kein-kind-zuruecklassen.de: Aktuelles https://www.kommunale-praeventionsketten.de/ Aktuelle Informationen aus Kein Kind zurücklassen! de kein-kind-zuruecklassen.de: Aktuelles https://www.kommunale-praeventionsketten.de/fileadmin/default/templates/img/icon_newsfeed.gif https://www.kommunale-praeventionsketten.de/ 16 16 Aktuelle Informationen aus Kein Kind zurücklassen! TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 20 Nov 2018 09:00:00 +0000 Fachtagung des Paritätischen NRW https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/fachtagung-des-paritaetischen-nrw/ 'Mehr möglich machen!' - Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenslagen verbessern  Der Fachbereich Armut und Grundsicherung des Paritätischen NRW wird am 20. November 2018, dem internationalen Tag der Kinderrechte, eine Fachtagung mit dem Titel "'Mehr möglich machen!' - Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenslagen verbessern" im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen durchführen.

Zielgruppe der Veranstaltung sind sowohl Mitarbeiter/-innen aus Organisationen und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege, die mit Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenslagen arbeiten, als auch Vertreter/-innen aus der kommunalen Verwaltung.

Die Veranstaltung soll praktisch umsetzbare Hinweise geben, wie die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen verbessert werden kann, und welche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen.

Weitere Informationen folgen.

]]>
Veranstaltungsreihe "Netzwerke gestalten" der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/veranstaltungsreihe-netzwerke-gestalten-der-lvr-koordinationsstelle-kinderarmut-1/ Veranstaltungsdesign und dialogische Methoden Netzwerktreffen, Sitzungen und Arbeitskreise sind Orte der lebendigen Zusammenarbeit. Sie können die Kooperation mit Netzwerkpartnern stärken und die Ausrichtung auf die Aufgaben und Ziele schärfen. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, Ideen und Möglichkeiten, auf die wir alleine nicht kämen. Gemeinsam zu denken hilft uns, in der Breite zu wirken und unsere Ziele zu verwirklichen.

Moderationsmethoden, Veranstaltungsplanung und die Moderatorin oder der Moderator selbst beeinflussen die Stimmung bei den verschiedensten Veranstaltungsformaten. Die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut lädt herzlich dazu ein, gemeinsam zu erarbeiten, wie Netzwerke aktiv gestaltet werden können. Mit der Fortbildungsreihe "Netzwerke gestalten!" möchte die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut Sie umfassend bei der Arbeit in und mit Netzwerken unterstützen. Denn Netzwerke leben von dem Nutzen, den sie stiften. Die Moderation von Netzwerken ist komplex und anspruchsvoll.

Veranstaltungsdesign und dialogische Methoden
Ob eine Sitzung oder Veranstaltung wirklich ein Raum von Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit wird, hängt auch von der guten Planung des Designs vor der Veranstaltung ab. Wie Ziele und Anliegen durch verschiedene Methoden erreicht und umgesetzt werden, ist der Schwerpunkt dieses Fortbildungstages. Außerdem geht es um die Vorstellung verschiedener dialogischer Methoden, mit denen die Teilnehmenden der Veranstaltung in Kontakt und Verbindung gebracht werden können. Natürlich ist auch hier ein Blick auf die eigene Haltung in der Moderation lohnend.

]]>
Tagung: "Über starke Familien zu gesunden Kindern" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/tagung-ueber-starke-familien-zu-gesunden-kindern/ Eine Kooperationstagung des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) und der...
Gesundheit und Armut

Kinder haben das Recht auf ein gesundes Aufwachsen und auf gute Entwicklungsbedingungen in unserer Gesellschaft. Dennoch erleben vor allem die 20 % der Mädchen und Jungen, die in (relativer) Armut groß werden, erhebliche Einschränkungen für ihre gesamte gesundheitliche und persönliche Entwicklung, beispielsweise bezogen auf Wohnraum und Umfeld, soziale Kontakte und Freizeitangebote, Bildungsmöglichkeiten, Gesundheit und gesundheitsbezogenes Verhalten. Diese wirken sich häufig bis weit in das Erwachsenenleben aus.

Frühe Hilfen und Armut

Die Frühen Hilfen können Anwalt für diese Familien sein und sie dabei unterstützen, dass ihre Kinder einen Weg aus der Armutsspirale herausfinden. Welchen konkreten Beitrag hierzu die Frühen Hilfen mit ihren Angeboten und Netzwerken leisten können, soll auf dieser Kooperationstagung erörtert werden.

Tagungsprogramm

Nach Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion arbeiten die Teilnehmenden in Workshops u. a. zu folgenden Fragen:

  • Wie können Familien in Armutslagen beteiligt werden?
  • Wie müssen armutssensible Angebote gestaltet sein?
  • Welchen Beitrag können die Netzwerke Frühe Hilfen leisten?

Programm und Anmeldemöglichkeit werden voraussichtlich ab Ende August auf fruehehilfen.de veröffentlicht.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos

Kooperationspartnerinnen und -partner

Für diese Veranstaltung hat sich ein breites Bündnis vieler Partnerinnen und Partner aus dem Gesundheitsbereich und der Kinder- und Jugendhilfe zusammengeschlossen:

  • Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ)
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit & Frühe Hilfen
  • Bundesärztekammer
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ)
  • Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)
  • Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)

Zielgruppe

  • Entscheiderinnen und Entscheider auf den unterschied­lichen Ebenen in Bund, Ländern und Kommunen
  • Mitarbeitende der Koordinierungsstellen Frühe Hilfen in den Ländern und Kommunen
  • Mitglieder der wissenschaftlichen Fachgesellschaften und der Berufsverbände
  • Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe
  • Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitswesens
]]>
Bundesweite Projektabschlusstagung des Präventionsnetzwerks Ortenaukreis https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/bundesweite-projektabschlusstagung-des-praeventionsnetzwerks-ortenaukreis/ Vom Projekt zur Verstetigung: Erfolgreiche Umsetzung einer kommunalen... Basierend auf den guten Erfahrungen der Frühen Hilfen hat der Ortenaukreis seit 2014 das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO) zur Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit sowie der sozialen Teilhabe von drei- bis zehnjährigen Kindern und ihren Familien aufgebaut. Damit wird im flächengrößten Landkreis Baden-Württembergs eine kommunale Gesamtpräventionsstrategie von der Schwangerschaft bis zum zehnten Lebensjahr mit einem systemübergreifenden Netzwerk aus Akteuren des Gesundheits-, Jugendhilfe und Bildungssystems und der Gesundheitsförderung in den Lebenswelten Kindertagesstätte und Schule flächendeckend umgesetzt.

Das gemeinsame vierjährige Praxisforschungsprojekt des Ortenaukreises und des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg wird bis Oktober 2018 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Aufgrund der beeindruckenden und nachhaltigen Erfolge hat der Kreistag des Ortenaukreises die Weiterführung des PNO über den Förderzeitraum hinaus beschlossen und dazu gemeinsam mit Trägern der Sozialversicherung ein innovatives Finanzierungskonzept auf Grundlage des Präventionsgesetzes entwickelt.

Auf der Projektabschlusstagung werden die wertvollen Ergebnisse aus Praxis und wissenschaftlicher Evaluation des PNO einem breiten Publikum von Praktikerinnen und Praktikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus Kommunen, Bund und Ländern vorgestellt. Vom Best Practice Modellprojekt können dabei vor allem auch Impulse für Transferideen in andere Landkreise und Städte ausgehen.

]]>
Werkstattgespräch "Aufgabenbeschreibung und Stellenprofil kommunaler Netzwerkkoordination" der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/werkstattgespraech-aufgabenbeschreibung-und-stellenprofil-kommunaler-netzwerkkoordination-der-lvr-k/ Die Anforderungen an die kommunale Koordination von Netzwerken der Frühen Hilfen, von Netzwerken... Die Anforderungen an die kommunale Koordination von Netzwerken der Frühen Hilfen, von Netzwerken gegen Kinderarmut und/oder der gesamten Präventionsketten sind vielfältig und anspruchsvoll. Die zuständigen Fachkräfte sind "der Motor" für die Entwicklungsprozesse und sollen die Netzwerke in den Sozialräumen aufbauen und koordinieren, Schnittstelle sein zwischen Trägern und Verwaltung, sich intern mit den verschiedenen Fachabteilungen vernetzen, den Ausbau der Präventionskette vorantreiben und vieles mehr. Die Erwartungshaltungen von Präventionspartnern, der eigenen Leitung, Politik, aber auch die eigenen Erwartungen sind in der Regel sehr hoch.

Gleichzeitig ist Netzwerkkoordination nach wie vor ein sehr junges Arbeitsfeld, gekennzeichnet durch "learning by doing", exploratives Handeln und überschaubare personelle und zeitliche Ressourcen, die in Kommunen zur Verfügung stehen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Netzwerkkoordinierende genau geklärt haben, was ihre konkreten Aufgaben sind, wie sie diese umsetzen wollen und welche Kompetenzen im Sinne von Zuständigkeiten ihnen zur Verfügung stehen. Die Erfahrungen aus der Beratung und von Fortbildungen zeigen allerdings, dass eine solche dezidierte Aufgabenbeschreibung vielerorts fehlt.

In einem Werkstattgespräch im Dezember 2017 hat die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut deshalb gemeinsam mit Netzwerkkoordinierenden der Frühen Hilfen zu diesem Thema gearbeitet und erste Inhalte für ein solches Aufgabenprofil gesammelt. Auf diese Ergebnisse möchte die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut bei einem weiteren Werkstattgespräch nun aufbauen und hierbei auch Netzwerkkoordinierende aus den Bereichen Kinderarmut und den Kommunalen Präventionsketten mit einbeziehen, da es hier sehr große Schnittmengen gibt. Ziele des Werkstattgesprächs sind der übergreifende fachliche Austausch zu diesem Thema sowie Impulse für die Reflexion und Weiterentwicklung des jeweils eigenen Aufgabenprofils der Teilnehmenden. Ergebnisse und Materialien aus dem Werkstattgespräch sollen zudem einfließen in eine praxisnahe Arbeitshilfe, die die LVR-Koordinationsstelle 2019 herausgeben möchte.

]]>
AFET - Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. - Jahrestagung https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/afet-bundesverband-fuer-erziehungshilfe-ev-jahrestagung/ „Was uns bewegt – Was wir bewegen. Erziehungshilfen gestalten Alltag, ermöglichen Teilhabe und... Die Kinder- und Jugendhilfe hat sich immer mit den komplexen Fragen ihrer Zeit auseinandergesetzt. Kinder- und Jugendhilfe wird bewegt von Zeitläuften, gesellschaftlichen Entwicklungen, neuen fachlichen Erkenntnissen und veränderten politischen Positionierungen. Die Hilfen zur Erziehung greifen diese Entwicklungen kritisch auf, stellen Fragen zu den Auswirkungen und Folgen für die Kinder, Jugendlichen, ihre Familien und ihre eigenen Aufgaben. Unter dem programmatischen Aufruf "was uns bewegt" der diesjährigen AFET-Tagung und Mitgliederversammlung gibt es am ersten Tag die Möglichkeit, über die großen fachpolitischen Entwicklungen nachzudenken.

Wie halten wir es mit der Inklusion? Was bedeutet sie mit Blick auf soziale Teilhabemöglichkeiten? Welche Antworten finden wir für zugewanderte junge Menschen? Was bewegt uns in der Frage gerechter Bildungschancen mit Blick auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Investitionshilfe in Ganztagsschulen und Betreuungsangeboten? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung mit ihrer hohen Entwicklungsdynamik auf unsere Gesellschaft, z.B. auf die Kommunikation in Erziehung in öffentlicher Verantwortung? Was bedeutet es für die Hilfen zur Erziehung, wenn die Kindergrundrechte in der Verfassung verankert werden? Wie verändert sich das Verhältnis von Eltern-Kind und Staat?

Der zweite Tag steht ganz im Zeichen gelebter Antworten auf viele dieser Fragen - was wir bewegen wollen - Angebote, Hilfen, Programme und Projekte, die die Kinder- und Jugendhilfe aktiv, phantasievoll und entschieden voran bringen können. Eine spannende Palette zwischen gelungener Praxis, neuen Themen, anderen Perspektiven und zugespitzten Kontroversen, die zeigt, mit welchem Potential die Akteure im Feld der Hilfen zur Erziehung dazu beitragen, dass Aufwachsen aller Kinder und Jugendlichen gelingen kann. Zusammengebunden wird dieser bunte Strauß mit einem spannenden Ausblick unter einer aktuellen politischen und einer verfassungsrechtlichen Perspektive - was wir bewegen müssen!

Die Tagung richtet sich an Fachkräfte von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe.

]]>
Tagesseminar "Teilhabe sichern auch wir!" der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/tagesseminar-teilhabe-sichern-auch-wir-der-lvr-koordinationsstelle-kinderarmut/ Basiswissen für Fachkräfte zu Armut bei Kindern und Jugendlichen In einem reichen Land wie Deutschland leben viele Kinder und Jugendliche in Armut. Ein Leben in Armut wirkt sich auf die Entwicklungschancen und Perspektiven von Kindern und Jugendlichen aus. Es besteht daher Handlungsbedarf, um die Teilhabemöglichkeiten von allen Kindern und Jugendlichen zu fördern. Fachkräfte, die die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen durch ihre Arbeit mitgestalten, können dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Grundlage hierfür ist das Wissen über Armut und ihre Folgen bei Kindern und Jugendlichen.

Unter welchen Armutsfolgen leiden Kinder und Jugendliche? Welche Konzepte der Armutsmessung gibt es? Was ist kindbezogene Armutsprävention? Diese und weitere Fragen wird das Tagesseminar aufgreifen. Ziel des Seminars ist es, Basiswissen zu Armut bei Kindern und Jugendlichen zu vermitteln und hierüber miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut lädt herzlich dazu ein, im Rahmen des Tagesseminars einen tieferen Einblick in das Themenfeld Kinderarmut zu erhalten, hierüber miteinander zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte aus der freien und öffentlichen Jugendhilfe und aus den Bereichen Gesundheit, Schule und Soziales, Koordinierende von Netzwerken gegen Kinderarmut sowie an am Themenfeld interessierte Personen.

]]>
Familiengrundschule in Aachen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/familiengrundschule-in-aachen/ eine Brücke zwischen den Lebenswelten Familie und Schule Eine oft gelebte Routine: Eltern geben morgens ihr Kind in der Schule ab. Das Kind taucht ein in die Lebenswelt Schule. Nach Schulschluss kehrt es zurück in den Bereich der Familie. Und oft ist es schwierig, Informationen, Bedarfe oder Probleme zwischen beiden Bereichen zu kommunizieren.

An diesem Berührungsdefizit setzt das Konzept der Familiengrundschule in Aachen an. Sie lädt die Eltern in die Schule ein: über ein Elterncafé. Die Eltern bekommen Zugang zur Schule, erleben Teile des Schulalltags ihres Kindes, tauschen sich mit anderen Eltern aus. Sie können Probleme aus der Familie mitbringen, diskutieren und Lösungsansätze erfahren. Dieses Konzept hat die Stadt Aachen an zwei verschiedenen Standorten mit insgesamt vier Familienbildungsstätten umgesetzt.

Opens external link in new windowFamiliengrundschule Driescher Hof

Gleiwitzer Straße 10
52078 Aachen
ggs.driescher-hof@mail.aachen.de

Träger: Stadt Aachen, Helene Weber Haus, Martin Luther Haus

Opens external link in new windowFamiliengrundschule Am Haarbach

Haarbachtalstr. 10
52080 Aachen
ggs.am-haarbach@mail.aachen.de

Träger: Stadt Aachen, Deutsches Rotes Kreuz, In Via Aachen

Voraussetzung für ein lebendiges Elterncafé ist eine vertrauensvolle Atmosphäre. Und die hat Fatma Kamis, Mutter einer Zweitklässlerin, hier an der Grundschule Driescher Hof in Aachen gespürt: "Die Eltern kommen mit Problemen jeder Art. Wir sprechen nicht nur über die Kinder. Auch Haushalt, Beziehung, Sorgen jeglicher Art werden hier zur Sprache gebracht. Manche Mütter bringen auch ihre Behördenbriefen mit, die sie nicht verstanden haben. Das wird dann hier in Gemeinschaft geklärt."

Das Elterncafe bietet eine gute Plattform, Eltern Hilfe und Unterstützung früh und frühzeitig zu offerieren und zwar durch persönliche Ansprache der Fachleute - auch aus dem jeweiligen Sozialraum. Sie sind als "Gäste" im Elterncafe herzlich willkommen. Außerdem ist das Elterncafe ein Ort der Partizipation: Im Gespräch mit Eltern können bestimmte Bedarfe direkt angefragt und besprochen werden.

Die Aachener Grundschule Driescher Hof ist in einem Sozialraum, wo es viel Förderbedarf bei Kindern und Familien gibt. Das fängt schon bei der Sprache an. Zum Elterncafé kommen einige Mütter, die wenig deutsch sprechen. Sie bekommen die Möglichkeit, es in der Familiengrundschule lernen, weil hier dieser Bedarf wahrgenommen wurde. "Wir greifen die Themen auf, die mitgebracht werden", erklärt Schulsozialarbeiter Jürgen Gerhards, "Auch mit externen Partnern." So bietet die Familiengrundschule vor Ort VHS-Deutschkurse an oder lädt Beratungsstellen ein. Das Kommunale Integrationszentrum und auch der Jobcenter haben sich schon vorgestellt. Die Familiengrundschule ist gut vernetzt. Und sie profitiert von der Erfahrung des freien Trägers, der das Elterncafé betreibt: das Helene Weber Haus und das Martin-Luther-Haus. So ist es etwa möglich einen kostenfreien Schwimmkurs kurzfristig auf die Beine zu stellen, weil der Träger die Kontakte zu Schwimmhallen und Trainern hat. Beide Träger bringen bereits Erfahrungen mit, Eltern in benachteiligten Lebenslagen anzusprechen. Davon profitiert die Familiengrundschule. Nicht zu unterschätzen ist die Persönlichkeit der Elternbegleiterin, die von den Familienbildungsstätten im Elterncafe eingesetzt ist. Beziehung und Vertrauen ist ein zentraler Gelingensfaktor.

Um an den Angeboten der Familiengrundschule teilzunehmen, müssen die Familien nicht im Elterncafé aktiv sein. In manchen Fällen spricht auch die Schulleiterin, Monika Wagner, Eltern an und empfiehlt die Kurse. Denn sie sieht die Bedürfnisse und Förderbedarfe der Kinder in ihrer täglichen Arbeit. "Für eine fruchtbare Zeit in der Schule ist es ganz wichtig, zu beobachten, was bringt das Kind denn eigentlich alles mit? Eben auch die familiären Dinge, die man im Blick haben sollte, wenn man den Kindern gerecht werden möchte", so Wagner. Und die Eltern vertrauen der Schulleiterin und nehmen die Angebote an, weil sie diese empfiehlt und der Kurs in der Schule stattfindet. So werden Wege geebnet, fachlich ausgedrückt: Zugänge und somit Teilhabe ermöglicht. Auf Eigeninitiative oder alleine über Flyer, hätten die Eltern die Angebote der Familienbildung niemals angenommen. Das ist die Einschätzung von Annette Tiltmann, Koordinatorin der Präventionskette.

Der gute Kontakt zwischen Elterncafé, Schulleitung und Kollegium ist eine weitere Grundvoraussetzung für das Gelingen des Konzepts Familiengrundschule. Da sind sich Schulleiterin Wagner und Schulsozialarbeiter Gerhards einig. "Man muss sich bewusst machen: Da kommt ein externer Träger von außen in die Schule. Das muss die Schulleitung, aber auch das Kollegium, erst einmal zulassen. Wir haben von Anfang an versucht, die Lehrer einzubinden", berichtet Gerhards.

Die Offenheit war da. Der Austausch funktioniert. Auch wenn damit schon gute Startbedingungen geschaffen waren, hat es einen langen Atem gebraucht bis das Konzept aufgegangen ist. Über ein Jahr hat es gedauert, bis das Elterncafé richtig belebt war. "Wir haben vieles ausprobiert, haben mit Briefen und Aushängen gearbeitet, und sind auch mit manchen Ansätzen gescheitert.", so Gerhards. Mitbestimmend für den Erfolg war es, den richtigen Ort zu finden und die richtige Zeit. Das Elterncafé wird gut angenommen seit es sichtbar und spürbar ist. Es findet jetzt im Eingangsbereich der Schule statt. Eine stärkere Transparenz ist kaum vorstellbar. Direkt morgens um 8:00, wenn die Eltern den Weg zur Schule mit ihren Kindern machen, ist das Elterncafé geöffnet und lädt zum Austausch ein. In der Grundschule Driescher Hof klappt es. Die Angebote der Familiengrundschule werden angenommen. Die Eltern kommen regelmäßig.

"Das besondere an dem Konzept der Familiengrundschule ist, dass hier die Versäulung der verschiedenen Bereiche Schule und Jugendhilfe aufgehoben wird. Das passiert automatisch, weil die Themen von den Familien kommen. In den Köpfen der Familien gibt es keine Ressortgrenzen." Die Zielgruppe ist also selbst der inhaltliche Gestalter. Die Bedürfnisse der Familien und besonders der Kinder bestimmen die Themen. So ist es möglich, den vielzitierten Leitgedanke "vom Kind her zu denken" umzusetzen.

Der Weg die Familiengrundschulen zu entwickeln war nur mit enormer Unterstützung des Landes NRW möglich. Über zwei Jahre erhielten die Akteure finanzielle Unterstützung im Programm "NRW hält zusammen - für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung.

Die Aachener Kommunalpolitiker sind von diesem Ansatz überzeugt. Nun ist die Finanzierung für zunächst 2 Jahre bis Ende 2019 durch städtische Haushaltsmittel gesichert. Im Laufe dieser Zeit wird das Projekt evaluiert, wenn die Ergebnisse weiterhin überzeugend sind, besteht eine reelle Chance auf Weiterfinanzierung.

Doch das ist noch nicht genug, die Stadt Aachen legt nicht die Hände in den Schoß. "Wir haben einen Antrag nach Bundespräventionsgesetz gestellt", erklärt Annette Tiltmann von der Stadt Aachen. Sie ist kommunale Netzwerkkoordinatorin gegen Kinderarmut und Koordinatorin in dem Projekt "Kommunale Präventionsketten NRW". Mit diesen Mitteln sollen die beiden Familiengrundschulen - somit auch die Grundschule Driescher Hof - in eine "Gesunde Familiengrundschule" entwickelt werden.

]]>
"Von frühen zu frühzeitigen Hilfen" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/von-fruehen-zu-fruehzeitigen-hilfen/ Die Fachtagung "Präventive Familienpolitik- zwischen Theorie und Praxis" fand am 13.06.2018 im... Bottrop hat sich bereits auf den Weg gemacht und das Thema „Präventive Familienpolitik“ ganz oben auf die Agenda gesetzt. So entstand im September 2017 die Idee zu dieser Fachtagung, deren Aktualität und Relevanz sich auch in der regen Teilnahme der Stadtspitze sowie von Fachkräften aus Politik und Verwaltung widerspiegelte. Der amtierende Oberbürgermeister von Bottrop, Bernd Tischler, begrüßte die über 120 Teilnehmenden im Lichthof des Berufskollegs: Wissenschaft und Politik seien sich einig, dass es zentrale Aufgabe der Familienpolitik sei, Kindern bessere individuelle Lebenschancen und optimale Unterstützung ihrer Entwicklung zu bieten. Hierbei spielen die Familien – als zentrale Orte des Aufwachsens - eine wesentliche Rolle; sie seien nicht nur prägendes Umfeld für die Kinder, sondern auch Schnittstelle zu (Stadt-)Gesellschaft und öffentlich bereit gestellten Angeboten.  "Wir müssen Familien frühzeitig stärken und unterstützen, um allen Kindern ein gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen."

Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop

„Von frühen zu frühzeitigen Hilfen“

Damit Angebote und Unterstützung bei den Familien ankommen, die sie benötigen, braucht es nicht nur frühe, sondern frühzeitige Hilfen. Im Rahmen des Landesprogramms „Kommunale Präventionsketten Nordrhein-Westfalen“ hat die Stadt Bottrop ämterübergreifend seit 2017 eine Präventionsstrategie entwickelt: „Familie vor Ort – von frühen zu frühzeitigen Hilfen“ ist das Leitziel für die bereichsübergreifende Kooperation u.a. mit dem Gesundheitswesen, der Kinder- und Jugendhilfe und den (Familien-)Bildungseinrichtungen, um den Ausbau der kommunalen Präventionskette vor Ort voran zu treiben. Die Präventionskette ist gleichbedeutend mit einer besseren Vernetzung von Akteuren sowie der besseren Verzahnung von Angeboten und Hilfen für Familien - ausgehend von den individuellen Bedarfen.

Genau hier setzt auch die Fachtagung „Präventive Familienpolitik“ an, initiiert und organisiert von Kerstin Stiewe, Koordinatorin der kommunalen Präventionskette in Bottrop. Den Teilnehmenden aus unterschiedlichen Bereichen der Stadtverwaltung, von freien Trägern und Bildungseinrichtungen bot sich hier Gelegenheit für intensiven Austausch; der „Markt der Möglichkeiten“ lud ein, sich über Angebote und Initiativen zu informieren. Auch die „Theorie“ kam nicht zu kurz: In zwei Fachvorträgen legten anerkannte Experten auf dem Gebiet der präventiven Familienpolitik ihre Ansätze dar.

„Politik muss die Bedürfnisse von Kindern in den Vordergrund stellen.“

Prof. Dr. rer. soc. Klaus-Peter Strohmeier, Ruhruniversität Bochum

Offiziell ist Prof. Dr. Strohmeier zwar im Ruhestand – aber noch lange nicht gewillt, sich zurückzulehnen. Denn seine Herzensthemen sind Familie und Sozialpolitik. Er verdeutlichte, dass (präventive) Familienpolitik immer auf der lokalen Ebene stattfindet und (aus-)gestaltet wird – vor Ort, „da wo Familien leben“. Ebenso gebe es keine Familienpolitik „von der Stange“, vielmehr seien die unterschiedlichen Bedarfs- und Problemlagen von Familien ausschlaggebend – um „familiengerecht“ zu agieren. Im Kern geht es demnach darum, die Bedarfslagen der Familien zu erkennen und benennen zu können, also Transparenz darüber zu schaffen „Wo wird was gebraucht?“. Um Transparenz zu schaffen, benötigen Kommunen (kleinräumige) Daten, die erhoben und ausgewertet werden müssen. Daraus ließen sich dann integrierte kommunale Handlungskonzepte erarbeiten, die von „Akteursbündnissen“ in der Kommune umgesetzt würden – nicht nur von der Verwaltung, sondern z.B. von Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, freien Trägern und Kirchen.

Nicht zuletzt appellierte Strohmeier, dass es bei allen familienpolitischen Maßnahmen darum gehen müsse, Eltern sowie auch Kinder zu stärken. In dem man Umgebungen und (positive) Erfahrungsräume schafft, die für Kinder gut sind.

Initiates file downloadzur Präsentation/Vortrag Prof. Dr. Strohmeier (PDF)

Chancen(-gerechtigkeit) schaffen durch kommunale Präventionsketten

Dr. Heinz-Jürgen Stolz stellte die Arbeit der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“vor, die 2012 unter dem Titel „Kein Kind zurücklassen – Kommunen beugen vor“ an den Start ging.  Die 40 teilnehmenden Kommunen des Programms legen einen Fokus auf Primärprävention.

„Ziel ist es, gute und anregende Lern- und Lebensumgebungen für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen.“

Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Institut für soziale Arbeit e.V.

Dem entgegen steht der globale Trend der „soziale Entmischung“, welche benachteiligende Lebenslagen von Kindern und Familien nicht nur in einzelnen Sozialräumen, sondern auch in einzelnen Einrichtungen – Kitas und Schulen – verstärke. Somit verschärften sich ungleiche Ausgangslagen von Kindern und Jugendlichen und konzentrierten sich an bestimmten Orten. Um diese ungleichen Ausgangslagen „abzufedern“, um also die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, bedürfe es eines strategischen kommunalen Vorgehens mit einem integrierten Handlungskonzept zur Prävention.

Initiates file downloadzur Präsentation/Vortrag Dr. Stolz (PDF)

Lese-Tipp: Kommunale Präventionsketten – Handbuch zur Qualitätsentwicklung

Im Anschluss an die Fachvorträge wurden kommunale Beispiele aus Bottrop vorgestellt, die zeigten, dass die Stadt hier schon auf einem guten Weg ist, die Bürgerinnen und Bürger an Planungs- und Entwicklungsprozessen zu beteiligen und bereichsübergreifend im Sinne von Familien zu denken: Über die inhaltlichen Schnittmengen und integrierte Handlungskonzepte sind folgende Programme / Initiativen in Bottrop gut vernetzt:

]]>
„Wir brauchen Daten und Taten“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/wir-brauchen-daten-und-taten/ So begrüßte Ralf Güldenzopf, Derzernent für Strategische Planung in der Stadt Oberhausen die etwa...

Zum fünften Mal lud die „Koordinationstelle Kinderarmut“ vom  LVR-Landesjugendamt Rheinland (LVR) zusammen mit der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW “ in Trägerschaft des  Instituts für soziale Arbeit e.V. (ISA) zu einer zweitägigen Tagung ein, die das Kind in den Mittelpunkt stellte und diesmal dabei die räumliche Dimension fokussierte.

Initiates file downloadProgramm der Frühjahrsakademie 2018


Alexander Mavroudis vom LVR und Maren Hilke vom ISA führten gemeinsam durch die Tage. „Die Frühjahrsakademie ist ein Forum für den interkommunalen Austausch und soll die Koordinationsfachkräfte der Kommunen dabei unterstützen, ihre Präventionsketten weiter auszubauen und dabei auch Lösungen zu finden, wie den möglichen Folgen von Armutslagen für gelingendes Aufwachsen frühzeitig begegnet werden kann“, so Mavroudis. Er betonte die gewachsene vertrauensvolle Atmosphäre zwischen allen Beteiligten und den lebendigen Dialog untereinander. Nicht zuletzt durch diese konstruktive Atmosphäre sei die gemeinsame Frühjahrsakademie zu einer allseits geschätzten Tradition geworden.

„Es geht um mehr als Beton“


betonte Hilke bei der inhaltlichen Einführung in den ersten Tagungstag. Mit dem Thema „Stadtentwicklung“ wolle man sich der räumlichen Dimension der Kinderarmut nähern und hinterfragen, wie stadtplanerische und sozialpräventive Ziele miteinander in Einklang gebracht werden können.

„Denn Kindheiten unterscheiden sich, je nachdem, wo man aufwächst.“

Das bestätigte Prof. Dr. Ing. Sabine Baumgart von der Technischen Universität Dortmund, die über „Stadt(teil)entwicklung - Gesundheit und Teilhabe“ referierte. Dabei zeigte sie am Beispiel Dortmunds auf, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen sich um ca. 7 Jahre unterscheide, je nachdem, ob sie im Süden oder im Norden der Stadt leben. Die Gründe seien vielfältig. Doch im Resultat müsse man feststellen:

„Wer arm ist, lebt häufiger in einer Umwelt, die krank macht.“ (Zitat: Andreas Troge)

Diese großen Unterschiede lassen sich an vielen Städten belegen, auch beispielsweise in London zwischen dem wohlhabenden Westen und dem ärmeren Osten der Stadt.

Um das zu ändern, muss man sich die Frage stellen: Wer trifft die Wohnraum gestaltenden Entscheidungen? Wie muss sich Stadtplanung verändern?

Baumgart ordnete die Zielsetzungen von Stadtplanung ein und stellte insbesondere eine Verknüpfung zu dem Aspekt Gesundheit her. In der Stadtplanung, die seit dem 19. Jahrhundert von den Begriffen Schutz und Vorsorge bestimmt sei, und machte Baumgart einen Paradigmenwechsel aus. Während früher rein pathogenetisch gehandelt wurde, von Krankheiten ausgehend, würde sich heute vermehrt salutogenetisch orientiert. Die vorhandenen Ressourcen werden in den Blick genommen, um eine Gesundheitsstärkung und -förderung zu erreichen.

Vorhandene Ressourcen können beispielsweise raumbezogene Daten sein, die bereits vorliegen. Baumgart sprach an das Fachpublikum aus den Kommunen die Empfehlung aus, zunächst mit den Daten zu arbeiten, die man schon hat. Bevor man sich mit langwierigen Datenerhebungen selbst den Wind aus den Segeln nimmt. Und letztlich gelte es vom Kind aus zu denken:

„Die Kinder ernst nehmen als Akteure in der Stadt.“

Dazu eignen sich auch andere Instrumente der Stadtplanung, wie Spielleitplanung oder die Gestaltung von Bildungslandschaften. 

Initiates file downloadVortrag von Prof. Dr. Ing. Sabine Baumgart


Nach dem Input von Prof. Baumgart bekamen die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen Gelegenheit zum fachlichen Austausch untereinander. In Foren stellten sieben Städte Praxismodelle vor, bei denen die Verbindung von Prävention und Stadtentwicklung gut gelungen ist.

