19.03.2018, Düsseldorf

"Sind Sie bereit partizipativ zu arbeiten?"

Das 19. Lernnetzwerktreffen am 07.03.2018 stand unter dem Motto "Partizipation". Staatssekretär Bothe: Mehr finanzielle Mittel für Präventionsketten und Maßnahmenförderung in den Kommunen.

Gruppenbild der teilnehmenden Kommunen mit Familienstaatssekretär Bothe. Foto: ISA / Martin Scherag.

Staatssekretär Andreas Bothe vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integrations des Landes NRW und Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Institut für soziale Arbeit e.V.. Foto: ISA / Martin Scherag.

Ilona Heuchel (ISA) moderierte das Lernnetzwerktreffen. Foto: ISA / Martin Scherag.

Marco Becker, Arbeitsstab Kommunale Präventionsketten (links) und Familienstaatssekretär Bothe (beide MKFFI NRW). Foto: ISA / Martin Scherag.

Rund 80 Teilnehmende kamen nach Düsseldorf zum 19. Lernnetzwerktreffen. Foto: ISA / Martin Scherag.

Klaus Kaselofsky, stellvertretender Leiter des Jugendamtes Düsseldorf. Foto: ISA / Martin Scherag.

Familienstaatssekretär Andreas Bothe, MKFFI NRW. Foto: ISA / Martin Scherag.

Das Qualitätshandbuch für Kommunen "Qualitätsmanagement für Präventionsketten". Foto: ISA / Martin Scherag.

Andreas Bethmann, PartKommPlus, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin gibt einen Input zu "Partizipation". Foto: ISA / Martin Scherag.

Teilnehmerinnen im Austausch. Foto: ISA / Martin Scherag.

Eindrücke aus der Diskussionsrunde im Anschluss an den Input. Foto: ISA / Martin Scherag.

Eindrücke aus der Diskussionsrunde im Anschluss an den Input. Foto: ISA / Martin Scherag.

Im Gespräch: Dr. Regina von Görtz, Bertelsmann Stiftung und Diana Wittmann, Netzwerkkoordinatorin "Präventionsketten", Stadt Aachen. ISA / Martin Scherag.

Marco Becker, Arbeitsstab "Kommunale Präventionsketten NRW", MKFFI NRW. ISA / Martin Scherag.

Forenphase am Nachmittag. ISA / Martin Scherag.

Cathrin Zimmermann und Paul Hendricksen, (ISSAB, Universität Duisburg-Essen) gaben einen Workshop zu "Beteiligungsorientierter Angebotsentwicklung auf Quartiersebene". ISA / Martin Scherag.

Ilona Heuchel, geschäftsführender Vorstand des Opens external link in new windowISA e.V., moderierte das Lernnetzwerktreffen und führte thematisch in den Tag: Eine der großen Herausforderungen bei dem Auf- und Ausbau kommunaler Präventionsketten sei es, die in der kommunalen Verwaltung implementierten Top-Down-Strategien mit beteiligungsorientierter Angebotsplanung zusammen zu bringen. Prävention sei zunächst „Chef_innensache“, da die kommunale Spitze die strategische Entscheidung zur Entwicklung eines präventionsbezogenen Leitbilds treffen müsse. Bei der Umsetzung des Leitbilds, zum Beispiel bei der Angebotsplanung, gilt es dann, auch das Wissen der Fachkräfte und die Bedarfe der Adressaten einzubeziehen. Für die Fachleute – Planer und Koordinatoren – bedeutet dies, nicht nur die Perspektive der Adressaten bzw. der Fachkräfte einnehmen zu können, sondern darüber hinaus deren aktive Einbindung und Beteiligung für die Planung passgenauer Angebote zu fördern.

INFO: Praxisbeispiele für die beteiligungsorientierte Angebotsplanung bzw. Formate zur Beteiligung von Fachkräften und Zielgruppen gab es auch in den Foren am Nachmittag (siehe unten) sowie im Vortrag des Partizipationsforschers Andreas Bethmann aus Berlin.

Als Vertreter der gastgebenden Stadt Düsseldorf begrüßte Klaus Kaselofsky, stellvertretender Leiter des hiesigenOpens external link in new window Jugendamtes, die rund 80 Teilnehmenden. Er hat selbst in der Jugendhilfeplanung gearbeitet und auch an dem Aufbau der kommunalen Präventionskette in Düsseldorf mitgearbeitet. Die 40 Kommunen, die an der Landesinitiative „Kommunale Präventionsketten NRW“ mitwirken, erfüllen laut Kaselofsky eine Vorbildfunktion für ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus. Er lobte den praxisorientierten Ansatz der Initiative, die durch ihre sozialräumliche Ausrichtung wichtige Impulse in die Quartiere gebe. Maßgabe sei, vor Ort die Weichen für gelingendes Aufwachsen zu stellen.

 

"Beteiligung ist ein Schlüssel für die Passgenauigkeit von Unterstützungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Familien" Staatssekretär Andreas Bothe, Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration

 

Herr Staatssekretär Bothe hat die Teilnehmenden zu diesem 19. Lernnetzwerktreffen persönlich begrüßt. Seit dem vergangenen Opens external link in new windowTreffen im September sei einiges auf den Weg gebracht worden: So ist von der schwarz-gelben Landesregierung  ein KiTa-Träger-Rettungspaket in Höhe von 500 Mio. Euro sowie eine Mittelerhöhung für den Kinder- und Jugendförderplan auf 120 Mio. bewilligt worden. Ferner wurde ein weiterer Ausbau der Opens external link in new windowFamilienzentren beschlossen, es sollen im kommenden Kindergartenjahr zusätzlich 150 neue Zentren in NRW entstehen.

