03.09.2019, Krefeld

Neue Förderrichtlinie für präventive Maßnahmen

Nachmittage mit Kunst, ein Ausflug in den Zoo oder neue Gruppenangebote - Einrichtungen und Vereine der Kinder- und Jugendarbeit in Krefeld können künftig Kindern und ihren Eltern solche Aktionen ermöglichen. Der neue Fördertopf gründet auf einer gemeinsam entwickelten Empfehlung des Lenkungskreises Kommunale Präventionsketten und der Verwaltung. Die neue Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zum Aufbau und zur Umsetzung der Kommunalen Präventionskette in Krefeld wurde vom Jungendhilfeausschuss beschlossen.

Durch die neue Förderrichtlinie konnte Kindern und ihren Familien eine Reihe schöner Nachmittage bescherrt werden. Etwa mit einem Farbschröpf-Kurs. Bild: Stadt Krefeld

Das Familienzentrum hat mit Kindern und Eltern den Zoo besucht – ganz ohne Eigenanteile. Bild: Stadt Krefeld

Im letzten Jahr hat die Stadt Krefeld, zusätzliche Mittel vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration zur Unterstützung von Maßnahmen im Bereich „Kommunale Präventionsketten“ erhalten. Alle NRW-Kommunen hatten die Möglichkeit, diese Mittel zu beantragen. Eingesetzt hat die Kommune Krefeld sie für präventive Zwecke im Quartiersprojekt „Rund um Bleichpfad“. „Im letzten Jahr waren es keine großen, aber dennoch sehr wirkungsvolle Aktionen“, sagt Silke Tophoven. „Es wurden zusammen Ausflüge gemacht und Eltern eingebunden. Die Kontakte verstärken sich aber dadurch natürlich und Fachkräfte können nochmal eine ganz andere Gesprächsebene eröffnen.“ Die Zusatzmittel erlaubten dem Kooperationspartner für die offene Ganztagsschule in den Herbstferien eine Kunsttherapeutin einzuladen und eine kulinarische Weltreise als gemeinsames Kochen mit den Eltern zu veranstalten. Das Familienzentrum hat mit Kindern und Eltern den Zoo besucht und das Jugendzentrum in den Herbstferien mit Familien aus dem Quartier einen Ausflug mit Übernachtung unternommen –  ganz ohne Eigenanteile. Auch eine im Quartier ansässige Familienbildungsstätte konnte so einen Ausflug mit einer Gruppe geflüchteter Frauen und ihren Kindern finanzieren. „Das waren eben Dinge, die über das Übliche, was sonst so gefördert werden kann, hinausgehen. Vor allem im Bereich Teilhabe“, sagt die Koordinatorin für Kommunale Präventionsketten in Krefeld, Silke Tophoven.

Seit 2017 nimmt die Stadt Krefeld an der Landesinitiative „Kommunale Präventionsketten NRW" teil. Ihr Ziel ist der Aufbau einer Kommunalen Präventionskette von der Schwangerschaft bis zum erfolgreichen Eintritt in das Berufsleben. Die Bereiche „Beratung", „Gesundheit" sowie „Bildung & Qualifizierung" stehen dabei in Krefeld im Fokus. Kinder, Jugendliche und ihre Familien sollen durch passgenaue Unterstützungsangebote erreicht werden, getreu dem Motto: Ungleiches, ungleich behandeln. Diesem Grundsatz nach, sollen mit der neuen Förderrichtlinie vorrangig Maßnahmen in solchen Quartieren und Stadtteilen gefördert werden, die einen erhöhten Präventionsbedarf aufweisen. Für die Umsetzung der Kommunalen Präventionskette in der Stadt Krefeld liegt ein Schwerpunkt auf der Armutsfolgenprävention. Die Maßnahmen sollen nachhaltige Formen und Ansätze der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern beinhalten und sozialraumorientiert ausgestaltet sein.

Dies sei im letzten Jahr in dem ausgewählten Quartier schon erfolgreich gestartet, sagt Silke Tophoven. Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren vor Ort habe hinsichtlich der präventiven Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einen Anschub bekommen. Mit Blick auf das letzte Jahr sagt die Koordinatorin „Was wir auf jeden Fall erreicht haben, ist die sozialräumliche Umsetzung anzustoßen. Das heißt, wir haben ein Quartier in den Blick genommen und dann haben wir Angebote vorgehalten, die den Menschen und Einrichtungen im Quartier zugute kamen. Wir versuchen zielgenauer und nachhaltiger zu unterstützen“. Das Quartier wird individuell in den Blick genommen, Ressourcen und Herausforderungen werden identifiziert und Akteure vernetzt und unterstützt. Dies soll auch Modellcharakter für andere Quartiere haben.

Was im letzten Jahr im Kleinen begann, soll jetzt größer werden. Der Jugendhilfeausschuss hat der Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zum Aufbau und zur Umsetzung der Kommunalen Präventionskette in Krefeld im Mai 2019 zugestimmt. Die Richtlinie geht auf eine Initiative von Sonja Pommeranz, Leiterin des Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung zurück, wurde von der Verwaltung ausgearbeitet und mit dem Lenkungskreis der Kommunalen Präventionsketten abgestimmt.

Gestützt auf kleinräumige Sozialdaten hat die Kommune in diesem Jahr weitere Quartiere in der Innenstadt identifiziert, in denen mehr Familien leben, die Unterstützung benötigen als in anderen Quartieren. Träger in diesen ‚Quartieren mit Präventionsbedarf‘ dürfen bevorzugt Mittel beantragen, um größere und kleinere Maßnahmen durchzuführen. „Es ist ein Testballon. Wir wissen noch nicht, wie das angenommen wird“, sagt Tophoven. „Das können einmalige Sachleistungen sein, aber auch kleinere oder größere Projekte.“ Zusätzliche Förderung können auch Maßnahmen erhalten, die zur Erfüllung der im Rahmen des Meilensteinplans „Kommunale Präventionsketten“ formulierten Ziele beitragen. So wurde im letzten Jahr ein zusätzliches Bewegungsangebot einer Grundschule gefördert, das zur Erfüllung der formulierten Ziele im Bereich Gesundheit beiträgt.

Der zusätzliche Fördertopf für kleinere und größere präventive Maßnahmen, findet Tophoven, „schafft Luft für Innovation und Kreativität“. Sie wünscht sich von der Politik: „Es wäre gut, wenn eine generell auskömmliche Finanzierung für präventive Maßnahmen, bestehen würde.“