1.      Köln: Die Bildungslandschaft Altstadt Nord

Olaf Köster-Ehling, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

Initiates file downloadzur Präsentation

2.      Euskirchen: Stadtentwicklung und Prävention am Beispiel der Projektarbeit im Programm „Mehr Freiraum für Kinder“

Melanie Barth, Fachbereich Schulen, Generationen und Soziales,
Stadt Euskirchen

Initiates file downloadzur Präsentation

3.      Düsseldorf: Garath 2.0 – den Wandel gestalten

Mark Schimmelpfennig, Jugendamt der Stadt Düsseldorf
Maren Siegel, Freizeitstätte Garath/Jugendamt der Stadt Düsseldorf

Initiates file downloadzur Präsentation

4.      Stolberg: Integrierte Stadtentwicklung im Rahmen von
„Starke Quartiere, starke Menschen“

Sabine Viethen, Jugendamt, und Leo Jansen, Amt für Soziales,
Stadt Stolberg

Initiates file downloadzum Handout

5.      Krefeld: Die Nachbarschaft Samtweberei – ein lebendiger Ort
für Wohnen, Arbeit, Bildung und Teilhabe

Robert Ambrée, Montag Stiftung Urbane Räume

6.      Duisburg: Stadtentwicklung und Prävention am Beispiel des Bildungscampus Marxloh

Ute Hilmer, Stadt Duisburg, Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement

Klaus-Peter Müller, Stadt Duisburg, Büro Bildungsregion Duisburg

Initiates file downloadzur Präsentation

7.      Oberhausen: place2be – Entstehung und Entwicklung einer Jugendeinrichtung in der Innenstadt

Hendrik Detmers, Jugendhilfeplanung Jugendförderung und Begleitung des Jugendparlaments

Initiates file downloadzur Präsentation

8.      Aachen: Familienfreundliche Stadtplanung

Initiates file downloadzur Broschüre

Initiates file downloadzur Ratsvorlage

Der Schwerpunkt des zweiten Tages lag auf den sozialpolitischen Herausforderungen, Kinder- und Jugendarmut zu begegnen. Für die Einstimmung sorgte die Journalistin und Schriftstellerin Undine Zimmer, die aus ihrem Buch „Nicht von schlechten Eltern - meine Hartz-IV-Familie“ vorlas und sehr konkrete und persönliche Einblicke in den abstrakten Begriff „Armut“ gewährte.

Opens external link in new windowzur Lesung "Nicht von schlechten Eltern"

Abruf der einzelnen Kapitel:

Opens external link in new windowProlog

Opens external link in new windowKapitel Lidltüte

Opens external link in new windowKapitel Ballettschuhe

Opens external link in new windowKapitel Caprisonne

Opens external link in new windowKapitel Kaffeetasse

Opens external link in new windowKapitel Frosch

Opens external link in new windowEpilog

Dabei stellte Zimmer die grundsätzliche Frage in den Raum:

„Was ist Armut?“

Ihre Antwort ist geprägt durch die eigene Biografie. Im Kern sei es das Gefühl, „sein Leben nicht selbst gestalten zu können, seinen Platz in der Gesellschaft nicht zu finden.“

Doch wie dem entgegenwirken?

„Alle suchen nach dieser einen Schraube im Getriebe, die man nur drehen muss.

Aber gibt es die?“ 

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen wollen genau solche Schrauben identifizieren und begaben sich in den fachlichen Dialog. Ziel war es, konkrete Handlungsanforderungen an Kommunen, das Land und den Bund zu formulieren und diese Anforderungen in das anschließende Salongespräch der Entscheidungsträger einzubringen, die sich mit den sozialpolitischen Herausforderungen, Kinderarmut zu begegnen, auseinandersetzten.

Salongespräch – Diskussion mit Entscheidungsträgern

  • Manfred Walhorn, Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW

    Opens external link in new windowzum Interview "4 Fragen an Manfred Walhorn"

  • Dr. Matthias Menzel, Hauptreferent beim Städte- und Gemeindebund NRW

  • Ursula Holtmann-Schnieder, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses der Stadt Düsseldorf

  • Michaela Hofmann, Referentin beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.

  • Undine Zimmer, Schriftstellerin

Moderator Christoph Gilles wollte von den Diskutanten wissen:


Wie kann Prävention umgesetzt werden?“

Einig war sich die Runde mit der Notwendigkeit von integrierten Handlungsstrategien, die sowohl verschiedene Ebenen als auch Politikbereiche miteinander verknüpfen. Dr. Matthias Menzel sah Handlungsnotwendigkeiten auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, um mit Prävention in die Fläche gehen zu können. Ursula Holtmann-Schnieder fordert nicht nur die Zusammenarbeit verschiedener Ämter. Sie blickte hinter die Ämterkulissen und auf deren Arbeitsplatzbewertungen. Bei Stellenbeschreibungen müsse die Präventionsarbeit bereits mitgedacht und eingeplant werden, die viel Zeit in Anspruch nehme. Manfred Walhorn hob die sozialpolitischen Herausforderungen durch die Milieukonzentration hervor, die immer mehr zunehme. Daher reiche es nicht, sich um Wohnungen zu kümmern und guten Unterricht anzubieten. Gerade was in und zwischen den Peergroups passiere, sei wichtig und im Blick zu behalten. Auch Hofmann sah eine große Herausforderung in der zunehmenden Segregation, die auch durch Armut bestimmt sei.

„Man sollte Menschen nicht zum Umzug zwingen.“

Stattdessen gelte es die Eltern zu unterstützen, damit sie ihre Kinder besser unterstützen können. Undine Zimmer bekam das Schlusswort und ging auf die Haltung ein, die man „armen“ Menschen entgegenbringen müsse.
„Die Menschen wollen kein Fall sein, der behandelt wird. Sie wollen selber entscheiden.“
Zimmer ermutigte die versammelten Akteure, „an die Menschen zu glauben“.

Opens external link in new windowzum Salongespräch (gekürzte Fassung)

]]>
Familienzentren an Grundschulen: "Es geht darum, Schule und Eltern zusammenzubringen, im Sinne der Kinder." https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/familienzentren-an-grundschulen-es-geht-darum-schule-und-eltern-zusammenzubringen-im-sinne-der-k/ Interview mit Dr. Markus Warnke, Geschäftsführer der Wübben Stiftung Herr Dr. Warnke, die Wübben Stiftung setzt sich mit ihrer Arbeit für mehr Bildungsgerechtigkeit von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein und setzt in diesem Zusammenhang auf das Modell der Familienzentren an Grundschulen. Was ist darunter zu verstehen?

Warnke: Der Stiftung geht es darum, besonders vielen Kindern und Jugendlichen aus schwierigen familiären Situationen zu helfen und sie zu unterstützen. Deswegen sind wir in Schulen aktiv, die in sozialen Brennpunkten liegen. Es geht also um bildungsabhängige Berufs- und Bildungsbiographien. Wir wollen da ansetzen, wo das Elternhaus keine Unterstützung, sondern ein Hindernis oder eine Barriere darstellt. Deswegen haben wir z.B. mit der Stadt Gelsenkirchen das Modell der Familienzentren vom Kindergarten auf die Grundschule übertragen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede, aber das Ziel ist, über die Schule Eltern zu erreichen und gleichzeitig Schulen für die Zusammenarbeit mit Eltern zu sensibilisieren – oder man könnte auch sagen: zu öffnen. Damit beide gemeinsam in einer Verantwortungsgemeinschaft etwas für die Kinder und Jugendlichen bewirken können. Es geht darum, Schule und Eltern zusammenzubringen, im Sinne der Kinder.

 

Für den Aufbau einer lückenlosen Präventionskette sind Ankerpunkte in verschiedenen Altersabschnitten von großer Bedeutung. Dabei ist die Gestaltung eines möglichst niedrigschwelligen Zugangs erfolgsentscheidend -  insbesondere, wenn man den Kontakt zu den „schwer erreichbaren“ Familien sucht. Familienzentren an Grundschulen wird von Ihnen als ein solch niedrigschwelliger Ankerpunkt gehandelt. Was kann dieses Modell bieten?

Warnke: Es gibt ja im Prinzip schon ein Modell, an dem wir uns orientiert haben. Das sind die Familienzentren in den Kindergärten, wo man versucht, über niedrigschwellige Angebote schlicht und ergreifend Eltern zu erreichen. Die Angebote werden in den Kindergarten geholt. Diese Niedrigschwelligkeit und der Versuch, proaktiv auf Eltern zuzugehen war der Pate des Gedankens, das auch in der Grundschule zu versuchen. Unser Anliegen als Stiftung war es, das nicht nur eins zu eins zu adaptieren, sondern zu schauen, welche Ressourcen sind in und um Schulen schon vorhanden. Und dann auch tatsächlich die Schulen zu öffnen, d.h. insbesondere die Lehrerinnen und Lehrer zu sensibilisieren mit allen Eltern umzugehen. Sie sagten gerade: besonders schwer erreichbare Eltern. Ich bin der Auffassung, dass sie alle Eltern erreichen können. Es geht um die Frage der Ansprache. Da können Yogakurse oder auch Schminkkurse und Kochangebote eine sinnvolle Maßnahme sein. Wo viele bildungsbeflissene Eltern vielleicht sagen: Warum macht man das? Aber darum geht es: Genau zu überlegen, wie kann ich an alle Eltern rankommen.

Deswegen ist auch „anders erreichbar“ der bessere Begriff, nicht „schwer erreichbar“. Schwer ist eine Frage der Perspektive. Wir als Stiftung sind ja in verschiedenen schulischen Kontexten unterwegs. Ich kann mich daran erinnern, dass ich zwei, drei Mal in Runden mit Schulleitungen gesessen habe, in denen mir gesagt wurde, man habe alles versucht. Zu manchen Familien bekämen die Schulen einfach keinen Kontakt. Die Eltern wollten das nicht. Nichtsdestotrotz gibt es Schulen, mit den gleichen Herausforderungen, wo es funktioniert. Ich glaube, dass es damit etwas zu tun hat, sich auf die unterschiedlichen Sprachebenen einzulassen. Man muss sich darauf einlassen, was die Eltern mitbringen. In der Regel erreichen sie die Eltern nicht, indem sie irgendwelche Rundmails oder Rundbriefe schreiben. Dazu muss man wissen, dass die zum Teil gar nicht gelesen werden können. Selbst wenn der Wille da ist. Aber überall, wo man proaktiv auf die Eltern zugeht und ihnen sagt, dass es wichtig ist, dass sie dabei sind, klappt das. Wir haben in Mönchengladbach eine Projektpartnerschaft bei der es auch darum geht, den Gedanken der Elternarbeit in Grundschulen zu holen. Es ist für uns auch wichtig zu schauen, ob die Projekte die Zielgruppe überhaupt erreichen. Wir haben da als Wirkindikatoren die Teilnahme an Elternabenden und Elternsprechtagen. Bei den Elternsprechtagen ist es durch die gezielte Ansprache gelungen, die Teilnahme von 50% auf über 80% zu steigern. Sie sehen, es geht. Ich bin da fest von überzeugt.

Ich bringe noch ein Beispiel: Wir haben uns vor kurzem eine Grundschule in Gelsenkirchen angeschaut, wo bis vor ein paar Wochen die Väter die Konflikte der Söhne auf dem Pausenhof ausgetragen haben. Die haben sich da geprügelt. Jetzt kann man sagen, die sind nicht erreichbar. Ich würde sagen, die sind massiv erreichbar, weil sie da vor der Tür stehen und aufpassen, dass ihren Kindern nichts passiert. Was hat man da gemacht? Mit Hilfe des Familienzentrums hat man angefangen, eine gemeinsame Koch-AG, in diesem Fall der Mütter, zu initiieren, um das Kennenlernen unter den Eltern zu ermöglichen. Und das hatte schon die ersten positiven Effekte. Ich glaube, dass die Eltern erreichbar sind. Wenn sie aus anderen Kulturkreisen kommen, wissen sie nicht, wie hier in Deutschland Schule organisiert ist und welche Rolle sie haben. Ich glaube, Schule muss sich darauf einstellen. Es geht kein Weg daran vorbei. Für die Bildungsbiographie ist das Elternhaus entscheidend. Es geht nur mit den Eltern.

 

Bei den Familienzentren an Grundschulen treffen verschiedene Bereiche aufeinander und die sind es gewohnt, normalerweise unabhängig voneinander zu agieren. Bei der Familiengrundschule wären das die Säulen Schule, offene Ganztagsschule und die Sozialarbeit. Wie wichtig ist die Verzahnung dieser Bereiche und wie kann man die sicherstellen bzw. auch fördern?

Warnke: Sie beschreiben ein Grundproblem, was auch im Bereich des offenen Ganztags immer wieder zu Tage tritt. Uns geht es nicht nur um die Erreichbarkeit der Eltern und die Bildungsbiographien der Kinder. Sondern uns geht es natürlich auch um diese systemischen Ansätze. Zu versuchen, alle von Ihnen genannten Akteure besser miteinander ins Spiel zu bringen und zu verzahnen. Das ist natürlich ein Anliegen. Ein gutes Familienzentrum an einer Grundschule funktioniert nur dann, wenn alle Systemakteure auch gut zusammenarbeiten.

 

Welche Systemakteure haben Sie im Blick? Bis wohin reicht im besten Fall das „System Familiengrundschule“ aus ihrer Sicht?

Warnke: Es gibt z.B. noch Angebote der Familienbildung, die im Sozialraum sind. Sie haben psychologische Dienste, die dabei sind. Sie haben den ganzen Bereich der Hilfen zur Erziehung, die gerade für die Zielgruppe eine besondere Relevanz haben. In unserem Projekt kommen hinzu: Kooperationen mit weiteren Schulen und vielleicht mit Akteuren im Sozialraum, die man auch berücksichtigen könnte, wie z.B. den Schrebergarten um die Ecke. Also wir gehen das Ganze sehr komplex an. Und wenn ich „wir“ sage, meine ich immer vorrangig die Koordinatoren dieses Projektes in der Stadt Gelsenkirchen. Und da wo wir können, unterstützen wir als Stiftung das Ganze.

 

Sie sprachen von den Familienzentren, die sich mit Kitas einen Standort teilen und ja an vielen Standorten funktionierende Ankerpunkte sind. Und als Vorbilder der Familiengrundschulen gehandelt werden. Aber dieses Erfolgsmodell der Familienzentren an Kitas ist nun nicht eins zu eins auf die Schule zu übertragen, weil da ein anderes soziales Gefüge herrscht.

Warnke: So ist es. Allerdings muss ich an dieser Stelle eine Sache deutlich benennen. Wenn ich von Schule spreche, meine ich nicht nur das, was im Unterricht mit den Lehrerinnen und Lehrern stattfindet, sondern das ganze Gefüge. Das funktioniert aber nur, wenn man eine Bereitschaft hat, insbesondere von Schulleitungen, sowas auch mitzutragen und als Schulentwicklungsprozess zu sehen. Und das ist aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied zum Kindergarten.

 

Ein weiterer Unterschied ist das Ungleichgewicht im Verhältnis der Familie zur Schule, das dadurch entsteht, dass die Schule entscheidet, wie es für das Kind weitergeht. Das heißt, es gibt dort ein Abhängigkeitsverhältnis, was im Wege stehen könnte, wenn man versucht, ein Vertrauensverhältnis herzustellen. Wie schafft man es trotzdem, ein Vertrauensverhältnis zwischen den Familien und der Schule zu ermöglichen?

Warnke: Alles, was ich schildere, sind erste Eindrücke aus unserem Projekt. Es gibt eine begleitende Evaluation von Frau Prof. Stöbe-Blossey. Die Zufriedenheit der Eltern mit den Familienzentren an Grundschulen ist sehr hoch. Das vielleicht mal vorweg. Aber so selbstverständlich die Kooperationsbereitschaft und auch der Gedanke, dass man in Kindergärten Elternarbeit leistet, ist, verändert sich diese Einstellung in der Grundschule und erst recht bei den weiterführenden Schulen. Ich bin ganz sicher, dass das Verhältnis von Lehrerinnen und Lehrern zu z.B. Schulsozialarbeitern ein komplett anderes ist, als z.B. von Erzieherinnen zu den Angeboten der Familienbildung und der Familienhilfe in den Kindergärten. Es gibt Berührungsängste oder -hemmnisse. An Schulen merken sie das, wenn sie fragen, welcher Schulsozialarbeiter denn mit im Lehrerzimmer sitzt. Ich habe immer gedacht, das sei total normal, dass alle in einem Raum sitzen. Das ist nicht normal. Daran können Sie ja schon sehen, dass da verschiedene Systeme – wir sprachen da schon von - aufeinanderprallen. Dann kommen noch die Eltern dazu, die eine andere Erwartungshaltung haben. Sie wollen das Beste für ihr Kind.

 

Sie haben für ihr Engagement als Stiftung den Anknüpfungspunkt Schule gewählt. Warum ist gerade das Ihr Ankerpunkt? Könnten Sie sich noch andere Ankerpunkte neben der Schule in diesem Lebensabschnitt oder diesem Lebensalter vorstellen?

Warnke: In der Schule sind sie alle. Wir als Stiftung sind da sehr rational rangegangen. Für uns ist es wichtig, ein Programm zu haben, in dem man Eltern beteiligt. Rein theoretisch kann man natürlich noch über andere Wege nachdenken. Das geht jetzt aber über das Thema Familienzentren an der Grundschule hinaus. Meine Grundfrage wäre immer: Wo treffe ich Eltern an? Konkret: Warum gibt es keine angepassten Angebote für Familienbildung samstagmorgens auf dem Parkplatz bei Aldi?

 

Schule ist ja nicht gleich Schule. Abhängig vom Sozialraum stellen sich ganz unterschiedliche Herausforderungen. Welche Schulen sind insbesondere als Standort einer Familiengrundschule geeignet? 

Warnke: Der Wübben Stiftung geht es darum, Kindern zu helfen, die aus sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen kommen. Für uns ist vollkommen klar, dass wir in Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf gehen, also in sogenannte Brennpunkte. Ganz grundsätzlich bin ich schon der Auffassung, dass die Angebote eines Familienzentrums eigentlich in allen Schulen vorhanden sein müssten, unabhängig vom sozialen Gefüge. Aber auch aus Sicht der Stiftung ist klar, dass es hier einen besonderen Bedarf gibt und deswegen ist unser Engagement auf diese Stadtteile und Schulen konzentriert. 

 

Ich würde jetzt gerne noch mal stärker auf die Inhalte, die von Familienzentren an Grundschule vermittelt werden können und sollen, eingehen. Was haben Sie da für eine Vorstellung der Funktion einer Familiengrundschule? Gibt es da Schwerpunkte, die Sie benennen können? Ist da z.B. eine vorrangige Fokussierung auf die Bildungsförderung? 

Warnke: Die erste Überlegung, die wir in den Projekten, die wir fördern, immer mit dem Projektverantwortlichen anstellen, ist: Wie erreichen wir die Eltern? In Gelsenkirchen haben wir eine Kaskade erstellt, angefangen von besonders niedrigschwelligen zu anspruchsvolleren Angeboten. Als Stiftung haben wir einen zentralen inhaltlichen Schwerpunkt eingebracht, nämlich den Übergang von der Grund- auf die weiterführenden Schulen. Dieser ist nicht nur in der Bildungsbiografie besonders sensibel. Er ist auch das geeignete Thema für Eltern, die sich alle damit auseinandersetzen. 

 

Lassen Sie uns auf die guten Beispiele schauen. Was wurde in den Schulen, die im Zusammenspiel mit einem Familienzentrum gut funktionieren, konzeptionell richtig gemacht? 

Warnke: Für mich ist die Leitung der Schule Dreh- und Angelpunkt. Richtig gut läuft es immer dann, wenn die Schulleitung das Projekt will und ihre Rolle nicht nur darin sieht, den Lehrerinnen und Lehrern dabei zu helfen, ihren Unterricht möglichst stressfrei zu machen. Sondern dass sie versteht, dass sie ihre Schule mit so einem Projekt voranbringen kann. Das ist für mich ausschlaggebend. Und eine entscheidende Rolle spielt in diesem Kontext für mich auch der Schulträger oder die Stadt. Weil sie weiß, es gibt viele Ressourcen im Umfeld der Schulen, seien es die Angebote der Jugendhilfe, der Hilfen zur Erziehung, der Angebote im Sozialraum usw.. Und es läuft allemal besser, wenn alle diese Ressourcen gebündelt aufeinander abgestimmt und direkt in Schulen angesiedelt und angedockt sind. Es braucht also den Willen bei der Schulleitung und den Willen beim Schulträger, dass man sich aktiv mit einbringt.

 

Ich frage jetzt auch noch mal anders herum, weil wir oft erleben, dass nicht nur die guten Erfahrungen wichtig sind. Besonders lehrreich sind oft auch die Geschichten des Scheiterns - wenn jemand so mutig ist, diese zu erzählen. Daraus kann man oft besonders viel lernen. Was wäre denn aus Ihrer Sicht ein ganz typischer Stolperstein, den man versuchen sollte zu vermeiden? 

Warnke: Wir fangen bei unseren Projekten immer an, mit der Stadt zu diskutieren, bevor wir auf die Schulen zugehen. Für uns ist es zwingend, dass die Stadt so etwas machen möchte, weil wir eben die Stadt/den Schulträger als entscheidenden Akteur im ganzen Geflecht sehen. Dann geht es darum, Schulen zu identifizieren. Und schließlich muss man schauen, ob das Projekt getragen ist vom Willen, so etwas wirklich auch positiv zu nutzen. Es funktioniert dann nicht, wenn man sich einfach nur eine zusätzliche Ressource erhofft, insbesondere eine solche, die dabei hilft, diese nervigen Eltern loszuwerden. Mit dieser Voreinstellung klappt das nicht. Das ist jedenfalls nicht das, was wir als Stiftung wollen. Dazu führen wir im Vorfeld sehr viele Gespräche. Es muss Einfluss haben auf die Schule, sonst macht das gar keinen Sinn.

 

Welche Aufgaben kann oder möchte denn die Wübben Stiftung bei dem Aufbau von Familiengrundschulen übernehmen? Welches Angebot machen Sie an Land und Kommunen? 

Warnke: Wir haben jetzt ein paar Modellkommunen und -schulen unterstützt und erste Erfahrungen gemacht. Das Angebot, das wir dem Land machen, ist, dass wir gerne gemeinsam auf diese ersten Erfahrungen schauen wollen und uns vorstellen können, zusammen weitere Erfahrungen zu machen und auf dieser Grundlage zu überlegen, ob so etwas tatsächlich auch ein Angebot für die Fläche sein kann. Für mich ist es ganz wichtig, dass es immer um eine Aufgaben- und Verantwortungsteilung zwischen den verschiedenen Bereichen und Ebenen der öffentlichen Hand geht. Und ich meine damit eben nicht nur, dass ein Land oder speziell ein Ministerium da eine Aufgabe hat. Es ist vollkommen klar, das Schulministerium muss genauso beteiligt sein wie das Kinder- und Jugendministerium. Vielleicht sind noch andere Ressorts zu beteiligen. Ich habe schon die Bedeutung des Schulträgers genannt. Das ist ganz, ganz wichtig. Es geht nicht darum, im Prinzip jetzt schon eine Art von Aufgaben- oder Forderungskatalog zu definieren. Sondern wir als Stiftung würden gerne gemeinsam mit den genannten Akteuren eine Diskussionsreihe organisieren, um nachher selber ganz interessiert zu schauen, was denn da rauskommen könnte.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

]]>
Bochum knüpft weiter am Netz für Prävention und Bildung https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/bochum-knuepft-weiter-am-netz-fuer-praevention-und-bildung/ Dreihundert Akteure aus den Bereichen Schule, Jugendhilfe, Freie Träger, Verwaltung,... Oberbürgermeister Thomas Eiskirch begrüßte das vollbesetzte Auditorium in der beeindruckenden Kulisse des Annelise Brost Musikforums Ruhr: „Heute wird zusammengeführt, was bislang noch nicht zusammengeführt wurde.“ Eiskirch forderte übergreifende Arbeit in mehrfacher Hinsicht: „Wir müssen bereichsübergreifend und lebensphasenübergreifend agieren. Nur so können wir ein dichtes Präventionsnetz spinnen und gemeinsam gute Voraussetzungen für gelingende Bildungsbiografien schaffen.“

An diese Forderung knüpfte Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“, in seinem Fachvortrag über „Die Rolle von Bildung und Regionalen Bildungsnetzwerken für kommunale Präventionsansätze“ an. Er mahnte verstärkte multiprofessionelle Zusammenarbeit an, statt lediglich additiv vorzugehen. Das Nebeneinander von Angeboten, die jeweils innerhalb der ihnen gesteckten Ressortgrenzen gedacht werden, ist auch bei besten Absichten im Alltagsgeschäft der Kommunen ein wiederkehrendes Muster. Dabei nannte er als Beispiel die Offene Ganztagsschule, wo vielerorts die Multiprofessionalität nicht ausreichend als Team genutzt würde und eine Verzahnung der Ressorts nicht ausreichend stattfinde. „Da darf man ehrgeiziger sein. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Stolz bemühte den Reformpädagogen Hartmut von Hentig – „Lebensprobleme gehen vor Lernproblemen“- um zu unterstreichen, wie grundlegend der Brückenschlag zwischen den Feldern Prävention und Bildung ist. Die je nach Sozialmilieu und individueller Biografie ungleichen Lernausgangsbedingungen müssen von den Bildungsverantwortlichen gesehen werden. Gleichzeitig dürfe man die Schule nicht allein lassen mit dem Auftrag Bildung. Die Schullaufbahnsicherung müsse schon in den Kitas beginnen. Mit besonderer Aufmerksamkeit seien die Übergänge in die Grund- und weiterführende Schule, sowie in die Ausbildung im Blick zu behalten. Übergänge von einem Entwicklungsfeld ins nächste sind gekennzeichnet von erhöhter Anpassungsleistung der Kinder und besondere Anforderungen an die Eltern, die in dieser prägenden Phase Begleitung benötigen können. Präventions- und Bildungsnetzwerke seien Teil einer Verantwortungsgemeinschaft bei der Arbeit an einer gemeinsamen Formel für Prävention und Bildung. Dafür gelte es nachhaltige Strukturen zu schaffen.

Über die Strukturen und ihre Nachhaltigkeit diskutierten auch die Experten auf dem Podium:

  • Britta Anger, Beigeordnete der Stadt Bochum für Soziales, Jugend und Gesundheit
  • Maria-Christina Hagemeister, stellvertretende Vorsitzende der AG 78
  • Dolf Mehring, Leiter des Jugendamtes der Stadt Bochum
  • Annette Meyer, Regionalkoordinatorin der Schulaufsicht für das Regionale Bildungsnetzwerk Bochum
  • Martin Stempel, Leiter des Schulverwaltungsamtes der Stadt Bochum
  • Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“

Einig war man sich darin, dass die Investition allein in Einzelprojekte zu kurz gegriffen sei und nicht in Nachhaltigkeit münde. „Weg von der Projektitis“, appellierte Stolz. „Wir wollen nicht, dass Sie irgendwann mal einen Ordner „Kommunale Präventionsketten NRW“ ins Regal stellen und sagen ‚Da haben wir auch mal teilgenommen‘“, bekräftigte Stolz seine Forderung nach langfristigen strukturellen Veränderungen durch integrierte Handlungskonzepte.

Das Schlusswort des Vormittags lag bei der Kabarettistin Esther Münch, die in ihrer Rolle als Putzfrau Waltraud Ehlert den Diskurs mit spitzer Zunge kommentierte: „Mit Bildung muss man schon viel früher ansetzen. Nämlich bei den eigenen Mitarbeitern. Bildung für Kopf und Herz.“

 

]]>
"Sind Sie bereit partizipativ zu arbeiten?" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/sind-sie-bereit-partizipativ-zu-arbeiten/ Das 19. Lernnetzwerktreffen am 07.03.2018 stand unter dem Motto "Partizipation". Staatssekretär... Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Opens external link in new windowISA e.V., moderierte das Lernnetzwerktreffen und führte thematisch in den Tag: Eine der großen Herausforderungen bei dem Auf- und Ausbau kommunaler Präventionsketten sei es, die in der kommunalen Verwaltung implementierten Top-Down-Strategien mit beteiligungsorientierter Angebotsplanung zusammen zu bringen. Prävention sei zunächst „Chef_innensache“, da die kommunale Spitze die strategische Entscheidung zur Entwicklung eines präventionsbezogenen Leitbilds treffen müsse. Bei der Umsetzung des Leitbilds, zum Beispiel bei der Angebotsplanung, gilt es dann, auch das Wissen der Fachkräfte und die Bedarfe der Adressaten einzubeziehen. Für die Fachleute – Planer und Koordinatoren – bedeutet dies, nicht nur die Perspektive der Adressaten bzw. der Fachkräfte einnehmen zu können, sondern darüber hinaus deren aktive Einbindung und Beteiligung für die Planung passgenauer Angebote zu fördern.

INFO: Praxisbeispiele für die beteiligungsorientierte Angebotsplanung bzw. Formate zur Beteiligung von Fachkräften und Zielgruppen gab es auch in den Foren am Nachmittag (siehe unten) sowie im Vortrag des Partizipationsforschers Andreas Bethmann aus Berlin.

Als Vertreter der gastgebenden Stadt Düsseldorf begrüßte Klaus Kaselofsky, stellvertretender Leiter des hiesigenOpens external link in new window Jugendamtes, die rund 80 Teilnehmenden. Er hat selbst in der Jugendhilfeplanung gearbeitet und auch an dem Aufbau der kommunalen Präventionskette in Düsseldorf mitgearbeitet. Die 40 Kommunen, die an der Landesinitiative „Kommunale Präventionsketten NRW“ mitwirken, erfüllen laut Kaselofsky eine Vorbildfunktion für ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Er lobte den praxisorientierten Ansatz der Initiative, die durch ihre sozialräumliche Ausrichtung wichtige Impulse in die Quartiere gebe. Maßgabe sei, vor Ort die Weichen für gelingendes Aufwachsen zu stellen.

"Beteiligung ist ein Schlüssel für die Passgenauigkeit von Unterstützungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Familien" Staatssekretär Andreas Bothe, Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration

Herr Staatssekretär Bothe hat die Teilnehmenden zu diesem 19. Lernnetzwerktreffen persönlich begrüßt. Seit dem vergangenen Opens external link in new windowTreffen im September sei einiges auf den Weg gebracht worden: So ist von der schwarz-gelben Landesregierung  ein KiTa-Träger-Rettungspaket in Höhe von 500 Mio. Euro sowie eine Mittelerhöhung für den Kinder- und Jugendförderplan auf 120 Mio. bewilligt worden. Ferner wurde ein weiterer Ausbau der Opens external link in new windowFamilienzentren beschlossen, es sollen im kommenden Kindergartenjahr zusätzlich 150 neue Zentren in NRW entstehen.

Die Landesregierung hat sich zudem entschieden, den Aufbau kommunaler Präventionsketten durch eine erweiterte Finanzierung zu fördern. „Gegenüber 2017 nehmen wir […] im Bereich der kommunalen Präventionsketten zusätzliche Mittel in Höhe von fast 1,7 Millionen in die Hand“ so Staatssekretär Bothe. Das bedeute annähernd eine Verdreifachung der bisher bereitgestellten Fördermittel. Ein Teil dieser Mittel fließt umgehend in die Maßnahmenförderung: „Wir wollen 2018 auch – über die Koordinierung hinaus - als notwendig erkannte Maßnahmen mitfinanzieren […] und Sie als Kommunen dabei unterstützen, selbst gesetzte Schwerpunkte Ihrer Präventionsarbeit umzusetzen.“ Dabei gelte der Grundsatz „vom Kind her denken“  um Lücken in den Präventionsketten zu identifizieren und abzudecken.

Opens external link in new windowVideo: Grußwort Familienstaatssekretär Bothe


Wie geht es 2019 weiter? - Bilanzierung der „Präventionsketten“

Die Evaluation des Projekts „Kommunale Präventionsketten“ sei Teil einer umfassenden Evaluation der familienpolitischen Leistungen des Landes. Dabei hob Staatssekretär Bothe hervor, dass die Bilanzierung der „Präventionsketten“ aus drei Teilen bestehe:

1. Der Nutzung des vorhandenen Wissens, das bei den beteiligten Kommunen, Akteuren und Projektpartnern aufgebaut werde.
2.  Den Ergebnissen der Evaluation, die im Sommer von den Evaluatoren vorgelegt werden.
3. Dem direkten Austausch des Ministers mit den Spitzen der Modellkommunen.

Aus dem Dialog mit den Kommunen seien bereits wichtige Botschaften an das Land gelangt, so Staatssekretär Bothe: "Die Kommunen haben klar gemacht, dass die Unterstützung des Landes beim Thema Prävention ausdrücklich gewollt ist." Der Staatssekretär kündigte in diesem Zuge ein weiteres Spitzengespräch an: Familienminister Stamp wird die Spitzen der teilnehmenden Kommunen erneut zu einem Dialog ins Ministerium laden – auch um die Perspektiven über 2018 hinaus zu besprechen.

