19.11.2016

Das Familienbüro Gelsenkirchen

...ermöglicht Spielräume für Kinder und Eltern.

Die Glasfronten des Familienbüros Gelsenkirchen gewähren den Passanten den Blick auf die Spielfläche im Inneren. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Eine abwechslungsreiche Erfahrungs- und Bewegungslandschaft lädt die Kleinkinder zum Spielen ein. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Stefanos Kappas verlängert extra seine Mittagspause um mit seinem Sohn hier zu spielen. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Elias spielt gerne hier und nutzt die Möglichkeiten, die kostenfrei angeboten werden. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Durch die Glasfronten können die Passanten sehen, was das Familienbüro Gelsenkirchen anbietet. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Die Infotheke ist wie eine Rezeption gebaut und erinnert nicht an eine Behörde. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Eine Wickelmöglichkeit ist für viele Familien der erste Zugang zum Familienbüro. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Das Familienbüro ist auf multikulturelles Publikum vorbereitet und bietet Informationsblätter in verschiedenen Sprachen an. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Die Kinderärzte der Umgebung schreiben sogar Rezepte für den Besuch der Familienbüros. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Für die Kinder ist auch der Blick auf die Straße sehr spannend. Bild: ISA / Andreas Endemann.

Der einjährige Ilias drückt sich an der großen Glasscheibe die Nase platt. Eine Spiel- und Bewegungslandschaft liegt vor ihm. Es gibt Bänke zum Balancieren. Einen großen Holzbogen zum Klettern. Unzählige Materialien zum Anfassen und Erfahren. Sogar ein Becken mit Wasser zum Experimentieren lockt. Hier will Ilias rein, das ist klar.

Sein Vater Stefanos Kappas steht hinter ihm. Und auch er fühlt sich eingeladen. Denn Birgit Busse, Kinderkrankenschwester und Betreuerin des Spiel- und Bewegungsangebots, gibt ihm ein Zeichen ruhig hereinzukommen. Einen Moment später sind Vater und Sohn mitten drin im Familienbüro Gelsenkirchen. Sie erkunden die aufgebaute Erfahrungs- und Bewegungswelt für Kleinkinder und kommen in Kontakt zu den Mitarbeitern des Familienbüros. Sie verbringen gemeinsame Zeit mit den anderen Besuchern, den Kindern und den Eltern. Eine Kaffeemaschine bietet weiteren Anlass zu bleiben und sich auszutauschen in gemütlicher Atmosphäre.

Stefanos Kappas hat sich die Mittagspause extra verlängert, um mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können. Der Gastronom mit griechischen Wurzeln betreibt ein Imbisslokal in der Innenstadt von Gelsenkirchen - nicht weit vom Standort des Familienbüros. Seine Frau ist Türkin und auch sie nutzt regelmäßig dieses Angebot der Stadt Gelsenkirchen.

Die Familie bekam zur Geburt Ihres Sohnes Ilias einen Begrüßungshausbesuch durch eine Mitarbeiterin des Jugendamtes und damit auch zum ersten Mal Informationen zu den Angeboten des Familienbüros. Dass Ilias und sein Vater heute hier Zeit verbringen, liegt aber eindeutig noch an einem anderem Grund: die Lage und die Aufmachung des Familienbüros.

Es liegt mitten in der Stadt, umgeben von vielen Geschäften, Läden oder auch (Kinder-)Arztpraxen. Die Familien sind ohnehin schon vor Ort und müssen hier noch andere Dinge erledigen. Die großen "Schaufenster" bieten einen Blick ins Innere. Nichts erweckt den Eindruck, dass es sich hier um eine Behörde handeln könnte.

Vielmehr macht eine Infotheke einen einladenden Eindruck und den Servicegedanken deutlich. Das Angebot für die Kinder ist allein durch die gläserne Gestaltung des Familienbüros und ohne Worte kommuniziert: Hier wird in liebevoll gestalteter Umgebung gespielt, gefördert und beraten. Manche kommen auch nur schnell rein, um zu wickeln und zu stillen.

Und da diese Bedürfnisse alle Eltern kleiner Kinder haben, kommen sie auch alle herein: Heute treffen sich hier eine Teamleiterin aus der Wirtschaft, eine Hausfrau, eine Sekretärin und eben ein Imbissbudenbesitzer. Aber auch Schalker-Spielerfrauen wurden hier schon begrüßt. "In letzter Zeit kommen vermehrt Väter, die mit ihren kleinen Kindern vorgeflohen sind und auf den Familiennachzug hoffen. Sie sind mit den Kindern auf sich allein gestellt und finden hier Unterstützung und Kontakt zu Männern in der gleichen Situation", berichtet Ina Woelk, Teamleitung der Familienförderung der Stadt Gelsenkirchen. So muss sich das Familienbüro auf Besucher aus den unterschiedlichsten Ländern einstellen, die nicht alle dieselbe Sprache sprechen. Neben vielen deutschen Müttern und Vätern nutzen heute auch der griechische Vater, türkische und spanische Mütter und eine Roma-Familie das Angebot der Stadt Gelsenkirchen.

Auf sprachliche Probleme sind die Mitarbeiter des Familienbüros gut vorbereitet. Im Team arbeitet eine Mitarbeiterin, die fließend türkisch spricht. Die wichtigsten Informationen zur Nutzung der freien Kinderspielfläche können die Eltern aber auch in verschiedenen Sprachen nachlesen: zum Beispiel auf Rumänisch, Arabisch und Russisch. Doch manchmal reicht dieses Hilfsmittel noch nicht aus und es gibt Schwierigkeiten mit dem Lesen. Und auch hierauf hat sich das Familienbüro eingestellt. In einigen Sprachen kann man sich die Informationen und Regeln auch als Audio-Guide abspielen lassen.

So fühlt sich jeder willkommen und das spricht sich rum. Ein großer Anteil der Besucherinnen und Besucher ist über die Empfehlung einer Freundin oder eines Freundes da. Andere kommen sogar auf Rezept. Das Familienbüro hat es geschafft einen guten Kontakt zu den umliegenden Kinderarztpraxen aufzubauen. Sie verschreiben den Kindern Bewegung oder den Eltern Ernährungskurse und vermitteln sie so an das Familienbüro.

Ina Woelk von der Stadt Gelsenkirchen ist selbst von dem Erfolg des Familienbüros überrannt worden: "Begonnen haben wir mit wenigen Besuchern. Inzwischen kommen monatlich über tausend." Dass Gelsenkirchen mit ihrem Familienbüro Einiges richtig macht, ist offensichtlich und spricht sich rum. Die Kommune Gladbeck hat sich angemeldet und will sich umschauen, was sie von Gelsenkirchen lernen kann. Und Ina Woelk gibt ihre Tipps gerne weiter: "Das wichtigste sind Standort und Aufmachung. Das halten wir für einen entscheidenden Teil des Erfolgsrezepts." Und sie freut sich über die Anerkennung. Denn ihre Erfahrungen sind im Netzwerk gefragt.