Ein chancengerechtes Aufwachsen für Kinder, Jugendliche und Familien zu gewährleisten, stellt für Kommunen ein komplexes Problem dar, das einen passenden Handlungsansatz erfordert: Um bedarfsgerechte, präventive Unterstützungssysteme für Familien zu etablieren, müssen unterschiedliche Wissensformen in kommunale Planungs- und Steuerungsprozesse integriert werden. 

Wissensbasiert Handeln bedeutet in diesem Kontext, sowohl sozialstatistische Daten als auch Fachkräfte- und Zielgruppenwissen mit Praxiswissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden. Zielführende Fragen für den Steuerungsprozess sind: Wie können die Bedingungen gelingenden Aufwachsens identifiziert und lokalisiert werden? Wie und an welchen Stellen im Prozess beteilige ich Fachkräfte und Adressaten? Wie gelingt es, ausgehend von kommunalen Herausforderungen, bedarfsgerechte Maßnahmen zu planen?

Die Ergebnisse der Entwicklungsgruppen-Treffen sind zu einer anschaulichen Prozesslogik wissensbasierten Handelns entwickelt worden, die Kommunen als Orientierungsrahmen dienen kann. Die einzelnen Schritte der Prozesslogik Strategieentwicklung, wissensbasiertes Planen und Umsetzungsphase, werden in dieser Broschüre detailliert erläutert.

Initiates file downloadBROSCHÜRE "Wissensbasiertes Handeln in kommunalen Steuerungsprozessen" [PDF]

Entwicklungsgruppe "Bedarfsorientierte Gestaltung von Zugängen zu Eltern"

Es gibt Bedingungen, die Eltern davon abhalten, präventive Angebote zu nutzen. Zahlreiche Studien, aber auch die Erfahrungen in Kommunen zeigen, dass sich eine sozial selektive Inanspruchnahme präventiver Angebote beobachten lässt. Wie müssen demzufolge Zugangswege vor Ort gestaltet werden, um allen Familien - in all ihren Unterschiedlichkeiten - die Inanspruchnahme von präventiven Angeboten zu ermöglichen?

Diese Herausforderung wird in vielen Kommunen bereits bearbeitet, so konnten punktuell schon gute Lösungswege auf Einrichtungs- und Stadtteilebene gefunden werden. Es ist also bereits viel Wissen aus Theorie und Praxis für das Erreichen möglichst aller Familien vorhanden, doch eine systematische Verwendung dieses Wissens für eine stetige und flächendeckende Qualitätsentwicklung vor Ort, steht zumeist noch aus. An dieser Stelle setzt die Entwicklungsgruppe an.

In einem vorangestellten Expertenhearing zeigten sich verschiedene Ansatzpunkte, die konkrete Möglichkeiten der Optimierung von Zugangswegen bieten. Drei dieser Ansatzpunkte wurden in der Folge systematisch betrachtet und gemeinsam mit Teilnehmenden aus den Kommunen wurden hierzu Arbeitsmaterialien für eine flächendeckende Qualitätsentwicklung erarbeitet. Die Arbeitsmaterialien widmen sich den inhaltlichen Schwerpunkten: Systematischer Aufbau von Lotsensystemen, Systematische Sensibilisierung von Fachkräften sowie Berücksichtigung von Niedrigschwelligkeit; die Materialien sind methodisch entweder als (digitaler) Leitfaden oder als Checkliste angelegt.

Die Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen haben im Rahmen des Auf- und Ausbaus von kommunalen Präventionketten vielfältige Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen der Jugendhilfe und dem Gesundheitswesen gemacht. Insbesondere im Bereich der frühen Kindheit gelingen fest verankerte Gesamtansätze, die aus dem Blickwinkel der Kinder sowohl eine fallbezogene als auch eine fallübergreifende Zusammenarbeit integrieren.

Im Rahmen dieser Entwicklungsgruppe fanden im Laufe des Jahres 2018 drei Sitzungen statt, in denen mit den Teilnehmenden intensiv Gelingensbedingungen für eine strukturelle Einbindung des Gesundheitswesens in die kommunalen Präventionsketten erarbeitet wurden.

Die folgende Handreichung soll allen eine erste Orientierungshilfe sein, die damit beginnen, das Thema Gesundheit in die kommunalen Präventionsketten vor Ort (stärker) zu integrieren. Dieser Leitfaden bietet Anregungen zur praktischen Umsetzung sowie Argumentationsgrundlagen für eine Einbindung der verschiedenen Bereiche des Gesundheitswesens in die kommunalen Präventionsketten.

Qualitätsrahmen zum Aufbau einer Präventionskette

Die Landeskoordinierungsstelle hat aus der vierjährigen Begleitung der 18 Kommunen im Modellvorhaben "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" einen Qualitätsrahmen erarbeitet. Dieser dient als Orientierungsrahmen, den es situationsadäquat zu interpretieren gilt.

Der Qualitätsrahmen besteht einerseits aus allgemeinen Präventionsleitlinien, die sich auf die Präventionskette beziehen. Die Leitlinien werden im ersten Teil der Arbeitshilfe ausführlich dargelegt. Andererseits umfasst er einen Qualitätskreislauf mit Präventionsstandards, der den Prozess des Auf- und Ausbaus von Präventionsketten formatiert und fachliche Orientierung für die inhaltliche Ausgestaltung bietet. Im zweiten Teil werden die vier Schritte im Qualitätskreislauf beschrieben. Abschließend werden anhand eines fiktiven Fallbeispiels die Prozesse innerhalb einer Kommune bei der Qualitätsentwicklung für Präventionsketten sichtbar gemacht.