„Partizipation ist immer wieder Aushandlungs- und Definitionssache.“

In seinem Initiates file downloadeinstündigen Input gab Andreas Bethmann Einblicke in die Partizipationsforschung, so zeigte er anhand des "Pyramidenmodells" die verschiedenen Stufen von Partizipation auf. Darüber hinaus ließ er das Publikum in einigen Anekdoten an seinem eigenen Partizipations-Erfahrungsschatz teilhaben:

„Einen guten partizipativen Prozess erkennen Sie daran, dass es Ärger gibt“
Andreas Bethmann, Opens external link in new windowPartKommPlus, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin

Bethman erläuterte wie Partizipation dazu führe, dass Adressaten beginnen, ihre eigenen Interessen verstärkt wahrzunehmen und zu äußern - durchaus nicht immer im Konsens. Bis „die Leute“, wie Bethmann Adressaten gern nennt, bereit seien, sich aktiv an einem Prozess zu beteiligen, könne es manchmal ein ziemlich langer Weg sein. Doch führe er meist zum Ziel, wenn Themen „die Leute“ berühren und dadurch subjektive Relevanz erhalten. Durch den persönlichen Bezug entwickele sich erst die Motivation, der eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen.

Wie man komplexe und „immer auch schwierige“ Beteiligungsprojekte erfolgreich durchführt, zeigten die Praxisbeispiele (Spielplatzplanung / Kochkurs für Übergewichtige Kinder). Wer selbst partizipativ tätig werden möchte, findet im Methodenkoffer hinreichend Ansätze und Praxiswissen zur Umsetzung. Und wenn´s mal wieder ganz schwierig sei -  mitten im Prozess – gibt Bethmann mit auf den Weg: "Jeder Mensch möchte Positives, es ist nur manchmal nicht leicht zu erkennen."

Opens external link in new windowVideo: Input von Andreas Bethmann zu "Partizipation"

Foren

Forum 1: Beteiligungsorientierte Angebotsplanung auf Quartiersebene (Praxisbeispiel: "Mobile Bildungsbaustelle")
Paul Hendricksen & Cathrin Zimmermann (Opens external link in new windowISSAB, Universität Duisburg-Essen)

Forum 2: Mehr als eine Methode: Aktivierende Befragung; Haltung und Rahmenbedingungen
Hille Richers (Freie Trainerin im Non-Profit-Bereich, Gründungsmitglied "Opens external link in new windowForum Community Organizing")

Forum 3: Formate zur Beteiligung von Fachkräften und Zielgruppen

  • "Generation Zukunft Arnsberg - ein zivilgesellschaftliches Beteiligungskonzept auf Grundlage einer Online-Befragung"
    Christian Eckhoff (Stadt Arnsberg, Leiter Opens external link in new windowFamilienbüro, Koordination "Kommunale Präventionsketten“) 
  •  „Das Elterncafé als Ort der Prävention und seine Wirkung auf den Familienalltag – Konzeption und Ergebnisse einer Fachkräftebefragung“
    Diana Wittmann (Stadt Aachen, Opens external link in new windowFachbereich Kinder, Jugend und Schule, Netzwerkkoordinatorin "Kommunale Präventionsketten")
]]>
Auftakt der Entwicklungsgruppe "Wissensbasiertes Handeln" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/auftakt-der-entwicklungsgruppe-wissensbasiertes-handeln/ Entwicklungs-was? Neugierig sitzen etwa 30 Menschen am 27. Februar in einem Tagungshaus in Essen... Was sind Themen und Ziel(e) des Formats?
Der Name des Formats ist richtungsweisend, hier soll tatsächlich etwas entwickelt werden: Nämlich innovative, praxistaugliche Ansätze für die Umsetzung kommunaler Präventionsketten vor Ort. Die Idee der Landeskoordinierungsstelle hinter diesem Format ist, aktuelle wissenschaftliche Theorie – den state-of-the-art - zum Thema zu vermitteln und in die Praxis zu überführen. Zur Vorbereitung wurde u.a. in Expertenhearings ein gemeinsames Ziel fokussiert: Wissensbasiertes Handeln. Wissensbasiert meint, dass nicht etwa gefühlte Wahrheiten oder vermeintliche Gewissheiten die Grundlage kommunaler Planung bzw. kommunalen Handelns sein sollen. Vielmehr sollte validiertes Wissen in Form von kleinräumigen Daten sowie die Perspektiven von Fachkräften und Adressaten solide Entscheidungs- und Handlungsgrundlagen bilden.

Wie kommen Theorie und Praxis zusammen?
Das theoretische Modell steht bereits: Aus den Erfahrungen der wissenschaftlichen Begleitung von 18 Kommunen während der vierjährigen Modellphase ist ein Qualitätsrahmen entwickelt worden. Eine von insgesamt vier Stationen im Qualitätskreislauf ist das „Wissensbasierte Handeln“.

Die Station selbst ist wieder unterteilt in einzelne Prozessschritte, sechs an der Zahl. Hieran soll sich auch die Dramaturgie der Entwicklungsgruppe orientieren.

 

Daher stehen, analog zum ersten Prozessschritt, zum Auftakt diese beiden Fragen im Mittelpunkt: 1.Welche (einschränkenden) Bedingungen für gelingendes Aufwachsen lassen sich in der Kommune ausmachen und wie kann man sie abbilden? 2. Wie identifiziere (und modifiziere) ich  „Stellschrauben“ kommunalen Handelns, um diese Bedingungen positiv zu beeinflussen, sodass gelingendes Aufwachsen ermöglicht wird?

Es ist und wird ein Prozess im ständigen Dialog und Austausch: Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen der Kommunen wird Wissen generiert, welches wiederum in die Kommunen einfließt. So soll nicht nur die Entwicklung vor Ort vorangetrieben werden, sondern auch der theoretische Überbau stetig „mitwachsen“, angepasst und überarbeitet werden. Die Kommunen sollen innovative Ansätze mitentwickeln und ausprobieren und der Qualitätsrahmen weiterentwickelt werden – ganz im Sinne der Entwicklungsgruppe.

Wie kommt man an Daten?
Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach und eindeutig beantworten. Einen Versuch hierzu unternimmt Dr. David Gehne, Geschäftsführer des Zentrums für interdisziplinäre Regionalforschung, kurz ZEFIR. Seit 1996 befasst sich das ZEFIR u.a. mit kleinräumigen Daten im Ruhrgebiet und NRW. Dr. Gehne fasst in seinem 45-minütigen Vortrag „Kleinräumige Planung – Warum und wie?“ kurz und prägnant zusammen, worauf es bei der Datenbeschaffung und Analyse im kommunalen Kontext ankommt und liefert Beispiele für die Umsetzung von kleinräumigen Daten für die Planung wie z.B. die „Sozialräumliche Gliederung der Stadt Düsseldorf“. Dabei verdeutlicht er, wie wichtig nicht nur die Erfassung, sondern auch die Deutung der Daten und die Form der Kommunikation ist. Neben datenschutzrechtlichen Hürden gilt es auch „Pfadabhängigkeiten“ zu überwinden oder neue Pfade zu gestalten. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Transparenz (z.B. über Segregation in Stadtteilen oder über den Schulsozialindex), die durch Datenauswertungen geschaffen wird, oftmals entgegen (politischer) Interessen steht und es damit umzugehen gelte. Ebenso spannend ist die Frage, wie sich erfolgreiche Ansätze in andere Kommunen übertragen lassen und was es für den erfolgreichen Transfer und die  Umsetzung braucht.

Ein Blick in die Praxis: Der „Gelsenkirchener Partizipationsindex“
Ein konkretes Beispiel wie man Aufwachsbedingungen von Kindern und Jugendlichen lokalisieren kann, stellt Silvia Bader von der Koordinierungsstelle kommunale Prävention der Stadt Gelsenkirchen vor: den Gelsenkirchener Partizipationsindex. Gelsenkirchen hat bereits viel Erfahrung mit Präventionsketten, schon seit 2005 wird dort an selbigen gearbeitet. Auch an dem Modellprojekt war Gelsenkirchen von Beginn an beteiligt und hat währenddessen u.a. ein Sozialmonitoring an den Start gebracht. Um die ressortübergreifende Zusammenarbeit zu strukturieren gibt es einen Arbeitskreis (Sozial-)Planung. Die 18 Stadtteile Gelsenkirchens wurden in 40 kleinere Einheiten aufgeteilt, so kann man die erhobenen Daten kleinräumiger in diesen Sozialräumen betrachten. Ein Indikatorenkatalog  wurde entwickelt, der von konkreten Fragestellungen ausgeht, z.B.“ Wie gesund sind die Kinder?“

Angeregt durch die Vorträge ging es im Anschluss in den Austausch und zum Sammeln kommunaler Erfahrungen. In den drei Arbeitsphasen am Nachmittag standen die eigenen kommunalen Herangehensweisen im Vordergrund. In moderierten Kleingruppen konnten die Teilnehmenden sich zu den eingangs genannten Fragen austauschen: Wie lassen sich Aufwachsbedingungen von Kindern und Jugendlichen abbilden? Welche „Stellschrauben“ gibt es in der Kommune, um diese Bedingungen zu verändern bzw. positiv zu beeinflussen?

Zum Abschluss zogen die Teilnehmenden eine durchaus gemischte Bilanz, die den Entwicklungsbedarf im Bereich des „Wissensbasierten Handeln“ verdeutlichte: Obwohl vor Ort „vieles vorhanden“ sei, bliebe noch zu oft die Frage „Was machen wir mit den Daten?“.

Hiermit setzt sich die nächste Sitzung der Entwicklungsgruppe auseinander, die am 14.06.2018 unter dem Motto „Daten zu den Aufwachsbedingungen reflektieren“ stattfindet.

]]>
Entwicklungsgruppe "Zugänge zu Eltern" gestartet https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/entwicklungsgruppe-zugaenge-zu-eltern-gestartet/ "Es gibt eine Gruppe, die wird nicht erreicht." Es gibt Familien, die nehmen kommunale Unterstützungsangebote nicht wahr. Mit diesem Kernproblem setzt sich die Entwicklungsgruppe „Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern“ auseinander.

Die "schwer Erreichbaren" sind Thema in jeder Kommune, die sich den Aufbau einer lückenlosen Präventionskette zum Ziel gesetzt hat. Denn oft scheint das aus Sicht von Kommunen genau die Gruppe zu sein, für die Unterstützung wichtig wäre.

Die vermuteten Gründe für das "nicht Erreichen" sind vielfältig. Sei es, dass den Familien die Informationen über die Angebote fehlen, die Angebote nicht passgenau genug sind, oder die Ressourcen für die Wahrnehmung der Angebote in der Familie nicht zur Verfügung stehen. Weitere Gründe könnten sein, dass das Vertrauen in den unterstützenden Charakter des Angebots fehlt oder auch das Vertrauen zu den anbietenden Institutionen.

Die Erfahrung aus der kommunalen Praxis, dass Angebote der Präventionslandschaft bestimmte Gruppen schwer erreichen, spiegelt sich auch in den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitforschung der Bertelsmann Stiftung aus der Modellphase des Projekts "Kein Kind zurücklassen! Kommunen beugen vor" wieder. Aus einer Familienbefragung durch Faktor Familie aus dem Jahr 2014 geht nicht nur hervor, welche Angebote von Familien angenommen werden, sondern auch welche Familien es sind, die Angebote annehmen oder eben nicht. Dabei wird deutlich, dass etwa medizinische Vorsorgeuntersuchungen von nahezu allen Familien in Anspruch genommen werden, Kinderärzte einen guten Zugang zu fast allen Familien haben und sich die Eltern auch dort über Angebote informieren. Ganz anders sieht es etwa bei Eltern-Kind-Programmen aus - einem "Klassiker" unter den primärpräventiven sozialpädagogischen Angeboten. Die Eltern-Kind-Programme werden deutlich weniger von Familien mit Risikolagen (Migrationshintergrund, Alleinerziehend, Mehrkindfamilien, niedrige Qualifikation etc.) wahrgenommen als vom Durchschnitt der Familien.

Es lässt sich also eine sozial selektive Inanspruchnahme von Angeboten feststellen. Doch wie können die Kommunen da entgegenwirken? Wie werden präventive Angebote auch für bislang nicht erreichbare Gruppen zugänglich? Die Entwicklungsgruppe "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern" will Lösungswege für diese Fragestellungen erarbeiten. Auch wenn jede Kommune eine andere Ausgangslage mitbringt und die Voraussetzungen sich schon allein wegen der Größe und Struktur unterscheiden, hat sich die Entwicklungsgruppe "Zugänge" zum Ziel gesetzt, die Ansatzpunkte einzeln in den Blick zu nehmen und an einem übertragbaren Analyseschema zu arbeiten. Letztlich sollen Handlungsempfehlungen zur systematischen Bearbeitung entstehen, die in angepasster Form in allen Kommunen anwendbar sind.

Zu der Entwicklungsgruppe hat die Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW" eingeladen. Es treffen sich Fachleute aus 17 Projekt-Kommunen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Landeskoordinierungsstelle, die den Prozess steuern, die Arbeit in der Gruppe moderieren, begleiten und aufbereiten. Träger der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW" ist das Institut für soziale Arbeit e.V. in Münster. Die Arbeit an dem Entwicklungsthema "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern" ist zunächst in vier Sitzungen geplant.

Zur Vorbereitung der Entwicklungsgruppe hat die Landeskoordinierungsstelle ein Hearing mit Expertinnen und Experten durchgeführt, mit der Zielsetzung die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung, aus Familienbefragung und Elterninterviews, mit den Erkenntnissen aus der kommunalen Praxis in Beziehung zu setzen. Hier zeigten sich verschiedene Ansatzpunkte, die konkrete Möglichkeiten der Optimierung von Zugangswegen bieten. Diese Ansatzpunkte sollen nun in der Folge systematisch betrachtet und anhand von Prüffragen aufbereitet werden, umso eine flächendeckende Qualitätsentwicklung zu befördern.

Bei der Eröffnungssitzung der Entwicklungsgruppe am 14. Februar in Dortmund stand als erstes Thema die systematische Umsetzung von Lotsensystemen im Fokus. Wer kommt mit welchen Familien in Kontakt? Wem vertrauen Familien? Wer erweist sich als stabile Anlaufstelle? Und wie können stabile Anlaufstellen auch wirklich als Multiplikatoren gewonnen werden?

Hier geht es zur Präsentation von Maren Hilke, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten"

Einen einführenden Impuls setzte Pilar Wulff, Koordinatorin Frühe Hilfen der Stadt Dortmund, und referierte über Gute Praxis-Ansätze im Bereich der Lotsensysteme vor Ort. Als ein Beispiel diente die Zusammenarbeit mit den Dortmunder Hebammen, die als Türöffner im Kontakt zu jungen Familien fungieren. Wulff beleuchtete nicht nur die fruchtbare Kooperation mit den Hebammen, sondern gab insbesondere wertvolle Einblicke in den Entstehungsprozess der Zusammenarbeit. Um dieses Lotsensystem zu aktivieren, bedurfte es vieler Vorüberlegungen. Denn nicht nur die Zielgruppe der Angebote muss für passgenaue Angebote genau angeschaut und definiert sein, auch die anvisierten Lotsinnen und Lotsen müssen ihren Interessen gemäß angesprochen und eingebunden werden. In diesem Fall war es wichtig zu ermitteln, was wollen Hebammen? Wie können wir diese Gruppe erreichen und motivieren? Welche Interessen müssen bei diesem gewünschten Partner gesehen und bedient werden? So bietet Dortmund seinen Hebammen Schulungen an und hat auch als Arbeitsunterstützung eine Hotline an den Start gebracht.

Hier geht es zu einem Video über die Frühen Hilfen in Dortmund

Das genaue Hinschauen auf die Zielgruppe ist immer ein erster Schritt vor dem Aufbau eines Lotsensystems und Basisarbeit, die geleistet werden muss. Und genau das haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Entwicklungsgruppe getestet. Mit fünf konkreten Fallkonstruktionen näherten sich die Akteure aus den Kommunen dem Thema. Ganz bewusst und konkret wurden Blickwinkel und Perspektiven gewechselt, um den Lebenswelten und damit auch den Bedarfen von fünf verschiedenen Familien mit Belastungslagen näher zu kommen. Wie und wo lebt die Familie? Welche Ressourcen hat sie? Und welche Belastungen? Wem vertraut die Familie und von wem nimmt sie Tipps an? Aus so einem Perspektivwechsel, als Teil der Zielgruppenanalyse, ergeben sich Hinweise auf geeignete Lotsinnen oder Lotsen.

Der nächste Schritt ist dann der genaue Blick auf das anvisierte Lotsensystem. Wo und wie arbeiten meine Lotsen? Welche Ansprachebedarfe muss ich bei meiner Lotsengruppe berücksichtigen? Welche Qualifizierung kann und muss ich den Lotsen anbieten? Auch für diese Planungsschritte entwickelte die Gruppe Schritte und Leitfragen für den strukturierten Aufbau von bedarfsorientierten Lotsensystemen in Kommunen. Die Arbeit der Entwicklungsgruppe "Zugänge" soll aber nicht reine Theorie bleiben. Vier Kommunen haben die Aufgabe angenommen, dieses Verfahrensmodell in der Praxis zu testen. Bei den nächsten Treffen können dann schon Erfahrungen aus der Praxis die Theorie korrigieren oder ergänzen, um letztlich dem Ziel von belastbaren Handlungsempfehlungen immer näher zu kommen.

Die nächste Sitzung der Entwicklungsgruppe "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern" findet im Juni statt.

Im Rahmen des Projekts "Kommunale Präventionsketten NRW" starten parallel zwei weitere Entwicklungsgruppen zu den Themen "Strategien zur Einbindung des Gesundheitswesens in die kommunale Präventionskette" und "Wissensbasiertes Handeln".

]]>
„Hilfen aus einer Hand“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/hilfen-aus-einer-hand/?no_cache=1 Kinder aus armen Verhältnissen bleiben dies oft ein Leben lang, weil ihnen der Zugang zu Bildung... "Meistens sind die Zeiten nicht die leichtesten, meinen die Großen mit Sorgen auf der Stirn. (...)

Aber Philipp findet, eigentlich ist es ganz einfach.

Du brauchst dein Toastbrot, Ei, Milch, Zucker, Zimt und etwas Salz.

Es ist nicht viel, aber es schmeckt und das reicht.

Jeden Morgen wandern warme Füße auf kalten Fliesen,

ein Glas Wasser in der Küche, die Kühlschranktür bleibt zu.

Da gibt es nichts zu holen für hungrige Köpfe."

Zeilen aus dem Gedicht "Arme Ritter" von Florian Stein - ein junger Dichter, der an diesem Samstagmorgen die Auftaktveranstaltung zur Planung von Präventionsketten in Neuss Weckhoven eröffnet. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die Absicht, Kindern bessere Zukunftsperspektiven zu bieten. Bessere als die des kleinen Philipps aus dem Gedicht und vielen anderen Kindern, die hier leben.

Wer in Armut geboren wird, das zeigen Statistiken, der wird oft auch arm bleiben, weil er von der Teilhabe an Bildung und Arbeit ausgegrenzt wird. Für Weckhoven ist das ein wichtiges Thema: Denn rund fünf Prozent der knapp 9.000 Einwohner seien von Arbeitslosigkeit und Verschuldung betroffen. Jeder fünfte Einwohner sei ein Kind, berichtet zu Beginn der Veranstaltung Ralf Hörsken, Beigeordneter für Integration, Jugend und Soziales in der Stadt Neuss und heißt die Fachkräfte aus dem Stadtteil im großen Saal der "Partytur" am Lindenplatz willkommen.

25 Fachkräfte aus dem Jugendamt, aus Kitas, aus der Grundschule und freien Trägern sind der Einladung zu einem Planungsworkshop gefolgt, auch der Kinder- und Jugendärztliche Dienst ist vertreten, Sozialarbeiter, ein Pastoralreferent, ein Pfadfindervertreterr und sogar ein Schützenpräsident nahmen teil.

"Im Landesprogramm "Kommunale Präventionsketten" arbeiten 40 Kommunen aus NRW daran, die oft noch getrennt von einander agierenden Systeme - wie Schule, Gesundheit und Jugendhilfe - miteinander zu verzahnen, um Familien mit Hilfen aus einer Hand zu unterstützen", erklärt Sabine Köhler von der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten", die heute gekommen ist, um den Akteuren aus dem Quartier den vorbeugenden Ansatz näher zu bringen

Christina Kloster vom Neusser Jugendamt hat die Veranstaltung organisiert. Sie ist Koordinatorin für den Aufbau der Präventionskette in Neuss. Heute will Kloster die Akteure, die direkt mit den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern arbeiten, über das Vorhaben informieren, mit an Bord holen und Ziele konkretisieren: "Ein Erfolg wäre, heute alle motiviert zu bekommen, daran mit zu arbeiten."

Mit der Steuerungsgruppe hat sie bereits auf Ebene der Amtsleiter strategische Ziele festgelegt. Das erste Ziel ist: Kurze Wege zu Unterstützungssystemen zu schaffen, damit die Familien die passenden Hilfen in Anspruch nehmen können. Die Kompetenzen bündeln und gemeinsam besser mit den Familien zusammen arbeiten. Dafür müssten die Angebote auf die Bedarfe der Familien abgestimmt werden. Weiteres Ziel ist, die Bildungschancen für alle Kinder zu verbessern, indem alle Familien zukünftig Unterstützungssysteme in der Nähe finden. Weiteres Ziel ist, dass die Infrastruktur an die Bedarfe der Bewohner angepasst ist.

Wie das gelingen kann, darauf erhofft sich Kloster Antworten von den Gästen, die die Sorgen und Nöte der Familien aus ihrer täglichen Arbeit kennen. "Sie haben das Wissen!". Mit diesen Worten schließt Kloster ihren Vortrag und eröffnet die erste Diskussionsrunde der Gäste.

Im Fokus stehen Ressourcen, die Weckhoven bietet, aber auch Stolpersteine, die den Zielen im Wege stehen könnten. Dass Weckhoven über viele schöne Naturräume verfüge, die Beziehungsarbeit, die die Fachkräfte anstrengten, um möglichst viele Eltern für Unterstützungsangebote zu gewinnen, seien Ressourcen - so die Feststellung der Teilnehmenden. Doch es fällt auf, dass im Netzwerk Lücken klaffen. Als weitere Ressource nennt Andrea Samaras von den Frühen Hilfen im Jugendamt der Stadt Neuss Willkommensbesuche für Familien mit Neugeborenen, die demnächst eingeführt werden sollen. "So können wir Kontakt zu Familien herstellen, Unterstützungsbedarfe erkennen oder auch Familien an weitere Stellen verweisen." Um Bedarfe bei den Eltern und Kindern abzufragen, wird überlegt, wie man die Familien selbst mit in den Prozess einbeziehen kann.

Im anschließenden Vortrag nennt Heinz Hilgers, Präsident des Kinderschutzbundes, Voraussetzungen für den Austausch auf Augenhöhe. Keiner hier könne den Ursachen für Kinderarmut etwas entgegen setzen, so Hilgers, aber die Resilienz - also die Widerstandsfähigkeit - von Kindern und Jugendlichen stärken. Sinnvolle Vernetzung im Stadtteil heiße, dass sich diejenigen austauschten, die dieselbe Familie unterstützen. "Die Funktionäre haben sich immer schon getroffen, es geht darum, dass sich die Fachkräfte vernetzen, die ganz konkret in einem Stadtteil, in einer Situation mit den Familien arbeiten. Dass man sich klar wird, dass man nicht gegeneinander arbeitet, sondern miteinander und im Sinne der Familien", so Hilgers. Er wünscht sich für die betroffenen Familien eine Ansprechperson, hinter der viele andere stehen, die helfen und unterstützen.

Der Präsident des Kinderschutzbundes appellierte außerdem an ein wertschätzendes Menschenbild. Wer auf die Mittel "Bestrafung" und "Belohnung" setze, der bewirke nur eine Abwehrreaktion beim Gegenüber. Viele alleinerziehende Mütter in Deutschland lebten trotz Arbeit unter dem Existenzminimum und müssten mit Hartz IV ihr Einkommen aufstocken: "Es ist unverschämt, diesen Menschen vorzuwerfen, dass sie das Geld nicht ihren Kindern geben würden." Heinz Hilgers wünschte allen Fachkräften auch bei bösen Reaktionen der Betroffenen, immer wieder die Kraft zu einer neuen wertschätzenden Ansprache zu finden. Nur so könne man Menschen dazu bewegen, Hilfe anzunehmen.

Hinter Gewalt und anderen Kinderschutzfällen stehe in den meisten Fällen Überforderung, auch korreliere Kinderarmut mit Heimunterbringung. Hilgers mahnte, dass nicht der Charakter eines Menschen, sondern gesellschaftliche Systeme Kriminalität und Gewalt hervorbrächten. Und unterstrich seine These mit einer Anekdote über einen Vierjährigen aus seinem Bekanntenkreis, der mit seinem Großvater ein Theaterstück über den Räuber Hotzenplotz besuchen wollte. Hilgers habe den Jungen gefragt, "Was glaubst Du, warum Hotzenplotz entschieden hat, Räuber zu werden?": Die Antwort des Jungen: "Der hat sich gedacht: `Wenn die mir keine Arbeit geben, dann werde ich eben Räuber`".

Mit diesem Input begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder in die Diskussion und legten erste konkrete Ziele fest: Um sich untereinander besser kennen zu lernen, soll es zukünftig Steckbriefe aller Netzwerkakteure geben. Die Ferienzeit sei für viele Kinder und Jugendliche eine düstere Phase, in der sie oft allein seien, hieß es an einem Tisch. Deshalb wolle man überprüfen ob die vorhandenen Ferienangebote ausreichten. Übersichtliche Informationsblätter sollen bald allen Familien zeigen, wo sie welche Unterstützung erhalten. Auch bestehe Bedarf nach einem Kinderarzt in Weckhoven. Um Ehrenamtliche für das Netzwerk zu gewinnen, schlug ein Teilnehmer von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg vor, brauche es eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, um etwa Studenten mit Verweis auf die Vorteile einer solchen Tätigkeit für den eigenen Lebenslauf anzuwerben.

Ein wichtiger Schritt ist nun getan. Nach der Umsetzungsphase wird geprüft, ob die ersten Teilziele erreicht wurden. Die Stadtteile Weckhoven und Gnadental machen in Neuss den Anfang. Die Ergebnisse und Erkenntnisse sollen dann in die Fläche gegossen werden, um für ganz Neuss eine wirksame Präventionskette aufzubauen. Heinz Hilgers wünscht den Neusser Akteuren: "Dass sie eine Präventionskette finden, die dazu beiträgt, dass nicht aus den heutigen Kindern wieder arme Eltern werden, sondern Menschen, die ein selbstbestimmtes Leben führen können."

]]>
„Es geht uns um Entlastung!“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/es-geht-uns-um-entlastung/?no_cache=1 Ein entspannter Morgen mit dem Neugeborenen im Elterncafé, Beratung und Hilfe in Ehe- oder... Babys plappern und sabbern, Löffel rühren in Tassen, bunte Stofftiere liegen auf dem Boden verteilt. Im "Elterncafé" sitzen an diesem Morgen drei junge Mütter mit ihren Neugeborenen um einen Tisch, unterhalten sich, trinken Kaffee. "Ich freue mich, dass mein Kind hier in Kontakt zu anderen Kindern kommt und ich mich mit anderen Müttern austauschen kann", sagt Elli Norris, 33 Jahre alt, mit ihrer Tochter auf dem Schoß. Eignet sich Kuhmilch für den Abendbrei? Ist es noch normal, dass mein Kind so schlecht durchschläft? Die Themen der Mütter wechselten von Woche zu Woche, erzählt die junge Mutter, reichten vom Durchschlafen des Kindes, zur Ernährung bis zu den ersten Zähnchen. Junge Mütter wie sie plagten oft Sorgen und Ängste: "Hier weiß man, dass man nicht alleine ist. Den anderen geht es genau so." Man sei in der gleichen Situation, mit gleichaltrigen Babys, finde ein offenes Ohr. "Alleine, dass man dann sagen kann: `Boar! War das anstrengend die letzte Nacht`."

Mit am Tisch sitzt die systemische Familienberaterin Ute Ortmann, die den Ablauf des wöchentlichen freien Treffs moderiert und den Müttern Informationen rund ums Baby gibt. Sie leitet im wöchentlichen Wechsel mit Hebamme Angelika Brümmer-Becker das Elternstart-Angebot im Auftrag der Familienbildungsstätte Werne. Im Elterncafe veranstaltet diese Themenvormittage, wie zuletzt zum "Handling" der Babys mit einer Physiotherapeutin. Daran erinnert sich Elli Norris gern zurück. "Als Mutter von drei Kindern dachte ich, schon alles zu wissen." Aber im Kurs habe sie gelernt, erzählt sie weiter, ihr Kind öfters unterm Bauch zu halten. Das fördere das eigenständige Halten des Kopfes: "Mein Baby war das erste im PEKip-Kurs , das den Kopf hochhalten konnte: ich bilde mir ein, weil sie es mir gezeigt hat", lacht Norris.

Der Treff am Morgen ist unverbindlich und offen: "Um gestressten Müttern nicht noch mehr Druck zu machen", sagt Ortmann. Anders als in Bewegungsangeboten und Eltern-Baby-Gruppen gibt es kein Extraprogramm fürs Kind: "Hier ist Zeit, einfach zusammen zu sitzen, Kaffee zu trinken und die Kinder beschäftigen sich ein bisschen", schwärmt eine andere junge Mutter.

Das Elterncafé liegt im seitlichen Trakt des "Bunten Hauses", in dem das FamilienNetz Werne seinen Sitz hat. Den Gang runter kommt gerade Silke S.* aus einem Termin mit ihrer Beraterin für Ehe und Familie. Hinter ihr liegen eine Reihe Schicksalsschläge. Seit dem Tod ihres Mannes komme sie regelmäßig zu Ingrid Löblein von der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) im Bistum Münster. Löblein bietet alle 14 Tage Sprech- und Beratungsstunden im "Bunten Haus" an. Die Beratung ist kostenfrei und kann alle Alltagsthemen betreffen - Partnerschaftsprobleme, Mediation Trennungs- oder Sexualberatung. Die Diplom-Sozialpädagogin bietet Einzel-oder Paargespräche an und glaubt: "Je stabiler die Eltern, umso besser geht es den Kindern."

Das Angebot soll die Lücke schließen, die für Menschen mit Therapie- oder Beratungsbedarf entsteht, die aber keinen Therapieplatz finden. Seit längerer Zeit kommt Silke S. nun etwa einmal im Monat her, habe durch die Beratungen viel über sich gelernt: "Ich war für meine Eltern immer das böse Kind. Hier habe ich herausgefunden, dass das gar nicht stimmt. Dafür musste ich 56 Jahre alt werden". Diese Erkenntnis habe sie erst einmal sehr wütend gemacht, dann aber den Willen freigesetzt, es selbst bei den eigenen Kindern anders zu machen.

Ingrid Löblein will ihren Klienten Halt geben, Anlaufstelle sein für alle Probleme des täglichen Lebens. "Auch wenn da nicht von jetzt auf gleich eine Lösung da ist, aber ich werde fähig, das auszuhalten, da durchzugehen", sagt Löblein, "mit jemandem, der an meiner Seite steht".

Offene Sprechstunden, kurze Wege und viele Partner unter einem Dach - das sei das Konzept des FamilienNetzes Werne, sagt die Koordinatorin Bettina Stilter, die mit ihrer Kollegin Elisabeth Meßner gerade in ihrem Büro direkt am Eingang des "Bunten Hauses" sitzt. Im 2009 gegründeten Netzwerk verfolgten der kommunale und die freien Träger gemeinsam das Ziel, die Situation von Familien, Kindern und Jugendlichen in Werne zu verbessern, sagt sie. Die Stadt Werne habe dafür Geld in die Hand genommen, Stilters und Meßners Stellen geschaffen und die Räumlichkeiten im "Bunten Haus" angemietet. Unter seinem Dach sind zur Zeit 16 Angebote unterschiedlicher Träger untergebracht, die je nach Nachfrage geschaffen oder auch wieder abgeschafft werden. Dazu zählen die Kindertagespflege und die "Familienpaten". Diese Angebote betreut die Sozialpädagogin Meßner: "Ich bringe Eltern, die nach Kinderbetreuungen suchen mit qualifizierten Kindertagespflegeltern zusammen", erzählt sie. Außerdem betreut sie das Familienpatenprojekt, in dem Ehrenamtliche junge Familien im Alltag entlasten. Acht Familienpaten seien bereits im Einsatz, drei kämen nach dem Abschluss der Schulung in diesem Jahr noch dazu. "Wir haben schon eine Warteliste, so dass die drei Neuen wahrscheinlich sofort starten können", hofft Meßner, die die "Niedrigschwelligkeit" des Netzwerkangebots lobt: "Weil wir eben nicht das Wort Jugendamt drüber stehen haben, haben die Familien weniger Vorbehalte."

