07.06.2018, Oberhausen

„Wir brauchen Daten und Taten“

So begrüßte Ralf Güldenzopf, Derzernent für Strategische Planung in der Stadt Oberhausen die etwa 70 Teilnehmer der Frühjahrsakademie 2018 zum Thema „Stadtentwicklung und Sozialpolitik im Blick der Präventionskette“ in seiner Stadt.

Foto: ISA / Martin Scherag.

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Foto: ISA / Martin Scherag.

Foto: ISA / Martin Scherag.

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Zum fünften Mal lud die „Koordinationstelle Kinderarmut“ vom  LVR-Landesjugendamt Rheinland (LVR) zusammen mit der Landeskoordinierungsstelle „Kommunale Präventionsketten NRW “ in Trägerschaft des  Instituts für soziale Arbeit e.V. (ISA) zu einer zweitägigen Tagung ein, die das Kind in den Mittelpunkt stellte und diesmal dabei die räumliche Dimension fokussierte.

Initiates file downloadProgramm der Frühjahrsakademie 201


Alexander Mavroudis vom LVR und Maren Hilke vom ISA führten gemeinsam durch die Tage. „Die Frühjahrsakademie ist ein Forum für den interkommunalen Austausch und soll die Koordinationsfachkräfte der Kommunen dabei unterstützen, ihre Präventionsketten weiter auszubauen und dabei auch Lösungen zu finden, wie den möglichen Folgen von Armutslagen für gelingendes Aufwachsen frühzeitig begegnet werden kann“, so Mavroudis. Er betonte die gewachsene vertrauensvolle Atmosphäre zwischen allen Beteiligten und den lebendigen Dialog untereinander. Nicht zuletzt durch diese konstruktive Atmosphäre sei die gemeinsame Frühjahrsakademie zu einer allseits geschätzten Tradition geworden.

 

„Es geht um mehr als Beton“

 


betonte Hilke bei der inhaltlichen Einführung in den ersten Tagungstag. Mit dem Thema „Stadtentwicklung“ wolle man sich der räumlichen Dimension der Kinderarmut nähern und hinterfragen, wie stadtplanerische und sozialpräventive Ziele miteinander in Einklang gebracht werden können.

 

„Denn Kindheiten unterscheiden sich, je nachdem, wo man aufwächst.“

 

Das bestätigte Prof. Dr. Ing. Sabine Baumgart von der Technischen Universität Dortmund, die über „Stadt(teil)entwicklung - Gesundheit und Teilhabe“ referierte. Dabei zeigte sie am Beispiel Dortmunds auf, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen sich um ca. 7 Jahre unterscheide, je nachdem, ob sie im Süden oder im Norden der Stadt leben. Die Gründe seien vielfältig. Doch im Resultat müsse man feststellen:

 

„Wer arm ist, lebt häufiger in einer Umwelt, die krank macht.“ (Zitat: Andreas Troge)

 

Diese großen Unterschiede lassen sich an vielen Städten belegen, auch beispielsweise in London zwischen dem wohlhabenden Westen und dem ärmeren Osten der Stadt.

Um das zu ändern, muss man sich die Frage stellen: Wer trifft die Wohnraum gestaltenden Entscheidungen? Wie muss sich Stadtplanung verändern?

Baumgart ordnete die Zielsetzungen von Stadtplanung ein und stellte insbesondere eine Verknüpfung zu dem Aspekt Gesundheit her. In der Stadtplanung, die seit dem 19. Jahrhundert von den Begriffen Schutz und Vorsorge bestimmt sei, und machte Baumgart einen Paradigmenwechsel aus. Während früher rein pathogenetisch gehandelt wurde, von Krankheiten ausgehend, würde sich heute vermehrt salutogenetisch orientiert. Die vorhandenen Ressourcen werden in den Blick genommen, um eine Gesundheitsstärkung und -förderung zu erreichen.

Vorhandene Ressourcen können beispielsweise raumbezogene Daten sein, die bereits vorliegen. Baumgart sprach an das Fachpublikum aus den Kommunen die Empfehlung aus, zunächst mit den Daten zu arbeiten, die man schon hat. Bevor man sich mit langwierigen Datenerhebungen selbst den Wind aus den Segeln nimmt. Und letztlich gelte es vom Kind aus zu denken:

 

„Die Kinder ernst nehmen als Akteure in der Stadt.“

 

Dazu eignen sich auch andere Instrumente der Stadtplanung, wie Spielleitplanung oder die Gestaltung von Bildungslandschaften. 

Initiates file downloadVortrag von Prof. Dr. Ing. Sabine Baumgart


Nach dem Input von Prof. Baumgart bekamen die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen Gelegenheit zum fachlichen Austausch untereinander. In Foren stellten sieben Städte Praxismodelle vor, bei denen die Verbindung von Prävention und Stadtentwicklung gut gelungen ist.

