26.04.2018

Bochum knüpft weiter am Netz für Prävention und Bildung

Dreihundert Akteure aus den Bereichen Schule, Jugendhilfe, Freie Träger, Verwaltung, Bezirksregierung und Land wollten am 26.04.2018 an diesem Präventionsnetz mitarbeiten und sind der Einladung zur ersten Präventions- und Bildungskonferenz in Bochum gefolgt.

Foto: ISA / Ursula Kansy.

An ein symbolisches Netz konnten die Akteure ihre Arbeitsplattformen, Angebote und Projekte anheften. Foto: ISA / Ursula Kansy.

Anette Eichler, Leiterin des Regionalen Bildungsbüros und stellvertretende Amtsleiterin des Schulverwaltungsamts, und Peter Kraft, Beauftragter für Kinderschutz, Kommunale Präventionsketten und Frühe Hilfen führten gemeinsam durch den Tag. Foto: ISA / Ursula Kansy.

„Wir wollen Chancengleichheit, gute Bildung und die gesellschaftliche Teilhabe - unabhängig von der sozialen Herkunft für Bochumer Kinder - erreichen“, so Oberbürgermeister Thomas Eiskirch. Foto: ISA / Ursula Kansy.

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"Wir müssen alles dafür tun, damit Hartz IV nicht vererbt wird“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch. Foto: ISA / Ursula Kansy.

Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle "Kommunale Präventionsketten NRW", forderte armutssensibles Verhalten der Institutionen. Foto: ISA / Ursula Kansy.

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Dass Bochum bereits jetzt schon dank zahlreicher bestehender Angebote für Kinder und Jugendliche gut aufgestellt ist, es aber weiterhin die Bemühungen für noch bessere Bildung und Prävention als Mittel für mehr Chancengerechtigkeit auszubauen gilt, war der Tenor aller Beteiligten der Podiumsdiskussion. Foto: ISA / Ursula Kansy.

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Die Kabarettistin Esther Münch trat in ihrer Rolle als Putzfrau Waltraud Ehlert auf. Foto: ISA / Ursula Kansy.

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Marco Becker, Leiter des Arbeitsstabs Kommunale Präventionsketten im Referat Familienzentren/Kommunale Präventionsketten des Familienministeriums (links) mit Peter Kraft und Dr. Heinz-Jürgen Stolz. Foto: ISA / Ursula Kansy.

Edith Baschek, Jugendamt Bochum und Karl-Heinz Kaup, Regionales Bildungsbüro. Foto: ISA / Ursula Kansy.

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Kerstin Kuklinski, Kunstmuseum Bochum. Foto: ISA / Ursula Kansy.

"Das Kunstmuseum als Bildungspartner - Kunst- und Kulturvermittlung ermöglicht Bildungschancen" war eine der Arbeitsgruppen am Nachmittag der Präventions- und Bildungskonferenz. Foto: ISA / Ursula Kansy.

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Oberbürgermeister Thomas Eiskirch begrüßte das vollbesetzte Auditorium in der beeindruckenden Kulisse des Annelise Brost Musikforums Ruhr: „Heute wird zusammengeführt, was bislang noch nicht zusammengeführt wurde.“ Eiskirch forderte übergreifende Arbeit in mehrfacher Hinsicht: „Wir müssen bereichsübergreifend und lebensphasenübergreifend agieren. Nur so können wir ein dichtes Präventionsnetz spinnen und gemeinsam gute Voraussetzungen für gelingende Bildungsbiografien schaffen.“

An diese Forderung knüpfte Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“, in seinem Fachvortrag über „Die Rolle von Bildung und Regionalen Bildungsnetzwerken für kommunale Präventionsansätze“ an. Er mahnte verstärkte multiprofessionelle Zusammenarbeit an, statt lediglich additiv vorzugehen. Das Nebeneinander von Angeboten, die jeweils innerhalb der ihnen gesteckten Ressortgrenzen gedacht werden, ist auch bei besten Absichten im Alltagsgeschäft der Kommunen ein wiederkehrendes Muster. Dabei nannte er als Beispiel die Offene Ganztagsschule, wo vielerorts die Multiprofessionalität nicht ausreichend als Team genutzt würde und eine Verzahnung der Ressorts nicht ausreichend stattfinde. „Da darf man ehrgeiziger sein. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Stolz bemühte den Reformpädagogen Hartmut von Hentig – „Lebensprobleme gehen vor Lernproblemen“- um zu unterstreichen, wie grundlegend der Brückenschlag zwischen den Feldern Prävention und Bildung ist. Die je nach Sozialmilieu und individueller Biografie ungleichen Lernausgangsbedingungen müssen von den Bildungsverantwortlichen gesehen werden. Gleichzeitig dürfe man die Schule nicht allein lassen mit dem Auftrag Bildung. Die Schullaufbahnsicherung müsse schon in den Kitas beginnen. Mit besonderer Aufmerksamkeit seien die Übergänge in die Grund- und weiterführende Schule, sowie in die Ausbildung im Blick zu behalten. Übergänge von einem Entwicklungsfeld ins nächste sind gekennzeichnet von erhöhter Anpassungsleistung der Kinder und besondere Anforderungen an die Eltern, die in dieser prägenden Phase Begleitung benötigen können. Präventions- und Bildungsnetzwerke seien Teil einer Verantwortungsgemeinschaft bei der Arbeit an einer gemeinsamen Formel für Prävention und Bildung. Dafür gelte es nachhaltige Strukturen zu schaffen.

Über die Strukturen und ihre Nachhaltigkeit diskutierten auch die Experten auf dem Podium:

  • Britta Anger, Beigeordnete der Stadt Bochum für Soziales, Jugend und Gesundheit
  • Maria-Christina Hagemeister, stellvertretende Vorsitzende der AG 78
  • Dolf Mehring, Leiter des Jugendamtes der Stadt Bochum
  • Annette Meyer, Regionalkoordinatorin der Schulaufsicht für das Regionale Bildungsnetzwerk Bochum
  • Martin Stempel, Leiter des Schulverwaltungsamtes der Stadt Bochum
  • Dr. Heinz-Jürgen Stolz, Leiter der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW“

Einig war man sich darin, dass die Investition allein in Einzelprojekte zu kurz gegriffen sei und nicht in Nachhaltigkeit münde. „Weg von der Projektitis“, appellierte Stolz. „Wir wollen nicht, dass Sie irgendwann mal einen Ordner „Kommunale Präventionsketten NRW“ ins Regal stellen und sagen ‚Da haben wir auch mal teilgenommen‘“, bekräftigte Stolz seine Forderung nach langfristigen strukturellen Veränderungen durch integrierte Handlungskonzepte.

Das Schlusswort des Vormittags lag bei der Kabarettistin Esther Münch, die in ihrer Rolle als Putzfrau Waltraud Ehlert den Diskurs mit spitzer Zunge kommentierte: „Mit Bildung muss man schon viel früher ansetzen. Nämlich bei den eigenen Mitarbeitern. Bildung für Kopf und Herz.“