Auch könnten Synergieeffekte genutzt werden. "Weil jeder von jedem weiß", sagt Bettina Stilter von der Stadt Werne. Die mal interessierte Besucher des Elterncafés an eine Beratungsstelle weiter leitet, wiederum andere an einen Familienpaten, der bei der Kinderbetreuung unterstützt. Wenn sie im Haus kein passendes Unterstützungsangebot finde, vermittle sie an andere Angebote in der Stadt oder springe auch mal selbst ein. Dann lade sie Eltern zu einem Erstgespräch in ihr Büro ein. Sie habe aber auch schon mit einem Arbeitgeber einer hilflosen Mutter telefoniert, die keine Betreuung für ihr Kind fand, und neue Arbeitszeiten ausgehandelt und in einem anderen Fall einer verzweifelten Familie mit fünf Kindern bei der Wohnungssuche geholfen.

"Es geht uns um Entlastung", sagt Stilter jetzt. "Immer da, wo Eltern überfordert sind und keine Möglichkeit mehr sehen, wird es problematisch." Etwa dann, wenn Mütter isoliert seien und keine Informationen über Hilfsmöglichkeiten hätten. Um ihr Angebot stadtweit bekannt zu machen, arbeite man deshalb an regelmäßigen Presseauftritten, drucke Broschüren und Flyer. Mit Erfolg, glaubt Stilter: Das "Bunte Haus" sei inzwischen auch ein bunter Hund in Werne: "Es ist bei unseren 30.000 Einwohnern inzwischen etabliert. Das haben wir geschafft."

*Name von der Redaktion geändert

]]>
Ein Markt für die Menschen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/ein-markt-fuer-die-menschen/?no_cache=1 Weihnachtsterne, Kuscheltiere oder Plätzchen für den guten Zweck. Die bietet der besondere, weniger... Der erste Schnee des Jahres fällt, von der Bühne wehen Weihnachtslieder zu den bunt geschmückten Markständen herüber, auf denen sich Kekse, Weihnachtssterne, Marmelade und Filzpantoffeln stapeln. Familie Hussiyn löst am Stand der Alexianer ihre Papiertaler gegen Weihnachtsdekoration ein - selbstgemachte Holzsterne für ihr Wohnzimmer. Die Familie lebt schon seit 25 Jahren in Deutschland und gehört zu den 1000 Familien, die bei der Tafel registriert sind, also auf die Lebensmittelspenden angewiesen sind, und an die die Stadt Krefeld in diesem Jahr Taler im Wert von 15 Euro pro Kind verteilt hat. Die beiden Kinder strahlen und auch Vater und Mutter Hussiyn freuen sich über die Sterne.

Einlösbar sind die Taler auf dem besonderen Weihnachtsmarkt vor der Krefelder Einkaufspassage. Die Stände gehören ausschließlich sozialen Organisationen und Einrichtungen, ihr Erlös soll zurück an Bedürftige fließen. Etwa an die Kinder aus dem Marianum. Vor dem Stand des Kinderheims stehen Ilka und Benni* und verteilen Schokoladenglocken: "Ich komme aus dem Kinderheim Marianum und mache Werbung, damit man die Sachen kauft", erklärt Benni. In der Auslage - nur Artikel, die die Kinder mit ihren Betreuern gebastelt haben. Cappuchinopulver in Reagenzgläsern, Kränze, Plätzchen, Vogelfutternester, Badesalz oder Kinderpunsch. "Ist schon ein bisschen anstrengend, aber ein paar Leute kaufen auf jeden Fall", sagt Benni. Die Einnahmen sollen den Heimkindern neues Spielzeug oder einen gemeinsamen Ausflug ermöglichen.

Am Stand des Krefelder Jugendamtes ist gerade Beratungszeit: "Ihr müsst die Taler annehmen wie eine Währung und könnt den Wert der Taler mit der Tafel abrechnen", erklärt Markus Schön gerade zwei Standbesitzern, die noch nichts von der Aktion wussten. 15.000 Euro habe die Stadtsparkasse auf Initiative vom Oberbürgermeister Frank Meyer zur Verfügung gestellt, erklärt der Jugendamtsleiter. "Wir vom Jugendamt unterstützen die Aktion durch besondere Erlebnise für die Kinder!" Und so können die Familien ihre Taler hier auch für Zoobesuche, die Musikschule, Indoorspielplätze, Tanzschulen, fürs Kino, den Zirkus oder auch für den Spielwarenladen einlösen, die für viele Familien normalerweise nicht zu stemmen gewesen wären . "Für fünf Taler gibts zum Beispiel eine Jahreskarte für die Bibliothek in Krefeld", sagt Schön. Teilweise böten die Firmen ihre Leistungen günstiger an.

Die Talerspende ist eine von mehreren Aktionen des Krefelder "Aktionsbündnis gegen Kinderarmut". Die Schirmherrschaft hat der Oberbürgermeister. Prävention wurde in Krefeld bislang ganz praktisch initiiert, und zwar immer mit dem Grundsatz ungleiches ungleich zu behandeln, also besonders Familien zu unterstützen, die es am dringendsten brauchen. Am Jugendamtstand hätten an diesem Morgen bereits um die 50 Familien mit der Talerwährung bezahlt, sagt Schön.

Die Aktion schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Kinder einkommenschwächerer Familie erhalten eine kleine Weihnachtsfreude und unterstützen damit gleichzeitig andere soziale Projekte und Einrichtungen. Etwa die psychosoziale Hilfe Krefeld. Die Besucher der Tagesstätte haben eigenhändig Fußmatten bedruckt, Kerzen gegossen, getöpfert, Socken und Jacken gestrickt. Mitarbeiter Tobias Berns verkauft sie heute ehrenamtlich am Stand vor dem Passageneingang "Das Geld, das wir heute einnehmen, kommt dann den Nutzern unserer Tagesstätte zugute. Im Moment planen wir eine kleine Wochenendreise", sagt Berns.

Der Deutsche Kinderschutzbund ist mit einem Stand der Tagesgruppe Leuchtturm vertreten: Die Kuscheltiere oder Kissen haben Mitarbeiter genäht und mit Kirschkernen befüllt. Auch hier verkaufen die Angestellten die Sachen ehrenamtlich zum guten Zweck. Der Absatz sei gut, freut sich ein Freiwilliger: "Wir haben das Ziel, um 15 Uhr ausverkauft zu sein!" Auch ein Altenheim mit angeschlossener Tagespflege macht mit. "Wir verkaufen selbst gemachte Socken von Frau Schaufler, einer Bewohnerin, die schon länger bei uns ist.", lacht Nicole Neubacher von der Einrichtung. "Die hat schon ganz viel erstrickt, dann haben wir selbst gemachte Karten, Kronen aus Konservendosen, Plätzchen und Liköre".

Herr und Frau Opdenberg durchstöbern gerade Neubachers Standauslage, suchen sich dann Sammeltassen für sich und ihre Kinder aus. "Seit der Zeit, die dieser Markt existiert, bin ich begeistert vom Engagement der Menschen", sagt Birgit Opdenberg. Sie kämen jedes Jahr hierher, erzählt ihr Mann weiter. Es sei ein fester Termin im Kalender. "Das ist was besonderes, dass hier lauter Freiwillige bei so einem schäbbigen Wetter draußen stehen und versuchen für unterschiedlichste Gruppen was Gutes zu tun und mit ihren selbst gemachten Sachen ein positives Signal zu geben", sagt Herr Opdenberg. Während eisiger Schneeregen fällt, wolle das Paar auch in diesem Jahr mithelfen und an den Ständen des besonderen Weihnachtsmarktes wieder extra viele Plätzchen kaufen und den Marmeladenvorrat für das kommende Jahr decken.

Durch die Taleraktion können die Stände in diesem Jahr mit bis zu 15.000 Euro Mehreinnahmen rechnen. Viele Kinder aus einkommensschwächeren Familien können sich über ein Gratisgeschenk freuen, oder auf ein spannendes Erlebnis im Zoo, der Tanzschule oder im Zirkus, das sonst vielleicht nicht möglich gewesen wäre. So wie Familie Hussiyn, die mit ihren Tüten voller Weihnachtssterne langsam in der Menge verschwinden.

* Namen von der Redaktion geändert

]]>
Das Bundespräventionsgesetz als Chance https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/das-bundespraeventionsgesetz-als-chance/?no_cache=1 Zum 18. Lernnetzwerktreffen der Landesinitiative "Kommunale Präventionsketten NRW" trafen sich die... Im Lernnetzwerk findet der Austausch der Kommunen über wirksame Herangehensweisen bei der Installation kommunaler Präventionsketten statt. Ungenutzte Zugangswege, gut funktionierende Mechanismen und Good Practice Beispiele werden vorgestellt und auf ihre Übertragbarkeit in andere Kommunen überprüft. Mindestens ebenso wichtig ist aber der Austausch von Hürden und Stolpersteinen. Dazu braucht es eine vertrauensvolle Atmosphäre im Lernnetzwerk der Kommunen, die einer der Erfolgsfaktoren des Projektes "Kommunale Präventionsketten" ist.

Dr. Annette Frenzke-Kulbach, Fachbereichsleiterin Kinder-Jugend-Familie begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter aus den Projektkommunen und unterstrich den hohen Stellenwert, der in Herne auf die Präventionsarbeit gelegt werde. Als Gelingensbedingung stellte sie die verlässliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit, insbesondere auf den interdisziplinären Ebenen hervor. Ein Punkt, der sich wie ein roter Faden durch den Tag des Lernnetzwerktreffens ziehen sollte.

Denn am Vormittag widmeten sich die Akteurinnen und Akteure dem Bundespräventionsgesetz als Gestaltungswerkzeug beim Aufbau von Präventionsketten im kommunalen Setting - im Idealfall geprägt durch intersektorale Zusammenarbeit.

Einführend machte Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW", deutlich, welche strategische Bedeutung dem Gesundheitswesen beim Aufbau kommunal koordinierter Präventionsketten zukomme und welche Chancen sich aus dem Bundespräventionsgesetz ergeben: Zugänge zu durch die Jugendhilfe schwer erreichbare Familien finden, multiprofessionelle Zusammenarbeit, um Belastungslagen entgegenzuwirken und die gemeinsame Bereitstellung einer planungsrelevanten Daten- und Wissensbasis ("Daten für Taten") seien Eckpunkte der Zusammenarbeit. Er forderte eine kommunale Gesamtstrategie ins Blickfeld zu nehmen.

"Nicht Symptome bekämpfen, sondern Ursachen. Weg von der Projektitis",

appellierte Stolz.

Initiates file downloadPräsentation Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Opens external link in new windowVideo: Input Dr. Heinz-Jürgen Stolz

Das im Juli 2015 in Kraft getretene Bundespräventionsgesetz und seine Umsetzung in Nordrhein-Westfalen stellte Heike Reinecke, Leiterin des Referats Prävention und Öffentlicher Gesundheitsdienst im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Ausgehend von der Zielsetzung des Bundesgesetzes, Gesundheitsförderung und Prävention auch in Lebens- und Arbeitswelten zu stärken, stehe bei der Umsetzung der Bundesvorgaben auf Landesebene der "Settingansatz" in den Kommunen und Quartieren im Fokus. Die Landesrahmenvereinbarung stelle die Kooperation und Koordination in den Mittelpunkt. Angestrebt werde ein bedarfs- und zielorientiertes Zusammenwirken mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst, den Trägern der Jugendhilfe, den Jobcentern und weiteren relevanten Einrichtungen und Organisationen. "Wir wollen aus den Schnittstellen Nahtstellen machen", bekräftigte Reinecke.

 "Grenzen zwischen den Systemen zu überwinden, ist das Ziel."

Reinecke skizzierte den Rahmen der Möglichkeiten für Kommunen, Unterstützung und Mittel für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention auf der Grundlage des Präventionsgesetzes durch das Landeszentrum Gesundheit NRW zu erhalten. Wichtig sei es, integrierte Konzepte zu entwickeln, die Vorhandenes berücksichtigen und koordinierende Wirkungen entfalten.

Initiates file downloadPräsentation Heike Reinecke

Zu konkreten Fragen bezüglich der Beantragung von Mitteln aus dem Bundespräventionsgesetz nahmen die Spezialisten aus dem Landeszentrum für Gesundheit NRW Stellung. Manfred Dickersbach und Jonas Weidtmann stellten die neue Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit NRW vor, die das Antragsverfahrens begleitet und zur Unterstützung konsultiert werden kann. Die Koordinierungsstelle biete den Kommunen eine projektbezogene Beratung an, die sich wiederum auf integrative Strategien fokussiere. Den Blickwinkel zu verändern und tatsächlich "vom Kind her zu denken", wie es in der Landesinitiative "Kommunale Präventionsketten" schon seit Langem gefordert wurde, lasse die Grenzen der Ressorts in den Hintergrund treten und helfe bei der intersektoralen Zusammenarbeit, so Weidtmann.

Weitergehende Informationen finden Sie auf der Internetseite: www.praeventionskonzept.nrw.de

Initiates file downloadPräsentation Manfred Dickersbach und Jonas Weidtmann

Ute Erdenberger von der Techniker Krankenkasse und Referentin Gesundheitsmanagement Ruhrgebiet beleuchtete das Thema aus Sicht fördernden Krankenkassen. Sie referierte über Qualitätskriterien im Antragsverfahren. Neben einem nachvollziehbaren und erkennbaren Bedarf komme es auch den Krankenkassen auf ein integriertes Gesamtkonzept an. Ein Steuerungsgremium sei deshalb zwingend erforderlich, wenn auch nicht unbedingt neu zu schaffen.

"Es geht eben gerade nicht um den Aufbau einer Parallelwelt",

erklärte Erdenberger.

Initiates file downloadPräsentation Ute Erdenberger

Übereinstimmend wurde in allen Vorträgen deutlich, dass integrierten kommunalen Handlungsstrategien ein großer Stellenwert bei der Umsetzung des Bundespräventionsgesetzes zugedacht ist. Dies gilt es nun vor Ort in die Praxis umzusetzen.

Der Nachmittag war der Vorbereitung der neuen Entwicklungsgruppen gewidmet. In drei Workshops fanden die Vorstellungen der Themen statt.

- "Strategien zur Einbindung des Gesundheitswesens in die kommunale Präventionskette"

Initiates file downloadHandout der Entwicklungsgruppe Gesundheit

- "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern in Kommunen"

Initiates file downloadHandout der Entwicklungsgruppe Zugänge

- "Wissensbasiertes Handeln"

Initiates file downloadHandout der Entwicklungsgruppe wissensbasiertes Handeln

Bis zum 15. Dezember können Teilnahmewünsche rückgemeldet werden. Eine Mailabfrage erfolgt in der 49. Kalenderwoche. Im Januar erhalten die teilnehmenden Kommunen eine Bestätigung ihrer Teilnahme in der jeweiligen Entwicklungsgruppe. Ab Februar beginnen die ersten Sitzungen.

Das nächste Lernnetzwerk findet am 7. März 2018 statt.

]]>
„Eine breite Beteiligungskultur aufbauen“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/eine-breite-beteiligungskultur-aufbauen/?no_cache=1 Mehr Freizeitaktivitäten und schönere Schulen, Sport umsonst für Kinder aus sozial schwächeren... Ein kalter Novemberabend. Vor dem braun-grau verglasten Bauwürfel, in dem das Ahlener Rathaus seinen Sitz hat, stehen Julia, Elena, Theres, Max und Konrad. Die Klassenkameraden vom St. Michael Gymnasium sind alle 16 Jahre alt und nehmen gleich an der Beteiligungsaktion" Ahlen neu denken" teil.

"Wir wollen heute mithelfen, Ahlen attraktiver für Jugendliche zu gestalten", sagt Elena und hat dafür auch schon ein paar Ideen im Gepäck: "Ich glaube, dass es relativ viele Angebote für Jugendliche in Ahlen gibt, aber man davon nichts mitbekommt." Hinweise auf Freizeitangebote müssten anders kommuniziert werden: "Auf Social Networks,", sagt Theres, "Instagram, Facebook! Plakate weiß ich nicht, ob man sich die durchliest" Konrad findet Plakate nicht verkehrt, aber auf die Platzierung käme es an: Plakate in den Schulen würden mehr helfen, als in der Öffentlichkeit.

Wo es nicht nur an Informationen, sondern auch an Infrastruktur fehle, sei der Sportbereich, bemängelt Max: "Mir ist aufgefallen, in Ahlen gibt es keinen öffentlichen Fußballplatz, wo man spielen darf, ohne Angst zu haben, dass man vom Platzwart verscheucht wird". Und auch gemeinsame Freizeitaktionen unter Jugendlichen aus der Stadt Ahlen seien ausbaufähig, findet Julia. Sie lebt in einem der umliegenden Dörfer von Ahlen und ist mit einer Gruppe Jugendlicher in der Landjugend aktiv, die zusammen Aktionen planen, wie Schlittschuhlaufen, Partys, Paintballspielen oder Tannenbaumschlagen für den guten Zweck. "Die Landjugend wird immer mehr überlaufen von Leuten aus der Stadt - anscheinend wünschen die sich sowas", vermutet Julia.

Solche Wünsche und Ideen von Jugendlichen sind es, auf die Marina Bänke neugierig ist. Sie hat die Beteiligungsaktion heute ins Leben gerufen und ist Koordinatorin für den Aufbau einer "Kommunalen Präventionskette" bei der Stadt Ahlen. Was unter dem sperrigen Titel zu verstehen sei, erklärt sie zu Beginn der Veranstaltung den über 25 Jugendlichen, die jetzt in Saal 3 des Rathauses im Stuhlkreis sitzen. "Ich arbeite mit Kollegen vom Jugendamt, der Schule, Kitas oder Schulsozialarbeitern daran, dass Kinder und Jugendliche in Ahlen gut aufwachsen können." Die Veranstaltung ist Teil der Ahlener Präventionswoche, die Bänke initiiert hat, und die sich um vorbeugende Bildungs-, Kultur-, Sport- und Freizeitangebote der Stadt dreht, die Kindern und Jugendlichen ein gelingendes Aufwachsen ermöglichen. Bänke will ein Zukunftskonzept entwerfen, das die Lebensbedingungen junger Menschen in Ahlen verbessert, aber ohne die Zielgruppe selbst, ginge das nicht: "Soll ich mich in meinen Raum 206 setzen, Tür zu und denken, ja, jetzt überlege ich mal was, was könnte hier funktionieren, wo sind die Probleme, wo die Bedarfe, was könnte helfen?" Wenn man über Kinder und Jugendliche redet, muss man laut Bänke auch wissen, was sie sich wünschen und sie ernst nehmen. Um die Bedürfnisse kennenzulernen, hat sie deshalb heute Jugendliche aller weiterführenden Schulen Ahlens eingeladen.

Nach einem Auflockerungs-Quiz zur Stadt Ahlen fragt Moderatorin und Medienpädagogin Selma Brand in die Runde, was man für eine glückliche Kindheit brauche: Den Jugendlichen fällt viel dazu ein: Freizeit, soziale Sicherung, ein guter Familienzusammenhalt, Gewaltfreiheit und Unterstützung durch die Stadt im Ernstfall, etwa durch das Jugendamt. Kita-Plätze und Spielplätze in der Nähe für ihre kleinen Geschwister. Ganz wichtig: WLAN an öffentlichen Plätzen und in der Schule.

So langsam beginnen die Jugendlichen auch konkrete Verhältnisse in Ahlen zu kritisieren. Max, der sich schon vor der Veranstaltung einen Fußballplatz gewünscht hat, bekommt jetzt Verstärkung durch einen anderen Schüler, der oft über Zäune klettere, um heimlich auf privaten Plätzen zu spielen. "Wir brauchen keinen Bolzplatz, sondern einen richtigen Fußballplatz, der gepflegt wird", fordert der junge Mann. Schülerin Carla wünscht sich kostenfreie Sportangebote für Kinder aus sozial schwächeren Familien. Max, wirft ein, dass das aber auf keinen Fall zu einer Trennung von arm und reich führen dürfe. Der Verein müsse für alle derselbe bleiben, nur die Kosten an die soziale Situation angepasst werden. Konrad findet: "Die Hemmschwelle muss gering gehalten werden", damit sich Familien mit weniger Einkommen nicht schämten. Eine junge Frau sucht dringend eine Frauenbasketballmannschaft in Ahlen. Es sei wichtig, zu prüfen, ob es überhaupt genug Interessentinnen für eine solche Mannschaft gebe, nur dann mache es Sinn sich dafür einzusetzen, sagt die Moderatorin. Die Schülerin ist sich sicher, dass genügend Mädchen nur darauf warteten. Selma Brand notiert alle Anregungen auf einem Tabletdisplay, der an die Wand projiziert wird. Was passiert mit den Anregungen der Jugendlichen? Marina Bänke erklärt: "Das ist kein Wunschkonzert, wir können nicht jeden Wunsch erfüllen. Aber uns ist wichtig, aufzunehmen, was unsere Kinder und Jugendlichen für eine gute Kindheit brauchen und diese Dinge in verschiedenen neuen Entwicklungskonzepten der Stadt zu berücksichtigen."

Christina Günther von der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten" NRW, ist heute auch zu Gast, um den Jugendlichen zu erklären, was das besondere an der Präventionskette ist - die Vernetzung der sonst getrennten Systeme Bildung, Gesundheit, soziale Sicherung, Jugendhilfe und Stadtentwicklungsplanung. Wie wichtig die Zusammenarbeit der einzelnen Säulen sei, erklärt sie an einem Beispiel: "Wenn sich Jugendzentren nicht mit den Schulen abstimmen, kann es passieren, dass sie etwa Freizeitaktivitäten zu Zeiten anbieten, in denen die meisten Kinder noch in der Schule sind." Ergo helfe Vernetzung, die Angebote nutzbar zu machen, darunter fielen ganz besonders Beteiligungsaktionen wie diese.

Im nächsten Schritt teilen sich die 25 Jugendlichen in Kleingruppen zu bestimmten Themenfeldern auf. Die Frage einer Gruppe ist: Welche öffentlichen Orte wünsche ich mir zum Chillen? "Runde Sitzgruppen im Berliner Park, damit man mit einem größeren Freundeskreis da sitzen kann", sagt ein Schüler. "In ganz Ahlen", fordert eine andere Jugendliche, weil sie sich aus Geldmangel nicht ständig in Cafés oder Kneipen treffen könnten.

Was macht ein gutes Jugendzentrum aus? Damit beschäftigt sich eine andere Gruppe. "Möglichkeiten zum Lernen", "ein Abendprogramm mit Live-Musik", "Poetry-Slams und Theaterkurse", sammelt diese Gruppe. Ganz wichtig sind den Jugendlichen Betreuer auf Augenhöhe, die ihnen helfend zur Seite stehen, sie aber nicht bevormunden. Der 18-jährige Vladyslav hat einen ganz konkreten Vorschlag: "Das Politcafé für Jugendliche - außerhalb der Schule, parteiübergreifend, mit dem Ziel, dass man sich mit Leuten trifft und diskutiert, um andere Meinungen kennen zu lernen." Als geeigneten Standort für das Café sieht er das Bürgerzentrum. Das sei zentral und habe passende Räumlichkeiten. So weit hat der Schüler schon geplant.

Eine weitere Gruppe fragt nach Veränderungswünschen in der Schule. Eine Schülerin hofft auf Renovierungsarbeiten "Manche Schulen sehen aus wie Gefängnisse!", sagt sie "das belastet die Psyche". Alle lachen, nicken aber auch. Eine modernere mediale Ausstattung fordert ein anderer Schüler.

Marina Bänke ist froh, diese Wünsche zu hören: "Zum Thema Medienausstattung und Digitalisierung arbeitet just der Fachbereich "Schule" Was ich aus diesem Raum kriege, kann ich an meine Kollegen weiter geben." Überrascht ist sie über den ausgeprägten Wunsch nach mehr Freizeitangeboten, weil es schon viele Angebote im Bürgerzentrum gebe. Man müsse die Jugendlichen besser informieren, glaubt sie. So wie es Schülerin Elena bereits vor der Veranstaltung vermutet hat.

Gekommen sind heute Jugendliche vom Gymnasium St. Michael, dem Städtischen Gymnasium, der Fritz-Winter Gesamtschule und der Sekundarschule. "Natürlich hätte ich mir noch eine breitere Teilnahme gewünscht, auch von den Hauptschülern zum Beispiel.", sagt Bänke "Die da sind, sind die, die sowieso aktiv sind und reden." Aber die Aktion sei der erste Schritt, so die Koordinatorin, hin zu einer breiteren Beteiligungskultur: "Das muss sich erstmal etablieren und aufbauen, bis die Jugendlichen irgendwann denken, ah, da ist was, das die Frau Bänke organisiert, da geh ich beim nächsten Mal hin!" Marina Bänke lacht. Sie hofft darauf, dass zukünftig noch mehr Jugendliche ihre Meinung einbringen: "Gerne noch kritischer!"

]]>
Prävention stärken, Folgen von Kinderarmut vermeiden https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/praevention-staerken-folgen-von-kinderarmut-vermeiden/?no_cache=1 Land stärkt kommunale Präventionsketten hier.]]> FSA: Kommunale Sozialplanung - ganz praktisch! https://www.kommunale-praeventionsketten.de/no_cache/praxis/aktuelles/detail/artikel/fsa-kommunale-sozialplanung-ganz-praktisch/ Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen kommunaler Planungsprozesse Am 19.10.2017 war die FSA  - Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung  - Gastgeber eines Fachtages für kommunale Sozialplanung mit dem Titel „Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen kommunaler Planungsprozesse“ im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen. Die mit knapp 100 Teilnehmenden ausgebuchte Veranstaltung hatte eine breite Zielgruppe von (kommunalen) Fachkräften der Sozial-, Jugendhilfe-, Quartiersplanung und -entwicklung sowie weiteren Akteure und Interessierte aus diesem thematischen Spektrum angelockt.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch den Geschäftsführer der NRW.ProjektSoziales GmbH und Leiter der FSA, Norbert Wörmann, der das Thema „Beteiligung“ sogleich offensiv anging und als „Beteiligung im unmittelbaren Lebensumfeld der betroffenen Menschen“ definierte. Und obwohl Beteiligung in aller Munde sei und ebenso allgegenwärtig, stelle sich in der Praxis doch oft die Frage, ob sie auch gewünscht sei. Gegner und Kritiker – unter anderem in den Reihen der „Schreibtischtäter und Sozialarbeiter“ gelte es zu überzeugen. Ebenso komplex sei auch die Frage, wie man Betroffene beteilige, ohne einen „Wünsch-dir-was“-Reflex auszulösen und inwiefern die praktizierten Beteiligungsformate überhaupt bei den tatsächlich Betroffenen ankämen.

Wörmann erörterte, dass es „keine einfachen Lösungen gebe“ in Zeiten des Populismus und dennoch gute Praxis existiert, die zeige, dass Beteiligung funktioniert, wenn kommunale Spitzen sich hinter das Konzept stellen. Beteiligung sei als „Kompass für die Planung“ zu verstehen, der nicht nur der Orientierung diene, sondern auch für Transparenz und Legitimation von Planungen sorge: „Wenn betroffene Menschen in Planungsprozesse einbezogen werden, tragen sie diese auch mit.“

Kernfragen des anschließenden Vortrags von Prof. Dr. Lothar Stock von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig waren dann auch, welche Formen und Möglichkeiten der Beteiligung es gibt, wo aber auch die Grenzen von Beteiligung liegen. Von der zunächst häufig ernüchternden Einsicht, dass „Macht da ist, wo das Geld ist“ solle man sich nicht abhalten lassen, Beteiligung zu ermöglichen und zu gestalten. Dezidiert erläuterte Prof. Dr. Stock die Unterschiede zwischen „Beteiligung“ und „Partizipation“, welche in der Dokumentation zur Veranstaltung detailliert nachgelesen werden können. Er beleuchtete unter anderem auch den Ansatz der „Gemeinwesenarbeit“ in Abgrenzung zum „Community Organizing“, beides wichtige Ansatzpunkte für die Sozialplanung. Als Beispiel für „echte Partizipation“ führte er den erfolgreichen Einsatz einer Bewohnerinitiative für den Erhalt der Wilhelm-Meyer-Brücke für Fußgänger in Saarbrücken an.

Prof. Dr. Stock hob hervor, dass Menschen sich häufig dann beteiligten, wenn die „Themen Menschen berühren“ und wenn Betroffene die Möglichkeit sähen, dass ihnen „eine Stimme verliehen wird“ und erläuterte dies anhand von konkreten Beispielen wie u.a. dem integrierten Stadtentwicklungskonzept „Leipzig 2030“, das in diesem Jahr unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit in verschiedenen Formaten geplant und diskutiert wurde.

Am Nachmittag gaben drei Referenten parallel Inputs zu Vertiefungsthemen, u.a. Dr. Gaby Reinhard vom Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) zum Thema „Quartiermanagement und Beteiligung in benachteiligten Stadtgebieten“. Sie stellte das „Quartiermanagement“ als zentrales Steuerungselement für integrierte Handlungskonzepte und Quartiersentwicklung allgemein vor. Anhand eines Modells skizzierte sie die drei verschiedenen Ebenen des Quartiermanagements in der Verwaltung, im Stadtteil und im „intermediären Raum“ dazwischen. Sie verdeutlichte, dass es Menschen auf allen drei Ebenen brauche (in kleineren Gemeinden ggf. in Personalunion), die im Idealfall „mit beiden Beinen im Stadtteil und mit beiden Händen in der Verwaltung und Politik“ verankert sind. Menschen, die Brücken schlügen und Koalitionen bildeten, Beziehungen zu den Menschen im Quartier aufbauten und dabei sich dabei nicht durch (politische/wirtschaftliche) Macht, sondern durch Anerkennung und Authentizität legitimieren. Durch Unabhängigkeit und eine Gleichberechtigung der verschiedenen Ebenen könne man als Planer/Koordinator „Bürgerbeteiligung begleiten“ und das „Schmieröl im Getriebe“ sein, um verschiedene Akteure an einen Tisch zu bringen und „sozialen Frieden in Quartieren zu sichern“.

nb

]]>
Freie Wohlfahrt verlängert die Zusammenarbeit mit dem Landesprojekt "Kommunale Präventionsketten" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/freie-wohlfahrt-verlaengert-die-zusammenarbeit-mit-dem-landesprojekt-kommunale-praeventionsketten/?no_cache=1 Die Mitgliederversammlung der Freien Wohlfahrt NRW hat einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit... Im Gespräch mit Martin Debener Warum ist es wichtig, dass die Freien Träger in dem Projekt "Kommunale Präventionsketten" so präsent sind? Was ist der Synergieeffekt der Zusammenarbeit? Debener: Freie und öffentliche Wohlfahrtspflege gehen "Hand in Hand", keiner kann ohne den anderen sinnvolle Präventionsarbeit leisten. Die gegenseitige Achtung vor der Leistung des anderen ist dabei eine grundlegende Voraussetzung. Ein Synergieeffekt entsteht, im Übrigen auch für die Freien Träger. Die Kommunen nehmen die Freie Wohlfahrtspflege deutlicher wahr, haben eine höhere Aufmerksamkeit für die Leistung der Freien Träger und in welchen Bereichen sie tätig sind. Gibt es ein konkretes Beispielen aus den Kommunen, das hervorgehoben kann, wo die Verzahnung mit den Freien Trägern sehr gelungen ist? Debener: In Oberhausen sind die Träger von Anfang an in der kommunalen Steuerungsgruppe beteiligt, viele Kommunen sind dem gefolgt. Inzwischen ist es zum Standard unseres Programms geworden, die Freie Wohlfahrt zu beteiligen. So können die Präventionsketten in den Kommunen gemeinsam gestaltet werden. Ich unterbreite ein Unterstützungsangebot für diese Verknüpfungsarbeit und pflege den Kontakt. Meine Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass die örtlichen Arbeitsgemeinschaften der Freien Träger bei der Steuerung der kommunalen Präventionsketten eingebunden werden. Wie kann das Ergebnis praktisch aussehen? Debener: Wie gute Netzwerkarbeit aussehen kann, vermittelte ein Beispiel aus Düsseldorf. Die "Kita-Eingangsuntersuchung" ist ein Gute-Praxis-Beispiel, das von den Freien Trägern mitgestaltet und mitgetragen wird. Aus einer Kooperation von Diakonie Düsseldorf, Deutschem Roten Kreuz, Gesundheitsamt, Jugendamt und dem SFD'75 Verein für Sport und Freizeit Düsseldorf ist ein multiprofessionelles Team entstanden, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder frühzeitig zu fördern und auch Eltern schon beim Kita-Start des Kindes für passende Unterstützungsangebote zu sensibilisieren. Sprach-, Koordinations-, Motorik- und Konzentrationschecks sowie eine ärztliche Untersuchung gehören zur "Kita-Eingangsuntersuchung", die im Düsseldorfer Stadtteil Hassels Nord in drei Kitas durchgeführt wird. Die Untersuchung bringt die Eltern und Kinder mit einer Kinderärztin, einer Präventionsmanagerin des Stadtteils und dem Erziehungspersonal an einen Tisch. Bemerkenswert ist hier die gute Kooperation im Sozialraum, zwischen Verwaltung und Freien Trägern. Warum gibt es solche Erfolge aus der Zusammenarbeit heraus nicht flächendeckend? Was sind die Hürden in der Einbeziehung der Freien Träger? Debener: Die Hürde sind immer die zeitlichen Ressourcen und die Kontinuität der Beteiligung der Freien Träger vor Ort. Steuerungsgruppensitzungen sind zusätzliche Arbeitszeit. Nicht allen Vertretern der Freien Wohlfahrt ist sofort präsent, wie notwendig und sinnvoll die Teilnahme an solchen Sitzungen ist, aber die Präventionsarbeit erfordert viel Kommunikation und ist eine langfristige Angelegenheit. Welche langfristigen Ziele müssen angegangen werden? Was sollte in Zukunft verbessert werden? Debener: Langfristig wäre eine Beteiligung von Anfang an wünschenswert. Etwa vor der Aufstellung eines Jugendhilfeplans sollte ein Gespräch mit den Freien Trägern über Ziele der künftigen Planung stattfinden. So könnte Beteiligung viel sinnvollere gestaltet werden, als "nur" im Nachgang um eine Stellungnahme der Freien Wohlfahrt über einen allein von der Verwaltung erstellten Plan zu bitten.]]> „Projekte enger zusammenbringen“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/projekte-enger-zusammenbringen/?no_cache=1 Mehr als 130 Expertinnen und Experten trafen sich am 27. September in Köln, um über das Thema... In seinen Eröffnungsworten unterstrich Bahr-Hedemann die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten". Er begrüße das Festhalten an dem Thema Prävention durch die neue Landesregierung und erhoffe sich für die Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit in den Projekten des LVR und der Landeskoordinierungsstelle.