Die Landesregierung hat sich zudem entschieden, den Aufbau kommunaler Präventionsketten durch eine erweiterte Finanzierung zu fördern. „Gegenüber 2017 nehmen wir […] im Bereich der kommunalen Präventionsketten zusätzliche Mittel in Höhe von fast 1,7 Millionen in die Hand“ so Staatssekretär Bothe. Das bedeute annähernd eine Verdreifachung der bisher bereitgestellten Fördermittel. Ein Teil dieser Mittel fließt umgehend in die Maßnahmenförderung: „Wir wollen 2018 auch – über die Koordinierung hinaus - als notwendig erkannte Maßnahmen mitfinanzieren […] und Sie als Kommunen dabei unterstützen, selbst gesetzte Schwerpunkte Ihrer Präventionsarbeit umzusetzen.“ Dabei gelte der Grundsatz „vom Kind her denken“  um Lücken in den Präventionsketten zu identifizieren und abzudecken.

Opens external link in new windowVideo: Grußwort Familienstaatssekretär Bothe


Wie geht es 2019 weiter? - Bilanzierung der „Präventionsketten“

Die Evaluation des Projekts „Kommunale Präventionsketten“ sei Teil einer umfassenden Evaluation der familienpolitischen Leistungen des Landes. Dabei hob Staatssekretär Bothe hervor, dass die Bilanzierung der „Präventionsketten“ aus drei Teilen bestehe:

1. Der Nutzung des vorhandenen Wissens, das bei den beteiligten Kommunen, Akteuren und Projektpartnern aufgebaut werde.
2.  Den Ergebnissen der Evaluation, die im Sommer von den Evaluatoren vorgelegt werden.
3. Dem direkten Austausch des Ministers mit den Spitzen der Modellkommunen.

Aus dem Dialog mit den Kommunen seien bereits wichtige Botschaften an das Land gelangt, so Staatssekretär Bothe: "Die Kommunen haben klar gemacht, dass die Unterstützung des Landes beim Thema Prävention ausdrücklich gewollt ist." Der Staatssekretär kündigte in diesem Zuge ein weiteres Spitzengespräch an: Familienminister Stamp wird die Spitzen der teilnehmenden Kommunen erneut zu einem Dialog ins Ministerium laden – auch um die Perspektiven über 2018 hinaus zu besprechen.

 

„Partizipation ist immer wieder Aushandlungs- und Definitionssache.“

In seinem Initiates file downloadeinstündigen Input gab Andreas Bethmann Einblicke in die Partizipationsforschung, so zeigte er anhand des "Pyramidenmodells" die verschiedenen Stufen von Partizipation auf. Darüber hinaus ließ er das Publikum in einigen Anekdoten an seinem eigenen Partizipations-Erfahrungsschatz teilhaben:

„Einen guten partizipativen Prozess erkennen Sie daran, dass es Ärger gibt“
Andreas Bethmann, Opens external link in new windowPartKommPlus, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin

Bethman erläuterte wie Partizipation dazu führe, dass Adressaten beginnen, ihre eigenen Interessen verstärkt wahrzunehmen und zu äußern - durchaus nicht immer im Konsens. Bis „die Leute“, wie Bethmann Adressaten gern nennt, bereit seien, sich aktiv an einem Prozess zu beteiligen, könne es manchmal ein ziemlich langer Weg sein. Doch führe er meist zum Ziel, wenn Themen „die Leute“ berühren und dadurch subjektive Relevanz erhalten. Durch den persönlichen Bezug entwickele sich erst die Motivation, der eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen.

Wie man komplexe und „immer auch schwierige“ Beteiligungsprojekte erfolgreich durchführt, zeigten die Praxisbeispiele (Spielplatzplanung / Kochkurs für Übergewichtige Kinder). Wer selbst partizipativ tätig werden möchte, findet im Methodenkoffer hinreichend Ansätze und Praxiswissen zur Umsetzung. Und wenn´s mal wieder ganz schwierig sei -  mitten im Prozess – gibt Bethmann mit auf den Weg: "Jeder Mensch möchte Positives, es ist nur manchmal nicht leicht zu erkennen."

Opens external link in new windowVideo: Input von Andreas Bethmann zu "Partizipation"

 

Foren

Forum 1: Beteiligungsorientierte Angebotsplanung auf Quartiersebene (Praxisbeispiel: "Mobile Bildungsbaustelle")
Paul Hendricksen & Cathrin Zimmermann (Opens external link in new windowISSAB, Universität Duisburg-Essen)

Forum 2: Mehr als eine Methode: Aktivierende Befragung; Haltung und Rahmenbedingungen
Hille Richers (Freie Trainerin im Non-Profit-Bereich, Gründungsmitglied "Opens external link in new windowForum Community Organizing")

Forum 3: Formate zur Beteiligung von Fachkräften und Zielgruppen

  • "Generation Zukunft Arnsberg - ein zivilgesellschaftliches Beteiligungskonzept auf Grundlage einer Online-Befragung"
    Christian Eckhoff (Stadt Arnsberg, Leiter Opens external link in new windowFamilienbüro, Koordination "Kommunale Präventionsketten“) 
  •  „Das Elterncafé als Ort der Prävention und seine Wirkung auf den Familienalltag – Konzeption und Ergebnisse einer Fachkräftebefragung“
    Diana Wittmann (Stadt Aachen, Opens external link in new windowFachbereich Kinder, Jugend und Schule, Netzwerkkoordinatorin "Kommunale Präventionsketten")