Verwaltung und Organisation: Integriertes Handeln im Sinne der Familien

Die verschiedenen Arbeitsbereiche einer Verwaltung bearbeiten Anliegen von Hilfesuchenden oder Antragstellern in der Regel nur gemäß ihrer Zuständigkeit. Hinter vielen Anliegen, die von Familien in den verschiedenen Stellen einer Kommune vorgetragen werden, stecken aber oft weitere Probleme oder Ansatzpunkte für präventives Handeln.

Ein Beispiel: Eine Mutter erscheint zu Gesprächsterminen im kommunalen Jobcenter mehrfach vormittags mit ihrem fünfjährigen Kind. Der Mitarbeiterin des Jobcenters fällt dies auf und sie spricht die Mutter darauf an. Die Mutter erzählt, das Kind habe keinen Kita-Platz und spreche auch kein Deutsch, da in der Familie nur türkisch gesprochen werde. Hätte die Mitarbeiterin dies nicht angesprochen, wäre das Problem möglicherweise bis zur Schuleingangsuntersuchung nicht aufgefallen.

Der Kreis Düren hat sich deshalb überlegt, in jedem relevanten Fachbereich mindestens eine Präventionskraft auszubilden, die dafür sensibilisiert ist, die Lebenssituationen einer Familie ganzheitlich zu betrachten und deshalb mehr als nur die üblichen Pflichtfragen ihres Arbeitsfeldes stellt. Außerdem kennt sie die Angebote der anderen Ämter und Freien Träger vor Ort. Die verschiedenen Ämter der Kreisverwaltung entsenden eine Präventionskraft in monatliche sogenannte "Schnittstellengespräche", um gemeinsam Fälle zu besprechen, in denen Familien mehr Unterstützung benötigen, als ein Amt allein hergeben kann - natürlich nur, wenn die Eltern der damit verbundenen Datenweitergabe zustimmen. In Form einer kollegialen Beratung kann dieses Präventionsteam dann passende Hilfeangebote für die Familien zusammentragen. Ein "Lotse" aus dem Team bündelt die gesammelten Ideen, trägt sie an die Familie heran und behält die Entwicklung im Auge. In unserem Beispiel sah sich nach der Besprechung des Falls im Präventionsteam das Gesundheitsamtals geeigneter Lotse und trat in Kontakt mit der Familie, um Angebote der Sprachförderung zu besprechen.

Um den Blick der Mitarbeitenden für die Bedürfnisse der Familien und die Angebote anderer Ämter und Träger zu weiten, wurden eigens konzipierte Schulungen veranstaltet und Informationsmaterial verteilt. Die Amtsleitungen haben gegenseitig hospitiert, um sich kennenzulernen und die jeweiligen Zuständigkeiten und Inhalte der Arbeit transparenter zu machen. Die Schulung wurde als fester Bestandteil ins Fortbildungsprogramm der Kreisverwaltung aufgenommen. Im Sommer 2014 wurde ein Präventionsbüro eingerichtet, in dem Mitarbeitende des Jugendamts, des Bildungsbüros und eines Trägers der freien Jugendhilfe arbeiten. Die Mitarbeiter des Präventionsbüros koordinieren und unterstützen den gesamten Prozess der Gestaltung der kreisweiten Präventionsstrategie. Das Präventionsbüro leitet die monatlichen Sitzungen des Präventionsteams, in dem die "Schnittstellengespräche" stattfinden.

Alle Artikel mit Praxisbeispielen aus den 18 Modellkommunen finden Sie im Bericht der Landeskoordinierungsstelle.