Im Hinblick auf die inhaltliche Ausrichtung des Kongresstages definierte er den Kinderarmutsbegriff als strategischen Leitbegriff, der insbesondere die Jugendarmut miteinbeziehe. Es gälte die Risiken und Lebenslagen ins Auge zu fassen, die sich gegenseitig bedingen und zur Armut unter Kindern und Jugendlichen führe.

Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge forderte eine drastische Veränderung im Umgang mit dem Problem Kinder- und Jugendarmut in Deutschland. In seinem Vortrag "Arme Kinder in einem reichen Land: Erscheinungsformen, Entstehungsursachen und Gegenmaßnahmen" machte er deutlich, warum das Thema schwer vermittelbar ist. Er unterschied dazu den Begriff der absoluten Armut, eine lebensbedrohliche Situation durch die Abwesenheit von Obdach, Nahrung und Medizin, von dem Begriff der relativen Armut, die in einem reichen Land, wie Deutschland das Problem ist. Die Menschen können ihre Grundbedürfnisse zwar befriedigen, sie können aber nicht teilhaben, an Dingen, die für die anderen in dieser Gesellschaft normal sind. Sie haben wenig Chancen, sich aus dieser Situation zu befreien und aufzusteigen. Diese soziale Ungleichheit könne erniedrigender und verletzender wirken, als die absolute Armut in ärmeren Ländern, so Butterwegge. Sie wirke entsolidarisierend und dürfe von unserer Gesellschaft nicht verharmlost oder beschönigt werden.

Doch auch die Wege aus der Armutsspirale (Definition nach Prof. Dr. Johannes Schütte) wurden beleuchtet und diskutiert, unter anderem durch Armutsforscherin Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.. Sie sprach über das "Engagement gegen Kinderarmut - das kommunale Handeln für die Zukunft". In ihrem Vortrag stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Menschen unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft aus der Spirale aus Negativerfahrungen nicht mehr herauszukommen. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln.

Ein persönliches Beispiel für den Weg aus der Armutsspirale lieferte die Studentin Julia Schmid, die es mit der Unterstützung eines Talentscouts der Westfälischen Hochschule aus einer schwierigen Kindheit und benachteiligten Ausganslage zu einem Jurastudienplatz in Köln geschafft hat. Sie berichtete über ihre eigenen Erfahrungen und zeigte auf, wie "Teilhabe trotz Hindernissen" umgesetzt werden könne.

Einen Film über die Geschichte von Julia Schmid finden Sie in der Mediathek des WDR.

]]>
"Wir wollen die Prävention stärken!" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/wir-wollen-die-praevention-staerken/?no_cache=1 Online-Dokumentation zum Lernnetzwerktreffen "Kommunale Präventionsketten" Am Mittwoch, den 13.09. kamen an einem recht stürmischen Tag die Vertreterinnen und Vertreter der 40 Programmkommunen sowie weitere Akteure der kommunalen Präventionsketten zum nunmehr 17. „Lernnetzwerktreffen“ zusammen. Im übertragenen Sinne „stürmisch" war auch der Frühsommer, da nach den Landtagswahlen einige Unsicherheiten darüber bestanden, wie es mit der Landesinitiative weitergehen würde. Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Instituts für Soziale Arbeit (ISA) betonte in ihrer Begrüßung jedoch: „Der Stellenwert präventiver Arbeit ist unbestritten hoch. Viele Kinder und Jugendliche benötigen weiterhin unsere gemeinsamen Anstrengungen, frühzeitig die Weichen für nötige Unterstützung zu stellen.“ Dementsprechend positiv nahmen Mitte Juli alle Beteiligten die Nachricht auf, dass die Landesinitiative nun evaluiert und zunächst bis Ende 2018 fortgeführt werden soll.

Dr. Ralf Heinen, Bürgermeister der Stadt Köln, begrüßte die Anwesenden herzlich in der Stadt „der tausend Gesichter“. Er stellte heraus, dass die Arbeit an der Präventionskette in Köln ein wichtiger Baustein des gesamtstädtischen „Reformvorhabens“ sei, bei dem unter anderem „eine Neuorientierung und Neustrukturierung der Hilfesysteme im Ganzen“ auf der Agenda stehe.

"Wir brauchen ein koordiniertes Zusammenspiel von Jugend, Bildung, Gesundheit und Stadtentwicklung."

Bei dem Aufbau einer Präventionskette „handle es sich nicht um eine einmalige Aktion“, sondern um einen mittelfristigen Prozess, der „einen partei- und trägerübergreifenden Konsens erfordere“. Daher begrüße die Stadt Köln besonders die „Weiterführung der beratenden und fachbegleitenden Tätigkeiten des Landes zum Aufbau kommunaler Präventionsketten durch das Institut für soziale Arbeit“. Eine Präventionskette sei eben so facettenreich wie die Gesellschaft, in der sie Wirkung zeigen soll.

Staatssekretär Andreas Bothe, der seine Teilnahme aufgrund einer Sondersitzung zur ersten Regierungserklärung der neuen Landesregierung leider kurzfristig absagen musste, ließ es sich jedoch nicht nehmen, den Teilnehmenden des Lernnetzwerks eine Videobotschaft zukommen zu lassen. Hierin betonte er, dass „beste Zukunftschancen für alle Kinder – unabhängig von der sozialen Herkunft“ selbstverständlich auch das Ziel dieser Landesregierung seien.

"Wir wollen die Prävention stärken, hin zu einer flächendeckenden Verbesserung der Zukunftschancen von Kindern."

Der Staatssekretär bestätigte den vorzeitigen Maßnahmenbeginn und die Fortführung des Programms bis zunächst Ende 2018.

Opens external link in new windowVideo: Grußwort Staatssekretär Bothe

Als weitere Vertreterin des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) des Landes Nordrhein-Westfalen war u.a. die Leiterin des Referats 324, Gudrun Schmidt anwesend, die seit Mai 2017 neben den Familienzentren auch für den Bereich „Kommunale Präventionsketten“ im MKFFI zuständig ist. Prävention sei eine der berufsbiografischen Konstanten in ihrem bisherigen Werdegang, resümierte Schmidt. Unter anderem die Familienzentren, einer ihrer langjährigen Arbeitsschwerpunkte, seien ein guter Anknüpfungspunkt für Präventionsangebote vor Ort:

"Familienzentren sind ein kleines Netzwerk im großen Netzwerk der kommunalen Präventionskette"

Die Programmevaluation / Bilanzierung der kommunalen Präventionsketten sieht Frau Schmidt als Gelegenheit  „das Erreichte in den Kommunen zu verdeutlichen und sichtbar zu machen“. Die Evaluation biete zugleich eine Chance für Kommunen und Landesregierung, zukünftige Präventionspolitik auf einer sachlichen Basis zu gestalten.

Im Anschluss gaben zwei Kommunen (Dinslaken & Ahlen) Einblick in ihre bisherige Koordinationsarbeit der Präventionsketten vor Ort. Sie lieferten praxisnahe Beispiele und gaben ein ebenso authentisches wie anschauliches Bild ihrer Situation in der jeweiligen Kommune. So unterschiedlich die Ausgangsbedingungen auch seien, es ließen sich dennoch übertragbare Praxisbeispiele und Handlungsstrategien ausmachen. Unabhängig von veränderbaren Titeln gibt es eine gemeinsame Zielrichtung:

Wie das Kind heißt, ist egal. Hauptsache, wir lassen es nicht zurück!“

so Holger Mrosek, Koordinator für Präventionsketten der Stadt Dinslaken. Marina Bänke, seit diesem Jahr Koordinatorin „Kommunale Präventionsketten“ in Ahlen, ergänzte, dass sie „als Vertreterin einer neuen Kommune bereits enorm von den Erfahrungen der Modellkommunen und der Beratung durch die Landeskoordinierungsstelle profitieren konnte“.

Opens external link in new windowVideo: Input Holger Mrosek                                Initiates file downloadPräsentation von Holger Mrosek (PDF)                                 

Opens external link in new windowVideo: Input Marina Bänke 


Markus Schön
, Fachbereichsleiter Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung der Stadt Krefeld, hielt einen Input zum Thema „Engagement von Unternehmen und der Bürgerschaft als unverzichtbare Ressource der präventiven Arbeit in Kommunen“ in dem er unter anderem auf seine vielfältigen Erfahrungen als stellvertretender Jugendamtsleiter der Stadt München zurückgreifen konnte. Er zeigte Möglichkeiten und Grenzen des bürgerschaftlichen bzw. unternehmerischen Engagements auf und wie sie sich sinnvoll in die Präventionsarbeit einbinden lassen. Dazu bedürfe es vor allem personeller Ressourcen innerhalb der Verwaltung, um zum Beispiel Sach- und Geldspenden angemessen zu koordinieren und einem sinnvollen Zweck zuzuführen.

Opens external link in new windowVideo: Input Markus Schön                                 Initiates file downloadPräsentation von Markus Schön (PDF) 

Am Nachmittag erläuterten Norbert Wörmann, Leiter der Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (FSA) und Dr. Heinz-Jürgen Stolz von der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten“ ihren kooperativen Ansatz zur Umsetzung eines „kleinräumigen Monitorings als Grundlage wissensbasierten Planens und Handelns“, welches nun schrittweise in den Kommunen umgesetzt werden soll.

 Initiates file downloadPräsentation von H.J. Stolz (PDF)                       Initiates file downloadPräsentation von Norbert Wörmann (PDF)

Im Anschluss fanden vier Arbeitsgruppen zum interkommunalen Austausch statt, die sich jeweils einem der folgenden Themen widmeten. Hierzu gab es jeweils Inputs aus den Kommunen sowie Raum für Anregungen und Rückfragen.

]]>
Krefeld beteiligt Jugendliche bei der Steuerung der Präventionskette https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/krefeld-beteiligt-jugendliche-bei-der-steuerung-der-praeventionskette/?no_cache=1 „Die Betroffenen beteiligen“. Ein Leitsatz, den man schon oft gehört hat. Krefeld setzt ihn um. In... Marius Drozdzewski ist 18 Jahre alt und seit dem Herbst 2016 Mitglied des Jugendbeirats. Frederic Koch ist 17 Jahre alt und schon seit Oktober 2014 im Jugendbeirat. Zuletzt hat er bereits im Jugendausschuss die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertreten. Die beiden Vertreter des Jugendbeirats verstehen ihren Job in der Steuerungsgruppe der Präventionskette in Krefeld nicht als Beisitzer. Sie wollen sich aktiv beteiligen und die Präventionsarbeit mitgestalten.

Mit welchem Ziel haben Sie sich für die Mitarbeit in dieser Steuerungsgruppe entschieden? Welche konkreten Vorschläge können Sie in dieses Gremium der Verwaltung einbringen?

Drozdzewski :
Ein ganz konkretes Ziel, das wir auch von den Jugendlichen mitbekommen haben, ist die Förderung von Jugendzentren. Das ist, glaub ich, das drängendste Thema. Für vieles andere bekommt man die Mittel. Wir haben ja ein gewisses Budget. Aber Dinge, wie ein Jugendzentrum, ist nichts, was der Jugendbeirat finanzieren kann. Das ist etwas, was aus den Mitteln der Kommune oder des Landes kommen muss. Das Thema ist deshalb sehr drängend, weil es die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen sehr stark betrifft. Und es stimmt überein mit dem größten Ziel von "Kein Kind zurücklassen!": die Kinder und Jugendlichen da abzuholen, wo sie gerade sind. Deshalb sind die Jugendzentren unser größtes Ziel.

Ein weiteres Ziel ist die Förderungen von Jungen und Mädchen, von Hochbegabten oder auch weniger begabten Schülern. Jeder hat Schwächen und Stärken. Es geht um die Förderung in den Schulen und auch in den Kindergärten. Wobei sich der Jugendbeirat tatsächlich ja eher für die Grundschulen und weiterführenden Schulen und später auch für die Hochschulen und Ausbildungsplätze engagiert. Das beschäftigt uns sehr stark.

Koch:
Gerade im Bereich der Bildung ist es für uns aber vor allem wichtig, die Quote der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher zu senken. Ich komme selber vom Berufskolleg und merke da ganz oft, dass Schülerinnen und Schüler wegen einer schlechten Beratung in einem falschen Bildungsgang landen. Sie merken dann erst mittendrin: "Okay, das ist vielleicht doch nichts für mich". Und dann brechen sie ab. Deswegen ist auf jeden Fall eine Beratung innerhalb der Schule wichtig. Zum Beispiel durch das Programm "Kein Abschluss ohne Anschluss", wo man sich schon früh fragt: "Was möchte ich eigentlich später mal machen?". Dann kann man seinen weiteren Bildungsweg noch darauf abstimmen.

Weiter sind aber auch auf jeden Fall die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologie wichtige Themen, wo aber die Finanzierung noch nicht ganz feststeht. Aber gerade wenn es um den Bereich Beratung geht, ist die Schulsozialarbeit sehr wichtig.

Wie stellen sie sich ihren konkreten Part hier in der Steuerungsgruppe vor. Also welche Chancen ergeben sich dadurch dass sie hier sitzen?

Drozdzewski:
Ich denke, rein fachlich können wir nicht so viel zu den Dingen sagen, wie die Mitarbeiter aus den einzelnen Bereichen. Was wir, glaube ich, repräsentieren und einbringen können, was die anderen vermutlich weniger können, ist die direkte Perspektive der Jugendlichen. Also wir können tatsächlich direkt rückmelden, was war die Reaktion der Jugendlichen, die wir als Vertreter des Jugendbeirats vertreten. Wie hat der Jugendbeirat darauf reagiert? Aber wir können auch Themen weitertragen. Wir können also als Multiplikatoren der Angebote fungieren. Wir können aber auch die Meinung der verschiedensten Jugendlichen hier wieder einbringen. Ich denke, das ist unsere größte Aufgabe. Da direkt eine Rückmeldung zu geben. Ist das Etwas, das Jugendliche ansprechen würde, was bei Jugendlichen funktioniert? Oder ist das Etwas, was von Erwachsenen gemacht wurde, aber eben nicht für Jugendliche, sondern über ihren Kopf hinweg.

Da schließt sich die nächste Frage an. Welche Hürden sehen sie denn in der Präventionsarbeit? Haben sie eine Idee, warum es so schwierig ist, mit den Angeboten gerade die zu erreichen, für die sie gemacht sind?

Drozdzewski:
Wenn Jugendliche heutzutage aufwachsen, dann schaffen sie sich häufig ihren eigenen Bereich. Das ist meistens nicht der Bereich, in dem man als Stadt oder Regierung oder als staatliche Institution präsent ist. Da kommt man nicht rein in den Bereich. Das sind meistens sehr abgeschlossene Gruppen. Gerade bei denjenigen, die wir gerne erreichen würden, sind das Bereiche, wie das eigene Zuhause oder bestimmte Gruppen und soziale Netzwerke oder Online-Spiele, wo man natürlich gar kein Zugriff hat. Und es ist schwierig, die Menschen wieder raus zu bekommen, aus den sehr engen und möglicherweise auch einschränkenden Gruppen, um ihnen neue Möglichkeiten zu zeigen und die ganzen Angebote überhaupt vertraut und möglicherwiese auch schmackhaft zu machen. Das ist, glaub ich, das größte Problem. Und das ist auch das, weshalb wir alle hier sitzen und uns überlegen, was würde den Leuten überhaupt denn gefallen. Und wie kommen wir dahin, denen zu zeigen: "Hey, wir haben hier was, was euch vielleicht interessieren könnte."

Koch:
Ich glaub aber auch, dass wir den Multiplikatoreneffekt brauchen, um mehr Jugendliche erreichen zu können. Dass man eben nicht nur oben vom Jugendamt kommt und sagt: "Hey, guckt mal. Diese Angebote gibt's." Denn, ich glaube, dann klingt das gleich schon nicht so cool, wie es eigentlich ist. Sondern es ist viel besser für Jugendliche, wenn Leute in ihren eigenen Alter auf sie zukommen und sagen: "Ey, hättest du nicht Bock da drauf? Wäre das nicht was für dich?" Das kann in Jugendzentren sein oder in Schulen. Aber dass das eben nicht so von oben nach unten ist, sondern auf einer Ebene - ja eben dieser Peer-Effekt.

Die Beteiligung an einer Steuerungsgruppe bedeutet Arbeit und Engagement. Das könnte sich für einen Jugendlichen auch erstmal trocken anhören. Woraus nehmen Sie für sich persönlich die Motivation?

Koch:
Ich bin seit Oktober 2014 im Jugendbeirat - also schon eine ganz lange Zeit. Ich war zuletzt jetzt im Jugendhilfeausschuss und habe da die Interessen von allen Kinder und Jugendlichen hier in Krefeld vertreten. Ich hab mich aber auch schon vorher woanders engagiert. Ich war 2 ½ Jahre lang im Landesvorstand der LandesschülerInnenvertretung in Nordrhein-Westfalen. Da stand für mich auch immer das Thema Chancengerechtigkeit, aber auch Partizipation von Jugendlichen im Mittelpunkt. Und deswegen freue ich mich, dass ich jetzt hier auch in der Steuergruppe mitarbeiten darf und mich auch hier für ein chancengerechteres Krefeld einsetzen darf.

Drozdzewski:
Ich bin noch nicht so lange wie Frederic beim Jugendbeirat, aber schon seit Herbst letzten Jahres. Und für mich war es ganz interessant den Jugendbeirat neu aufzubauen. Wir haben wirklich vom leeren Blatt Papier wieder angefangen. Wir haben das Ganze neu erfunden. Und wir haben uns als Jugendbeirat neu gefunden, weil die Beteiligung der letzten Jahre eben sehr schwach war. Jetzt haben wir wieder eine sehr schlagkräftige Gruppe. Wir haben über 30 Jugendliche, die sich jetzt wieder engagieren. Daraus haben wir einen sechsköpfigen Vorstand gewählt, um handlungsfähig zu bleiben. Wir haben viele tolle Projekte, die sehr gut zu "Kein Kind zurücklassen!" passen. Weshalb wir beide uns auch sehr gefreut haben, dass wir uns jetzt hier engagieren können, weil unsere Projekte so gut hier rein passen. Das ist auch meine Motivation dabei.

Ich selber beginne Ende des Jahres erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland und studiere danach in Berlin. Also für mich selbst sind die Resultate nicht mehr relevant. Mich selbst betrifft es nicht mehr direkt. Aber für mich ist es wichtig, eine funktionierende Struktur aufzubauen. Deswegen vertrete ich auch hier bei "Kein Kind zurücklassen!" die Interessen. Damit der Jugendbeirat in ein paar Jahren wirklich auch ein sehr aktives und respektiertes Organ der Jugendvertretung ist. Und niemand ihn übergehen kann. Oder ein Beirat, dessen Meinung zwar nett ist, der aber wenig Einfluss auf das hat, was tatsächlich passiert.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

Opens external link in new windowZum Interview mit Jugendamtsleiter Markus Schön.

]]>
"Alle Lebensbereiche abbilden." Krefeld setzt bei der Steuerung der kommunalen Präventionsketten auf multiprofessionale Zusammenarbeit. https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/alle-lebensbereiche-abbilden-krefeld-setzt-bei-der-steuerung-der-kommunalen-praeventionsketten-auf/?no_cache=1 Im Gespräch mit Jugendamtsleiter Markus Schön: Die Steuerungsgruppe der kommunalen Präventionsarbeit in Krefeld hat Ende Juni 2017 ihre Arbeit aufgenommen. In der konstituierenden Sitzung waren nicht nur Fachleute aus der Verwaltung beteiligt, sondern auch Akteure aus anderen Strukturen und unterschiedlichsten Themenbereichen.

Bei der  Zusammensetzung der Steuerungsgruppe in Krefeld fällt auf, dass sie sehr vielfältig aufgestellt ist. Was war Ihnen bei der Gestaltung der Steuerungsstruktur wichtig?

Schön:
Wir wollen möglichst alle Lebensbereiche abbilden, die das Leben und Aufwachsen von Kindern und Jugend tangieren. Das betrifft die gesamte Palette unserer Angebote im Jugendamt und natürlich das Schulthema. Hier ist wichtig, nicht nur die kommunale Schulverwaltung, sondern eben auch die staatliche Schulaufsicht zu berücksichtigen, weil wir natürlich auch an die pädagogischen Bereiche ran müssen. Auch ganz wichtig sind die Bereiche Gesundheit, Sport sowie die Kinder-und Jugendpsychiatrie. Wenn "Kein Kind zurücklassen!" zum Ziel hat, präventiv wirklich alle Bereiche, die das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen tangieren, zu vernetzen, dann müssen diese in der Steuerungsgruppe auch vertreten sein. Bei einer solchen multiprofessionellen Zusammensetzung des Gremiums kann man schnell feststellen, dass aus ganz verschiedenen Bereichen, aus ganz verschiedenen Blickwinkeln, sehr gute Ideen kommen, wie wir schnelle oder auch längerfristige Verbesserungen der Aufwachsens für Kinder und Jugendliche herbeiführen können.

Es ist eine Besonderheit der Steuerungsgruppe für die Präventionsarbeit in Krefeld, dass der Jugendbeirat beteiligt ist. Warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Schön:
Es gibt eine Tendenz, dass man bei Projekten in der Sozialen Arbeit wie "Kein Kind zurücklassen!" oft über die Zielgruppe spricht, aber selten mit der Zielgruppe. Wir in Krefeld haben aktuell die glückliche Situation, dass sich unser Jugendbeirat, also die städtische Jugendvertretung, gerade in einer sehr guten Art und Weise neu konstituiert hat. Das sind ganz fitte und engagierte junge Menschen, aus ganz verschiedenen Bereichen, auch von ganz unterschiedlichen Schularten und mit ganz vielfältigen Hintergründen. Deswegen war es für mich einfach nur logisch, dass der Jugendbeirat einen Sitz in der Steuerungsgruppe von "Kein Kind zurücklassen!" bekommt.

Wie ernst ist es Ihnen mit der Beteiligung des Jugendbeirats? Wie soll die Zusammenarbeit konkret aussehen? Was erhoffen Sie sich?

Schön:
Ich finde die Anregungen, die die Mitglieder des Jugendbeirats geben, ganz wichtig. Das sind Dinge, die wir wie alle anderen fachlichen Empfehlungen aufnehmen, bearbeiten und nach Möglichkeit umsetzen. Ich muss aber sagen, dass Beteiligung nicht nur eine Einbahnstraße ist. Ich erwarte natürlich auch, dass diejenigen, die hier mitarbeiten, Verantwortung übernehmen und die Themen, die wir hier besprechen, auch in ihre jeweilige Struktur weitertragen. Denn das sind alles Themen, wo wir die Einschätzung von jungen Menschen brauchen können.

Stichwort Ehrenamt. Welche Aufgabe und Rolle sehen Sie beim Ehrenamt?

Schön:
Das Ehrenamt hat eine ganz wichtige Rolle. Wir haben ja hier in der Steuerungsgruppe, neben den Mitgliedern des Jugendbeirats, auch die Krefelder Kindertafel vertreten. Ich glaube, die Themen "sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und Familien" und "Kinder- und Jugendarmut" sind nicht nur eine Aufgabe, der sich die Institutionen in der Verwaltung widmen müssen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Es gibt- das hat auch das Thema "Zuzug Geflüchteter" gezeigt - ein unheimliches Potential in der Gesellschaft: ehrenamtliche Ressourcen, bürgerschaftliches Engagement und auch Engagement von Firmen und Betrieben. Dies muss koordiniert und vor allem ernst genommen werden. Dann können wir Brücken schlagen, um das ehrenamtliche Potential auch dahin zu kriegen, wo es sich am wirksamsten entfalten kann.

Das Gespräch führte Dr. Ursula Kansy.

Opens external link in new windowZum Interview mit den Vertretern des Jugendbeirats Frederic Koch und Marius Drozdzewski.

]]>
spotlightpraxis Kita-Sozialarbeit in Bochum https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/spotlightpraxis-kita-sozialarbeit-in-bochum/?no_cache=1 11 Kita-Sozialarbeiterinnen und -arbeiter stärken Familien präventiv.  weiterlesen... Die Reihe spotlight praxis wirft Schlaglichter auf gute Präventionsangebote Nordrhein-Westfalen. Die Texte und persönlichen Bildimpressionen zeigen auf einer übersichtlichen Doppelseite, was das jeweilige Angebot so besonders macht. Ein kurzer Text fasst Adressaten, Projektansatz und Wirkung zusammen. Grafische Elemente erläutern Vorteile und Besonderheiten. Kontaktadressen eröffnen die Möglichkeit, sich tiefergehend zu informieren. zur Reihe spotlight Praxis...]]> Minister Stamp: Prävention flächendeckend und nachhaltig gut aufstellen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/minister-stamp-praevention-flaechendeckend-und-nachhaltig-gut-aufstellen/?no_cache=1 Die Landesregierung will die Prävention in Nordrhein-Westfalen flächendeckend stärken. Gemeinsam... spotlight praxis: Familienbüro Gelsenkirchen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/mehr-als-ein-familienbuero/?no_cache=1 Mehr als ein Familienbüro spotlight praxis aus Gelsenkirchen sind weitere Besonderheiten des Familienbüros nachzulesen. Sie können das spotlight praxis hier herunterladen. Die Reihe spotlight praxis wirft Schlaglichter auf gute Präventionsangebote in den teilnehmenden Kommunen von "Kein Kind zurücklassen!". Die Texte und persönlichen Bildimpressionen zeigen auf einer übersichtlichen Doppelseite, was das jeweilige Angebot so besonders macht. Ein kurzer Text fasst Adressaten, Projektansatz und Wirkung zusammen. Grafische Elemente erläutern Vorteile und Besonderheiten. Kontaktadressen eröffnen die Möglichkeit, sich tiefergehend zu informieren. Sie möchten sich im Familienbüro Gelsenkirchen umschauen? Hier geht es zum Video. ]]> Werkstattbericht: Wenn "schwer erreichbar" nicht nur Merkmal von Zielgruppen ist... https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/werkstattbericht-wenn-schwer-erreichbar-nicht-nur-merkmal-von-zielgruppen-ist/?no_cache=1 Bedingungen und Formen der Inanspruchnahme präventiver Angebote von Familien mit sechsjährigen... Welche Faktoren beeinflussen eine Inanspruchnahme präventiver Angebote? Wann müssen diese Angebote ansetzen und wie müssen sie gestaltet sein? Vertiefend analysiert wird die Rolle der "Angebote und Institutionen" im Prozess der Inanspruchnahme. Wie passen die Bedarfe der Familien und die Angebote der Kommunen zusammen? Initiates file downloadSie können den Werkstattbericht hier herunterladen. Herausgeber: Bertelsmann Stiftung, Faktor Familie Autorinnen: Annette Franzke, Jasmin Schmitt und Annett Schultz ]]> BasKIDball - Kein Korb für die Freundschaft https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/baskidball-kein-korb-fuer-die-freundschaft/?no_cache=1 In Leverkusen trainieren jede Woche um die 80 Kinder und Jugendliche Basketball. Im kostenlosen... Leverkusen, Manfort, mitten im Hochhausviertel. Hinter den verwinkelten Höfen der Theodor-Wuppermann-Schule, eröffnet sich eine Spielfläche, an die eine Turnhalle grenzt. Aus den offenen Türen dringt Hip Hop-Musik, Fußgetrappel und das Peitschen aufprellender Bälle.

In der Halle dribbelt gerade der Syrer Mohammad quer über das Spielfeld - vorbei an der Albanierin Disona Fierza und wird von Yany Abdullah aus dem Irak kurz vor dem Korb geblockt. Der Syrer stoppt, setzt an und wirft den Ball über Yanys Kopf in den Korb. Trainer Hansi Gnad jubelt, Mohammad klatscht ab und weiter geht's.

Die Schüler haben eins ihrer Smartphones an die Boxen angeschlossen. Jeder darf mal seine Lieblings-Playlist spielen. "Mit Trainingsalltag hat das hier nichts zu tun, die Kinder sollen `Gaudi` haben", sagt Trainer Hansi Gnad, der hier alle überragt. Der zwei Meter und acht Zentimeter große Riese ist ehemaliger Rekordnationalspieler, war 1993 Basketballeuropameister und kommt auf über 180 Länderspiele. Seit zehn Jahren ist er nun als Trainer tätig und seit drei Jahren für das integrative Leverkusener Projekt "BasKIDball". Die Kinder und Jugendlichen, die er hier trainiert, sind mehrheitlich Migranten. Flüchtlinge aus Syrien oder Irak, aus Eritrea oder auch Rumänien oder Bulgarien. "Wir wollen die Kids von der Straße kriegen", sagt Gnad. Der 54-Jährige hat mit BasKIDball eine erfüllende Beschäftigung gefunden. "Die Kinder sollen etwas haben, wo sie zwei Mal in der Woche hingehen können, um Spaß mit Freunden zu haben. Ich glaube das können wir ihnen bieten."

So wie Yany Abdullah: Der 15-Jährige ist vor anderthalb Jahren mit seiner Familie aus dem Irak gekommen und fühlte sich zu Beginn in Deutschland wie in einem Gefängnis: "Ich konnte kein deutsch, durfte nicht zur Schule und musste den ganzen Tag im Flüchtlingsheim bleiben". Doch dann boten ihm Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt das kostenlose Training von "BasKIDball" an.

Yany, der im Irak schon fünf Jahre Basketball gespielt hatte, knüpfte in der Halle die ersten Kontakte in seiner neuen Heimat. Seitdem kommt er jeden Dienstag und Donnerstag zum Training: "Es ist hier unsere Zeit. Wir können machen, was wir wollen und es hat mir sehr mit der Sprache geholfen."

Auch wenn hier alles locker und auf Spaß ausgelegt ist, nehmen Yany und viele der anderen Jugendlichen den Sport ernst - so auch Korbleger Mohammad Shahawi: "Selbst wenn wir kein Training haben, spielen wir auf dem Spielplatz", berichtet er. Der 15-Jährige ist mit seiner Familie aus Syrien nach Leverkusen geflohen. In seiner Heimat habe er nur Fußball auf der Straße gespielt, erzählt er. Erst in Leverkusen wurde sein Basketball-Talent entdeckt. Mittlerweile ist er - genau wie Yany - im Kader der Jugendmannschaft von Bayer Leverkusen.

Pro Woche nehmen rund 80 Kinder und Jugendliche teil. Zwei Trainer, die von jeweils einem FSJ-ler unterstützt werden, bieten jede Woche an sechs Terminen in fünf Hallen verschiedener Stadtteile die offenen Trainingsstunden an. Mehrere Akteure machen das kostenlose Angebot gemeinsam möglich. Die Stadt Leverkusen stellt die Hallen zur Verfügung und die pädagogische Begleitung. Private Förderer geben außerdem Mittel an den gemeinnützigen Verein, der das gesamtdeutsche Projekt finanziell unterstützt.