1.      Köln: Die Bildungslandschaft Altstadt Nord

Olaf Köster-Ehling, Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft

2.      Euskirchen: Stadtentwicklung und Prävention am Beispiel der Projektarbeit im Programm „Mehr Freiraum für Kinder“

Melanie Barth, Fachbereich Schulen, Generationen und Soziales,
Stadt Euskirchen

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3.      Düsseldorf: Garath 2.0 – den Wandel gestalten

Mark Schimmelpfennig, Jugendamt der Stadt Düsseldorf
Maren Siegel, Freizeitstätte Garath/Jugendamt der Stadt Düsseldorf

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4.      Stolberg: Integrierte Stadtentwicklung im Rahmen von
„Starke Quartiere, starke Menschen“

Sabine Viethen, Jugendamt, und Leo Jansen, Amt für Soziales,
Stadt Stolberg

5.      Krefeld: Die Nachbarschaft Samtweberei – ein lebendiger Ort
für Wohnen, Arbeit, Bildung und Teilhabe

Robert Ambrée, Montag Stiftung Urbane Räume

6.      Duisburg: Stadtentwicklung und Prävention am Beispiel des Bildungscampus Marxloh

Ute Hilmer, Stadt Duisburg, Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement

Klaus-Peter Müller, Stadt Duisburg, Büro Bildungsregion Duisburg

7.      Oberhausen: place2be – Entstehung und Entwicklung einer Jugendeinrichtung in der Innenstadt

Hendrik Detmers, Jugendhilfeplanung Jugendförderung und Begleitung des Jugendparlaments

8.      Aachen: Familienfreundliche Stadtplanung

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Der Schwerpunkt des zweiten Tages lag auf den sozialpolitischen Herausforderungen, Kinder- und Jugendarmut zu begegnen. Für die Einstimmung sorgte die Journalistin und Schriftstellerin Undine Zimmer, die aus ihrem Buch „Nicht von schlechten Eltern - meine Hartz-IV-Familie“ vorlas und sehr konkrete und persönliche Einblicke in den abstrakten Begriff „Armut“ gewährte.

Dabei stellte Zimmer die grundsätzliche Frage in den Raum:

 

„Was ist Armut?“

 

Ihre Antwort ist geprägt durch die eigene Biografie. Im Kern sei es das Gefühl, „sein Leben nicht selbst gestalten zu können, seinen Platz in der Gesellschaft nicht zu finden.“

Doch wie dem entgegenwirken?

 

„Alle suchen nach dieser einen Schraube im Getriebe, die man nur drehen muss.

Aber gibt es die?“ 

 

Die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen wollen genau solche Schrauben identifizieren und begaben sich in den fachlichen Dialog. Ziel war es, konkrete Handlungsanforderungen an Kommunen, das Land und den Bund zu formulieren und diese Anforderungen in das anschließende Salongespräch der Entscheidungsträger einzubringen, die sich mit den sozialpolitischen Herausforderungen, Kinderarmut zu begegnen, auseinandersetzten.

 

Salongespräch – Diskussion mit Entscheidungsträgern

  • Manfred Walhorn, Abteilungsleiter im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW

  • Dr. Matthias Menzel, Hauptreferent beim Städte- und Gemeindebund NRW

  • Ursula Holtmann-Schnieder, Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses der Stadt Düsseldorf

  • Michaela Hofmann, Referentin beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.

  • Undine Zimmer, Schriftstellerin

 

Moderator Christoph Gilles wollte von den Diskutanten wissen:


Wie kann Prävention umgesetzt werden?“

 

Einig war sich die Runde mit der Notwendigkeit von integrierten Handlungsstrategien, die sowohl verschiedene Ebenen als auch Politikbereiche miteinander verknüpfen. Dr. Matthias Menzel sah Handlungsnotwendigkeiten auf kommunaler, Landes- und Bundesebene, um mit Prävention in die Fläche gehen zu können. Ursula Holtmann-Schnieder fordert nicht nur die Zusammenarbeit verschiedener Ämter. Sie blickte hinter die Ämterkulissen und auf deren Arbeitsplatzbewertungen. Bei Stellenbeschreibungen müsse die Präventionsarbeit bereits mitgedacht und eingeplant werden, die viel Zeit in Anspruch nehme. Manfred Walhorn hob die sozialpolitischen Herausforderungen durch die Milieukonzentration hervor, die immer mehr zunehme. Daher reiche es nicht, sich um Wohnungen zu kümmern und guten Unterricht anzubieten. Gerade was in und zwischen den Peergroups passiere, sei wichtig und im Blick zu behalten. Auch Hofmann sah eine große Herausforderung in der zunehmenden Segregation, die auch durch Armut bestimmt sei.

 

„Man sollte Menschen nicht zum Umzug zwingen.“

 

Stattdessen gelte es die Eltern zu unterstützen, damit sie ihre Kinder besser unterstützen können. Undine Zimmer bekam das Schlusswort und ging auf die Haltung ein, die man „armen“ Menschen entgegenbringen müsse.

 

„Die Menschen wollen kein Fall sein, der behandelt wird. Sie wollen selber entscheiden.“

Zimmer ermutigte die versammelten Akteure, „an die Menschen zu glauben“.