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19.12.2017, Krefeld

Ein Markt für die Menschen

Weihnachtsterne, Kuscheltiere oder Plätzchen für den guten Zweck. Die bietet der besondere, weniger kommerzielle Krefelder Weihnachtsmarkt, dessen Stände ausschließlich von sozialen Organisationen und Einrichtungen betrieben werden. 1000 Familien, die auf Lebensmittelspenden der Krefelder Tafel angewiesen sind, haben in diesem Jahr Taler für ihre Kinder erhalten, die sie an den Ständen des besonderen Marktes einsetzen können.

Der erste Schnee des Jahres fällt, von der Bühne wehen Weihnachtslieder zu den bunt geschmückten Markständen herüber, auf denen sich Kekse, Weihnachtssterne, Marmelade und Filzpantoffeln stapeln. Familie Hussiyn löst am Stand der Alexianer ihre Papiertaler gegen Weihnachtsdekoration ein - selbstgemachte Holzsterne für ihr Wohnzimmer. Die Familie lebt schon seit 25 Jahren in Deutschland und gehört zu den 1000 Familien, die bei der Tafel registriert sind, also auf die Lebensmittelspenden angewiesen sind, und an die die Stadt Krefeld in diesem Jahr Taler im Wert von 15 Euro pro Kind verteilt hat. Die beiden Kinder strahlen und auch Vater und Mutter Hussiyn freuen sich über die Sterne.

Einlösbar sind die Taler auf dem besonderen Weihnachtsmarkt vor der Krefelder Einkaufspassage. Die Stände gehören ausschließlich sozialen Organisationen und Einrichtungen, ihr Erlös soll zurück an Bedürftige fließen. Etwa an die Kinder aus dem Marianum. Vor dem Stand des Kinderheims stehen Ilka und Benni* und verteilen Schokoladenglocken: "Ich komme aus dem Kinderheim Marianum und mache Werbung, damit man die Sachen kauft", erklärt Benni. In der Auslage - nur Artikel, die die Kinder mit ihren Betreuern gebastelt haben. Cappuchinopulver in Reagenzgläsern, Kränze, Plätzchen, Vogelfutternester, Badesalz oder Kinderpunsch. "Ist schon ein bisschen anstrengend, aber ein paar Leute kaufen auf jeden Fall", sagt Benni. Die Einnahmen sollen den Heimkindern neues Spielzeug oder einen gemeinsamen Ausflug ermöglichen.

Am Stand des Krefelder Jugendamtes ist gerade Beratungszeit: "Ihr müsst die Taler annehmen wie eine Währung und könnt den Wert der Taler mit der Tafel abrechnen", erklärt Markus Schön gerade zwei Standbesitzern, die noch nichts von der Aktion wussten. 15.000 Euro habe die Stadtsparkasse auf Initiative vom Oberbürgermeister Frank Meyer zur Verfügung gestellt, erklärt der Jugendamtsleiter. "Wir vom Jugendamt unterstützen die Aktion durch besondere Erlebnise für die Kinder!" Und so können die Familien ihre Taler hier auch für Zoobesuche, die Musikschule, Indoorspielplätze, Tanzschulen, fürs Kino, den Zirkus oder auch für den Spielwarenladen einlösen, die für viele Familien normalerweise nicht zu stemmen gewesen wären . "Für fünf Taler gibts zum Beispiel eine Jahreskarte für die Bibliothek in Krefeld", sagt Schön. Teilweise böten die Firmen ihre Leistungen günstiger an.

Die Talerspende ist eine von mehreren Aktionen des Krefelder "Aktionsbündnis gegen Kinderarmut". Die Schirmherrschaft hat der Oberbürgermeister. Prävention wurde in Krefeld bislang ganz praktisch initiiert, und zwar immer mit dem Grundsatz ungleiches ungleich zu behandeln, also besonders Familien zu unterstützen, die es am dringendsten brauchen. Am Jugendamtstand hätten an diesem Morgen bereits um die 50 Familien mit der Talerwährung bezahlt, sagt Schön.

Die Aktion schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Die Kinder einkommenschwächerer Familie erhalten eine kleine Weihnachtsfreude und unterstützen damit gleichzeitig andere soziale Projekte und Einrichtungen. Etwa die psychosoziale Hilfe Krefeld. Die Besucher der Tagesstätte haben eigenhändig Fußmatten bedruckt, Kerzen gegossen, getöpfert, Socken und Jacken gestrickt. Mitarbeiter Tobias Berns verkauft sie heute ehrenamtlich am Stand vor dem Passageneingang "Das Geld, das wir heute einnehmen, kommt dann den Nutzern unserer Tagesstätte zugute. Im Moment planen wir eine kleine Wochenendreise", sagt Berns.

Der Deutsche Kinderschutzbund ist mit einem Stand der Tagesgruppe Leuchtturm vertreten: Die Kuscheltiere oder Kissen haben Mitarbeiter genäht und mit Kirschkernen befüllt. Auch hier verkaufen die Angestellten die Sachen ehrenamtlich zum guten Zweck. Der Absatz sei gut, freut sich ein Freiwilliger: "Wir haben das Ziel, um 15 Uhr ausverkauft zu sein!" Auch ein Altenheim mit angeschlossener Tagespflege macht mit. "Wir verkaufen selbst gemachte Socken von Frau Schaufler, einer Bewohnerin, die schon länger bei uns ist.", lacht Nicole Neubacher von der Einrichtung. "Die hat schon ganz viel erstrickt, dann haben wir selbst gemachte Karten, Kronen aus Konservendosen, Plätzchen und Liköre".

Herr und Frau Opdenberg durchstöbern gerade Neubachers Standauslage, suchen sich dann Sammeltassen für sich und ihre Kinder aus. "Seit der Zeit, die dieser Markt existiert, bin ich begeistert vom Engagement der Menschen", sagt Birgit Opdenberg. Sie kämen jedes Jahr hierher, erzählt ihr Mann weiter. Es sei ein fester Termin im Kalender. "Das ist was besonderes, dass hier lauter Freiwillige bei so einem schäbbigen Wetter draußen stehen und versuchen für unterschiedlichste Gruppen was Gutes zu tun und mit ihren selbst gemachten Sachen ein positives Signal zu geben", sagt Herr Opdenberg. Während eisiger Schneeregen fällt, wolle das Paar auch in diesem Jahr mithelfen und an den Ständen des besonderen Weihnachtsmarktes wieder extra viele Plätzchen kaufen und den Marmeladenvorrat für das kommende Jahr decken.

Durch die Taleraktion können die Stände in diesem Jahr mit bis zu 15.000 Euro Mehreinnahmen rechnen. Viele Kinder aus einkommensschwächeren Familien können sich über ein Gratisgeschenk freuen, oder auf ein spannendes Erlebnis im Zoo, der Tanzschule oder im Zirkus, das sonst vielleicht nicht möglich gewesen wäre. So wie Familie Hussiyn, die mit ihren Tüten voller Weihnachtssterne langsam in der Menge verschwinden.

* Namen von der Redaktion geändert