"Durch den Sport bekommen die Jugendlichen eine Anbindung an andere Kids, werden richtig integriert", sagt Volker Menge. Er ist Mitarbeiter des Leverkusener Jugendamtes, bei jedem Training mit dabei und der Ansprechpartner für alle Themen. Viele der Neuen in Leverkusen suchten bei ihm Rat, sagt Menge. Das könnten ganz profane Sachen sein, wie etwa: `Ist morgen Training?`, aber auch Konflikte mit Leuten außerhalb des Trainings oder Hilfe bei einem Antrag. Weil in Schulturnhallen trainiert wird, sei Menge ganz nah dran an der Lebenswelt der Jugendlichen und könne bei Schulproblemen auch mal auf dem kurzen Dienstweg mit Lehrern sprechen. Oft ersetze er aber auch einfach eine fehlende erwachsene Kontaktperson - insbesondere für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. "Meist wollen sie sich einfach mitteilen, erzählen von einer guten Note oder fragen mich, was ein bestimmter Songtext von Crow bedeutet." Für all das sieht sich der Pädagoge zuständig und ist deshalb auch am Wochenende für die Jugendlichen erreichbar. Eine Evaluation ergab, dass die Trainer und Pädagogen in den verschiedenen bundesweiten Standorten von BasKIDball wichtige Vertrauenspersonen geworden sind.

Auch Alex Augsten ist ein wichtiger Ansprechpartner für die Jugendlichen. Er macht sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei "BasKIDball" und ist heute als Schiedsrichter mit auf dem Feld. "Viele waren anfangs schüchtern und verschlossen. Mittlerweile trauen sie sich auf andere zuzugehen und was hier angefangen hat, machen sie jetzt auch in der Schule", erzählt er in einer Spielpause vor der Halle. Ihn würden die Jüngeren oft auch knuddeln und umarmen. "Weil es ihnen fehlt", glaubt der 19-Jährige.

Die Hälfte der teilnehmenden Kinder stammen aus Deutschland, die andere Hälfte hat Wurzeln in fast 70 Ländern. Viele der Jugendlichen haben in den Kriegsgebieten, aus denen sie geflohen sind, schlimme Dinge erlebt oder kommen aus Armut und Perspektivlosigkeit. Der Sport stärke das Zusammengehörigkeitsgefühl, sagt Volker Menge und Trainer Gnad ist froh, dass er den Pädagogen an seiner Seite hat: "Die Jugendlichen reden kaum darüber, aber wo wir helfen können, machen wir das und dann weiß ich, dass Volker Menge die richtige Adresse ist und er sich kümmert". Das Projekt hat Hansi Gnad zum Nachdenken gebracht: "Fast alle hier sind Migranten aus Regionen, über die wir täglich in der Presse lesen", sagt er, "und die Kids benehmen sich alle total anständig, wir hatten nicht einmal Stress. Die spielen zusammen, im Alter von 11 bis 17 Jahren und nehmen Rücksicht auf die Mädchen", die bundesweit circa 30 Prozent der Teilnehmenden ausmachen.

Zusammengefasst erfüllt das Projekt weitreichende Kriterien für sinnvolle Präventionsarbeit. Es erhöht die Chancengleichheit und beugt Ausgrenzung vor, weil es Kinder und Jugendliche verschiedenen Alters, Geschlechts, Nationalität oder familiären Hintergrunds zusammenbringt, es ist kostenlos und niedrigschwellig, da es in den Schulturnhallen direkt an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen angedockt ist - als freiwilliges Angebot, das niemanden zur Teilnahme verpflichtet.

Auch die Albanierin Disona Fjerza wurde hier freundlich aufgenommen. "Anfangs kannte ich keinen und es war sehr schwer für mich", erinnert sich Disona. "Dann habe ich Hansi und Volker und die anderen kennen gelernt und das hat alles besser gemacht". Disona rennt jetzt mit Mohammad um die Wette, wirft den Ball Richtung Korb, der prallt ab und fliegt wieder aufs Feld. Disona flucht und lacht, Yany drückt sie kurz an sich und wuschelt ihr durch die Haare. Die 16-jährige Disona fühle sich inzwischen sehr wohl in Leverkusen, sagt sie verschwitzt am Spielfeldrand: "Weil ich hier Freunde und eine Zukunft habe."

]]>
Modellprojekt: Soziale Prävention in der Kinder- und Jugendarztpraxis https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/modellprojekt-soziale-praevention-in-der-kinder-und-jugendarztpraxis-an-drei-pilotstandorten-in-nr/?no_cache=1 Ein Interview mit Dr. Karl-Josef Eßer, Projektleiter und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft... Kinder- und Jugendarztpraxen erreichen über die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen („U“s) in den ersten Lebensjahren nahezu alle Kinder und deren Eltern. Sie bieten somit ideale Anknüpfungspunkte und Zugänge für Hilfesysteme der Kinder- und Jugendhilfe. Hier setzt das Modellprojekt an, das zunächst an drei Standorten in NRW durchgeführt wird. Maßgabe ist die Entwicklung und Erprobung eines Modells für das systematische Zugangsmanagement zwischen Arztpraxis und den Angeboten der Frühen Hilfen. Ziel ist es, ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und durch Stärkung der Elternkompetenz zu erreichen. Das Projekt wird gefördert vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein- Westfalen (MGEPA). Initiator und Träger des Vorhabens ist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). Für die Begleitung der operativen Ebene sowie die Durchführung der Modellstudie wurde eine Projektkoordinierungsstelle zur fachlichen Begleitung des Projekts (PKS) im Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) in Münster eingerichtet. Dr. med. Karl-Josef Eßer ist Leiter des Modellprojekts und seit 2012 Generalsekretär der DGKJ. Zuvor war er 30 Jahre Chefarzt der Kinderklinik Düren, zeitweise zusätzlich Leiter der Sozialpädiatrie und Ärztlicher Direktor. Herr Dr. Eßer, welche persönlichen Vorerfahrungen bringen Sie mit? Wie kam das Modellprojekt zustande? In den 30 Jahren meiner Berufstätigkeit als Chefarzt der Kinderklinik in Düren habe ich sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern des Kreises und der Stadt Düren gemacht. Durch gemeinsame Projekte wurde die Zusammenarbeit stetig intensiviert, es entstand beispielsweise ein viel engerer Informationsaustausch untereinander, was letztlich den Kindern zugutekommt. Während meiner Zeit als Generalsekretär für die DGKJ sollen gute Ansätze und Ideen weiterentwickelt werden: Wie können wir in den Praxen der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte eine bessere Kontaktsituation zu den Jugendämtern der jeweiligen Region erreichen? Hierauf soll das Modellprojekt Antworten liefern. Gibt es bereits vergleichbare Projekte? Ja, die gibt es! Bereits zu Beginn meiner Tätigkeit bei der DGKJ gab es den Kontakt zu „Babylotse“, einem Projekt aus Hamburg. Der Ansatz dort ist ähnlich: Zunächst wird in der Geburtsklinik der direkte Kontakt zu Familien gesucht, die psychosoziale Probleme haben. Es geht nicht nur um gesundheitliche Probleme  - es können auch finanzielle Nöte sein, Suchtproblematiken, Partnerschaftsprobleme, oder, oder, oder...
 „Babylotse“ war zunächst im Bereich der Geburtshilfe tätig – das allein genügt aber nicht. Auch in den Phasen nach der Geburt können sich noch psychosoziale Schwierigkeiten entwickeln. Aber wie erreicht man die Eltern und ihre Kinder, wenn sie die Geburtsklinik erst verlassen haben? Eines der meistgenutzten Angebote im Anschluss sind die Vorsorgeuntersuchungen in den Kinderarztpraxen. Etwa 98% aller Kinder werden im ersten Jahr dort vorgestellt, hier ist also ein guter Anknüpfungspunkt. Wie wird dieser Anknüpfungspunkt genutzt, welche Kooperationspartner sind Teil des Projekts? Um den Weg für eine Kooperation zwischen Kinder- und Jugendarztpraxen und der Kinder- und Jugendhilfe zu ebnen, wurde die „Bundesarbeitsgemeinschaft Gesundheit und Frühe Hilfen“ gegründet, die zurzeit über 150 aktive Teilnehmende umfasst. Wir suchen nun im Projekt das beste Modell des direkten Kontaktes zwischen Jugendämtern, Frühen Hilfen, anderen Hilfestrukturen mit belasteten Familien. Unser Ansatz ist, das Jugendamt in die Kinder- und Jugendarztpraxen zu bringen. Mit der Durchführung der Modellphase und der Begleitung der Modellstandorte ist das Institut für soziale Arbeit aus Münster betraut. Die Evaluation erfolgt über ein Institut, das in Hamburg-Eppendorf an der Universität beheimatet ist. So wird das Modell vergleichbar mit anderen Projekten und liefert evaluierte Methoden für die Praxis. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen. Welche Ziele verfolgt das Präventionsmodell? Und welche Chancen bietet es? Das sind im Grunde drei Ziele: Das erste Ziel ist die Früherkennung. Durch das niedrigschwellige Angebot in der Kinder- und Jugendarztpraxis werden Kontakte zum Jugendamt vermittelt, sodass Probleme innerhalb von Familien sehr frühzeitig bekämpft werden können. Zum Zweiten kommen Kinder- und Jugendärzte in den direkten Kontakt zum Jugendamt und können darüber zum Beispiel auch einzelne Fälle weiterverfolgen. Der Weg zum Jugendamt fällt weg, indem die Sprechstunde der Kinder- und Jugendhilfe in der Kinderarztpraxis stattfindet. Drittens arbeiten viele Ärzte in Kinder- und Jugendpraxen naturgemäß krankheitsorientiert. Um präventiv wirksam werden zu können, muss man sich jedoch auch in die psychosozialen Probleme einer Familie einarbeiten, das braucht sehr viel Zeit. Wenn der Arzt / die Ärztin aber schon im Ansatz ein mögliches Problem erkennt, kann er / sie an die Sprechstunde des Jugendamts in der Praxis verweisen, wo dann direkt kompetente Beratung und Hilfen gegeben werden können. Gerade für die sozial schwächeren Familien bietet Prävention viele Chancen: Die Idee durch bessere Gesundheit eine bessere Bildung zu ermöglichen tragen mittlerweile auch viele Kinder- und Jugendärzte. Wir müssen aber nicht erst im Kindergartenalter oder gar im Schulalter aktiv werden, sondern viel früher – nämlich zu Beginn der Schwangerschaft und direkt nach der Geburt. Kinder- und Jugendärzte sollten diese Chancen nutzen im Interesse ihrer zu betreuenden Patienten. Welche Pilotstandorte gibt es und wie läuft die Zusammenarbeit ab? Solingen, Dortmund und Düren – drei Standorte mit insgesamt vier Jugendämtern. Wir haben mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Jugendämtern ausführliche Gespräche gehabt und die drei teilnehmenden Praxen natürlich ausführlich darüber informiert, was auf sie zukommt. Innerhalb der Projektlaufzeit soll sich zeigen, was man mit der frühen Erkennung von psychosozialen Problematiken erreichen kann: Wie viele der Familien eine solche Betreuung akzeptieren, wie viele Familien abspringen während der Zeit und wie vielen Familien tatsächlich geholfen werden kann. Es geht auch um die Erfahrungen der beteiligten Kolleginnen und Kollegen aus den Kinderarztpraxen und dem Jugendamt, ihre Perspektive auf das Modellprojekt: Was war hilfreich, was eher nicht. Der Ausgang des Projektes ist also offen, und das ist auch gewollt so. Wir vergleichen unseren Ansatz dann mit den Ideen, die unsere Kollegen in Hamburg haben, wo die MFAs (medizinisch-fachlichen Angestellten) oder der Arzt/die Ärztin die Rolle des Jugendamtes übernehmen. Wir wollen sehen, was da Sinn macht. An welche Familien richtet sich das Sprechstundenangebot? An alle Familien! Es ist ja nicht nur so, dass psychosoziale Probleme bei niedrigerer Bildungsstruktur oder sozialer Armut vorhanden sind, das kann auch in ganz anderen Familien der Fall sein. Entscheidend ist für uns letztlich die Früherkennung. Inwiefern geht das Modellprojekt über die "Frühen Hilfen" hinaus? Die Frühen Hilfen sind ein ganz wichtiges Instrument bei der Betreuung von psychosozial auffälligen Familien. Aber die Frühen Hilfen sind darauf angewiesen, dass ihnen Kinder und Familien zugewiesen werden. Hier liegt die Krux: Oft fällt eine Familie erst auf, wenn sie schon sehr große Probleme hat. Unsere Idee ist, die Früherkennung zu fördern, d.h. schon im Ansatz der Problematik helfen zu können. Gehen die Ärzte aktiv auf die Patienten zu? Werden sie dafür speziell geschult? Ja, die Ärzte erhalten zunächst eine spezielle Schulung, darüber hinaus gibt es einen Screening-Bogen, den die Hamburger Kollegen entwickelt haben. Diesen Bogen füllt jede Familie in der Kinder- und Jugendarztpraxis aus. Von den Ergebnissen kann man schon ableiten, ob eine Problematik vorliegen könnte oder nicht. Das wird dann bei der Vorsorgeuntersuchung direkt angesprochen und überprüft. Der erfahrene Kinder- und Jugendarzt sieht das den Eltern oft auch „an der Nase“ an. Wenn ein sehr gutes Vertrauensverhältnis besteht, erzählen die Eltern so etwas auch von selbst. Das ist aber natürlich nicht immer der Fall und insofern ist der Screening-Bogen sinnvoll und hilfreich. Der Bogen wird im Modellprojekt ebenfalls evaluiert. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projekts? Wir möchten das Projekt gerne in den nächsten 2-3 Jahren konsequent in NRW und in Hamburg fortführen. Daraus lassen sich dann Erkenntnisse ziehen, welches das beste Modell ist. Und dieses Modell möchten wir gerne in die Regelversorgung einbringen. Familien, die Auffälligkeiten zeigen, die Not haben, soll möglichst früh geholfen werden und das auf Basis eines erprobten und evaluierten Systems. Vielen Dank für das Gespräch!

 

]]>
Die Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (FSA) feiert 2. Geburtstag https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/die-fachstelle-fuer-sozialraumorientierte-armutsbekaempfung-fsa-feiert-2-geburtstag/?no_cache=1 „Die FSA hat laufen gelernt und steht auf sicheren Beinen“ ist die Zwischenbilanz von Norbert... Prävention geht nicht alleine Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS) setzte einen fachlichen Impuls für die anschließende Diskussion. In ihrem Vortrag zum Thema "Armut als individuelle Lebenslage - Was hat das mit dem Sozialraum zu tun?" stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Mensch unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln. "Denn Prävention geht nicht alleine", so Holz.
Die Sozialwissenschaftlerin beleuchtete den Armutsbegriff von verschiedenen Seiten und stellte den Einzelnen in Bezug zu den sozialen Gegebenheiten. Der Sozialraum gebe (Versorgungs-)Strukturen vor, die bei der Bekämpfung von Armut von großer Bedeutung seien. Es müsse die Wohnsituation, das Quartier, und die unregelmäßig genutzten Räume betrachtet werden. Wie sind die Teilhabe- und Zugangschancen und wie werden diese in Anspruch genommen? Gartenzäune einreißen Mit diesen Fragen ging es in eine Podiumsdiskussionsrunde, die Lösungsansätze im Hinblick auf Armut im Sozialstaat suchte. Dr. Frank Johannes Hensel (Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln e.V.), Gabriele Schmidt (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW), Dr. Antonio Brettschneider (Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung), Prof. Dr. Heike Köckler (Dekanin der Hochschule für Gesundheit, Bochum) und Gerda Holz stellten sich dem Gespräch und versuchten die Hürden der Präventionsarbeit und die Mittel, diese zu überwinden, zu identifizieren. Gabriele Schmidt sprach sich dafür aus, Ungleiches auch ungleich zu behandeln. Das bedeute, unterschiedliche Sozialräume auch unterschiedlich zu fördern. Heike Köckler stellte die Zusammenhänge der Wohn- und Lebenssituation, der Lärm-, Luft- und Verkehrsbelastung zu den gesundheitlichen Auswirkungen her und machte deutlich, dass soziale Ungleichheit und Gesundheit nicht getrennt voneinander betrachten werden könne. Und auch Antonio Brettschneider berichtete in der Forschung noch von "Gartenzäunen", die es einzureißen gälte. Nur mit einer Entsäulung in der Wissenschaft könne eine brauchbare Wissengrundlage für eine effektive Armutsbekämpfung geschaffen werden. ]]>
4. Frühjahrsakademie: "Präventionsketten partnerschaftlich gestalten" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/4-fruehjahrsakademie-praeventionsketten-partnerschaftlich-gestalten/?no_cache=1 Kooperationsveranstaltung des LVR-Förderprogramms "Teilhabe ermöglichen – Kommunale Netzwerke gegen... "Allen Kindern und Jugendlichen sollen die Angebote der Jugendhilfe zuteilwerden" betont Thomas Krützberg, Dezernent für Familie, Bildung und Kultur der Stadt Duisburg, bei der Eröffnung der 4. Frühjahrsakademie. Daran arbeitet Duisburg seit 2012 als eine von 18 Modellkommunen mit Unterstützung der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!"(KEKIZ). Vertreterinnen und Vertreter der inzwischen 40 KEKIZ-Kommunen sowie der 39 Kommunen, die am LVR-Förderprogramm "Teilhabe ermöglichen - Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut" teilnehmen, erschienen zahlreich zur diesjährigen Frühjahrsakademie - einer Kooperationsveranstaltung beider Programme.

Zwei Tage, über 90 Teilnehmende aus 46 NRW-Kommunen, 15 Arbeits- und Praxisforen, 9 Inputs von Kommunen, 2 Vorträge
Das war die Frühjahrsakademie 2017 in Zahlen. Nicht nur in diesem Sinne konnte eine positive Bilanz gezogen werden: Die Atmosphäre vor Ort war geprägt von positiver Stimmung, großer Motivation und Kommunikationsfreude. "Anpacken", etwas bewegen, sich weiter vernetzen und kollegialen Informationsaustausch pflegen. Dafür bot die Frühjahrsakademie den passenden Rahmen, versteht sie sich doch als Forum für den Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen.

Gemeinsam mit Partnern aus Zivilgesellschaft und Freier Wohlfahrtspflege Präventionsketten stärken
Das (Lern-)Netzwerk sowie die einladenden Kooperationspartner, die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut und die Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" sowie die Freie Wohlfahrtspflege rücken näher zusammen. Das sei schließlich das Ziel der Veranstaltung, wie Alexander Mavroudis von der LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut erläuterte: "Die erfolgreiche Kooperation der beiden Programme, die an einem Strang ziehen, um die Kommunen bestmöglich zu unterstützen" sei Sinnbild für das Gelingen von Präventionsarbeit. Gemeinsam mit Partnern aus Zivilgesellschaft und Freier Wohlfahrtspflege könne man die Folgen von Kinderarmut kommunal bekämpfen und die Präventionsketten nachhaltig stärken.

Im Anschluss erläuterte Dr. Johannes Schütte von der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen!“ weshalb „die partnerschaftliche Beteiligung der Freien Träger und der Zivilgesellschaft beim Aufbau von Präventionsketten unerlässlich ist“. Zum einen sei es die große Anzahl und Vielfalt der Träger, die flächendeckend im Land arbeiten, die sie als Partner wichtig mache. Zum anderen könne das vorhandene Wissen der Fachkräfte über Zielgruppen und Adressaten genutzt werden, um passgenaue Angebote zu gestalten. Nicht zuletzt gebe auch nach dem „Subsidiaritätsprinzip“ sogar die Verpflichtung für Kommunen, den Freien Trägern passende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Daran knüpfte Martin Debener, Referent der Freien Wohlfahrtspflege, direkt an und gab einen Überblick der Trägerlandschaft in NRW sowie einen Einblick in deren Arbeitsweise und Anbindung an die Kommunen. Dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Wohlfahrtsverbänden und Kommunen kein Selbstläufer ist, war das Fazit der anschließenden Fishbowl-Diskussion. „Kooperationskulturen müssen wachsen - dazu gehören der Aufbau von Vertrauen und die Verständigung auf gemeinsame Ziele“ so Alexander Mavroudis. Man verfolge „gemeinsame Interessen und stehe nicht auf verschiedenen Seiten“ so das Schlussplädoyer von Martin Debener.

Modelle für die (Qualitäts-)Entwicklung von Präventionsketten - in Theorie & Praxis
Der anschließende Input zu den Praxisforen am Nachmittag befasste sich mit den Modellen für die Entwicklung von Präventionsketten, die den Kommunen als Orientierung dienten, jedoch keine „Blaupause“ seien. Zum einen wurde der von KEKIZ entwickelte „Qualitätsrahmen“ vorgestellt, zum anderen der Initiates file download„Strategiezyklus Netzwerkarbeit“ des LVR-Programms. Die Praxisforen waren inhaltlich an die Handlungsfelder der vorgestellten Modelle angelehnt, sodass die Teilnehmenden ihre Fragestellungen nun konkret bearbeiten konnten.

Kultureller Abschluss - Integratives Musicalprojekt
Zum Abschluss des Tages gab es einen kulturellen Höhepunkt: Jugendliche des integrativen Musicalprojekts (music4everybody! e.V.) aus Frechen gaben in einer multimedialen Live-Performance Einblick in ihre Arbeit. Die jungen Performer wurden für ihre eindrucksvolle Darbietung vom Publikum mit begeistertem Beifall belohnt.

Initiates file download Zur Dokumentation der Frühjahrsakademie

]]>
„Klassentreffen“ gewinnt KICK-Förderpreis https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/klassentreffen-gewinnt-kick-foerderpreis/?no_cache=1 Das integrative Medienprojekt „Klassentreffen“ hat jüngst einen der KICK-Förderpreise der... "Klassentreffen". "Wie gefallen Ihnen die Flüchtlinge hier in Deutschland?", will Yorgo wissen. "Ich finde das total korrekt", sagte eine Passantin, "ich engagier mich da auch ein bisschen." Dann fügt sie an, dass man mit Respekt miteinander umgehen müsse und der Abstand gewahrt werden solle. "Aber das mach ich mit Deutschen auch so! Der junge Mann, dem Yorgo jetzt dieselbe Frage stellt, antwortet, dass er es sehr postiv sehe, dass Flüchtlinge hier Asyl bekämen. "Warum?", will Khalil wissen: "Ein Land, dem es so gut geht wie Deutschland, sollte Verantwortung gegenüber Menschen übernehmen, denen es schlechter geht", antwortet der Münsteraner. So wie Yorgo. Er musste vor einem Jahr aus Syrien fliehen. Der 19-jährige ist über zwei Meter groß, war in Syrien Profibasketballspieler. Dort hat er sein Abitur gemacht. Hier hofft er Arzt zu werden. Ihn ärgern Vorurteile, die ihm oft entgegenschlügen. Deshalb ist er heute als Journalist unterwegs und fragt jetzt die Passanten, ob Sie Angst vor Flüchtlingen wie ihm haben. Damit trifft er einen sensiblen Punkt. Eine ältere Frau sagt: "Ja, seit Köln. Wenn mich einer anspricht, denk ich, er will mir was klauen." Auch ein Mann mittleren Alters, der sogar als Theaterregisseur mit Flüchtlingen zusammen arbeitet fürchtet sich manchmal und schämt sich dafür: "Wenn die Abends in einer Gruppe zusammen sind, bin ich immer nervös, dabei bin ich total tolerant und verstehe gar nicht, warum ich so fühle." Er glaubt, dass ihm die Medien Angst gemacht hätten. Eine weitere Frau sagt, dass sie im Dunkeln Angst vor Flüchtlingen habe: "Man denkt natürlich, hinter einem kommt einer und da kommt das Messer, ansonsten hab ich nichts gegen Flüchtlinge". Auch viele weitere Passanten geben sich ambivalent. Sie seien einerseits offen, andererseits ängstlich. Wie fühlt sich das für Yorgo an? "Wir sind hier nach Deutschland gekommen, um zu studieren und zu arbeiten, manche Leute denken, dass wir Probleme machen, und das finde ich ganz schlimm", sagt er. Plötzlich kommt die Frau aus dem letzten Interview nochmal zurück und spricht mit Yorgo. Der kommt lachend wieder und berichtet, dass ihm die Frau 20 Euro gegeben habe, damit die Gruppe zusammen Kaffee trinken oder Eis essen könne. Annehmen möchte Yorgo das Geld aber nicht. Sophie und Laura, die die Interviews heute gefilmt haben, ziehen ein Fazit.: Sophie findet positiv, dass sich viele erst einmal offen gegenüber den neuen Mitbürgern gezeigt hätten. Nicht verstehen kann sie, dass die eine Passantin Angst vor Flüchtlingen im Dunkeln habe: "Aber ich glaube, sie hat sich nicht richtig ausdrücken können", glaubt Sophie. Laura ist heute das erste Mal mit dem Projekt "Klassentreffen" unterwegs gewesen und hat sich ruhig im Hintergrund gehalten. Sie haben die Interviews bewegt: "Wenn die Befragten gesagt haben, dass sie nichts gegen Flüchtlinge haben, dann hat Yorgo angefangen zu lächeln. Das war schön zu sehen."

Links:

Hier geht es zum Auftritt des Projekts "Klassentreffen" beim KICK-Förderpreis der Stadtwerke Münster. https://www.stadtwerke-muenster.de/kick/projekte-2017/wilhelm-emmanuel-von-ketteler-berufskolleg/klassentreffen.html Und hier zum Vorstellungsvideo: https://www.youtube.com/watch?v=Ln7snE5ppfY&feature=youtu.be

Im Projekt "Klassentreffen" kooperieren SchülerInnen:

vom Wilhelm-Emmanuel von Ketteler-Berufskolleg
und aus Deutschkursen im Projekt "Angekommen in deiner Stadt Münster" im Jugendausbildungszentrum (JAZ)

Finanziert wird das Projekt von:

Stadt Münster
Stiftung gegen Rassismus
Wohn- und Stadtbau Jugendstiftung
Caritas ]]>
"Kein Kind zurücklassen!" - Entwicklungskonferenz in Oberhausen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/kein-kind-zuruecklassen-entwicklungskonferenz-in-oberhausen/?no_cache=1 Konferenz brachte Akteure der Präventionsarbeit zusammen, die das Netzwerk und Ziele gemeinsam... Am 24. April kamen im Zentrum Altenberg über 60 Teilnehmende zur Oberhausener Präventionskonferenz zusammen. Die Konferenz war Treffpunkt für alle, die aktiv an dem Auf- und Ausbau von kommunalen Präventionsketten in Oberhausen mitwirken möchten, um vorbeugende Angebote und Maßnahmen innerhalb der Stadt sichtbarer und effektiver zu machen. Das gemeinsame Ziel lautet: Kein Kind zurücklassen!

Prävention – das ist in Oberhausen kein neues Stichwort: Seit Beginn der Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ im Jahr 2012 ist Oberhausen als eine von 18 Modellkommunen dabei. Inzwischen wurde das Modellvorhaben in die Fläche getragen, seit diesem Jahr sind 22 neue Kommunen in NRW Teil der Landesinitiative geworden.

In Oberhausen ging man nun den nächsten Schritt: Die verschiedenen Akteure präventiver Angebote und Maßnahmen aus Oberhausen wurden auf einer Entwicklungskonferenz zusammen gebracht, um vorhandene Ansätze weiterzuentwickeln und eine kommunale Gesamtstrategie zur Prävention auf den Weg zu bringen.

"Ressortgrenzen überwinden, die eigene Perspektive reflektieren"
Eröffnet wurde die Oberhausener Präventionskonferenz von Oberbürgermeister Daniel Schranz, der sich erfreut zeigte über die rege Teilnahme und das große Interesse an diesem wichtigen Thema „Prävention“. Um tatsächlich wirksam zu werden, bedürfe die Präventionsarbeit nicht nur der Unterstützung der kommunalen Spitze, sondern auch einer breiten Beteiligung von Fachkräften an der „Basis“. Oberbürgermeister Daniel Schranz: „Ich bin daher zuversichtlich, dass das Oberhausener Präventionsnetzwerk auf einem guten Weg ist und wünsche den Teilnehmenden einen konstruktiven Workshop sowie den Mut und die Offenheit, Ressortgrenzen zu überwinden, die eigene Perspektive zu reflektieren und das persönliche Netzwerk zu erweitern.“

"Wo stehen wir aktuell? Wo wollen wir hin?"
 Darum ging es bei diesem ganztägigen Workshop, an dem Fachkräfte aus den Bereichen Betreuung, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Kultur, Wirtschaft, Stadtentwicklung, Soziales, Sport und Mobilität teilnahmen.

Um dem gemeinsamen Ziel näher zu kommen, ein wirksames und transparentes Netzwerk zur Prävention in Oberhausen zu bilden, ging es im Verlauf des Workshops in mehreren Arbeitsphasen in Kleingruppen darum, die eigenen Themen zu benennen, einen kritischen Blick auf die bisherige Arbeit zu werfen sowie eine Zukunftsvision zu entwickeln, die dann in konkrete Arbeitsschritte münden soll.

 "Transparenz innerhalb der Präventionsketten ist das A und O."
„Wichtig ist, dass die einzelnen Maßnahmen [zur Prävention] bekannt sind“ erläuterte Britta Costecki, Leiterin des Büros für Chancengleichheit und Familie. Akteure sowie Außenstehende bräuchten eine Übersicht über Angebote und Maßnahmen.

In einem Expertengespräch zu den Erfolgsfaktoren kommunaler Prävention attestierte Dr. Heinz-Jürgen Stolz von der Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen“ Oberhausen bereits eine gute Basis zur Präventionsarbeit. In der neuen Projektphase sei es nun von größerer Bedeutung, die Nachhaltigkeit zu sichern. Ziel des Workshops sei es daher, bisherige Prozesse der Zusammenarbeit und Angebotsentwicklung zu prüfen und im Sinne der Qualitätsentwicklung in optimierte Strukturen zu überführen, um gemeinsame strategische Ziele erreichen zu können.

 "Anpack-Themen" finden in der Arbeitsphase
Für die Praktiker vor Ort ging es dann am Nachmittag in der zweiten Arbeitsphase vor allem darum „Anpack-Themen“ zu finden, anhand derer eine Umsetzung wichtiger Themen in konkrete Arbeitsschritte erfolgen kann. So beschäftigten sich die AGs mit konkreten Zielen und Rahmenbedingungen zu Weiterentwicklung der Präventionsarbeit.

Fazit: "Das Netzwerk zur Prävention geht gestärkt aus dieser Konferenz hervor"
Am Ende des Tages zog Elke Münich, Dezernentin für Familie, Bildung und Soziales eine positive Bilanz: „Das Netzwerk zur Prävention geht gestärkt aus dieser Konferenz hervor.“ In Zukunft werde weiterhin an einer erhöhten Transparenz, Sichtbarkeit und ressortübergreifenden Planung der Angebote gearbeitet, die Grundsteine seien gelegt und viele Partner fühlen sich nun stärker als Teil eines Netzwerkes auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel: Kein Kind zurücklassen in Oberhausen!

