Bertelsmann Stiftung
Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) Autoren: Dr. Jörg Kohlscheen und Theresa Nagy Redaktion: Dr. Regina von Görtz, Projektleitung "Kein Kind zurücklassen!", Bertelsmann Stiftung Dr. David H. Gehne, Forschungskoordinator "Kein Kind zurücklassen!", ZEFIR Bochum]]>