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24.10.2017

FSA: Kommunale Sozialplanung - ganz praktisch!

Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen kommunaler Planungsprozesse

Am 19.10.2017 war die FSA  - Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung  - Gastgeber eines Fachtages für kommunale Sozialplanung mit dem Titel „Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen kommunaler Planungsprozesse“ im Wissenschaftspark in Gelsenkirchen. Die mit knapp 100 Teilnehmenden ausgebuchte Veranstaltung hatte eine breite Zielgruppe von (kommunalen) Fachkräften der Sozial-, Jugendhilfe-, Quartiersplanung und -entwicklung sowie weiteren Akteure und Interessierte aus diesem thematischen Spektrum angelockt.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch den Geschäftsführer der Opens external link in new windowNRW.ProjektSoziales GmbH und Leiter der FSA, Norbert Wörmann, der das Thema „Beteiligung“ sogleich offensiv anging und als „Beteiligung im unmittelbaren Lebensumfeld der betroffenen Menschen“ definierte. Und obwohl Beteiligung in aller Munde sei und ebenso allgegenwärtig, stelle sich in der Praxis doch oft die Frage, ob sie auch gewünscht sei. Gegner und Kritiker – unter anderem in den Reihen der „Schreibtischtäter und Sozialarbeiter“ gelte es zu überzeugen. Ebenso komplex sei auch die Frage, wie man Betroffene beteilige, ohne einen „Wünsch-dir-was“-Reflex auszulösen und inwiefern die praktizierten Beteiligungsformate überhaupt bei den tatsächlich Betroffenen ankämen.

Wörmann erörterte, dass es „keine einfachen Lösungen gebe“ in Zeiten des Populismus und dennoch gute Praxis existiert, die zeige, dass Beteiligung funktioniert, wenn kommunale Spitzen sich hinter das Konzept stellen. Beteiligung sei als „Kompass für die Planung“ zu verstehen, der nicht nur der Orientierung diene, sondern auch für Transparenz und Legitimation von Planungen sorge: „Wenn betroffene Menschen in Planungsprozesse einbezogen werden, tragen sie diese auch mit.“

Kernfragen des anschließenden Vortrags von Prof. Dr. Lothar Stock von der Opens external link in new windowHochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig waren dann auch, welche Formen und Möglichkeiten der Beteiligung es gibt, wo aber auch die Grenzen von Beteiligung liegen. Von der zunächst häufig ernüchternden Einsicht, dass „Macht da ist, wo das Geld ist“ solle man sich nicht abhalten lassen, Beteiligung zu ermöglichen und zu gestalten. Dezidiert erläuterte Prof. Dr. Stock die Unterschiede zwischen „Beteiligung“ und „Partizipation“, welche in der Opens external link in new windowDokumentation zur Veranstaltung detailliert nachgelesen werden können. Er beleuchtete unter anderem auch den Ansatz der „Gemeinwesenarbeit“ in Abgrenzung zum „Community Organizing“, beides wichtige Ansatzpunkte für die Sozialplanung. Als Beispiel für „echte Partizipation“ führte er den erfolgreichen Einsatz einer Bewohnerinitiative für den Erhalt der Wilhelm-Meyer-Brücke für Fußgänger in Saarbrücken an.

Prof. Dr. Stock hob hervor, dass Menschen sich häufig dann beteiligten, wenn die „Themen Menschen berühren“ und wenn Betroffene die Möglichkeit sähen, dass ihnen „eine Stimme verliehen wird“ und erläuterte dies anhand von konkreten Beispielen wie u.a. dem integrierten Stadtentwicklungskonzept Opens external link in new window„Leipzig 2030“, das in diesem Jahr unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit in verschiedenen Formaten geplant und diskutiert wurde.

Am Nachmittag gaben drei Referenten parallel Inputs zu Vertiefungsthemen, u.a. Dr. Gaby Reinhard vom Opens external link in new windowInstitut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) zum Thema „Quartiermanagement und Beteiligung in benachteiligten Stadtgebieten“. Sie stellte das „Quartiermanagement“ als zentrales Steuerungselement für integrierte Handlungskonzepte und Quartiersentwicklung allgemein vor. Anhand eines Modells skizzierte sie die drei verschiedenen Ebenen des Quartiermanagements in der Verwaltung, im Stadtteil und im „intermediären Raum“ dazwischen. Sie verdeutlichte, dass es Menschen auf allen drei Ebenen brauche (in kleineren Gemeinden ggf. in Personalunion), die im Idealfall „mit beiden Beinen im Stadtteil und mit beiden Händen in der Verwaltung und Politik“ verankert sind. Menschen, die Brücken schlügen und Koalitionen bildeten, Beziehungen zu den Menschen im Quartier aufbauten und dabei sich dabei nicht durch (politische/wirtschaftliche) Macht, sondern durch Anerkennung und Authentizität legitimieren. Durch Unabhängigkeit und eine Gleichberechtigung der verschiedenen Ebenen könne man als Planer/Koordinator „Bürgerbeteiligung begleiten“ und das „Schmieröl im Getriebe“ sein, um verschiedene Akteure an einen Tisch zu bringen und „sozialen Frieden in Quartieren zu sichern“.

nb