]]>
spotlight praxis: "Balu und Du" in Gladbeck https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/spotlightpraxis-balu-und-du-in-gladbeck/?no_cache=1 Großes Engagement für kleine Persönlichkeiten wissenschaftliche Begleitforschung ergeben: Was bringt's? SROI-ANALYSE des Mentoring-Programms Balu und du Wirkungsbericht 2015 Von unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und Verbänden an 89 Standorten in ganz Deutschland werden die Balus unterstützt und vorbereitet. Wohlfahrtsverbände, Hochschulen oder gymnasiale Oberstufen haben das Programm in ihre Ausbildungs- und Lehrpläne aufgenommen. In Gladbeck bilden zwei Gymnasien und eine Gesamtschule interessierte Schülerinnen und Schüler zu Mentoren/Balus aus. Und auch die Balus profitieren von den Patenschaften. Sie übernehmen Verantwortung und verbessern sich im Zeit- und Budgetmanagement. Sie fühlen sich fröhlicher und selbstbewusster. Ihre ehrenamtliche Leistung können Sie im Beruf und Studium vorweisen und einbringen. ]]> Handbuch für Kommunen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/handbuch-fuer-kommunen/?no_cache=1 Qualitätsmanagement für Präventionsketten Immer mehr Kommunen machen sich auf den Weg sogenannte Präventionsketten aufzubauen. Beim Aufbau bzw. der Weiterentwicklung von Präventionsketten geht es darum, allen Kindern und Jugendlichen ein gelingendes Aufwachsen, gesellschaftliche Teilhabe und gute Bildungschancen zu ermöglichen. Das nun erschienene "Handbuch für (KEKIZ-)Kommunen" liefert fachliche Publikationen zum Qualitätsmanagement für Präventionsketten in kompakter Form. Das mittlerweile abgeschlossene Modellvorhaben "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" ist Teil der langfristig angelegten Politik der Vorbeugung in Nordrhein-Westfalen. Mit Unterstützung der wissenschaftlichen Begleitung des Instituts für soziale Arbeit e.V. (Münster) begannen 18 Modellkommunen mit dem Aufbau kommunaler Präventionsketten von der Schwangerschaft bis hin zum Übergang Schule-Beruf. Inzwischen sind 22 weitere Kommunen Teil des Lernnetzwerkes geworden und sollen so auch von dem vorhandenen Wissen profitieren. Um dieses Wissen nachhaltig in allen KEKIZ-Kommunen zu verankern, gibt die Landeskoordinierungsstelle das "Handbuch für Kommunen" heraus - in Form eines handlichen DIN A4-Ordners. In dem Handbuch werden Ergebnisse des wissenschaftlichen Begleitprozess durch das Institut für soziale Arbeit e.V. für die kommunale Praxis aufgearbeitet und gesammelt. Die Inhalte entstehen fortlaufend im Dialog mit den beteiligten Akteuren des Lernnetzwerks. Fragestellungen und Themen rund um den Aufbau und die Weiterentwicklung von Präventionsketten, die sich in den teilnehmenden Kreisen und Städten ergeben, werden aufgegriffen und sukzessive eingearbeitet. Bereits enthalten ist unter anderem die Initiates file downloadArbeitshilfe zum "Qualitätsrahmen zum Aufbau einer Präventionskette", die den Akteuren innerhalb einer Kommune Orientierung der Qualitätsentwicklung ihrer Präventionskette vor Ort bietet. Das Handbuch dient somit als praktisches Nachschlagewerk; das vorhandene Wissen bleibt auch personenunabhängig in der Kommune erhalten. Das Handbuch für Kommunen...
  • ... soll Kommunen beim Aufbau und der Weiterentwicklung von kommunalen Präventionsketten unterstützen.
  • ... widmet sich verschiedenen Themen und Arbeitsbereichen, die beim Aufbau kommunaler Präventionsketten zu berücksichtigen sind.
  • ... enthält Beispiele aus der Praxis, die Anregungen zur Umsetzung geben sollen.
  • ... wird in Zukunft stetig weiterentwickelt und im Sinne einer losen Blattsammlung sukzessive gefüllt und aktualisiert.
]]>
Erstes Lernnetzwerktreffen mit den neuen Kommunen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/erstes-lernnetzwerktreffen-mit-den-neuen-kommunen/?no_cache=1 Unter dem Motto "Das Lernnetzwerk wächst (zusammen)" fand am 3. April 2017 im Wissenschaftspark... "Routinen verändern und über Ressortgrenzen hinausdenken"

Familienstaatssekretär Bernd Neuendorf begrüßte die 22 neuen Kommunen der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" im Lernnetzwerk. "Ich freue mich, dass sie den Weg in die 'Kein Kind zurücklassen!'-Familie gefunden haben. Sie haben sich entschlossen, Routinen zu verändern und über Ressortgrenzen hinauszudenken", erklärte der Staatssekretär gegenüber den Vertreterinnen und Vertretern der neuen Kommunen. Nur so könne die Arbeit an einer wirksamen Präventionskette gelingen.

Neuendorf sprach die Leistungen des Lernnetzwerks an, das den Raum für gegenseitigen Austausch schaffe: "Das Lernnetzwerk, also der fachliche Austausch zwischen den Kommunen, trägt großen Anteil am Erfolg von 'Kein Kind zurücklassen!'. Ich freue mich daher sehr, dass uns die ehemaligen Modellkommunen in den kommenden zwei Jahren als Vertiefungskommunen erhalten bleiben. Denn so können die neuen 22 Kommunen von Ihrem großen Erfahrungswissen über gute Präventionsarbeit profitieren. Umgekehrt können aber sicherlich auch die 'alten Hasen' von den 'Neuen' noch etwas dazu lernen."

Der Familienstaatssekretär unterstrich die Bedeutung der Beteiligung der kommunalen Spitzen an der Präventionsarbeit. Er freue sich, dass nicht nur alle Auftaktgespräche, sondern auch die bisher gelaufenen Planungsworkshops mit den kommunalen Spitzen stattgefunden haben: "Prävention muss Chefsache sein. Prävention braucht den Rückenwind von oben."

In den Planungsworkshop kommen Entscheiderinnen und Entscheider der kommunalen Präventionslandschaft zusammen. Das sind verwaltungsinterne und -externe Akteure aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Soziales und Jugendhilfe sowie weitere Partnerinnen und Partner, die für den Auf- oder Ausbau der kommunalen Präventionskette wichtig sind. Gemeinsam gilt es, die ersten Eckpunkte für ein Präventionsleitbild zu formulieren und strategische Ziele in den Blick zu nehmen.

"Lebenswelten von Kindern lassen sich nicht in Linienorganisationen denken."

Christoph Gilles von der Koordinationsstelle Kinderarmut im Landschaftsverband Rheinland berichtete beim Lernnetzwerktreffen in Gelsenkirchen über die enge Kooperation zwischen dem LVR-Programm und "Kein Kind zurücklassen!". Viele der neuen Kommunen sind auch am LVR-Programm gegen Kinderarmut beteiligt. Gilles unterstrich die Gemeinsamkeiten der beiden Arbeitsbündnisse. Er sprach sich für die gemeinsame Verantwortung der Netzwerkpartner aus: "Lebenswelten von Kindern lassen sich nicht in Linienorganisationen denken. Parallelstrukturen gilt es zu vermeiden und in der Parallelität die Gemeinsamkeiten zu suchen." Das LVR-Programm gegen Kinderarmut und die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!" verstehen sich als Partner im Aufbau von Präventionsketten.

 "Die Anliegen der Kinder in Erfahrung bringen"

In die inhaltliche Arbeit startete das Lernnetzwerk mit einem Beitrag von Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger von der Bergischen Universität Wuppertal über "Ungleiche Kindheiten - und die Frage nach ihrer Qualität". Die Professorin stellte verschiedene Modelle einer gelungenen Kindheit aus der Geschichte und aus anderen Ländern vor. Sie erklärte, dass ungleiche Kindheiten keine neue Erscheinung seien und dass sich die Vorstellung über eine gute Kindheit stetig gewandelt habe. Sie näherte sich so der Frage, wie viel wir gesichert über die Definition einer gelungenen Kindheit aussagen können. "Wir müssen uns von selbstverständlichen Vorstellungen lösen und die Anliegen der Kinder in Erfahrung bringen", so Bühler-Niederberger.

"Vom Kind her denken" ist auch eine zentrale Forderung der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!". Sie setzt auf eine Politik der Vorbeugung, die allen Kindern gleiche Chancen auf ein gutes Aufwachsen, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern. Es geht darum, die gesamte Entwicklung eines Kindes besser in den Blick zu nehmen und den Familien bestmöglich und frühzeitig helfen zu können. Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, aber auch Kitas, Schulen, Sportvereine, Jugend- oder Gesundheitsämter sollen dabei systematisch zusammenarbeiten.

Der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" ging eine Modellphase mit 18 Kommunen zwischen 2012 und 2016 erfolgreich voran. In diesem Jahr sind 22 Kommunen dazugekommen. Eines der zentralen Vorhaben der Landesregierung - die Politik der Vorbeugung - geht damit in die Fläche. Zusammen mit den 18 Kommunen aus dem 2012 gestarteten Modellvorhaben umfasst das Netzwerk jetzt 40 Kommunen. Dadurch werden 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen erreicht.

Die Lernnetzwerktreffen organisiert die beim Institut für soziale Arbeit e.V. angesiedelte Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen". Auch in diesem Jahr lädt sie wieder zu einer Frühjahrsakademie ein. Sie findet vom 11.05. - 12.05.2017 in Duisburg statt.

]]>
„Kein Kind zurücklassen!“ beim Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/kein-kind-zuruecklassen-beim-deutschen-kinder-und-jugendhilfetag/?no_cache=1 In ihrer Eröffnungsrede zum Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2017 vor rund 2.000 Zuschauerinnen... Vom Streetworker bis zum Jugendhilfeplaner - der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) in der Messe Düsseldorf war der Treffpunkt für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Auf einer Fläche von 20.000 m² präsentierten sich vom 28. bis 30. März 2017 über 380 Ausstellerinnen und Aussteller, Träger der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe sowie gewerbliche Anbieterinnen und Anbieter in den Messehallen. Projekte, Organisationen und Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe waren vor Ort. Vom Jugendverband, über Jugendämter, bis hin zu Weiterbildungseinrichtungen und Ministerien, war alles vertreten. Auch "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" stellte sich den Messebesucherinnen und -besuchern vor. An drei verschiedenen Ständen konnte man sich über die Landesinitiative informieren. Das Familienministerium NRW, das Institut für soziale Arbeit e.V. und die Bertelsmann Stiftung boten Literatur und Gespräche zum Aufbau von Präventionsketten an.

Neben den Messeständen bot der Fachkongress auch Raum für den Austausch zwischen Politik, Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. "Kommunale Prävention von Sozialer Exklusion" war das Thema eines Fachforums, welches gemeinsam vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. (ISS) aus Frankfurt a.M. und dem Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) aus Münster gestaltet wurde. Hier stellte Dr. Johannes Schütte (ISA) Ansatzpunkte für Präventionsarbeit in Hinblick auf Armut und soziale Exklusion vor. Was kann die Jugendhilfe auf dem Feld Armutsprävention tun? Um dieser Kernfrage nachzugehen, stellte der Wissenschaftler die Zusammenhänge und Entwicklungen innerhalb einer Armutsspirale vor und sprach sich für eine möglichst frühzeitige Intervention aus. "Kinder- und Jugendhilfe kann die Armutskreisläufe durchbrechen. Deswegen lohnt sich der Aufbau von Präventionsketten", resümierte Schütte.

Auch Gerda Holz vom ISS setzte einen fachlichen Impuls für das anschließende Forumsgespräch. In ihrem Vortrag zum Thema „Armutsprävention für Junge Menschen“ stellte sie klar, dass Armut kein Persönlichkeitsmerkmal sei, das als gegeben hingenommen werden müsse. Holz machte deutlich: Je länger ein junger Mensch unter Armutsbedingungen aufwachse, desto größer werden die Risiken für ihn selbst und die Gesellschaft. Daher müssten die Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stärker qualifiziert werden zum inklusiven und armutssensiblen Handeln.

Die Powerpoint-Präsentationen zu dem Fachforum „Kommunale Prävention von Sozialer Exklusion“ von Dr. Johannes Schütte und Gerda Holz können sie hier abrufen:

]]>
Werkstattbericht: In Typen denken https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/werkstattbericht-in-typen-denken/?no_cache=1 Muster der Inanspruchnahme präventiver Angebote Dieser Werkstattbericht untersucht, ob es abgrenzbare Nutzer-Typen gibt, die sich definieren lassen. Eine solche Typologie soll bei der Gestaltung von passgenaueren Angeboten helfen, die genau die Gruppen erreichen, die angesprochen werden sollen. Basis der Analyse sind 45 leitfadengestützte Elterninterviews, die 2014 im Kreis Warendorf, in Gelsenkirchen und Dormagen mit Eltern geführt wurden. In der kommunalen Angebotsplanung und -gestaltung spielt die Vorstellung davon, welche Zielgruppe erreicht werden soll, eine wichtige Rolle. Je genauer die Zielgruppe eines Angebots umrissen wird, desto eher ist es möglich, ein passgenaues Angebot zu entwickeln und anzubieten. Eine Zielgruppe wird meist über eines oder mehrere Merkmale definiert. Dazu zählen zum Beispiel Alter, Geschlecht oder Familienstatus. Über die Nutzungsmotive und die "Handlungslogik" der Adressaten ist damit aber noch nichts ausgesagt. Diese allerdings geben wesentliche Auskünfte darüber, ob und warum präventive Angebote so ausgerichtet sind, dass sie subjektiv sinnvoll erscheinen, was wiederum eine zentrale Voraussetzung für ihre Inanspruchnahme ist. Präventiv ausgerichtete Förderung und Unterstützung kann über viele unterschiedliche Wege angegangen werden. Dementsprechend ist das Angebot vielfältig. Zu vermuten ist, dass sich Handlungslogiken der Familien auch nach dem Angebotstyp unterscheiden. Die einzelnen Angebote, von denen die Eltern in den Interviews berichteten, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Funktion und ihrer Nutzungsbedingungen beträchtlich. In diesem Werkstattbericht wurde eine Unterscheidung zwischen fünf Angebotsarten vorgenommen: Angebote rund um Schwangerschaft, Angebote mit Belastungsbezug sowie Freizeit-, Betreuungs- und Bildungsangebote. Aber auch bei der gleichen Angebotsart muss genau hingeschaut werden. Zum Beispiel funktioniert die Inanspruchnahme von schwangerschaftsbegleitenden Angeboten beim ersten Kind nach einer anderen Logik als etwa beim vierten Kind. Die Inanspruchnahme von Beratungs- und Unterstützungsangeboten setzt das Erkennen eines Bedarfs in der Familie voraus. Das gelingt nicht allen. Es gibt Familien, die objektiv belastende Situationen subjektiv nicht als belastend wahrnehmen, und umgekehrt Familien, in denen bereits kleinste Irritationen des Alltags zu einem manifesten Problem aufgebaut werden. Die Darstellung von Problemwahrnehmungstypen soll dieses Phänomen näher beleuchten. Wenn die Familien ein Problem tatsächlich wahrnehmen und eine Verbesserung anstreben, muss aber auch der nächste Schritt erfolgen. Die Familie muss die Nutzung eines präventiven Angebots als geeignete Handlungsoption in Belastungssituationen erkennen. Gynäkologen, Kinderärzte, aber auch Behörden, mit denen Familien einen routinierten Kontakt pflegen, sollten in ihrer Funktion als Türöffner und Vermittler aktiv in den Prozess einbezogen werden, um auch diejenigen Familien zu erreichen, die nur äußerst selten präventive Angebote in Anspruch nehmen. Außerdem ist es wichtig, kommunale Akteure als zentrale Anlaufstellen noch mehr in den Gelegenheitsstrukturen und Lebenswelten aller Familien zu verankern und somit weitere nützliche Routinen zu schaffen. Gerade die Inanspruchnahme von Angeboten der "Frühen Hilfen" kann dabei den Grundstein für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit zwischen Familien und präventiven Angeboten bilden. Schriftenreihe Arbeitspapiere wissenschaftliche Begleitforschung "Kein Kind zurücklassen!"
Bertelsmann Stiftung
Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung (ZEFIR) Autoren: Dr. Jörg Kohlscheen und Theresa Nagy Redaktion: Dr. Regina von Görtz, Projektleitung "Kein Kind zurücklassen!", Bertelsmann Stiftung Dr. David H. Gehne, Forschungskoordinator "Kein Kind zurücklassen!", ZEFIR Bochum]]>
Start in die Planungsworkshops https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/start-in-die-planungsworkshops/?no_cache=1 Der erste Planungsworkshop im Rahmen des landesweiten Ausbaus der Landesinitiative „Kein Kind... Freie Träger bei „Kein Kind zurücklassen!“ https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/freie-traeger-bei-kein-kind-zuruecklassen-1/?no_cache=1 Vertreterinnen und Vertreter der Freien Träger trafen sich auf Einladung der... Martin Debener, Fachreferent für Armut und Grundsicherung bei der freien Wohlfahrtspflege, aber auch mit einer halben Stelle abgeordnet an die Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen", hatte seine Kolleginnen und Kollegen aus den Kommunen eingeladen, um mit ihnen die Anknüpfungspunkte bei der Landesinitiative zu definieren.

Marco Becker, Leiter der Projektgruppe Prävention im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter der Freien Träger in Düsseldorf und gab einführend einen kurzen Überblick über wichtige Elemente der Landesinitiative: das Präventionsleitbild, die Präventionskette und die wirkungsorientierte Steuerung. Die Freie Wohlfahrtspflege bewertete er als einen bedeutenden Partner der Landesinitiative und ihre Einbindung als ein wichtiges Ziel für "Kein Kind zurücklassen!".

Maren Hilke aus der Stabsstelle der Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" konkretisierte den Einblick in die Arbeit an den Präventionsketten am Lebenslauf entlang. Es gälte einen Sichtweisen-Wechsel anzustoßen. Ziel sei es, "vom Kind her" zu denken und nicht aus Sicht der Zuständigkeiten und Strukturen zu arbeiten. Trotzdem könnten Regelstrukturen und -zugänge hilfreich sein und sollten genutzt werden. Im Planungsworkshop, der in jeder "Kein Kind zurücklassen!"-Kommune von der Landeskoordinierungsstelle durchgeführt wird, gäbe es die Möglichkeit für die Freien Träger, sich zu positionieren und einzubringen. So könne die Präventionsketten in den Kommunen gemeinsam gestaltet werden. Ein Unterstützungsangebot für diese Verknüpfungsarbeit unterbreitete Martin Debener, der als Fachreferent der freien Wohlfahrtspflege in der Landeskoordinierungsstelle den Kontakt zu den Freien Trägern pflegt. Seine Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass die örtlichen Arbeitsgemeinschaften der Freien Träger bei "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" eingebunden werden.

Wie gute Netzwerkarbeit aussehen kann, vermittelte ein Beispiel aus Düsseldorf. Barbara Dully von der Diakonie in Düsseldorf berichtete von dem "Kein Kind zurücklassen!"-Projekt "Kita-Eingangsuntersuchung", was von den Freien Trägern mitgestaltet und mitgetragen wird. Ziel des Projektes ist es, Kinder frühzeitig zu fördern und auch Eltern schon beim Kita-Start des Kindes für passende Unterstützungsangebote zu sensibilisieren. Sprach-, Koordinations-, Motorik- und Konzentrationschecks sowie eine ärztliche Untersuchung gehören zur "Kita-Eingangsuntersuchung", die im Düsseldorfer Stadtteil Hassels Nord in drei Kitas durchgeführt wird. Die Untersuchung bringt die Eltern und Kinder mit einer Kinderärztin, einer Präventionsmanagerin des Stadtteils und dem Erziehungspersonal an einen Tisch. Barbara Dully unterstrich besonders, die gute Kooperation im Sozialraum und auch mit dem Gesundheitsamt. Was besonders interessant ist, da der Gesundheitssektor einen wichtigen Zugangsweg zu den Familien darstellt. Das ergab die wissenschaftliche Begleitforschung der Bertelsmann Stiftung aus der Modellphase.

In der konstruktiven Diskussion der Vertreterinnen und Vertreter der Freien Träger wurden die Situationen vor Ort verglichen und insbesondere der Umgang mit Doppelstrukturen angesprochen. Christin M. Jasper, kommunale Begleiterin aus der Landeskoordinierungsstelle, konnte bei diesem Punkt aufgrund ihrer Erfahrungen aus der Arbeit mit den Kommunen anknüpfen. Die Schaffung von Synergieeffekten vor Ort, dadurch das gute Angebote und Strukturen vernetzt werden, ist eine Zielsetzung der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!". Ein oft aufwendiger Prozess, der Mühe kostet und einen ehrlichen intersektoralen Austausch erfordert.

]]>
Das Lernnetzwerk wächst - erstes Arbeitstreffen mit den 22 neuen Kommunen https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/das-lernnetzwerk-waechst-erstes-arbeitstreffen-mit-den-22-neuen-kommunen/?no_cache=1 Beim ersten Arbeitstreffen der 22 neuen Kommunen in Düsseldorf stellte sich das Team der... Auch wenn bei diesem ersten Arbeitstreffen mit den Vertreterinnen und Vertretern der neuen Kommunen viele organisatorische Fragen im Vordergrund standen, war es doch gleichzeitig der Startschuss in die gemeinsame Präventionsarbeit. Die Teilnehmenden nutzten nicht nur die Gelegenheit, Ansprechpartner auf Seiten des Landes und der Koordinierungsstelle kennenzulernen und erste Fragen mit den Expertinnen und Experten für Weiterleitungsverträge und Fördermittel zu klären. Die Kommunen nahmen auch die Möglichkeit wahr, sich untereinander auszutauschen.

Marco Becker, Leiter der Projektgruppe Prävention im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen begrüßte die Vertreterinnen und Vertreter der 22 Kommunen im Familienministerium in Düsseldorf. Er gab einen kurzen Überblick über den Aufbau der Landesinitiative und stellte die Programmpartner mit ihren Schwerpunkten vor.

Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Instituts für soziale Arbeit e. V. (ISA) eröffnete dann das Arbeitstreffen. Das ISA ist Träger der Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" und auch betraut mit der Weiterleitung der Fördermittel des Europäischen Sozialfonds (ESF). Ilona Heuchel hatte eigens zu diesem Thema Ihre Spezialisten aus Münster mitgebracht. Das Team im ISA für Weiterleitungsverträge und Abrechnung der ESF-Fördermittel:

Doris Niebuhr
Mail: doris.niebuhr@isa-muenster.de
Fon: 0251/20 07 99-40
Fax: 0251/20 07 99-10

Arne Ingwersen
Mail: arne.ingwersen@isa-muenster.de
Fon: 0251/20 07 99-28
Fax: 0251/20 07 99-10

Auch die Bezirksregierung Münster hatte einen Vertreter geschickt. Michael Thiemann stand für Rückfragen zur Verfügung und konnte Auskunft zu speziellen Fragestellungen aus den einzelnen Kommunen geben.

Dr. Johannes Schütte und Maren Hilke, Stabsstelle der Landeskoordinierungsstelle, erläuterten die Formate und die Struktur der Landeskoordinierungsstelle und boten eine enge Zusammenarbeit mit den Bereichen Verwaltung, wissenschaftliche Stabsstelle, Kommunikation und Kommunale Begleitung an.
Hier geht es zum Aufbau der Landeskoordinierungsstelle.

Christin Jasper, kommunale Begleiterin, präsentierte die Aufteilung der neuen Kommunen auf das Team, so dass ein erster Dialog mit den Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen, die in den nächsten Jahren eng betreut werden, beginnen konnte.

Sandra Dezort
Kreisfreie Städte: Bochum und Herne
Kreise: Kreis Herford und Kreis Lippe
Kreisangehörige Kommunen: Dinslaken und Brühl
Modellkommunen: Arnsberg, Gelsenkirchen, Hamm, Münster

Dr. Christina Günther
Kreisfreie Städte: Mühlheim an der Ruhr und Krefeld
Kreise: Kreis Steinfurt und Rheinisch-Bergischer Kreis
Kreisangehörige Kommunen: Ahlen
Modellkommunen: Kommunen im Kreis Unna, Kreis Warendorf, Moers, Witten, Wuppertal

Sabine Köhler
Kreisfreie Städte: Aachen und Bottrop
Kreise: Kreis Coesfeld und Kreis Siegen-Wittgenstein
Kreisangehörige Kommunen: Neuss und Gummersbach
Modellkommunen: Dormagen, Duisburg, Kreis Düren, Mönchengladbach

Christin M. Jasper
Kreisfreie Städte: Köln und Leverkusen
Kreise: Kreis Recklinghausen und Kreis Euskirchen
Kreisangehörige Kommunen: Monheim
Modellkommunen: Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Gladbeck, Oberhausen

Das ganze Team der Landeskoordinierungsstelle nahm die Gelegenheit war, sich und ihre Arbeit persönlich vorzustellen und vor allem auch schon erste Kontakte zu knüpfen oder zu intensivieren. Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" und die kommunalen Begleiterinnen waren schon in einigen Kommunen zum Auftaktgespräch mit der kommunalen Spitze und den Projektverantwortlichen vor Ort, was in allen 22 neuen Kommunen stattfindet.

Die erste gemeinsame Veranstaltung mit den Modellkommunen, die ihre Erfahrungen aus der Modellphase in das Lernnetzwerk weiter einbringen, wird das Lernnetzwerktreffen am 03.04.2017 sein.

]]>
Gekommen, um zu bleiben https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/gekommen-um-zu-bleiben/?no_cache=1 Das Projekt „angekommen in deiner Stadt Münster“ ist im September 2016 offiziell an den Start... Schwüle Luft und sengende Sonne, Hände tanzen auf Trommeln, die Wände vibrieren unter den schnellen Schlägen auf die Lederhäute der Djembes, Congas und Percussions. An diesem Sommertag im September 2016 heißt Münster junge Geflüchtete aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und anderen Ländern willkommen. Etwas außerhalb, in einer ruhigen Wohngegend, angrenzend an den Nordpark und die Wiesen, die raus zu den Rieselfeldern führen, liegt das JAZ – das Jugendausbildungszentrum. Vom großen Hof führen zwei Türen in ein Café, einen hellen Saal, mehrere Unterrichtsräume und eine Fahrradwerkstatt. Hier ist der Sitz des Projekts „angekommen in deiner Stadt Münster“, das an diesem Tag eröffnet wird. Während eine Gruppe aus deutschen Jugendlichen zur Begrüßung ein Stück nach dem anderen trommelt, stehen Homa, Asim und Feride noch etwas unschlüssig im Café der Einrichtung und futtern Fruchtsticks. Was sie hier erwartet, ist den Dreien noch nicht richtig klar:

„Unsere Schule hat gesagt, heute ist eine Einladung, wenn ihr wollt, könnt ihr einfach kommen und wir haben gesagt, ok, wir wollen gern kommen,“ sagt Asim, der aus Afghanistan geflohen ist und schon fließend Deutsch spricht. „ Aber eigentlich weiß ich nicht, was überhaupt hier angeboten wird.“

Der Saal ist inzwischen gefüllt mit rund hundert Menschen, die Trommeln verebben und Prof. Dr. Gunter Thielen betritt die Bühne. Er ist Vorstandsvorsitzender der Walter Blüchert Stiftung, Hauptträger des Projekts und hat Antworten auf die Fragen der Neuankömmlinge. „Wir wollen euch Orientierungshilfen geben, euch unterstützen, damit ihr euch besser zurecht findet in eurer Stadt, damit ihr versteht, wie der Alltag bei uns abläuft und was bei uns in Deutschland wichtig ist.“ Das Projekt solle die Jugendlichen dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden, mit maßgeschneiderten Angeboten auf die jeweiligen Bedürfnisse. Zu den Unterstützungsangeboten zählten, so Thielen, Hausaufgabenbegleitung, sozialpädagogische und berufspraktische Orientierungsmaßnahmen, Nachhilfestunden am Nachmittag und zusätzliche Nachhilfe- und Freizeitangebote in den Ferien und am Wochenende. „Wir wissen, dass die Ferien eine schwierige Zeit sind, weil euch dann ein Anker, wie die Schule, fehlt. Wir versuchen diese Zeiten durch Sport und andere Angebote auszufüllen, bei denen ihr auch noch Spaß habt.“

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich drei Partner zusammen getan. Das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW, die Walter Blüchert Stiftung und die Stadt Münster. „Uns eint das Ziel, dass die neu zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gute Bildungschancen erhalten“, sagt Sylvia Löhrmann, die Schulministerin des Landes NRW, die heute ein Grußwort spricht: „Das Projekt ‚angekommen‘ verknüpft hierzu beispielhaft schulische und berufliche Bildung mit verschiedenen Angeboten außerhalb der Schulzeit. Damit die jungen Menschen am Leben in Schule und Alltagsumfeld erfolgreich teilhaben können." Insgesamt unterstützt das Schulministerium das Programm „angekommen“ an vier Standorten mit je einer zusätzlichen Lehrerstelle in Münster, Recklinghausen, Dortmund und Bielefeld.

Dann übernehmen die Syrerin Shaha und der Syrer Kawa das Mikrofon und moderieren ihre Mitschüler an. „Ich bin 18 Jahre alt, komme aus Mazedonien und mache eine Ausbildung bei Mac Donalds“, sagt eine Schülerin. „Ich komme aus Pakistan und ich lerne seit einem Jahr im Hansa Berufskolleg“, sagt ein anderer. Dann erzählt ein junger Syrer, dass es er sehr schwer findet, deutsch zu lesen und zu schreiben, weil er bislang nur die arabische Schrift kannte. „Aber“, sagt er. „ich bin hier in Deutschland, deshalb muss ich das auch lernen.“ Applaus ertönt und eine Frau im Publikum ruft: „Das muss sehr schwer sein. Ich verstehe nicht einen einzigen arabischen Buchstaben!“

Um hier in Deutschland anzukommen und ihre Ziele verfolgen zu können, so der Projektansatz, müssten die Schüler passgenau unterstützt werden. Denn die Träume der Jugendliche sind wie überall ganz individuell: „Ich werde in Zukunft Volleyballtrainer “, sagt Homa, „Ich will IT machen, sagt Asim, „und ich möchte Innenarchitektin werden“, sagt Feride. Aber den Anschluss zu schaffen, sei schwer, erzählt Asim: „Wir haben nicht viel Kontakt zu Deutschen, ich lebe in einem Heim. Aber wir müssen es versuchen und Deutsch sprechen!“

Einige Monate später: Die Räume des JAZ sind verändert. Eine Sitzecke aus Paletten-Möbeln macht den vorher kargen Saal gemütlicher. Die Möbel habe eine Tischlerklasse gebaut, erzählt Annette van Bebber, die mit ihrer Kollegin Andela Rakowski im Büro sitzt und mir einen kleinen Wandkalender reicht, der das Ergebnis eines Fotoprojekts ist. Jeden Monat ziert ein Motiv aus Münster, fotografiert aus der Perspektive der geflüchteten Jugendlichen. Während van Bebber die Lehrerstelle vom Schulministerium besetzt, ist Rakowski von der Stadt Münster ins Projekt entsendet worden. Die beiden haben in den letzten Monaten gemeinsam Kooperationskräfte angeworben, waren in Schulen, Wohngruppen und Vereinen unterwegs, um Aufmerksamkeit für das Projekt zu erzeugen. Mit an Bord seien inzwischen die Uni mit dem Hochschulsport und freiwilligen Lehramtsstudenten, die den Unterricht im Rahmen ihres Orientierungspraktikums unterstützen. Auch bestünden Kontakte zu Kammern, städtischen Einrichtungen und lokalen Akteuren, wie die Caritas, das Flüchtlingsforum Münster, einem Reitstall, Nähkursen, Malkursveranstaltern, dem Gymnasium Kinderhaus, dem Theater Münster und freiberuflichen Partnern. Mittlerweile biete das JAZ ein buntes Programm, sagt van Bebber: „Neben Hausaufgabenbegleitung gibt es Reiten,Gitarre, Malen sowie berufspraktische Orientierung im Rahmen einer Filmwerkstatt, einem Fotoprojekt , IT-Workshops oder einer Fahrradwerkstatt. Lesetraining und Mathenachhilfe boomen zur Zeit, viele wollen Sprache, Sprache, Sprache!“

Dreißig Jugendliche sind es inzwischen, die regelmäßig die Angebote im JAZ nutzen. „Wir hätten gern noch mehr, sprechen mit Lehrkräften und Sozialpädagogen in den Schulen, um herauszufinden, welche Angebote gewünscht sind“, sagt Andela Rakowski. Zielgruppe in Münster sind alle Jugendlichen aus den Internationalen Förderklassen (IFK) der sechs städtischen Berufskollegs und eine Gruppe von nicht mehr schulpflichtigen jungen Erwachsenen, die neben Grundkenntnissen in Mathematik, Gesellschaftslehre und berufsspezifischen Fächern einen berufsbegleitenden Sprachkurs am Nachmittag erhalten. IFK sind Klassen ausschließlich für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und einem niedrigen deutschen Sprachlevel. Sie erhalten in diesen speziellen Klassen am Vormittag extra Sprachförderung.

„Um ihnen die Integration in die Stadtgemeinschaft, den Zugang zu Freizeiteinrichtungen, städtischen Organisationen und Gremien zu erleichtern – also zu allem, was deutsche Jugendliche eben auch machen“, sagt Annette van Bebber, „sind wir mit Werbeveranstaltungen unterwegs und suchen nach Deutschen, die mitmachen, ehrenamtlich, um Tandems mit zugewanderten Jugendlichen zu bilden“.

Deshalb fördert „angekommen“ das integrative journalistische Medienprojekt „Klassentreffen“, das von Mitteln der Stadt Münster und der „Stiftung gegen Rassismus“ getragen wird. Im Oktober 2016 hat sich unter Anleitung von Medientrainern eine Redaktionsgruppe mit rund fünf Schülern aus den IFK und fünf Schülern aus anderen konventionellen Klassen des Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskollegs zusammen geschlossen. Sie wollen gemeinsam die Hürden zwischen einander überwinden und sich kennen lernen. Den Weg aufeinander zu dokumentieren sie mit Kameras, Smartphones und Aufnahmegeräten. Und wollen als Nachwuchsjournalisten ihre Ergebnisse als Video-Clips oder Audiobeiträge veröffentlichen. Projektziel ist einerseits Rassismus und Ausgrenzung vorzubeugen und andererseits können die Schüler in den Berufszweig Mediengestaltung reinschnuppern, erhalten technisches und journalistisches Wissen – können ihre kommunikative Kompetenz stärken.

In dem Projekt haben die Schülerinnen und Schüler die Federführung, legen selbst Themen und Fragestellungen fest. Eine der deutschen Schülerinnen in der Redaktionsgruppe ist Sophie. „Ich wollte gern wissen, wie Flüchtlinge hier bei uns in Münster leben, von ihnen hören, welche Sorgen sie haben, was sie brauchen“. Deshalb vereinbarte die Gruppe gegenseitige Besuche. Schüler Macek möchte gern eine Umfrage in der Fußgängerpassage führen, und herausfinden, wie Münsteraner auf Menschen reagieren, die nicht gut deutsch sprechen. Ein Schüler aus Syrien möchte durch das gemeinsame Projekt Mut fassen, mehr Deutsch zu sprechen. Huner, ein gebürtiger Iraker, der schon als Kind nach Deutschland kam, wünscht sich im Projekt den Spalt zwischen „Flüchtlingen“ und „Deutschen“ an der Schule und in Münster aufzuzeigen. Nach einer Kameraschulung führten die Nachwuchsreporter als ersten Schritt Umfragen in der Schulpause und filmten die Gruppenaufteilung zwischen den „Neuen“ und den anderen Schülerinnen und Schülern, die die Pause getrennt voneinander verbringen. Warum das so sei, konnte keiner wirklich beantworten. Eigentlich, so die befragten Schülerinnen und Schüler, hätten sie gern Kontakt zueinander.

