26.09.2018, Siegen-Wittgenstein

„Alle waren voll motiviert“

Besseres W-LAN und mehr Orte zum "Chillaxen": Das wünschen sich Jugendliche aus Siegen-Wittgenstein. Bei #siwi4you, einer Jugendbeteiligungskonferenz, haben knapp hundert junge Leute ihren Lokalpolitikern erklärt, wie für sie eine jugendgerechtere Gestaltung der Kommune aussehen würde.

Jugendliche präsentieren im "Gallery Walk" den Politikern ihre Ideen. Bild: Kreis Siegen-Wittgenstein/Ismail Demir

Nach vielen Jahren mit dem Fokus auf dem Ausbau des Kita-Bereichs, will Siegen-Wittgenstein nun ein neues Glied in der Präventionskette in den Blick nehmen: Jugendliche  sollen jetzt im Mittelpunkt stehen und aktiv daran beteiligt werden, die Voraussetzungen für ein gelingendes Leben zu verbessern.

Auftakt des Engagements im Jugendbereich war eine Jugendbeteiligungskonferenz unter dem Titel #siwi4you, zu der alle interessierten Jugendlichen eingeladen waren. Und tatsächlich: 93 junge Leute aus Gymnasien, Haupt- und Realschulen, Berufskollegs und einer Förderschule folgten der Einladung ins Tagungshaus Keppel in Allenbach. Ziel der Kreisverwaltung, die die Veranstaltung in Kooperation mit den Städten und Gemeinden sowie dem Kreisjugendring durchgeführt hat, war es, durch die Konferenz zu erfahren, was junge Menschen vor Ort bewegt und welche Wünsche sie haben.



Die 13- bis 17-jährigen Teilnehmer bildeten mehrere Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themen und stellten ihre Wünsche dann in einem sogenannten „Gallery Walk“ vor. Dabei machten sie ihrem Namen „Generation Z“, der für Digital Natives steht, also Menschen, die mit digitaler Technik ganz selbstverständlich aufgewachsen sind, alle Ehre. Schnelleres und frei zugängliches W-LAN und der Ausbau von Glasfaserkabeln zählten zu den Hauptwünschen. Für die Schulen schlugen die Jugendlichen den Austausch von alten Schulbüchern und eine schönere Gestaltung von Schulhof und Klassenräumen vor. Auch der stärkere Einbezug von SchülervertreterInnen war ein Bedürfnis der jungen Leute. Woran es außerdem fehle, seien Sportmöglichkeiten, wie Basketballplätze und, ganz wichtig, Orte, wo sich Jugendliche aufhalten dürfen und ihre Freizeit verbringen können. Denn für Spielplätze sind sie zu alt, würden überall verscheucht. Was sie bräuchten, seien „Chillax“-Plätze, um dort ungestört zusammen rumzuhängen. Freiräume eben, in denen sie sich frei entfalten und fern ab von institutionalisierten Angeboten entwickeln und ausprobieren können.

Weitere Anliegen waren die Renovierung von Jugendtreffs und die Instandsetzung eines Radwegs. Vielen jungen Menschen, die noch kein Auto fahren dürfen, war der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs wichtig, um die vielen kleinen Dörfer in der ländlichen Umgebung von Siegen-Wittgenstein besser anzubinden. Jennifer Utsch, Koordinatorin von #siwi4you, hat das Engagement der Jugendlichen begeistert: „Ich kann das nicht beschreiben, jeder von den 93 Jugendlichen hat wirklich aktiv mitgemacht. Es gab keinen, der rumsaß und demotiviert war“.

Ihre Plakate konnten die Jugendlichen politischen Entscheidern aus ganz unterschiedlichen Ebenen zeigen: Zugegen waren der Landrat, eine Bürgermeisterin, vier stellvertretende Bürgermeister, verschiedene Fraktionsvorsitzende und Mitarbeitende aus dem Kreistag, aus Jugendhilfe- und Schulausschuss, Kreisjugendring und anderen Verwaltungseinheiten und auch Leitungen der Jugendtreffs. „Die Jugendlichen haben tolle Plakate gemacht und ich fand so super, wie sie auf die Politiker zugegangen sind und vor allem diejenigen, bei denen man am Anfang dachte, dass sie eher stiller sind. So eine Entwicklung von Ankommen bis Nachhausgehen, damit habe ich nicht gerechnet.“, freut sich Jennifer Utsch.

Die Wünsche der Jugendlichen wurden teilweise schon zeitnah in kleinen Arbeitsgruppen weiterbearbeitet und werden im Mai 2019 bei drei dezentralen Konferenzen in den Sozialräumen vertieft. Die nächsten Schritte sollen für die jungen Leute unbedingt transparent bleiben, sagt Utsch. Nach der Konferenz wurden mehrere Chat-Gruppen gegründet, in denen der weitere Prozess in der Umsetzung der Ideen an die Jugendlichen weitergegeben wird. Jennifer Utsch freut sich, auch in Zukunft Jugendliche in den Prozess zum Ausbau der Kommunalen Präventionsketten einzubeziehen und zur Teilnahme zu motivieren. Die Auftaktveranstaltung habe gezeigt: „Jugendliche wollen sich einbringen, wollen gefragt werden.“

Diesen Eindruck spiegelt auch das Ergebnis der Veranstaltungsauswertung. Die Jugendlichen haben der Konferenz in einem Fragebogen die Gesamtnote „gut“ gegeben.