An diesem Tag im Dezember 2016 sitzt die Schüler-Redaktionsgruppe im Keller des Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler Berufskollegs. Heute wollen sie mehr voneinander erfahren und lauschen Amir Shah, der seine Fluchtgeschichte erzählt. Amir Shah kommt aus einem Ort nahe Kundus in Afghanistan. „Meine Schule haben sie kaputt gemacht, ich konnte fast einen Monat nicht zur Schule gehen,“ sagt er. Irgendwann habe sein Vater gesagt, er solle fliehen. Er fuhr bis zur Grenze nach Pakistan und dann weiter Richtung Türkei und Griechenland, nahm den Bus oder lief, ging einmal zwölf Stunden am Stück zu Fuß, bis er in Deutschland ankam. „Meine ganze Familie, mein Vater, meine Brüder und Schwestern sind noch dort“. Auch die anderen Schüler berichten von ihren Odysseen nach Deutschland. Mahmood, der im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie von Afghanistan nach Iran geflohen ist: „Weil jede Person hat ein Gewehr, wenn du nicht machst, was einer sagt, macht er dich tot“. Im Iran musste Mahmood Kinderarbeit leisten, durfte nicht zur Schule. Um überhaupt eine Chance zu haben, floh er mit fünfzehn Jahren allein zu Fuß von Iran nach Deutschland. Maher aus Syrien ist glücklicherweise mit seiner Familie zusammen nach Münster gekommen, aber seinen Bruder mussten sie in der Türkei zurücklassen. Maher vermisst ihn jeden Tag: „Er war wie ein Freund für mich.“

Sophie, sie ist heute die einzige Deutsche in der Runde, hört erst ruhig zu, dann schießen ihr Tränen aus den Augen. „Ich kann mir das gar nicht vorstellen, die kommen alleine ohne Familie, die jetzt in Krisengebieten leben. Wie stark die sind und das durchhalten. Wie hier alle lächeln. Dabei kann ich mir vorstellen, dass sie oft zuhause sitzen und sehr traurig sind.“

Mit am Tisch sitzen auch zwei Kulturmittlerinnen vom Haus der Familie der Stadt Münster , die persisch, kurdisch und arabisch sprechen und beim Übersetzen helfen. Mehrnaz Hadipour hat auch Tränen in den Augen. Sie ist selbst vor 30 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen und ist gerührt, nachdem sie die Geschichten gehört hat: „Ich bin so stolz auf euch, ihr habt in so kurzer Zeit so toll deutsch gelernt!“ Fatma, die in den 1990ern aus Syrien nach Deutschland kam, macht den Jugendlichen Mut und erzählt, dass sie Anfangs auch sehr traurig gewesen sei, aber heute ein glückliches Leben führe und Münster zu ihrer Heimat geworden sei.

Tags drauf spielen die beiden Kulturmittlerinnen mit Amir Shah, Mahmood, Maher und den anderen Tischtennis im Keller von Amir Shahs Wohnheim in Berg Fidel in Münster. Hier lebt Amir Shah seit einigen Monaten zusammen mit anderen geflüchteten Jugendlichen, wird von Pädagogen betreut und hier findet der erste Hausbesuch der Redaktionsgruppe statt. Die anderen Jugendlichen sind begeistert vom Tischtenniskeller. Huner filmt mit seinem Smartphone und begleitet Amir Shah in sein Zimmer. Neben dem Stundenplan und seinen Schulsachen interessieren Huner insbesondere die Fotos an der Zimmerwand. Das seien Bilder vom Hindukusch, von Flüssen und Seen, der alten Straße an seinem Haus, die er sehr vermisse, sagt Amir Shah. Im Wohnzimmer sitzen alle lange zusammen, Muslime, Jesiden und Christen – Religionsgruppen, die in ihren Heimatländern Kriege gegeneinander führen. Hier in Berg Fidel unterhalten sich die Jugendlichen mit den Kulturmittlerinnen über die Sinnlosigkeit dieser Kriege, und dass sie einander ihren Glauben lassen und ihn respektieren. Amir Shah sagt am Ende, dass er froh sei über den Besuch und dass er jetzt Kontakte habe, denn früher sei er hier sehr einsam gewesen. Maher jedoch ist etwas enttäuscht darüber, dass zu den Terminen bislang nur wenige Deutsche mitgekommen sind: „Ich glaube, sie finden Ausreden“. Das haben Huner und Sophie aufgegriffen und wollen in ihren Klassen als Botschafter andere Deutsche dazu motivieren, die neuen Schülerinnen und Schüler kennen zu lernen und mitzukommen, wenn die Redaktionsgruppe bald den Afghanen Mahmood zuhause im münsterschen Kreuzviertel besucht.

Zurück im JAZ, im Januar 2017. Yorgo und Mohammed aus Syrien stellen eine Kamera vor den Palettenmöbeln auf, wählen den Bildausschnitt aus und beginnen dannmit einem Interview. „Stell Dich bitte vor“, sagt Mohammed: „Ich bin Yorgo und liebe Basketball“: Immer wieder muss der Syrer lachen und konzentriert sich dann wieder. Er und zehn andere Schüler machen jetzt auch beim „Klassentreffen“ mit und haben sich der Redaktionsgruppe des Wilhelm-Emmanuel-von-Ketteler-Berufskollegs angeschlossen, wollen zum nächsten Dreh mitkommen und Amir Sha, Maher, Huner, Sophie und die anderen kennen lernen. Dafür müssen sie aufholen und auch den Einsatz vor und hinter der Kamera und die Toneinstellung lernen. Der 19-jährige Yorgo aus Syrien ist begeistert und spricht in die Kamera „Ich kann hier etwas über Journalismus lernen, das finde ich gut.“ Mohammed, auch Syrer, interessiert besonders die Bildbearbeitung. Denn er möchte Grafiker werden. Die beiden kommen seit Juli ins JAZ und nehmen an den vormittags stattfindenden berufsbezogenen Unterrichtsstunden teil. Sie und ihre Mitschüler wirken wie eine eingeschworene Gemeinschaft, sie sind Freunde geworden.

„Wir merken einfach, dass sie sich total über Angebote am Nachmittag freuen, weil sie sonst nicht richtig wissen, was sie nach der Schule machen sollen und sonst allein im Wohnheim herumsitzen würden,“ sagt Annette van Bebber, die die Jugendlichen zufrieden beobachtet. Während die Kameragruppe übt, kickern ein paar Jugendliche im Café, andere scherzen mit Annette van Bebber, ein großer Jugendlicher mit Pudelmütze legt den Arm um die zierliche blonde Frau. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung wird deutlich, dass das JAZ mehr ist als ein Ort, in der Bildungsbegleitung stattfindet. Für Yorgo ist es ein Zuhause geworden: „Ich lerne Deutsch im JAZ, bei „angekommen“. Ich bin glücklich, dass ich hier bin.“ Und Mohammed sagt: „Ich bin seit einem Jahr und fünf Monaten in Deutschland. Ich wurde von Berlin nach Lübeck, Aachen und dann Dortmund geschickt. Jetzt bin ich in Münster endlich angekommen – ich wohne in einer Wohngemeinschaft mit Deutschen, arbeite als Dolmetcher, besuche im JAZ den Sprach- und Gitarrenkurs. Ich möchte hier bleiben.“

]]>
spotlight praxis: Dormagener Weg https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/spotlight-praxis-dormagener-weg/?no_cache=1 Dormagen begleitet Schülerinnen und Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in den... Dormagener Weg setzt auf ein individuell abgestimmtes Angebot für die berufliche Orientierung. Sechs Lehr- und Übungswerkstätten bieten Einblicke in verschiedene Berufe. Parallel zur Einführung in die Praxis unterstützen Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen die Berufsanfängerinnen und -anfänger bei allen Hürden, die beim Berufseinstieg zu nehmen sind. Schon der Berufswahlprozess kann schwierig sein. Was sind hier persönliche Ziele und nächste Schritte? Auch bei der Praktikumsanbahnung bieten die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ihre Hilfe an und begleiten die Jugendlichen weiter, auch während des Praktikums. Ist eine Entscheidung für den richtigen Beruf getroffen, geht es ins Bewerbungstraining. Im Netzwerk des NRW-Projektes "Kein Abschluss ohne Anschluss" (KAoA) ist der "Dormagener Weg" ein wichtiger Stützpfeiler in Dormagen. KAoA hilft Potentiale und Interessen zu erkennen, Berufe kennen zu lernen und zu testen. Der "Dormagener Weg" baut darauf auf und fängt Jugendliche auf, die über die Berufsfelderkundung hinaus einer individuellen Unterstützung bedürfen. Aber nicht nur die Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger profitieren vom Dormagener Weg. Auch die Betriebe können über eine passgenaue Vermittlung geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden. In Praktika lernen die Betriebe die jungen Menschen schon im Vorfeld kennen. Sie profitieren ebenso von der sozialpädagogischen Praktikumsbegleitung wie auch von professioneller Vermittlung in Konfliktfällen gerade in der ersten Phase des Arbeitsverhältnisses. Hier kommt dem Instrument zudem das über Jahre entstandene und gut funktionierende Netz aller Akteure im Stadtgebiet zu Gute. Von den Angeboten des "Dormagener Weges" erfahren die Jugendliche in Schulen, Jugendzentren oder durch Sozialarbeiter. Auch das Berufskolleg oder Wohlfahrtsverbände machen auf diese Möglichkeit der Berufsorientierung aufmerksam. Ein festgelegter Anteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird vom Jobcenter RKN zugewiesen und durchläuft das Angebot mit entsprechend abgestimmten Zielen zur Integration in den Arbeitsmarkt. Die Anzahl der Weiterempfehlungen durch die Jugendlichen selbst steigt stetig. Der Dormagener Weg hat sich in den letzten Jahren als wichtige Anlaufstelle im Bereich des Überganges Schule/ Beruf für Jugendliche und junge Erwachsene etabliert. Es gibt eine Koordinatorin bei der Stadtverwaltung und einen Koordinator beim Jobcenter, die für den Dormagener Weg zuständig sind. Bei den ausführenden Trägern Internationaler Bund und Bildungszentrum Niederrhein arbeiten jeweils 2-3 Kollegen in diesem Projekt.  Die Reihe spotlight praxis wirft Schlaglichter auf gute Präventionsangebote in den Modellkommunen von "Kein Kind zurücklassen!". Kurze Texte und persönliche Bildimpressionen zeigen auf einer übersichtlichen Doppelseite, was das jeweilige Angebot so besonders macht. Ein kurzer Text fasst Adressaten, Projektansatz und Wirkung zusammen. Grafische Elemente erläutern die Vorteile und Besonderheiten des Angebots. Kontaktadressen eröffnen die Möglichkeit, sich tiefergehend zu informieren. Die Ausgaben von spotlight praxis werden regelmäßig auf www.kein-kind-zuruecklassen.de veröffentlicht. Jede Ausgabe steht als Download zur Verfügung. Alle bisher erschienenen Ausgaben von spotlight praxis finden Sie hier.]]> Vorarlberg lässt ebenfalls kein Kind zurück https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/vorarlberg-laesst-ebenfalls-kein-kind-zurueck/?no_cache=1 Aus diesem Grund besuchten 23 Verwaltungsfachleute und Fachkräfte aus der praktischen... Es ist nicht das erste Mal, dass eine Delegation aus Vorarlberg in Nordrhein-Westfalen zu Besuch ist, um sich über die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" zu informieren. Das macht diesen Besuch aber nicht zu etwas Gewöhnlichem, sondern ganz im Gegenteil: Das ist das Besondere. Vorarlberg nimmt sich Nordrhein-Westfalen zum konkreten Vorbild im Bereich Präventionsarbeit.

Das Besuchsprogramm war daher auch kein oberflächliches Kennenlernen. Vorarlberg steckt mitten in dem Prozess, die Präventionsarbeit effektiver und umfassender zu gestalten und lässt sich dabei vom Institut für soziale Arbeit e.V. (ISA) seit dem Sommer 2016 fachlich begleiten. Das ISA ist der Träger der Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" und vermittelt die Erkenntnisse aus der nordrhein-westfälischen Modellphase - angepasst auf die jeweiligen Verhältnisse vor Ort.

Die Stationen des Besuchs gaben den Gästen aus Vorarlberg die Möglichkeit tief in schon konkrete Fragestellungen einzutauchen und fachliche Diskussionen mit den Experten aus dem Familienministerium NRW, aus der Landeskoordinierungsstelle und aus den Modellkommunen zu führen.

Drei Tage hatte sich die Delegation aus Vorarlberg Zeit genommen und die Kommunen Düsseldorf, Dormagen, Mönchengladbach, Duisburg und den Kreis Düren besucht.

In Düsseldorf begrüßten Thomas Salmen, Vorstandsvorsitzender der Caritas und Johannes Horn, Leiter des Jugendamtes die Delegation aus Vorarlberg. Sie stellten die Strukturelemente der Stadt, Erläuterungen zur Modellregion und die Bausteine von "Kein Kind zurücklassen!" vor. Als konkretes Beispiel guter Praxis rückte das Rather Familienzentrumin den Mittelpunkt des Gesprächs. Im Fokus standen die Einbindung der freien Träger und die interdisziplinäre, trägerübergreifende Zusammenarbeit. In dem ehemaligen Kloster und heutigem Stadtteiltreff kooperieren der Caritasverband Düsseldorf e.V., der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und Gesellschaftsbildung e.V.. Die Vorarlberger Gäste zeigten sich beeindruckt darüber, wie viel durch die professionsübergreifende Arbeit und die Bündelung von Trägerressourcen in einer zentralen Anlaufstelle erreicht werden konnte. Die Aufmachung der Anlaufstelle als Café mit freundlicher Atmosphäre in zentraler Lage präsentierte Düsseldorf als Erfolgsrezept. Hilfsbedürftige Familien müssen keine anonymen Amtsflure überwinden. So kommt die Hilfe dort an, wo sie benötigt wird.

In Dormagen präsentierte Bürgermeister Erik Lierenfeld den Gästen aus Österreich das Dormagener Modell. Dazu gehören das Netzwerk zur frühen Förderung von Kindern und Jugendlichen, in dem vielfältige Partner vor Ort mitwirken, und das Babybegrüßungspaket. Diskutiert wurden die fiskalischen Effekte von Präventionsarbeit. Als Beispiel diente der Zusammenhang zwischen Investitionen in Frühe Hilfen und den zurückgehenden Aufwendungen bei der Unterbringung von Jugendlichen in Heimen.

In Mönchengladbach empfing Sozialdezernentin Dörte Schall die Fachleute aus Vorarlberg und stellte ihnen das Praxisbeispiel HOME an Hand eines kurzen Filmes vor. HOME steht für Hilfe und Orientierung für Mönchengladbacher Eltern. In Kitas, Schulen oder anderen Einrichtungen bieten HOME-Partnerinnen ihre Beratungskompetenz an, kommen mit Familien ins Gespräch und suchen mit ihnen nach passgenauen Unterstützungsangeboten. Diese sollen sozial benachteiligte Familien unterstützen und ihre Teilhabe an Bildung verbessern sowie ihre Kompetenzen fördern. Regelmäßig finden Elterncafés in Kindertagesstätten statt, um den Zugang zu hilfsbedürftigen Familien zu finden. Andrea Latzer aus Vorarlberg zeigte sich beeindruckt: "Aus den Kontakten im Elterncafé kristallisiert sich erst der mögliche Gesprächsbedarf." Andrea Latzer arbeitet als Sozialpädagogin und Erziehungsberaterin in Österreich und erhoffte sich von ihrer Reise nach Nordrhein-Westfalen eben solche Anregungen, wie sie Angebote an die Familien vermitteln kann, die sie auch wirklich benötigen.

Hier können Sie den Film über das Praxisbeispiel HOME abrufen.

Im Kreis Düren freute sich Landrat Wolfgang Spelthahn über die Möglichkeit, Expertise aus dem Projekt "Kein Kind zurücklassen!" geben zu können: "Ich glaube, dass dieses Projekt das Zeug dazu hat, einen Paradigmenwechsel einzuleiten." Er sprach von erstaunlichen Erfolgen des Projekts, insbesondere durch die umfassende Schulung aller Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Ziel im Kreis Düren ist es, die Mitarbeitenden zu sensibilisieren und zu befähigen, eine Lotsenfunktion wahrzunehmen. Ein Vorgehen, das auch bei den Gästen aus Vorarlberg auf großes Interesse stieß. "Ich glaube, dass es eine Frage der Haltung und Kommunikationskultur ist, ob man hilfsbedürftige Bürgerinnen und Bürger erreicht", erklärte die Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe aus Vorarlberg, Andrea Burtscher. Durch eine Schulung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könne diese wertschätzende Haltung befördert werden.

In Duisburg stellte Oberbürgermeister Sören Link gelungene Beispiele für die Einbindung des Gesundheitswesens vor. So betreibt Duisburg seit dem Sommer 2016 eine Clearingstelle, die sich darum bemüht den Krankenversicherungsstatus von Zuwandererkinder und deren Familien zu klären, damit sie ins Gesundheitssystem integriert werden können. Ohne Versicherungsschutz ist der Zugang zu Impfungen und U-Untersuchungen für diese Kinder sehr schwierig. Um ihn dennoch möglich zu machen, gibt es seit Anfang 2017 eine neue Notfallambulanz. Die "Malteser Migranten Medizin" bietet an zwei Tagen in der Woche eine offene Sprechstunde für Patienten ohne Krankenversicherung und ohne gültigen Aufenthaltsstatus an.

Das Familienministerium und die Landeskoordinierungsstelle planen weitere Veranstaltungen mit den Kolleginnen und Kollegen aus Vorarlberg. "Der Austausch ist nicht nur für die Gäste aus Österreich interessant. Auch wir können von den Erfahrungen der Vorarlberger profitieren", so Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen".

]]>
22 neue Kommunen bei "Kein Kind zurücklassen!" https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/22-neue-kommunen-bei-kein-kind-zuruecklassen/?no_cache=1 Nach dem erfolgreichen Abschluss der Modellphase geht "Kein Kind zurücklassen! Für ganz... Weitere 22 Kommunen sind ab sofort Teil der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen". Eines der zentralen Vorhaben der Landesregierung - die vorbeugende Politik - geht damit in die Fläche. Zusammen mit den 18 Kommunen aus dem 2012 gestarteten Modellvorhaben umfasst das Netzwerk in der ersten Ausbaustufe jetzt 40 Kommunen. Dadurch werden 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen erreicht.

Die Initiative "Kein Kind zurücklassen" setzt auf eine Politik der Vorbeugung, die allen Kindern gleiche Chancen auf ein gutes Aufwachsen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll - unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern. Es geht darum, die gesamte Entwicklung eines Kindes besser in den Blick zu nehmen und den Familien bestmöglich und frühzeitig helfen zu können. Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, aber auch Kitas, Schulen, Sportvereine, Jugendämter, Ärzte, die Polizei sollen dabei systematisch zusammenarbeiten. Das fängt schon bei der Schwangerschaft an und geht bis zum Eintritt in das Berufsleben.

"Ich freue mich, dass wir nach den positiven Erfahrungen der Modellphase die Landesinitiative 'Kein Kind zurücklassen!' nun ausweiten. Wir haben von Anfang an gesagt, dass alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen von den bisherigen Erkenntnissen profitieren sollen. Dieses Versprechen setzen wir nun um. Ich gratuliere allen Kommunen, die Teil dieses erfolgreichen Netzwerkes sind und freue mich auf die Zusammenarbeit", sagte Familienministerin Christina Kampmann.

Unter den neuen Kommunen befinden sich acht kreisfreie Städte: Aachen, Bochum, Bottrop, Herne, Köln, Krefeld, Leverkusen und Mülheim.

Daneben beteiligen sich acht Kreise: Kreis Coesfeld, Kreis Euskirchen, Kreis Herford, Kreis Lippe, Kreis Recklinghausen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Kreis Siegen-Wittgenstein und Kreis Steinfurt.

Darüber hinaus sind sechs kreisangehörige Städte nun Teil der Landesinitiative: Ahlen, Brühl, Dinslaken, Gummersbach, Monheim und Neuss.

Sie alle entwickeln einen eigenen Präventionsansatz, der aus drei Teilen besteht: Einem individuellem Leitbild, das die Ziele der eigenen Präventionsarbeit konkretisiert. Außerdem einer Präventionskette, die die vorhandenen Kräfte und Angebote in den Städten und Gemeinden bündelt und Angebote der Bereiche Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe und Soziales miteinander verknüpft, sowie einem sozialräumlichem Monitoring, das die Effekte in den einzelnen Kommunen untersucht. Wichtig dabei ist: Eine Lösung für alle gibt es nicht. Deswegen folgt die Landesinitiative dem Grundsatz "Ungleiches ungleich behandeln" und setzt auf individuelle Lösungen.

Mit der ersten Ausbaustufe von "Kein Kind zurücklassen" wird außerdem eine zentrale Empfehlung der wissenschaftlichen Begleitforschung umgesetzt, die positiven Erfahrungen aus dem Modellvorhaben in die Fläche zu bringen. Die Landesregierung verspricht, dass alle interessierten Kommunen aus Nordrhein-Westfalen bis 2020 Teil der Landesinitiative werden können. Insgesamt werden für die Ausweitung von "Kein Kind zurücklassen!" Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds in Höhe von insgesamt 2,3 Millionen Euro pro Jahr investiert. Jede neue Kommune erhält eine jährliche Förderung in Höhe von 30.000 Euro zur Koordinierung der Präventionsarbeit vor Ort. Gemeinsam mit den anderen teilnehmenden Kommunen arbeiten die Städte und Gemeinden in einem Netzwerk zusammen. Hier tauschen sie sich über gelingende Ansätze in der Prävention aus.

Die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!" wurde zwischen 2012 und 2016 in einer Modellphase mit 18 Kommunen erfolgreich erprobt. Die Erfahrungen zeigen, dass Prävention wirkt und sich rechnet. Auch über die Landesgrenzen hinweg findet die Politik der Vorbeugung Beachtung. So gab es Delegationsbesuche aus den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Steiermark. Vorarlberg setzt unter der dem Titel "Vorarlberg lässt kein Kind zurück!" bereits einen identischen Ansatz um. Auch das Saarland interessiert sich für "Kein Kind zurücklassen!". Ebenso hat die Weltgesundheitsorganisation erst im November des vergangenen Jahres die Landesinitiative als gutes Praxisbeispiel in der Präventionsarbeit vorgestellt.

Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport ist im Rahmen von "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" für die operative Umsetzung zuständig. Auch die Bertelsmann Stiftung wird beim Thema kommunale Vorbeugung aktiv bleiben und stellt den Kommunen ihr Forschungswissen zur Verfügung. Die neuen Kommunen werden wissenschaftlich durch das Institut für soziale Arbeit e. V. beraten.

]]>
"Hier wird hochprofessionelle Arbeit geleistet." https://www.kommunale-praeventionsketten.de/praxis/aktuelles/detail/artikel/es-herrscht-keine-beliebigkeit-vor-stattdessen-wird-hier-hochprofessionelle-arbeit-geleistet/?no_cache=1 ein Gespräch mit Landesrätin Ursula Lackner aus der Steiermark über ihren Besuch in NRW Schon zum zweiten Mal ist eine Delegation aus Österreich angereist, um sich über die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" zu informieren. Bereits während der Modellphase war eine Delegation aus Vorarlberg zu Besuch in mehreren Modellkommunen. Nun zu Beginn der Ausweitung der Präventionsarbeit in Nordrhein-Westfalen empfing das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport 26 Gäste aus der Steiermark - unter ihnen Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft.   Eine Delegation aus Österreich, die sich über Präventionsarbeit in Nordrhein-Westfalen informiert, ist außergewöhnlich. Was ist Ihre Motivation, sich die Präventionskette in Nordrhein-Westfalen anzuschauen? Wie sind Sie auf das Projekt "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" aufmerksam geworden? Vor etwa einem Jahr ist mir aufgefallen, dass Nordrhein-Westfalen manche Dinge anders betrachtet. Nach dem Studieren der Unterlagen der Dachmarke "Kein Kind zurücklassen!" war mir klar, dass wir manches davon für die Steiermark als Vorbild nehmen können. Es ist mir dann auch bekannt geworden, dass das Bundesland Vorarlberg schon einmal hierher geschaut hat und manches mitnehmen konnte. Im Sommer habe ich Einrichtungen in Vorarlberg besucht: Kinderkrippen, Kindergärten und auch Betriebe, die über Betriebskindergärten ein neues Angebot für Kinder und Eltern realisiert haben. Danach war mir klar, dass auch ich hierher kommen sollte, um mit jenen Menschen, die das kreiert haben, die das durchführen und die sehr strukturiert und kompetent an dieses Modell herangegangen sind, zu sprechen. Dies sollte nicht nur mir vorbehalten sein. Es sollte auch den steirischen Gemeinden und Städten möglich werden, sich hier eine erste Orientierung zu suchen, um dann in der Steiermark weiterzumachen. Ihre Delegation besteht aus 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich drei Tage Zeit nehmen. Warum sind sie mit einer so großen Personenzahl angereist? Und wie haben sie die Delegation ausgesucht? Kinder gut zu unterstützen, das ist ja nicht nur eine Aufgabe des Landes, sondern auch eine Aufgabe der Gemeinden. Sie sind die relevanten Partner für das Land, wenn es um Kindergärten, Kinderkrippen und Schulen geht. Nicht zuletzt, weil sie da eine immens wichtige Rolle einnehmen. Aus diesem Grund habe ich die Gemeinden, aber auch Gemeindebund, Städtebund und Bezirksverwaltungsbehörden eingeladen, mitzukommen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass "Kein Kind zurücklassen" kein Thema von Bildung, von Sozialem, Gesundheit oder von Regionalentwicklung allein ist. Es braucht eine Gesamtbetrachtung aus allen Themenfeldern heraus. Diejenigen, die dann vor Ort wichtig werden, die das umsetzen, das sind die Gemeinden und die Städte. Und deswegen sind sie auch Teil dieser Delegation. Sie haben gerade verschiedene Themenbereiche angesprochen, die alle auf das Thema Präventionsarbeit eingehen. Wie sehen sie die Möglichkeiten, diese großen Themenfelder zusammenzubringen? Wir haben in allen unseren Gemeinden zweifellos die notwendigen Institutionen und Einrichtungen. Diese sind über die letzten Jahrzehnte gut gewachsen und gut verankert. Aber wir bemerken nun, dass diese einzelnen, oft alleinstehenden Säulen den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Die Gesellschaft verändert sich unglaublich schnell. Sie verändert sich in ihren Ansprüchen, in ihrer Haltung gegenüber Themen und Herausforderungen. Mit dieser Struktur, die gewachsen ist, finden wir nicht mehr das Auslangen. Wir haben als Politik und auch als Verwaltung alles daran zu setzen, dass die Systeme miteinander in Kommunikation kommen. Ein Beispiel: Kindergarten und Schule. Diese Institutionen funktionieren für sich. Aber es kann nicht sein, dass sie das Kind nur getrennt voneinander betrachten. Im Mittelpunkt steht die Begleitung des Kindes. Um diese optimal zu gewährleisten, müssen die einzelnen Räder der Institutionen ineinander greifen und nicht unabhängig voneinander agieren Um diesen Übergang, den wir Transition nennen, besser zu gestalten, haben wir schon vor einem Jahr eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Schulbehörden und Kindergarteninstitutionen an einen Tisch holt. Tatsächlich haben wir dabei bemerkt, dass der Kindergarten und die Schule noch nie aufgefordert worden waren, miteinander etwas zu entwickeln. Das ist nicht im Sinne der heutigen Zeit. Da müssen wir einiges dazu tun, dass sich diese Systeme miteinander vernetzen. Im Fokus steht immer die Sicht des Kindes. Was braucht es an Begleitung von einer Station des Lebens zur nächsten? So soll es eigentlich auch in anderen Bereichen weitergehen. Wir müssen den Gesundheitsaspekt ebenso berücksichtigen wie den sozialen Aspekt. Das alles muss schließlich immer aus dem Blickwinkel des Kindes und dem der Familie betrachtet werden. In den drei Tagen Ihres Delegationsbesuchs haben Sie viele Einrichtungen gesehen, Gespräche geführt und Eindrücke gewonnen. Was werden sie konkret von dem Besuch in Nordrhein-Westfalen mitnehmen? Hier hat ein unheimlich engagiertes Team die Dachmarke "Kein Kind zurücklassen!" aufgebaut, zum Leben erweckt - und hält diese lebendig. Dazu wurden hohe Anforderungs- und Qualitätskriterien definiert, die auf die Gemeinden, die Städte sowie auf die Einrichtungen umgelegt werden. Es herrscht keine Beliebigkeit vor. Hier  wird hochprofessionelle Arbeit geleistet. Ich nehme für mich mit, dass meine Rolle in der Steiermärkischen Landesregierung sein kann, ein solches Bekenntnis abzugeben. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Landesregierung zu sagen: Ja, wir wollen auch unter diesen Aspekten Kinder und Familien unterstützen - bei ihrer großen Aufgabe, ins Leben hinein zu wachsen und selbstständig zu sein. Österreich ist ein anderes Land. Da gibt es viele Unterschiede allein schon in der Struktur. Inwiefern lässt sich die Präventionsarbeit aus Nordrhein-Westfalen übertragen? Was sind Aspekte, die man direkt so umsetzen kann, die sie hier kennengelernt haben? Wir haben im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen viel kleiner strukturierte Gemeinden und Städte. Die Landeshauptstadt Graz hat 280.000 Einwohner, die nächstgrößere Stadt liegt bei 30.000. Hier haben wir eine andere Situation. Das war uns auch bewusst. Aber den Zugang, wie wir Kinder gut begleiten können, diesen theoretischen Ansatz können wir gut übernehmen. Weil wir erkennen, dass die Verwaltung eine hohe Sensibilität entwickeln muss, sich diesen Herausforderungen anders zu nähern. Das Zusammenschauen spielt eine wesentliche Rolle. Wenn wir als verantwortliche und verantwortungsvolle Politikerinnen und Politiker erkennen, dass es sowohl für das Land, als auch für die Gemeinden einen Mehrwert hat, die Dinge neu zu betrachten, können wir auch wirklich gute Projekte in der Steiermark aufsetzen. Dafür braucht es allerdings einen strukturierten Prozess und Qualitätskriterien, die von vornherein definiert werden müssen. Gibt es aus ihrem Besuchsprogramm Einrichtungen oder Zusammenhänge, die Sie besonders überzeugt haben? Bei welchem Beispiel guter Praxis glauben Sie, dass es auch in der Steiermark funktionieren würde? Das Familienzentrum in Gelsenkirchen hat alle Mitreisenden begeistert. Man konnte einfach und niederschwellig - im wahrsten Sinn des Wortes - vom Gehsteig gleich in diese Einrichtung gehen. Sie war belebt von Kindern und von Eltern, die sich informieren können, die ein umfassendes Angebot bekommen für die Bewältigung der täglichen Herausforderung des Elternseins. Es ist ein leuchtendes Beispiel, das wir in die Steiermark mitnehmen können. Nicht zuletzt, weil man in dem Fall nicht lange warten muss, sondern unmittelbar in die Umsetzung gehen kann. Sie heben ein Beispiel heraus, wo Sie gleich starten können. Wie sieht Ihre Zielsetzung konkret aus? Was sind ihre nächsten Schritte in der näheren Zukunft? Die Gemeinden und Städte, die nach Nordrhein-Westfalen mitgekommen sind, sind bereits ungeduldig. Es wurde auch schon darüber gesprochen, Anträge einzureichen, um gleich ins Arbeiten zukommen. Da möchte ich zwar nicht bremsen, aber zumindest ein Stück weit entschleunigen. Schließlich haben wir gesehen, dass es klare Strukturen ebenso braucht wie ein Management, das sich um die Qualität und die Vergleichbarkeit von Maßnahmen kümmert. Um die Gemeinden jetzt aber nicht ganz herunterzuholen: Wir - das Land und die Gemeinden - werden diese Parameter miteinander entwickeln, immer mit dem Ziel, allen Kindern Chancengerechtigkeit zukommen zu lassen. Und nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern. Dazu bedarf es einer funktionierenden Struktur. Nordrhein-Westfalen kann hier ein Best-Practice Beispiel sein. Ich freue mich auf die gemeinsame Reise, zu der sich das Land Steiermark mit den Gemeinden aufmacht - wir werden ganz sicher nächstes Jahr schon Fahrt aufnehmen.]]>